mini|300px|Das Limestor in seinem historischen Umfeld. Das Limestor Dalkingen ist ein einzigartiges römisches Triumphalmonument am Obergermanisch-Rätischen Limes und zählt zu dessen eindrucksvollsten Ruinen.Dieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2., völlig neubearbeitete Auflage. Konrad Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9, S. 146; Gabriele Seitz: Rainau Buch I. Steinbauten im römischen Kastellvicus von Rainau-Buch (Ostalbkreis). Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1433-6, S. 5. Seit 2005 gehört der unter Kaiser Caracalla zur Triumphpforte ausgebaute antike Grenzdurchgang zusammen mit den gesamten römischen Limesanlagen in Deutschland zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist Teil des 1972 eingerichteten Freilichtmuseums am rätischen Limes, zu dem auch das nahe Kastell BuchKastell Buch bei . und dessen Zivilsiedlung gehören. Das 2006 zum Kulturdenkmal ernannte Tor befindet sich zwischen den Dörfern Schwabsberg und Dalkingen im Ostalbkreis, Baden-Württemberg.

Lage

In der Antike muss das Tor schon von weitem sichtbar gewesen sein, da es in exponierter Lage auf einer Hügelkuppe errichtet wurde. Nördlich dieses einstigen Grenzübergangs führt heute der Feld- und Wanderweg von Schwabsberg nach Dalkingen vorbei, der dem Verlauf des Limes folgt. Die eigentliche Schaufassade des Torhauses befand sich im Süden. Von dort kamen die Reisenden, die das Gebiet des Römischen Reiches verlassen wollten, um in den freien, unbesetzten Teil Germaniens (Germania magna) zu gelangen. Für viele von ihnen war sicher das rund zwei Kilometer südwestlich gelegene Kastell Buch mit seiner Zivilsiedlung (Vicus) die letzte Station vor beziehungsweise erste nach der Grenze. Wie das dortige reichhaltige und vielfach auch wertvolle Fundgut zeigt, dürften es die Bewohner von Buch durch den Grenzhandel zu einigem Wohlstand gebracht haben.Dieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2., völlig neubearbeitete Auflage. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9, S. 140.

Forschungsgeschichte

Wie der Flurname „Mäuerlesbüsche“ zeigt, hat sich das Wissen um ein altes Bauwerk bei Dalkingen sehr lange erhalten. Offensichtlich sind die Überreste des Tores noch lange Zeit sichtbar gewesen.Dieter Planck: Neue Ausgrabungen am Limes (= Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands. Nr. 12). Gentner, Stuttgart 1975, S. 13. Im frühen 19. Jahrhundert fand die erste bekannte Freilegung dieser Fundstelle statt.Dieter Planck: Zum Limestor von Dalkingen, Gemeinde Rainau, Ostalbkreis. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission (= Beiträge zum Welterbe Limes. 6). Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, S. 99–107; hier: S. 100. 1873Dieter Planck: Der Obergermanische und Rätische Limes. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band 2, 5, 1. de Gruyter, Berlin 1976, ISBN 3-11-006690-4, S. 432. besuchte der Archäologe Ernst von Herzog (1834–1911) im Rahmen seiner Vermessungsarbeit zum römischen Grenzverlauf den Platz. Die damals geborgenen Fundstücke gelten als verschollen. Neben Keramik fand er das bronzene Bruchstück einer weiblichen Statuette. In seinem 1880 veröffentlichten Bericht ist zudem dokumentiert, dass die „Reste eines Thurmes“ ausgegraben worden waren und noch „massenhaft“ Schutt herumlag. Er berichtete auch von einer 1873 entwendeten Platte aus dem Schutthügel, die als Eingangsstufe zum Dalkinger Kirchhof sekundär Verwendung fand.Stephan Bender: Der Postamentsockel vom Wp 12/81 bei Rainau-Dalkingen. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission (= Beiträge zum Welterbe Limes. 6). Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, S. 109–121; hier: S. 110. Im Zuge seiner Arbeiten am Limestor gelang es dem Archäologen Dieter Planck 1974, diese Kalksteinplatte wieder aufzufinden. Nach einer 1962 vorgenommenen Asphaltierung der Kirchstraße war das 1,23 × 1,21 Meter große Werkstück durch eine Waschbetonplatte ersetzt und hinter dem Friedhof abgelegt worden. Das erst ab 2010 genauer untersuchte Stück besitzt auf einer Seite ein Wolfsloch. Möglicherweise diente es als Postamentsockel für eine Kaiserstatue, die im Inneren des triumphbogenartigen Limestors aufgestellt war.Stephan Bender: Der Postamentsockel vom Wp 12/81 bei Rainau-Dalkingen. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission (= Beiträge zum Welterbe Limes. 6). Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, S. 109–121; hier: S. 111–114.

