Automobiles Buc (später: Automobiles Bucciali und Bucciali Frères) war ein französischer Automobilhersteller, der von 1922 bis 1932 aktiv war. Gründer waren die beiden Brüder Paul-Albert und Angelo Bucciali.

Bucciali ist eine Marke, deren Geschichte noch immer mit vielen Fragezeichen verbunden ist. Einiges ist nach wie vor ungeklärt. Das gilt nicht nur für die Anzahl der tatsächlich produzierten Fahrzeuge, zu der sehr unterschiedliche, teilweise auch geschätzte Angaben vorliegen, sondern auch für die Frage, ob das Unternehmen überhaupt darauf ausgerichtet war, eine Serienproduktion in die Wege zu leiten, oder ob es den Gründern nur darum ging, Aufsehen erregende Traumwagen und Unikate herzustellen. Originalunterlagen der Marke sind kaum noch vorhanden. Die öffentlichen Aussagen der Gründer widersprechen in manchen Details den später gefundenen Realitäten. Das gilt auch für persönliche Auskünfte von Paul-Albert Bucciali, die er in den 1970er Jahren in hohem Alter einigen Journalisten bei deren Nachforschungen erteilte. mini|300x300px|Bucciali TAV12 „La Flèche d'Or“

Die Brüder Bucciali Die Gründung der Marke Automobiles Buc geht auf Paul-Albert „Buc“ Bucciali (* 1889 † 1981) und Angelo Bucciali (* 1891 † 1946) zurück. Die Bucciali-Brüder wurden in Boulogne-sur-Mer als Kinder des blinden Komponisten und Organisten Joseph Bucciali und seiner Frau geboren. Sie waren Franzosen mit korsischen Vorfahren.

Während Angelo Bucciali ebenfalls Musiker wurde, entwickelte Paul-Albert Bucciali frühzeitig eine Leidenschaft für Automobile und für die Fliegerei. Er soll bereits 1911, im Alter von 21 Jahren, ein Automobil besessen haben, das er – vor allem optisch – individualisierte und mit dem Namenszug „Buc“ versah. Noch vor dem Ersten Weltkrieg soll Paul-Albert Bucciali als gut bezahlter Kunstflieger ein kleines Vermögen verdient haben. Im Krieg hat er nach eigenen Angaben in der Fliegerstaffel „Groupe de Cignones“ (Storchengruppe) gekämpft.H. O. (Hans Otto) Meyer-Spelbrink: Der Flug der Störche. Die Frontantriebsmodelle von Bucciali. Oldtimer Markt, Heft 4/2016, S. 25. Stilisierte Störche fanden sich Jahre später an diversen Stellen der Bucciali-Autos.

Unternehmensgeschichte Zu Beginn der 1920er Jahre konstruierte Paul-Albert Bucciali nach eigenen Angaben sein erstes eigenes Automobil, für dessen Herstellung er zusammen mit seinem Bruder Angelo das Unternehmen Société Bucciali Frères gründete. Das Büro hatte seinen Sitz in Courbevoie bei Paris. In den folgenden Jahren wurden eine Reihe exklusiver, Aufsehen erregender Fahrzeuge unter dem Namen Bucciali (mit wechselnden Firmenbezeichnungen) vorgestellt.

Die Autos der Bucciali-Brüder sind generell in zwei Phasen einzuteilen. In der ersten, von 1922 bis 1926 dauernden Generation entstanden einige kleine, unspektakuläre Sport- und Straßenfahrzeuge, die Ansätze einer Serienproduktion sahen. In der zweiten Phase von 1927 bis 1932 entwickelten die Buccialis ausgesprochene Traumwagen mit außergewöhnlicher, innovativer Technik und Aufsehen erregenden Karosserien. Die zweite Generation brachte – soweit ersichtlich – nur Einzelexemplare hervor. Sie sind es, die den Mythos der Marke Bucciali prägten.

Der Bau der kleinen Sportwagen war nicht kostendeckend oder gewinnbringend. Bis in die späten 1920er Jahre finanzierte sich das Unternehmen daher zumindest partiell aus dem Vermögen der Familie, teilweise wohl auch aus dem Vermögen von Paul-Alberts Ehefrau. Nach einigen Berichten schien eine Fortsetzung des Betriebs in der bisherigen Art im Laufe des Jahres 1926 nicht mehr aussichtsreich. Entweder waren die familiären Mittel inzwischen aufgebraucht, oder Paul-Alberts Ehefrau war nicht mehr bereit, noch mehr Geld aus ihrer Familie in die kleine Automobilproduktion zu investieren.Eric Favre: Bucciali, la passion de la démesure. Geschichte der Marke Bucciali. In: La Gazoline., 26. Januar 2003.

