mini|Regimentsfahne IR 117 mini|„A“ für Alice als Insigne des Regiments
Das 3. Großherzoglich-Hessische Infanterie-Leibregiment Nr. 117 „Großherzogin“ war ein Infanterieverband der Armee des Großherzogtums Hessen und wurde im Anschluss an die Militärkonvention 1867 unter preußisches Kommando gestellt. Es gehörte zur Mainzer Garnison und war vorwiegend dort bis 1918 stationiert.
Geschichte Aufstellung Gründungstag war der 10. Juni 1697. Ursprünglich bestand das Regiment aus drei Stammkompanien, auch Kreiskompanien genannt. Diese existierten bereits im 17. Jahrhundert und kämpften im Türkenkrieg 1663/1664 sowie 1677–79 gegen die Franzosen. 1683–88 kämpften sie erneut gegen die Türken bei Wien und in Ungarn und anschließend im Pfälzischen Erbfolgekrieg bei Mainz und Rheinfels und in den Reunionskriegen in den Niederlanden gegen die Franzosen.
Formationsgeschichte
mini|Der Schlossplatz mit Kriegshospitalkaserne bis 1898 Im Jahr 1806 wurde dem Regiment von Großherzog Ludwig I. der Name „Leibregiment“ verliehen. Das Regiment erwarb sich bei den Überschwemmungsereignissen von 1882 besondere Verdienste um seine Garnisonsstadt Mainz. Aus Anlass des zweihundertjährigen Bestehens des Regiments am 11. Juni 1897 wurde es als Ausdruck des Dankes dafür neu benannt. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein setzte die Großherzogin Victoria Melita zum ersten Regimentsinhaber ein.
Die Widmung „Großherzogin“ kam am 15. Februar 1902, kurz nach der Trennung (1901) des großherzoglichen Paars. Dem Regiment wurde der Namenszug der Großherzogin Alice verliehen. Die offizielle Order hieß:
Das 3. Großherzoglich Hessische Infanterie-Regiment (Leib-Regiment) Nr. 117 hat für die Folge den Namen Infanterie-Leibregiment Großherzogin (3. Großherzoglich Hessisches) Nr. 117 zuführen.
Garnisonen und Standorte
Das Regiment war bis 1821 in Gießen kaserniert, von 1821 bis 1860 in Worms und von 1860 bis 1872 in Darmstadt, bevor es nach dem Deutsch-Französischen Krieg am 1. Oktober 1872 in seine letzte Garnison, in Mainz, einrückte. Auch dort war es in verschiedenen Kasernen einquartiert, in Schloßkaserne (bis zu deren Abbruch am 5. Oktober 1903) und Alexanderkaserne, einzelne Regimentsteile aber auch in der Flachsmarktkaserne. Nach Fertigstellung der Alicekaserne in der Mainzer Neustadt im Jahr 1903 kam der letzte Umzug.
Uniform und Ausrüstung mini|Farbschema der Uniform, Infanterie-Leib-Regiment Nr. 117 mini|Regimentsuniform Als das Regiment 1806 seinen Namen erhielt, änderten sich auch die Uniformen. Statt weißer erhielten sie nun blaue Aufschläge. 1897 wurde das Regiment zum 200-jährigen Bestehen umbenannt. Der Namenszug wurde von da an auf Epauletten und Schulterstücken der Offiziere sowie auf den Schulterklappen der Mannschaft getragen. Von 1902 an wurde auf Epauletten, Schulterstücken und den Schulterklappen ein gekröntes „A“ für „Alice“ getragen.
Das Regiment wurde aufgrund der Farbe ihrer Rangabzeichen, Aufschläge und Schulterstücke auch die „Blauen“ genannt. Diese Kurzform diente zur einfachen Unterscheidung der Regimenter. In Mainz gab es auch noch die „Roten“ und „Grünen“ (Rote und Grüne Kaserne) nach der Farbe der großherzoglichen Regimenter. In den 42 Jahren ihrer Mainzer Garnisonszeit erhielt das Regiment auch den Spitznamen „Hackelbube“. Er weist darauf hin, dass ein großer Teil des Personals aus dem Odenwald stammte, der für seine Tannenzapfen (Hackeln) bekannt war, die damals von fahrenden Händlern in Mainz zum Feuermachen angeboten wurden.
