Operation Power Pack war eine multinationale, von den Vereinigten Staaten geführte und vom 28. April 1965 bis zum 21. September 1966 andauernde militärische Intervention in der Dominikanischen Republik.
Hintergrund Nach der langjährigen Diktatur von Rafael Leónidas Trujillo Molina wurde im Dezember 1962 Juan Bosch als Präsident der Dominikanischen Republik gewählt. Bosch war Kandidat und 1939 Gründer der Partido Revolucionario Dominicano (PRD), einer Oppositionspartei zur Diktatur von Trujillo. Er trat sein Präsidentenamt im Februar 1963 an. Zu seinem Regierungsprogramm gehörten eine verteilende Landreform und die Verstaatlichung einiger ausländischer Investitionen, worauf die Investoren mit einem Militärputsch von General Elías Wessin y Wessin reagierten. Bosch ging ins Exil nach Puerto Rico zu Verwandten seiner Mutter.
Wessin war Befehlshaber des Centro de Entrenamiento de las Fuerzas Armadas (CEFA) von etwa 2.000 trainierten Infanteristen, welche auf der San Isidro Air BaseSan Isidro Air Base (engl.) stationiert waren. Die Truppe war mit Panzern, rückstoßfreien Geschützen und einem Schlachtflugzeug ausgerüstet. Eine selbständige Armee, welche ursprünglich für Ramfis Trujillo,Ramfis Trujillo (engl.) dem Sohn von Rafael Leónidas Trujillo Molina, zum Schutz des Diktators aufgestellt wurde, um über die anderen Truppengattungen zu wachen.
Am 26. September 1963 wurde die Staatsführung an ein ziviles Triumvirat aus Emilio de los Santos, Manuel Enrique Tavares Espaillat und Ramón Tapia Espinal übergeben. Dieses erklärte die Verfassung von 1963 für nicht existent. Gegen diese Usurpation wehrte sich die Bevölkerung mit Streiks. Die Anhänger der Verfassung von 1963 bezeichneten sich als Constitutionalistas.
Die aktivsten Parteien bei diesen Aktionen waren die Partido Revolucionario Dominicano und Partido Reformista Social Cristiano.Partido Reformista Social Cristiano (span.) Vertreter der beiden Parteien einigten sich bei Juan Bosch in der Universität von Puerto Rico. Ein Gegenputsch wurde für den 26. April 1965 vereinbart.
Samstag, 24. April 1965 Am Morgen des 24. Aprils 1965 erhielt der Chef des Generalstabes General Marcos Rivera Cuesta die Anweisung, eine Gruppe von Offizieren zu verhaften. In der Kaserne Campamento 16 de agosto wurden die Offiziere Hernando Ramírez und Álvarez Holguín, der Major Juan Lora sowie der Teniente Noboa Garner verhaftet und in den Generalstab gebracht. Der Capitán Mario Peña Taveras begab sich zum Büro von General Rivera Cuesta, ließ ihn festnehmen, übernahm die Leitung der Kasernen Campaniento 16 de Agosto und Campaniento 27 de Febrero und ließ seine verhafteten Kameraden frei.
Um 13:30 besetzten Constitutionalistas einen privaten Radiosender, erklärten, dass sie den Chef des Generalstabes gefangen genommen hätten, und riefen die Bevölkerung auf, Donald Reid Cabral zu stürzen.
Dr. José Francisco Peña GómezJosé Francisco Peña Gómez (span.) rief im Rundfunk das Volk dazu auf, die Waffen gegen das Triumvirat zu erheben und die Regierung an Juan Bosch zu geben. In derselben Nacht rief Donald Reid Cabral über den Rundfunk die Aufständischen dazu auf, die Waffen niederzulegen.
Sonntag, 25. April 1965 In den ersten Morgenstunden kamen constitutionalistische Militärs nach Santo Domingo und zwangen Reid Cabral zum Rücktritt. Die Bevölkerung besetzte den Regierungssitz, den Palacio Nacional, um den Gegenputsch zu unterstützen.
Im Palacio Nacional bildete sich das Comando Militar Revolucionario aus den Obersten Vinicio A. Fernández Pérez, Giovanni Gutiérrez Ramírez, Francisco Alberto Caamaño Deñó sowie Eladio Ramirez Sánchez und übernahm die Macht um 10:30 Uhr.
Am Abend übergaben sie die Präsidentschaft an José Rafael Molina Ureña.