Aufgrund der geringer werdenden Geldmittel änderten die Bucciali-Brüder ihr Unternehmenskonzept. Statt Automobile in Serie zu produzieren, versuchten sie ab 1926, durch die Entwicklung und den Verkauf von innovativen Antriebskonzepten – namentlich dem Frontantrieb – finanziellen Gewinn zu erzielen. Ob darüber hinaus auch die (Serien-)Produktion eigener Luxusfahrzeuge mit Frontantrieb als Option erschien, ist zweifelhaft. In der Literatur besteht inzwischen jedenfalls weitgehend Einigkeit darüber, dass die zwischen 1927 und 1932 präsentierten, sehr luxuriösen und auffälligen Frontantriebsfahrzeuge, die regelmäßig auf Automobilmessen gezeigt wurden und mit Aufsehen erregenden Karosserien versehen waren, in erster Linie als Blickfang für potentielle Geschäftspartner gedacht waren. Im Sommer 1930 schien dieses Konzept aufzugehen. Zunächst zeigte die amerikanische Peerless Motor Car Corporation Interesse am Erwerb der Bucciali-Patente, möglicherweise sogar an einem Verkauf von Bucciali-Fahrzeugen in den USA. Diese Verbindung verlief indes fruchtlos, da Peerless Anfang 1931 infolge der Weltwirtschaftskrise die Automobilproduktion (zugunsten des Bierbrauens) einstellte. Im Herbst 1930 fand sich indes mit Emile Guillet, dem Inhaber eines Pariser Karosseriewerks, ein französischer Investor, der bereit war, die weiteren Entwicklungsarbeiten zu finanzieren. Er blieb etwa eineinhalb Jahre am Unternehmen beteiligt. Im Sommer 1932 trennte man sich im Streit voneinander.H. O. (Hans Otto) Meyer-Spelbrink: Der Flug der Störche. Die Frontantriebsmodelle von Bucciali. Oldtimer Markt, Heft 4/2016, S. 29. Zur gleichen Zeit verlagerte Bucciali die Produktion der Wagen nach Angers an der Loire; in Courbevoie verblieben nur die Büros des Unternehmens.

Ende 1932, nachdem der TAV 12 (Typ 7) an einen Kunden ausgeliefert worden war, musste Bucciali die Fahrzeugproduktion einstellen. Es war den Brüdern nicht gelungen, einen zahlungskräftigen Investor zu finden oder ihre Konstruktionen gewinnbringend zu verkaufen.

Paul-Albert Bucciali arbeitete in Courbevoie weiterhin an technischen Entwicklungen. 1934 entwarf er einen kleinen aerodynamischen Sportwagen, für den ein Achtzylindermotor vorgesehen war; aus Mangel an finanziellen Ressourcen kam das Projekt nicht über das Stadium einer Studie hinaus. In den 1930er Jahren konzipierte er ein achträdriges, mit zwei Motoren von Daimler-Benz ausgestattetes Geländefahrzeug, das letztlich von Panhard & Levassor hergestellt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Bucciali bei dem französischen Getriebehersteller Cotal und entwarf dort unter anderem ein Automatikgetriebe.H. O. (Hans Otto) Meyer-Spelbrink: Der Flug der Störche. Die Frontantriebsmodelle von Bucciali. Oldtimer Markt, Heft 4/2016, S. 30. Zur gleichen Zeit entwarf er noch ein Fahrzeug für seinen eigenen Gebrauch: ein (heckgetriebenes) Auto mit einem tiefergelegten Chassis und einem Motor von Mathis, das den Kühler, nach anderen Quellen sogar die Karosserie eines Bucciali TAV 30 trug.

Fahrzeuge der Marke Buc Zwischen 1922 und 1926 produzierte die Sociéte Bucciali Frères eine Reihe kleinerer Sportwagen, die unter der Bezeichnung „Buc“ vermarktet wurden.

Im Jahr 1920 wurde das Unternehmen gegründet. Bucciali richtete in Courbevoie eine Werkstatt ein und stellte einige Mechaniker ein. Zunächst beschäftigte sich der Betrieb damit, Straßen- und Sportwagen anderer Marken zu reparieren und zu modifizieren; ab Anfang 1922 aber begann Paul-Albert Bucciali mit der Konstruktion eines eigenen Fahrzeugs. In den folgenden Jahren entstanden in Courbevoie eine Reihe unterschiedlicher Typen, die als sportliche Straßenfahrzeuge konzipiert waren, daneben aber regelmäßig auch bei Wettbewerben eingesetzt wurden.

Insgesamt war die PKW-Produktion nur mäßig erfolgreich. Die Bucciali-Brüder stellten eine Reihe unterschiedlicher Konzepte vor, konnten aber nur einzelne Modelle zu einer begrenzten Serienproduktion bringen. Paul-Albert Bucciali bezifferte den Produktionsumfang der Marke Buc rückblickend auf mindestens 100 Exemplare. Die Fachliteratur geht heute davon aus, dass insgesamt nur 17 Buc-Fahrzeuge hergestellt und verkauft wurden. Von ihnen existiert keines mehr.H. O. (Hans Otto) Meyer-Spelbrink: Der Flug der Störche. Die Frontantriebsmodelle von Bucciali. Oldtimer Markt, Heft 4/2016, S. 24.In einem Automobilmuseum in Los Angeles befindet sich ein Nachbau eines Buc.