Einsätze Das Regiment war bei allen wesentlichen militärischen Operationen des preußischen Heeres im Einsatz. Spanischer Erbfolgekrieg 1702/1704 Belagerungen von Landau in der Pfalz
Siebenjähriger Krieg Schlacht bei Roßbach
Erster Koalitionskrieg 1793 Belagerung von Mainz
Fünfter Koalitionskrieg 1809 Schlacht bei Aspern 1809 Schlacht bei Wagram
Napoléons Russlandfeldzug 1812 Schlacht bei Krasny 1812 Schlacht an der Beresina
Befreiungskriege 1813 Schlacht bei Großgörschen und Völkerschlacht bei Leipzig 1814 Gefechte bei St. Georges und Limonest
Bürgerkrieg 1849 1849 Ober-Laudenbacher Gefecht
Deutscher Krieg 1866 Gefecht bei Frohnhofen
Deutsch-Französischer Krieg 1870/71 Schlacht bei Gravelotte Schlacht bei Noisseville Schlacht bei Orléans
Erster Weltkrieg Im Verbund mit der 50. Infanterie-Brigade (2. Großherzoglich Hessische) machte das Regiment am 2. August 1914 mobil. Im Verlauf des Krieges änderte sich das Unterstellungsverhältnis und der Verband war ab dem 7. März 1915 der 49. Infanterie-Brigade (1. Großherzoglich Hessische) zugeteilt.
1914 Erste Schlacht an der Marne 1914/15 Stellungskämpfe vor Roye, Sturm auf Chaulnes (Département Somme) 1916 Schlacht um Verdun 21. Februar im Caureswald 22. Februar im Wavrillewald bei Beaumont 24. Februar bei Beaumont 25. Februar bei Louvemont 12. April die 9. Kompanie vor dem M-Raum 1916 Schlacht an der Somme 1917 Dritte Flandernschlacht 4. Oktober im Houthoulster Wald 1918 21. März bei Estrées (südlich Cambrai)
Kommandeure mini|Oberst Wigand von Gersdorff Dienstgrad Name DatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 301ff.OberstFriedrich von Nagel1. Juni 1803 bis 19. März 1809OberstleutnantFriedrich Franz Adold Beck20. März 1809 bis 24. März 1811OberstLudwig von Gall25. März 1811 bis 29. Dezember 1813Oberstleutnant/OberstChristian Zimmermann30. Dezember 1813 bis 17. November 1829Oberstleutnant/OberstFriedrich Koeniger18. November 1829 bis 30. Juni 1838OberstErnst Roeder von Diersburg1. August 1838 bis 15. August 1843OberstKarl Keim16. August 1843 bis 19. Februar 1847OberstJulius Alexander Gerlach20. Februar 1847 bis 2. April 1849OberstGeorg Dingeldey3. April 1849 bis 31. Dezember 1853Oberstleutnant/OberstWilhelm von Gerlach1. Januar 1853 bis 30. April 1859OberstleutnantGeorg Fenner1. Mai 1859 bis 18. November 1864OberstWolf von Ochsenstein19. November 1864 bis 23. Januar 1867OberstGeorg Julius Eduar Laue24. Januar 1867 bis 9. November 1869OberstLudwig von Lyncker10. November 1869 bis 18. Juli 1870 (mit der Führung beauftragt)OberstKarl Justus Friedrich Stamm24. Juli bis 10. September 1870OberstWilhelm Ernst Winter23. September 1870 bis 9. Juni 1873Oberstleutnant/OberstLudwig Erhardt10. Juni 1873 bis 14. Oktober 1879OberstJulius von Westernhagen16. Oktober 1879 bis 15. Juni 1884OberstRudolf Winterfeld16. Juni 1884 bis 17. August 1885OberstEduard Michaelis18. August 1885 bis 12. Dezember 1888OberstRobert von Wurmb13. Dezember 1888 bis 30. Juli 1891OberstErnst Bock von Wülfingen1. August 1891 bis 17. August 1895OberstJosias von Heeringen18. August 1895 bis 4. April 1898OberstEmil Kutzen5. April 1898 bis 17. Mai 1901OberstWigand von Gersdorff18. Mai 1901 bis 21. April 1905OberstFerdinand von Schlutterbach22. April 1905 bis 28. Februar 1909OberstRichard Herhudt von Rohden1. März 1909 bis 30. September 1912OberstEmmerich Raitz von Frentz1. Oktober 1912 bis 29. Mai 1914OberstRüdiger von Tiedemann30. Mai 1914 bis 29. März 1916MajorSchmidt30. März bis 9. September 1916OberstleutnantJulius Andreae10. September 1916 bis 22. Januar 1917OberstleutnantRoderich Jachmann23. Januar bis 22. April 1917OberstGünther Klotz23. April 1917 bis 14. Februar 1918OberstleutnantPeter Scheunemann15. Februar bis 23. Dezember 1918OberstleutnantPaul Platz10. Januar bis April 1919
Auflösung und Nachwirkung Verbleib Nach Kriegsende marschierten die Reste des Regiments in die Heimat zurück. Bereits am 9. Dezember 1918 wurde das III. Bataillon offiziell aufgelöst. Nachdem die ehemalige Garnison Mainz in der entmilitarisierten Zone lag, erfolgte die Demobilisierung des I. Bataillons ab 13. Dezember 1918 in Hachenburg, die des II. Bataillons ab 17. Dezember 1918 in Limburg an der Lahn. Der Regimentsstab befand sich seit Mitte Januar 1919 in Friedberg wurde dort demobilisiert und das Regiment schließlich am 30. April 1919 aufgelöst.