In San Juan erklärte Bosch, er käme nach Santo Domingo, sobald ihm die LuftwaffeDominican Air Force (engl.) ein Flugzeug senden würde.
Das Kommando des Luftwaffenstützpunktes San Isidro aus den Generälen Wessin y Wessin und Imbert Barrera opponierte gegen die Rückkehr von Juan Bosch und die Verfassung von 1963.
In San Isidro starteten statt der Douglas DC-3 nach San Juan North American P-51 sowie De Havilland D.H.100 und griffen den Palacio Nacional und die Puente Duarte, an.Time, 7. Mai 1965, The Coup That Became a War
Montag, 26. April 1965 Das Bombardement des Palacio Nacional und anderer Stadtviertel in Santo Domingo wurde am Vormittag fortgesetzt. Auf dem Stützpunkt San Isidro 40 Kilometer nordwestlich vor Santo Dominigo bereitete General Elías Wessin y Wessin die Besetzung von Santo Dominigo vor.
Dienstag, 27. April 1965 Die Kriegsmarine nahm mit dem Beschuss von Santo Domingo auf Seiten von Wessin Stellung. Von den Schiffen wurde der Palacio Nacional beschossen, in welchem sich Rafael Molina Ureña befand. Die Bevölkerung versuchte, mit Spiegeln die Piloten zu blenden.
José Rafael Molina Ureña, Mitglieder seiner Regierung wie die Obersten Vinicio Fernández Pérez, Giovanni Gutiérrez, Rafael Fernandez Dominguez und weitere Mitglieder der Partido Revolucionario Dominicano, begaben sich in die US-Botschaft zu Botschafter William Tapley Bennett Jr. und baten ihn um Mediation. Dieser telefonierte mit Caamaño und erklärt ihm, dass nur noch er zu dem Treffen fehlen würde. Caamaño antwortet, Bennett solle Wessin sagen, er solle das Bombardement einstellen, worauf der Botschafter erwiderte, nun sei nicht die Zeit zu verhandeln, sondern sofort zu kapitulieren. Rafael Molina Ureña trat zurück und suchte in der Botschaft von Kolumbien Asyl; ihm folgten weitere Constiutionalistas. Als die Regierung der Constitucionalistas die US-Botschaft verließen, kam Francisco Alberto Caamaño Deño und erklärte, „erlauben sie mir ihnen mitzuteilen, dass wir weiter kämpfen werden, komme, was kommen wolle“.
Nachdem er die Botschaft verlassen hatte, wandte sich Caamaño mit weiteren Mitarbeitern zur Brücke Puente Duarte über den Río Ozama, auf welcher die Truppen von Wessin ins Stadtzentrum vorzudringen versuchten.
Den Constitucionalistas gelang es, mit Barrikaden und Molotowcocktails die Puente Duarte zu blockieren.
Als Juan Bosch in Puerto Rico erfuhr, dass ihn die US-Behörden weder ausreisen ließen noch die Constitutionalistas über ein Flugzeug verfügten, welches ihn hätte holen können, ernannte er Oberst Caamaño zu seinem Vertreter. Das Parlament traf sich zu einer Notsitzung und ernannte Caamaño zum Präsidenten der Dominikanischen Republik. Juan Bosch verfasste Artikel für die Chicago Daily News.Chicago Daily News (engl.)
Mittwoch, 28. April 1965 Auf dem Stützpunkt San Isidro wurde auf Weisung der US-Botschaft eine Militärjunta unter Leitung von Oberst Pedro Bartolomé BenoitPedro Bartolomé Benoit (schwed.) gebildet.
In den frühen Morgenstunden starteten die Constitutionalistas unter dem Kommando von Oberst Lora Fernández einen Angriff auf die Festung Ozama, den Sitz der Cascos Blancos, der Militärpolizei.
Am Morgen erklärte US-Präsident Lyndon B. Johnson, die Vereinigten Staaten würden eine kleine Truppe zum Schutz der Einfriedung der US-Botschaft und der US-amerikanischen Bürger entsenden.
Teile der 2. US-Marineinfanteriedivision landeten und wurden später durch Teile der 82. US-Luftlandedivision ergänzt. Unterdessen blockierten 41 Schiffe der VII. Flotte der US NavyUnited States Seventh Fleet (engl.) Santo Domingo und beschossen es.
Die 400 USMC unter dem Kommando von Bruce Palmer, Jr.Bruce Palmer, Jr. (engl.) begannen die Evakuierung von Ausländern aus Santo Domingo.