Im Einzelnen entstanden folgende Modelle der Marke Buc:

Buc Prototyp Das erste Fahrzeug, das – soweit ersichtlich – nur als Buc (ohne weitere Typenbezeichnung) erschien, war ein kleiner Sportwagen mit einem 1,3 Liter großen Zweitakt-Zweizylindermotor. Das Triebwerk soll von einem seinerzeit bekannten Zweitakt-Spezialisten namens Marcel Violet entwickelt worden sein. Das Auto wurde von Paul-Albert Bucciali beim Grand Prix des Voiturettes in Boulogne 1922 eingesetzt und kam als Dritter ins Ziel.

Buc AB 1 Basierend auf dem Konzept dieses Sportwagens, entstand der Buc AB 1, der in technischer Hinsicht den Vorgaben des Vorgängers entsprach. Ursprünglich hatten die Brüder Bucciali einen 950 cm³ großen Zweitakt-Vierzylindermotor als Antrieb vorgesehen. Das Triebwerk erreichte allerdings nicht die Serienreife, so dass der AB 1 den gleichen Motor erhielt wie der Prototyp.Automobiles Classiques Nr. 116, S. 70. Ab Anfang 1923 entstand eine Kleinserie.

Buc AB 2 1923 entwickelte Paul-Albert Bucciali ein neues Chassis, das für einen Vierzylinder-Zweitaktmotor von Marcel Violet ausgelegt war und beim Grand Prix des Voiturettes 1923 antreten sollte. Der Motor wurde als Prototyp hergestellt und getestet; Bucciali empfand ihn aber nicht als ausgereift. Daher wurde der als Buc AB 2 bezeichnete Wagen wiederum mit dem bekannten Zweizylinder ausgestattet. Der AB 2 soll beim Grand Prix des Voiturettes einen Sieg in der Klasse „Unter 500 kg“ erreicht haben. Der Vierzylinder-Zweitaktmotor wurde schließlich 1925 in einem eigenständigen Chassis als Typ AB 5 in einem Einzelstück hergestellt. Er sah keine Serienproduktion, da sich der Herstellungsprozess als zu aufwendig und zu teuer erwies.

Buc AB 4-5 Zwischen 1925 und 1927 baute und verkaufte Buc eine Reihe von Fahrzeugen des Typs Buc AB 4-5. Hierbei handelte es sich um ein konventionelles Auto mit einem 1,6 Liter großen Vierzylinder von S.C.A.P., einem manuellen Vierganggetriebe und einer Höchstgeschwindigkeit von angeblich 100 km/h. Buc bot verschiedene Karosserieaufbauten an – eine Limousine (Berline), einen offenen Torpedo und ein Coupé –, die üblicherweise von dem Carossier Etablissements Paul Adineau, gelegentlich auch von Bonnel hergestellt wurden. Der Ty AB 4-5 wird in Veröffentlichungen regelmäßig als das erfolgreichste Buc-Modell beschrieben. Die Angaben über die Produktion gehen allerdings weit auseinander. Paul-Albert Buc sprach 1975 von insgesamt 120 Exemplaren; andere Veröffentlichungen nehmen 100 bis 200 Fahrzeuge an, wieder andere sprechen von „einer Handvoll“ oder nicht mehr als 17 Exemplaren.

In den Statistiken der Großen Preise des Jahres 1925 gibt es Hinweise auf einzelne Rennbeteiligungen des Buc AB 4-5 an französischen Rennen. Fahrer war zumeist ein Augusto Bucciali. Beim II. Großen Preis de l’Ouverture in Montlhéry kam Augusto Bucciali mit 148 Runden (von 200) als Sechster ins Ziel. Jean Celerier, der ebenfalls einen Buc bewegte, fiel aus technischen Gründen aus. Beim V. Grand Prix de Boulogne wurde Augusto Bucciali Zehnter, wobei er einen Rückstand von 75 Minuten auf den Sieger Bunny Marshall im Bugatti Type 22 hatte.

Buc AB 4E Spéciale Vom Typ AB 4-5 wurde ein Modell Buc 4E Spéciale abgeleitet, das einen 1481 cm³ großen Vierzylindermotor von CIME mit Kompressoraufladung aufwies und angeblich 150 km/h schnell sein sollte. Von diesem vornehmlich für Sportveranstaltungen gedachten Modell wurden drei Exemplare hergestellt, die allerdings im Wettbewerb nicht erfolgreich waren.

Buc AB 6