Affoltern am Albis (auf Zürichdeutsch: Affoltere [],Sprachatlas der deutschen Schweiz, Originalaufnahmen (online einsehbar via sprachatlas.ch).Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5, und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 76. Angegebene Lautschrift: [], []. salopp auch Af(f)zgi) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich und seit 1837 der Hauptort des Bezirks Affoltern (älter: Knonauer Amt, volkstümlich Söiliamt). Es ist die bevölkerungsstärkste Gemeinde sowie das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Bezirks. Die Einwohner von Affoltern heissen Affoltemer.
Seit 2001 hat Affoltern über 10'000 Einwohner und bezeichnet sich seit dem 1. Juli 2018 als Stadt.
Affoltern liegt an den bewaldeten Höhenzügen zwischen Albiskette und Reuss, die während der letzten Eiszeit geformt wurden, und ist seit dem 12. Jahrhundert namentlich bezeugt. Die politische Gemeinde gliederte sich im 19. Jahrhundert in die Zivilgemeinden Ober- und Unteraffoltern, Zwillikon und Loo-Fehrenbach.
Geographie Geographische Lage Affoltern liegt im Südwesten des Kantons Zürich und ist mit 10,56 km² nach Hausen am Albis, Mettmenstetten und Stallikon die viertgrösste Gemeinde im gleichnamigen Bezirk. Zur Gemeinde gehören die Ortschaften Affoltern und Zwillikon sowie die Weiler Loo, Ferenbach, Lochhof und Weid. Affoltern ist 15 Kilometer Luftdistanz von Zürich und ebenso weit von Zug gelegen.
Im Norden liegen Hedingen sowie ein kleiner Zipfel von Stallikon. Im Osten befindet sich die höhergelegene Gemeinde Aeugst am Albis. Im Süden liegt die flächenmässig grössere Gemeinde Mettmenstetten, im Westen Obfelden, Ottenbach und Jonen.
Gemeindegebiet mini|Sicht von Hedingen nach Affoltern, im Vordergrund der Golfplatz mini|Aufnahme des Flugpioniers Walter Mittelholzer von 1945 Der grösste Anteil des Gemeindegebiets wird von Landwirtschaftsflächen eingenommen, die 40,1 % umfassen. Weitere 28,2 % sind Wald, 24,2 % Siedlungsfläche, 6,6 % Verkehrsfläche und 0,3 % Gewässer (Stand 2018).Gemeindeporträts. Affoltern am Albis. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018. Der nächste Berg ist der dicht bewaldete, 829 Meter hohe Aeugsterberg. Die nächstgelegenen Ausflugsberge sind der 869 Meter hohe Uetliberg und der 1039 Meter hohe Zugerberg.
Auf dem Gemeindegebiet von Affoltern liegen im Norden das Unterdorf und das Hedingerfeld. Das Unterdorf zieht sich nach Westen zum Oberdorf. Das Hedingerfeld ist ein ständig wachsendes Quartier an der Grenze zu Hedingen. An einigen Stellen sind Affoltern und Hedingen schon zusammengewachsen. Im Nordosten liegt die zu Affoltern gehörende Ortschaft Zwillikon. Im Süden liegt das Industriequartier. Im Südosten liegen das Jonental und die Wasserscheide zum Reppischtal, dazwischen die Ebene des Jonenbachs. Im Westen liegt unterhalb des Mühlibergs das Oberdorf.
Geologie In geologischer Hinsicht liegt Affoltern im Molassebecken des Schweizer Mittellandes. Das Becken wurde im Verlaufe des Tertiärs mit dem Abtragungsschutt der entstehenden Alpen aufgefüllt, wobei sich die Sedimente in verschiedene Schichten unterteilen lassen. Ablagerungen unter marinen Bedingungen werden als Meeresmolasse, solche unter fluviatilen Bedingungen als Süsswassermolasse bezeichnet. Die Gemeinde liegt westlich der Albis-Bergkette in einer sich gegen die Reussebene öffnenden Moränenlandschaft.
Die entscheidende landschaftliche Überprägung erhielten Affoltern und die Region durch den Vorstoss des Reussgletschers während der verschiedenen Eiszeiten. Durch den Gletscher wurden bereits existierende Talmulden vertieft und erweitert sowie neue Täler geschaffen. Bestimmender Wasserlauf ist der Jonenbach, der in Hausen am Albis entspringt und durch Kappel am Albis, Mettmenstetten, Affoltern, Zwillikon und Jonen bis zur Mündung in die Reuss durchfliesst. Nach mehreren Überschwemmungen fanden am Jonenbach umfangreiche Hochwasserschutzmassnahmen statt. Im Jahre 2008 wurde im Jonental Richtung Kappel am Albis ein Rückhaltebecken gebaut.
