St. Kilda ( []) ist eine isolierte vulkanische Inselgruppe, die zu Schottland gehört. Die Inseln liegen rund 64 Kilometer westnordwestlich von North Uist im Nordatlantik und werden gelegentlich zu den Äußeren Hebriden gezählt. Die Hauptinsel ist Hirta, deren Klippen die höchsten des Vereinigten Königreichs sind. Politisch gehören die Inseln zur Council Area Na h-Eileanan Siar.Steel (1988), S. 254.
Über den Ursprung des Namens St. Kilda gibt es nur Spekulationen; es handelt sich nicht um eine Benennung nach einem Heiligen. Die Hauptinsel Hirta war mindestens zwei Jahrtausende lang permanent bewohnt, wobei die Einwohnerzahl vermutlich niemals 180 überschritt und sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts konstant unter 100 bewegte. Das ohnehin karge Leben wurde später zusätzlich erschwert durch Einflüsse religiösen Eifers, eingeschleppte Krankheiten und die Folgen des Ersten Weltkriegs. Infolgedessen wurden die Inseln 1930 aufgegeben; die verbliebene Bevölkerung ließ sich aufs schottische Festland umsiedeln.Siehe besonders Maclean (1977), Steel (1988), Fleming (2005). Die Geschichte von St. Kilda ist mehrfach künstlerisch verarbeitet worden, unter anderem in einer Oper.McMillan, Joyce (3. März 2007) "St Kilda the Opera brings out the bully-boys". Edinburgh. The Scotsman. 3. März 2007. Gegenwärtig sind die Mitglieder einer kleinen, 1957 eingerichteten Militärbasis die einzigen Bewohner.Hamish Haswell-Smith (2004): The Scottish Islands. Edinburgh. Canongate. S. 314–26
Das kulturelle Erbe der Inseln besteht aus zahlreichen architektonischen Stätten aus historischen und prähistorischen Zeiten, während die frühesten schriftlichen Aufzeichnungen über das Inselleben auf das Spätmittelalter zurückgehen. Heute befindet sich die gesamte Inselgruppe im Besitz des National Trust for Scotland.Beschreibung von St. Kilda auf der Seite des National Trust for Scotland abgerufen am 19. August 2021 1986 wurde sie die erste von z. Zt. sechsStand 27. Juli 2026 schottischen Welterbestätten. Sie besitzt als einzige Stätte im Vereinigten Königreich den Status sowohl für ihre kulturellen als auch für ihre natürlichen Reichtümer."World Heritage: United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland". UNESCO. 3. Januar 2007. Die Inseln sind ein Brutgebiet für viele Seevögel, darunter Basstölpel, Papageitaucher und Eissturmvögel. Der St.-Kilda-Zaunkönig und die St.-Kilda-Feldmaus sind endemische Unterarten. Im Sommer arbeiten Freiwilligengruppen auf den Inseln, um Ruinen der Häuser zu restaurieren, die die Inselbevölkerung bei der Evakuierung zurückließ.
Herkunft der Namen mini|links|The Street mit verfallenen Häusern
Es gibt keine bekannten Heiligen mit dem Namen Kilda, weshalb zahlreiche Theorien den Ursprung des auf das spätere 16. Jahrhundert zurückgehenden Namens zu erklären versuchen.Buchanan (1983), S. 2–6. Haswell-Smith (2004) gibt an, dass der volle Name St. Kilda zuerst auf einer mit 1666 datierten niederländischen Karte zu finden ist und möglicherweise vom norwegischen sunt kelda („süßes Brunnenwasser“) stammt oder auf der fehlerhaften Annahme beruht, dass Tobar Childa nach einem Heiligen benannt sei. (Tobar Childa ist ein tautologischer Ortsname, der aus den gälischen und altnorwegischen Wörtern für Brunnen gebildet wird.) Martin Martin, der St. Kilda 1697 besuchte, glaubte, dass der Name „von einem gewissen Kilder stammt, der hier lebte; und von ihm hat auch der große Brunnen Toubir-Kilda seinen Namen“.Martin, Martin (1703).Tobar Childa und Toubir-Kilda sind ein und dasselbe mini|Die Carte of Scotlande von 1580 mit Hyrth (Hirta) links und Skaldar (Haskeir) im Nordosten
Maclean (1972) schlägt weiterhin vor, der Name sei eine Verballhornung des altnorwegischen Namens für die Quelle auf Hirta, Childa, und gibt an, dass eine Karte von 1588 die Inselgruppe als Kilda benennt. Er spekuliert auch, dass der Name sich auf die Culdeer beziehen könnte, mönchische Einsiedler, die möglicherweise das Christentum auf die Inseln brachten. Eine weitere Möglichkeit sei eine Verballhornung des gälischen Namens für die Hauptinsel, da die Inselbewohner in ihrem Dialekt „r“ eher als „l“ aussprachen und die Insel so für gewöhnlich als „Hilta“ bezeichneten.Maclean (1977) S. 33. Steel (1988) unterstützt die Idee und stellt fest, dass die Inselbewohner das „H“ auf eine „ziemlich gutturale Art“ aussprächen, was bedeutet, dass Hirta fast als Kilta ausgesprochen wurde.Steel (1988) S. 27.