Im Frühjahr 1885 fanden erneut Ausgrabungen unter dem Landeskonservator Eduard Paulus dem Jüngeren (1837–1907) am Limestor statt, bei denen der antikenbegeisterte ehemalige Generalstabschef des württembergischen Heeres, Eduard von Kallée (1818–1888), die Bilddokumentation übernahm. 1886 folgte ein Bericht des Archäologiepioniers Karl August von Cohausen (1812–1894), der auch eine erste Rekonstruktion für das Limestor vorlegte. In der Folge fanden keine wissenschaftlichen Untersuchungen mehr statt. Der Archäologe Oscar Paret (1889–1972), der 1934 die Aufarbeitung des bisherigen Forschungsstandes für die Publikation des Limeswerks vornahm, stützte sich aus heute unerklärlichen Gründen nicht auf die Befunde von Paulus und die Veröffentlichung von Cohausen, sondern fertigte ohne eigene Grabungen einen abweichenden Plan der Anlage an. Im Ergebnis wurde das Limestor in seiner Vorstellung zu einer Feldwache, ein Kleinkastell, das baulich den angrenzenden Anlagen entsprach. Planck nahm an, dass Paret die älteren Forschungsergebnisse nicht nachvollziehen konnte. Die Folge dieser Eintragung im Limeswerk war, dass über Jahrzehnte publiziert wurde, 1885/1886 wäre die Funktion und Bedeutung des Bauwerks nicht richtig erkannt worden.Beispielsweise: Dieter Planck: Der Obergermanische und Rätische Limes. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band 2, 5, 1. de Gruyter, Berlin 1976, ISBN 3-11-006690-4, S. 432.

Erst im Zuge der Flurbereinigung führte das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg vom 25. September bis 23. November 1973 sowie vom 1. Juni bis 30. Juli 1974 unter der Leitung von Planck erneut eine flächendeckende Untersuchung durch. Es bestand damals die Gefahr, dass die noch als zwei Meter hoher Schutthügel sichtbare Anlage im Zuge von Straßenarbeiten einplaniert wird.Dieter Planck: Zum Limestor von Dalkingen, Gemeinde Rainau, Ostalbkreis. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission (= Beiträge zum Welterbe Limes. 6). Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, S. 99–107; hier: S. 101. Mit Hilfe moderner Arbeitsmethoden konnte das Gebäude damals eindeutig als mehrfach umgebautes Limestor mit angeschlossenen Räumen für eine Grenzwache gedeutet werden.

1975 wurde die restaurierte Anlage im Zuge des Europäischen Denkmalschutzjahres dem Publikum zugänglich gemacht.Dieter Planck: Restaurierung und Rekonstruktion römischer Bauten in Baden-Württemberg. In: Günter Ulbert, Gerhard Weber (Hrsg.): Konservierte Geschichte? Antike Bauten und ihre Erhaltung. Konrad Theiss, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0450-0, S. 140. Da das Limestor Dalkingen das einzige Bauwerk am Obergermanisch-Rätischen Limes ist, das zu einem Monument mit einer triumphbogenartigen FassadeDieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2., völlig neubearbeitete Auflage. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9, S. 145. ausgebaut wurde und in seiner letzten Gestaltung offenbar im Kontext mit einem datierbaren Besuch des Kaisers Caracalla zu sehen ist, hat es schon sehr früh einen besonderen Stellenwert unter den antiken Hinterlassenschaften im unmittelbaren römischen Grenzgebiet erhalten. Nach einer fragmentarisch erhaltenen inschriftlichen Quelle, den Acta Fratrum Arvalium, = Hermann Dessau, Inscriptiones Latinae selectae, Nr. 451: per limitem Raetiae ad hostes extirpandos barbarorum terram introiturus est. überschritt der Kaiser am 11. August 213 die rätische Grenze im Kampf gegen die Germanen. In der Forschung des In- und Auslandes wurde dieser Grenzübergang mehrfach mit dem Limestor in Verbindung gebracht,Dieter Planck (Hrsg.): Archäologie in Württemberg. Ergebnisse und Perspektiven archäologischer Forschung von der Altsteinzeit bis zur Neuzeit. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0542-6, S. 275. Unter den Befürwortern dieser Theorie waren 1988 die Schweizer Archäologen Walter Drack (1917–2000) und Rudolf Fellmann (1925–2013),Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 71. wobei sich 1980 mit dem Archäologen Harald von Petrikovits (1911–2010) auch Stimmen gegen diese Vorstellung gestemmt hatten.Harald von Petrikovits: Die Rheinlande in römischer Zeit, mit einem Überblick über die Rheinische Urgeschichte. 2 Bände, Schwann, Düsseldorf 1980, ISBN 3-590-34205-6, S. 317.