Klima Affoltern liegt im Bereich der gemässigten Klimazone. Prägend für das Klima sind einerseits die Winde aus westlichen Richtungen, die oft Niederschlag heranführen, andererseits die Bise (Ost- oder Nordostwind), welche meist mit Hochdrucklagen verbunden ist, aber in allen Jahreszeiten kühlere Witterungsphasen bringt, als im Mittel zu erwarten wären. Der in den Alpentälern und am Alpenrand wichtige Föhn zeigt im Normalfall keine speziellen klimatischen Auswirkungen auf Affoltern. Die nächstgelegenen Klima-Messstationen von MeteoSchweiz befinden sich in Luzern und Zürich-Affoltern in 15 bzw. 25 Kilometern Entfernung. Beide Stationen liefern annähernd gleiche Werte. Daraus ergibt sich für Affoltern ungefähr eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,7 °C. Der kälteste Monat ist Januar mit −0,4 °C, der wärmste ist Juli mit 21,0 °C. Die Niederschlagsmenge beträgt rund 1100 Millimeter pro Jahr, wobei besonders während der drei Sommermonate aufgrund der konvektiven Niederschläge höhere Mengen gemessen werden als im Winter.
Flora und Fauna Die Flora von Affoltern und des gesamten Bezirks umfasst etwa 1100 Pflanzenarten; ohne Algen, Pilze, Flechten und Moose. In Affoltern sind Laubwälder, besonders der Waldmeister-Buchenwald, verbreitet. Auf Böden, die infolge höheren Tongehaltes oder ihrer Lage am Hangfuss bzw. an Muldenrändern feuchter sind, wird die Buche zusehends durch Berg-Ahorn und Esche verdrängt. Bärlauchfluren bestimmen deren Unterwuchs. In allen kalkreichen Laubmischwäldern ist der Türkenbund verbreitet. In der Region gibt es vor allem Vögel und Schlangen. Zugenommen haben die Bestände von Hausrotschwanz, Wacholderdrossel, Eichelhäher und Graureiher, abgenommen haben hingegen Gartenrotschwanz und der Kuckuck. Der Rotmilan ist der grösste Greifvogel in der Region.
Geschichte Ortsname Der Ortsname findet sich wohl erstmals 1044 bezeugt (Kopie aus späterer Zeit; die Zuordnung zu Affoltern am Albis ist nicht völlig sicher), und zwar in der Herkunftsbezeichnung Cuno de Affaltra («Kuno von Affoltern»). 1150 ist das Dorf als Alfeltre, vor 1190 als Afiltre und ab 1213 als Affoltre bezeugt. Die heutige Namensgestalt geht auf den Dativ der Mehrzahl des althochdeutschen Gattungswortes apholtra/affaltra («Apfelbaum») zurück, der 1249 noch in voller Form belegt ist: Cunradus et Iohannes fratres de Affoltron.
Erste Ansiedlungen Am Müliberg, im Äspli und im Dorf Affoltern wurden Grabhügel aus der Hallstattzeit gefunden. Von den an mehreren Stellen vermuteten Gutshöfen aus der Römerzeit ist hingegen bisher keine Spur nachgewiesen. Archäologische Sondierschnitte von 2001 im Rahmen des Autobahnbaus ergaben eine spärliche, aber konstante Streuung an vorgeschichtlichen und römischen Scherben, Ziegelfragmenten und Silex-Werkstücken. Bronzezeitliche Fundstellen belegen Siedlungsplätze zur entsprechenden Zeit in der Gegend und römische Funde eine intensive landwirtschaftliche Nutzung des Areals.
Mittelalter mini|Reformierte Kirche Früher gab es dem Jonenbach entlang nur vereinzelte Bauernhöfe und Ställe. Um die erste Jahrtausendwende wurde am Standort der heutigen reformierten Kirche eine Wegkapelle erbaut. Sie war quadratisch und hatte ein Ausmass von vier auf vier Meter und eine Mauerdicke von 30 Zentimetern, war in Richtung Westen geöffnet und östlich leicht abgerundet. Anlässlich der Kirchenrenovation im Jahr 1975 stiess man auf ihren Grundriss.