Aus demobilisierten Teilen wurden im Februar 1919 das I. und II. Freiwilligen-Bataillon mit 1. und 2. MG- sowie einer MW-Kompanie gebildet. Diese traten zum Freikorps Hessen über und wurden als Grenzschutz im Westerwald eingesetzt. Außerdem bildete sich noch eine Freiwilligen-Kompanie „Wiedmann“. Die beiden Freiwilligen-Bataillone gingen mit der Bildung der Vorläufigen Reichswehr im Reichswehr-Schützen-Regiment 36 auf. Die Freiwilligen-Kompanie wurde in das IV. Bataillon des Reichswehr-Infanterie-Regiments 101 übernommen.
Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 12., 14. und 15. Kompanie des 15. Infanterie-Regiments.
Denkmal Als „Regiment Landgraf“ kämpfte der Verband in den Jahren 1790 bis 1806 die Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und der Koalition durch. Die älteste Erinnerungsstätte des Regiments, das Hessendenkmal, befindet sich in der Nähe von Finthen und wurde im Jahr 1858 errichtet. Es soll an das Lager der Hessen bei der Belagerung von Mainz im Jahre 1793 erinnern.
mini|Großherzoglich-Hessischer Löwe als Insigne des Regiments im 117er-Ehrenhof mini|hochkant|Gedenkstein im Ehrenhof auf dem Mainzer Hauptfriedhof 1933 wurde vor dem Rabanus-Maurus-Gymnasium der „117er-Ehrenhof“ eingeweiht. Die Anlage ist in Buntsandstein gehalten und mit einem bronzenen hessischen Löwen (von Carl HoffmannAngela Schumacher und Ewald Wegner: Stadt Mainz. Stadterweiterungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Band 2.1. 2. Auflage). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1997. ISBN 3-88462-138-6, S. 58; Lipp, S. 51, Nr. 63; Leitermann, S. 9; Guillermo Döring: Der 117er Ehrenhof. Geschichte und Erinnerungskultur.) als Wächter ausgestattet. Auf den Sandsteinplatten sind die Gefechte des Regiments mit Datum verzeichnet. Der Ehrenhof soll die Schlachten und die Toten des Mainzer „Traditionsregimentes 117“ erinnern. Es war vorgesehen, dass die SA-Standarte 117 „Rheinhessen“ an die Regimentstradition anknüpfen sollte. Die Geschichte von Mainz als Garnisons- und Festungsstandort sollte so von den Nationalsozialisten gezielt instrumentalisiert und benutzt werden. Die Mainzer Presse berichtete in diesem Zusammenhang über die reiche Festungsgeschichte, insbesondere als 1936 erstmals nach dem Weltkrieg wieder deutsche Soldaten in Mainz einquartiert wurden. mini|Jubiläumskarte 1922
Literatur
August Justus Alexander Keim: Geschichte des Infanterie-Leibregiments Grossherzogin (3. Grossherzogl. hessisches) Nr. 117 und seiner Stämme 1677–1902. A. Bath, Berlin 1903, Digitalisat Unser Leibregiment vor 100 Jahren. Ein Beitrag zur Jahrhundertfeier für 1813 als Vortrag gehalten in der Monatsversammlung der Kameradschaftlichen Vereinigung ehemaliger 117er von Mainz und Umgebung, 8. Oktober 1913 von Carl Bömper-Lothary, Verlag: Geschäftsstelle des Hessischen Kamerad. Darmstadt. Kurt Offenbächer: Die Geschichte des Infanterie-Leibregiments Großherzogin (3. Großherzoglich Hessisches) Nr. 117. (= Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen Großherzoglichen Hessischen Kontingents. Band 340), Stalling, Oldenburg i.O. 1931. Online verfügbar: Digitalisat der Württembergischen Landesbibliothek. Festschrift zur Denkmalsweihe des 3. Großh. Hess. Infanterie Leibregiment Nr. 117 in der Garnison Mainz am 1.–3. Juli 1933, 43 Seiten. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 198–199.