Mit der Blockade der Puente Duarte kontrollierten die Constituionalistas das Stadtgebiet von Santo Domingo.Areíto, 24. April 2009,
Am Abend des 28. Aprils 1965 sandte US-Botschafter William Tapley Bennett Jr. ein Fernschreiben, die Generäle von San Isidor seien zurückgedrängt worden, einige würden heulen und hysterisch einen Rückzug fordern. Der US-Botschafter fügte hinzu, dass Anhänger von Fidel Castro sich siegreich erhoben hätten. Durch diese Einschätzung positionierte sich die Regierung Johnson gegen die Constititionalistas. Es wurde eine Kampagne zu ihrer Diskreditierung entwickelt, welche mit antikommunistischen Reflexen arbeitete, die Kubakrise war noch präsent und der Vietnamkonflikt war seit 5. August 1964 ein vom Kongress abgesegneter Krieg.William Tapley Bennett Jr., 77, Envoy to Dominican Republic. In: The New York Times, 1. Dezember 1994
Donnerstag, 29. April 1965 Die Constitucionalistas stürmen die Festung Ozama und verteilen das Waffenlager an die Bevölkerung.
Lyndon B. Johnson erklärte, die USA könnten es nicht erlauben, dass sich eine weitere kommunistische Regierung in der Westlichen Hemisphäre etabliere. Die Abteilung Westliche Hemisphäre wurde im Außenministerium der Vereinigten Staaten vom Assistant Secretary of State for Western Hemisphere Affairs,Assistant Secretary of State for Western Hemisphere Affairs (engl.) Thomas C. Mann aus Texas, geleitet.
Freitag, 30. April 1965 Nach Santo Dominigo kam John Bartlow Martin,John Bartlow Martin (engl.) der Sondergesandte von Johnson. Unter seiner Aufsicht löste sich die Junta von Benoit auf und es wurde die Gobierno de Reconstrucción Nacional unter der Präsidentschaft von Antonio Imbert Barrera gebildet.
"Interamerikanische Friedenstruppe" mini|300px|Hauptquartier der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Interamerikanischen Friedenstruppe und Verteilung von Sanitätseinrichtungen während der Besetzung von Santo Domingo:1) Hauptquartier, Streitkräfte der Vereinigten Staaten2) Hauptquartier, Interamerikanische Friedenstruppe3) Kompanie D, 307. Medizinisches Bataillon im Colegio Maria Auxiliadora4) Kompanie C, Verbandplatz5) 15. Feldlazarett6) Kompanie C bei Camp Randall
mini|Offiziere des Gesundheitswesens von der Armee der Vereinigten Staaten zu Beginn in Santo Domingo. Mai 1965 mini|Honduranische Soldaten, erste Truppen der Interamerikanischen Friedenstruppe kommen zur Friedenssicherung
Am 6. Mai 1965 stimmte die Organisation Amerikanischer Staaten mit 14 zu fünf Stimmen bei einer Enthaltung der Entsendung einer "Interamerikanische Friedenstruppe" in die Dominikanische Republik zu.John S. Clark, Major USAF, Keeping the Peace, Regional Organizations and Peacekeeping, School of Advanced Aripower Studies, Air University, Air Force Base, Alabama, November 1997
Francisco Alberto Caamaño klagte vor den Vereinten Regierungen auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Vor dem UN-Sicherheitsrat bezeichnete der Delegierte der Sowjet-Union, Nikolai FedorenkoderNikolai Fedorenko (engl.) das Vorhaben als „verbrecherische Aggression“, Frankreichs UN-Botschafter Roger SeydouxRoger Seydoux (frz.) sprach von einer „echten bewaffneten Intervention“.
Wie im Fall von Operation PBSUCCESS bestritt der US-UN-Delegierte Adlai Ewing Stevenson die Zuständigkeit und verwies auf die einschlägigen Abkommen der Organisation Amerikanischer Staaten.
Die US-Truppen sicherten ab dem 14. Mai 1965 einen Safety Corridor, welcher den Stützpunkt San Isidro Air Base über die Puente Duarte mit der US-Botschaft im Zentrum von Santo Domingo verband. So schlossen sie in der Rolle einer formal neutralen Macht das Herrschaftsgebiet der Constitutionalistas ein, stützten die ihnen hörigen Generäle und konnten kontrollieren, wann Juan Bosch zurückkehrte.