Nach Maclean besteht zudem die Möglichkeit, dass die Niederländer lediglich einen kartographischen Fehler machten und Hirta mit Skildar verwechselten, dem alten Namen für die Insel Haskeir, die viel näher bei den Äußeren Hebriden liegt.Fleming (2005) S. 27. Maclean gibt nicht an, welche Insel die Verwechslung auslöste, doch Fleming setzt Skildir mit Haskeir gleich. Quine (2000) stellt die Hypothese auf, dass der Name von einer Reihe von kartographischen Fehlern kommt, die mit dem Gebrauch des altisländischen Skildir („Schilde“) beginnt, das als Skildar auf einer Karte von Nicholas de Nicolay erscheint (1583). Dies wurde, der Hypothese folgend, von Lucas J. Waghenaer auf seinen Karten von 1592 fälschlicherweise ohne das r übernommen und mit einem Punkt hinter dem S, woraus S.Kilda entstanden sei. Andere nahmen an, die Abkürzung stünde für einen Heiligen und schufen die Form St Kilda, die seit mehreren Jahrhunderten in Gebrauch ist.Quine (2000) S. 21.Nicholas de Nicolay (1583): Vraye & exacte description Hydrographique des costes maritimes d’Escosse & des Isles Orchades Hebrides avec partie d’Angleterre & d’Irlande servant a la navigation. Edinburgh. National Library of Scotland; abgerufen am 22. Dezember 2007.Martin (1703) gibt jedoch an: „Alle Seeleute nennen es St. Kila, und auf Seekarten St. Kilder, besonders auf einer niederländischen Seekarte von Irland bis Seeland, 1663 von Peter Goas in Amsterdam veröffentlicht“. Zu diesem Zeitpunkt waren Waghenaers Karten seit fast hundert Jahren publiziert, doch es ist unklar, ob seine Falschschreibung zu einem umgangssprachlichen Gebrauch führte oder ob die gesprochene Version eine ganz andere Herkunft hat. In einem späteren Abschnitt über die auf die Flannan Isles bezogenen Traditionen fügt Martin hinzu: „Es ist absolut rechtswidrig, die Insel St. Kilda (die dreißig Meilen südwärts liegt) bei ihrem irischen Namen Hirt zu nennen, aber nur das Hohe Land“. Dies bezieht sich auf die Gewohnheit der Einwohner, Hirta als „das Hohe Land“ und Boreray als „das Nordland“ zu bezeichnen. Siehe Fleming (2005).
mini|links|The Street mit restaurierten Häusern
Die Ursprünge des Namens Hirta, der deutlich älter ist als St Kilda, ist ähnlich offen für Interpretation. Martin (1703) behauptet, dass „Hirta vom irischen Ier kommt, was in dieser Sprache ‚Westen‘ bedeutet“. Maclean schlägt mehrere Alternativen vor, darunter ein (nicht näher spezifiziertes)Haswell-Smith (2004) schlägt vor, dass es EI hirt sein könnte, was gefährlich oder totenähnlich bedeute. keltisches Wort mit der Bedeutung „Finsternis“ oder „Tod“, oder das schottisch-gälische h-Iar-Tir („Westland“). Sich auf eine isländische Saga beziehend, die eine Fahrt nach Irland im 13. Jahrhundert beschreibt und einen Besuch der Inseln Hirtir erwähnt, spekuliert er, dass die Form Hirtas einem Hirsch gleiche, Hirtir („Hirsche“ auf Norwegisch). Steel (1988) zitiert die Ansicht von Reverend Neil Mackenzie, der von 1829 bis 1844 dort lebte, dass der Name vom gälischen I-Àrd („Hohe Insel“) käme, und dass es außerdem vom norwegischen Hirt („Schäfer“, „Hirte“) kommen könnte.Steel (1988) S. 26–27. Murray (1966) spekuliert ähnlich, dass das norwegische Hirðö („Herdeninsel“) der Wortursprung sein könnte.W.H. Murray (1966) The Hebrides. London. Heinemann, S. 196, 236. Alle Namen der Inseln und auf den Inseln werden von Coates (1990) diskutiert.Richard Coates (1990).