Im Jahr 1213 bestätigte Kaiser Friedrich II. nicht nur die Grundrechte der Klostergemeinschaft, sondern auch im selben Dokument eine erste Affoltemer Kirche. Demnach müssen die Klosterherren zwischen 1160 und 1170 einen Neubau in die Wege geleitet haben: Man riss die Mauern der bestehenden Wegkapelle nieder und fing praktisch an derselben Stelle noch einmal von vorne an. Zur Kirche gehörte ein kleines Bauerngut, dessen Ertrag dem Geistlichen zufiel. Dies steht in einer weiteren Urkunde aus dem Jahr 1303, in welcher der Name des ersten Pfarrers, Niklaus von Malters, festgehalten ist.
Die aus habsburgischer Zeit von 1173 bis 1415 überlieferten Gerichtsorte waren Rifferswil, Affoltern am Albis und Berikon.Daniel Gut: Lunnern, Londons Zwilling im Reusstal. Eine sprach- und kulturgeschichtliche Verortung von Siedlungsnamen. Books on Demand, 3. Auflage, 2010, ISBN 978-3-8370-8758-1.
Ab 1415 stand Affoltern unter der Herrschaft und Verwaltung Zürichs. In Affoltern am Albis wirkte ab 1517 der reformorientierte Leutpriester Jakob Näf. Er war verantwortlich dafür, dass 1526 die Messe abgeschafft wurde. 1528 beteiligte er sich an den Berner Glaubensgesprächen. Eine erste Auseinandersetzung in Kappel konnte durch Vermittlung durch die neutralen Orte verhindert werden und endete mit dem Ersten Kappeler Landfrieden. Der Zweite Kappelerkrieg im Jahre 1531 endete jedoch mit einer Niederlage der reformierten Orte. Zusammen mit Ulrich Zwingli kam Pfarrer Jakob Näf in der Schlacht um.
1533 zählte das Dorf 316 Einwohner, hundert Jahre später waren es doppelt so viele. In einer Schrift des damaligen Pfarrers Marx Stolz steht: «[…] beherbergte Affoltern im Jahr 1634 knapp fünfhundert Einwohner, Zwillikon deren 68 und die Weiler Loo, Fehrenbach und Loch zusammen 34. 5 Täufer und ihre Familien mitgerechnet, zählt die Kirchgemeinde jetzt 620 lebendige Seelen in 120 Haushaltungen.» Dass die Täufer separat und am Schluss erwähnt werden, weist darauf hin, dass sie auch in Affoltern einen schweren Stand hatten. 1645 wurde wegen der steigenden Bevölkerungszahl die bestehende Kirche vergrössert und in eine barocke Kirche umgewandelt. So bekam Affoltern die erste moderne Saalkirche im Kanton Zürich.
Neuzeit In den Jahren 1628/1629 und 1667/1668 wüteten Pestepidemien. In Affoltern starben über 200 Personen, ein Drittel der Bevölkerung, darunter Pfarrer Scheller mit sieben Kindern. Zu den Epidemien kamen die Hungersnöte, welche die Bevölkerung dezimierten. Zwischen 1648 und 1729 folgte eine Emigrationswelle, die bis 1750 viele Menschen nach Pennsylvania, Carolina und ins vom Dreissigjährigen Krieg entvölkerte Deutsche Reich führte. 1750 waren 10 Prozent der Bevölkerung weggezogen.
In der Landwirtschaft wurde die Dreifelderwirtschaft bis Ende des 18. Jahrhunderts beibehalten. 1786 gab es in Affoltern noch ein Dutzend Vollbauern. Baumwollspinnerei und -weberei im Verlagssystem bildeten ab 1700 eine wichtige nebenberufliche Einnahmequelle. Für ein Viertel der Einwohner war dies die einzige Erwerbsquelle. Um 1800 litten die Textilarbeiter unter dem politischen Chaos, das Napoleons Feldzüge in Europa verursachten. Nach der Niederlage der Aufständischen im Bockenkrieg von 1804 wurde unter anderem Gerichtspräsident Jakob Schneebeli als deren Anführer hingerichtet. Als Zeichen der Rehabilitation steht seit 1876 das Freiheitsdenkmal am Bahnhofplatz. Nach Napoleons Sturz 1815 hatten stark steigende Preise für Nahrungsmittel Hungersnöte und eine hohe Sterberate zur Folge.
1829 wurde die neue Landstrasse fertiggestellt. Der Bezirk Affoltern wurde 1837 gebildet und stimmt in territorialer Hinsicht mit seinem Vorgänger, dem Oberamt Knonau, überein. 1837 sicherte der Kantonsrat dem Gemeinderat Affoltern am Albis schriftlich die Verlegung des Bezirkshauptorts von Knonau ins Zentrum des Bezirks, also nach Affoltern am Albis, zu.100 Jahre Sekundarschule. 2000, S. 86.