mini|Der im Jahr 2010 errichtete Schutzbau Als im Jahr 2000 eine umfangreiche Generalsanierung abgeschlossen war, wurde das Tor in Anwesenheit von Planck erneut der Öffentlichkeit übergeben. Im Januar 2003 stimmte der Schul- und Kulturausschuss des Ostalbkreises für den zukünftigen Erhalt der Anlage unter einem Schutzbau. 2005 erfolgte zusammen mit dem gesamten Obergermanisch-Rätischen Limes die Erhebung zum Weltkulturerbe und 2006 erklärte das Regierungspräsidium Stuttgart das Limestor zum besonders geschützten Kulturdenkmal. Die Kosten für einen Schutzbau in Höhe von 1.870.000 Euro, kamen aus Fördermitteln der Europäischen Union, der damaligen Landesstiftung Baden-Württemberg, des Landesamts für Denkmalpflege, der Denkmalstiftung Baden-Württemberg sowie des Schul- und Kulturausschusses des Ostalbkreises.Dieter Planck: Zum Limestor von Dalkingen, Gemeinde Rainau, Ostalbkreis. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission (= Beiträge zum Welterbe Limes. 6). Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, S. 99–107; hier: S. 105. Die 16 Meter hohe Stahl-Glas-Konstruktion, die den ältesten hölzernen Vorgängerbau des Limestores durchschneidet, ummantelt Teile des jüngeren antiken Baubefundes auf einer Fläche von 23 × 21 Metern. Die im Sommer 2010 durchgeführte Baumaßnahme schützt nicht nur die überdeckte antike Substanz, sondern senkt auch die bisher notwendigen Sanierungs- und Unterhaltskosten.Beschluss des Schul- und Kulturausschusses des Ostalbkreises. Abgerufen am 21. Juli 2010, Link am 28. März 2013 tot; Die Höhe des zu festgelegten Öffnungszeiten betretbaren Schutzbaus, der den bis dahin einsam gelegenen Ort durch seine eigenwillige architektonische Gestaltung dominiert, ergibt sich aus der vermuteten Höhe des einstigen Limestors. Dessen mögliches antikes Aussehen und seine Dimensionen werden im Inneren der Konstruktion mit bedruckten Stoffbahnen angedeutet, die in Originalgröße über den erhaltenen steinernen Stümpfen des Tores hängen.

Baugeschichte Insgesamt konnten die Archäologen sechs aufeinanderfolgende BauphasenDieter Planck: Zum Limestor von Dalkingen, Gemeinde Rainau, Ostalbkreis. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission (= Beiträge zum Welterbe Limes. 6). Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, S. 99–107; hier: S. 102. an den noch ungewöhnlich gut erhaltenen Gebäuderesten feststellen, wobei auch die verschiedenen Ausbauperioden der Rätischen Mauer deutlich wurden. Die Wachmannschaft für das Torhaus, bzw. die Mannschaften, welche die Wachtürme am gleichen Platz besetzt hielten, wurden mit Sicherheit vom nahen Kastell Buch gestellt.

Phase 1 mini|Phase 1