Geographie mini|Der Archipel von St. Kilda
Mit 670 Hektar ist Hirta die größte Insel der Gruppe und umfasst 78 Prozent des Landgebietes St. Kildas. Die nächstgrößten Inseln sind Soay („Schafsinsel“) mit 99 Hektar und Boreray („die befestigte Insel“) mit 77 Hektar. Soay liegt ca. 500 Meter nordwestlich von Hirta, Boreray 6 Kilometer nordöstlich. Weitere kleine Inseln und Felsnadeln sind Stac an Armin (9,9 Hektar) („Die Felsnadel des Kriegers“), Stac Lee (2,3 Hektar) („Graue Felsnadel“) und Stac Levenish (2,43 Hektar) („Strom“ oder „Sturzbach“).Quine (2000) S. 99, 109, 111, 125, 137, 145. Die Insel Dùn („Festung“), die Village Bay vor den vorherrschenden Südwestwinden schützt, war mit Hirta einst durch einen natürlichen Bogen verbunden. MacLean (1972) erklärt, dass der Bogen von einer spanischen Galeone gebrochen wurde, die nach der Niederlage der Spanischen Armada floh, doch andere Quellen wie Mitchell (1992) und Fleming (2005) vermuten, dass der Bogen von einem heftigen Wintersturm weggefegt wurde.Maclean (1977), S. 18.Fleming (2005) S. 64.
mini|links|Hirta und Dùn
Der höchste Punkt der Inselgruppe, Conachair („die Bake“) mit 430 Metern, befindet sich auf Hirta, direkt im Norden des Dorfes. Im Südosten befinden sich Oiseval („Ost“) und westlich davon Mullach Mòr („großer Hügelgipfel“), die 290 bzw. 361 Meter hoch aufragen. Ruival („Roter Fjell“, 137 Meter) und Mullach Bi („Säulengipfel“, 358 Meter) dominieren die westlichen Klippen. Die höchsten Punkte auf Boreray und Soay befinden sich 384 bzw. 378 Meter über dem Meer. Stac an Armin erreicht 196 Meter und Stac Lee ist 172 Meter hoch, womit sie die beiden höchsten im Meer befindlichen Seenadeln Britanniens bilden. National Trust for Scotland; abgerufen am 6. Januar 2007.Die angegebenen Höhen stammen von Haswell-Smith (2004), obwohl die Website des National Trust 191 und 165 Meter angibt.
In modernen Zeiten war die einzige Ansiedlung auf St. Kilda an der Village Bay ( oder ) auf Hirta. Gleann Mòr an der Nordküste Hirtas sowie Boreray weisen ebenfalls Spuren früher Besiedlung auf.Maclean (1977), S. 19. Wenn man sich Village Bay von See aus nähert, erinnert die Szene an eine kleine Siedlung, die im Halbkreis von Hügeln umgeben ist. Dieser Eindruck ist allerdings irreführend.Baxter and Crumley (1988), S. 87. „Village Bay und seine Hügel… eine erstaunliche Täuschung, eine meisterhafte St. Kildaer Täuschung.“ Der gesamte Nordhang des Conachair ist eine senkrechte Klippe von bis zu 427 Metern Höhe,J. Keay und J. Keay (1994) Collins Encyclopaedia of Scotland. London. HarperCollins. S. 840–2. die direkt ins Meer abfällt und die höchste Meeresklippe des Vereinigten Königreiches bildet.Siehe etwa Steel (1988)
mini|hochkant|Die einem Gesicht ähnelnden Klippen von Stac Levenish
Obwohl St. Kilda 64 Kilometer vom nächsten Landgebiet entfernt liegt, ist die Inselgruppe auch von den 129 Kilometer entfernten Cuillin Hills auf Skye zu erkennen.Murray (1966), S. 163. Das Klima ist ozeanisch, mit hohen Niederschlagswerten (1.400 mm) und hoher Feuchtigkeit. Die Temperaturen sind bei einem Durchschnitt von 5,6 °C im Januar und 11,8 °C im Juli generell kühl. Die vorherrschenden Winde, besonders stark im Winter, kommen aus Süden und Südwesten. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Winde bewegt sich hier in etwa 85 % der Zeit um 13 km/h und in über 30 % der Zeit um 24 km/h. Sturmartige Winde treten in weniger als 2 % der Zeit auf, doch Böen von 185 km/h und mehr treten in den höheren Lagen regelmäßig auf, und auch auf Meereshöhe wurden Geschwindigkeiten von bis zu 209 km/h beobachtet. Der mittlere Tidenhub beträgt 2,9 Meter, die Wellenhöhe im Mittel ungefähr 2 Meter, während 10 % des Jahres allerdings 5 Meter, was eine Landung ganzjährig erschweren oder verhindern kann. Die Lage im Ozean schützt die Insel jedoch vor Schnee, der pro Jahr lediglich etwa zwölf Tage liegt.