mini|Tintenfass mini|Tintenpatronen mini|Werbeschaltung für Tinte, Bruneck 1915 (Pustertaler Bote) Tinte (historisch auch Dinte, „gefärbtes Wasser“) ist eine intensiv gefärbte und färbende Flüssigkeit. Neben dem händischen Auftragen mit Federkielen, Pinseln oder Füllfederhaltern beim Schreiben, in der Kalligrafie und beim Zeichnen sind auch automatisierte Tintenstrahlverfahren von zunehmender Bedeutung in der Textverarbeitung oder Warenauszeichnung. Tinte besteht meist aus einer Lösung oder Dispersionen von Farbmitteln in Wasser oder anderen Lösungsmitteln, die wenig oder keine Bindemittel enthalten.
Tusche ist eine spezielle Form von Tinte, die sich aufgrund der Pigmentierung durch eine kräftige Farbe auszeichnet. Häufig enthält sie ein Bindemittel, und der Schriftzug ist wasserfest.Richard Rothe: Die Tusche und ihre Techniken. (Bücherei der Quelle; H. 27) Deutscher Verlag für Jugend und Volk, Wien 1926.
Geschichte mini|hochkant|Tintenstrich bei 50-facher Vergrößerung mini|Mit Füllfederhalter geschriebener Term mini|hochkant|Eisengallustinte
Tinte wurde in Ägypten bereits um 3000 v. Chr., in China um 2600 v. Chr. verwendet. Gewöhnliche schwarze Tinte wurde lange Zeit aus Ruß und verschiedenen Bindemitteln, wie Gummi arabicum, hergestellt (Rußtinte) und erst um 1000 v. Chr. in Fernost durch Tusche (Indische Tinte) ersetzt. Diese wurde aus dem Ruß von verbrannter Nadelholzkohle und Lampenöl hergestellt und, mit einem Leim aus Gelatine vermischt, in Stangen gepresst und getrocknet. Die Tuschestange wurde zum Gebrauch mit Wasser verrieben, bis die gewünschte Deckkraft erreicht war. Diese Methode hat sich in der Kalligrafie erhalten.
Eine bedeutende Erfindung war die Herstellung der Eisengallustinte durch Abkochen von Galläpfeln mit Eisensulfat und anschließender Zugabe von Gummiwasser. Der früheste bislang nachgewiesene Einsatz von Eisengallustinte stammt aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Das Evangeliar von Vercelli enthält den ältesten bisher bekannten Nachweis dieser Tintenart. Eisengallustinte gilt als besonders beständig und wird noch heute als dokumentenechte Tinte verwendet.
Cicero berichtete erstmals von einem Rezept, bei dem die Tintenbeutel von Tintenfischen getrocknet und gemörsert wurden. Der daraus gewonnene braunschwarze Farbstoff wird nach dem Gattungsnamen Sepia genannt und ist zum Färben von Lebensmitteln zugelassen. Die Verwendung von Sepiatinte ist allerdings erst ab 1780 belegt.
Im Mittelalter wurden einige Rezepturen mit unterschiedlich farbigen Pigmenten entwickelt. Es wurde mit Quecksilber umgesetztes Arsen(III)-sulfid eingesetzt, um ein goldfarbenes Pigment zur Herstellung der Goldtinte zu erhalten. Mit dekorativer Wirkung fand Silbertinte Verwendung.Vera Trost: Gold- und Silbertinten Technologische Untersuchungen zur abendländischen Chrysographie und Argyrographie von der Spätantike bis zum hohen Mittelalter. (Phil. Diss. Würzburg 1983), Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1991, ISBN 978-3-447-02902-5. Die Verbreitung von Federkielen führte später zur Entwicklung der Dornrindentinte, die nicht so schnell eintrocknete wie Eisengallustinte und daher den Federkopf seltener verstopfte. Letztere blieb jedoch weiterhin vor allem für langfristige Dokumentationen und in Archiven die am häufigsten eingesetzte Rezeptur. Eine typische Tinte der Zeit vom 15. bis 18. Jahrhundert ist der Bister.
Mit der Entwicklung der modernen Chemie im 19. Jahrhundert wurde eine Vielzahl von Farbstoffen entdeckt und nach Möglichkeit zum Schreiben und Malen eingesetzt. Da wasserlösliche Farbstoffe jedoch oft nur eine geringe Lichtechtheit aufweisen und zudem leicht auswaschbar sind, entstanden bald Richtlinien für die Zusammensetzung von Tinten zum Erstellen von permanenten Dokumenten. So wurde 1856 erstmals ein Rezept für eine Eisengallustinte veröffentlicht, deren Bestandteile erst nach dem Trocknen wasserunlöslich wurden und das einen künstlichen, wasserlöslichen Farbstoff enthielt, damit das Geschriebene schon vor dem Eintrocknen sichtbar war. Ab 1868 war der Apotheker Eduard Beyer (Unternehmer) (1825–1907) in Chemnitz einer der führenden europäischen Produzenten von Tinten mit weltweitem Exportgeschäft.
Mittlerweile ist eine breite Palette an Tinten für verschiedene Einsatzmöglichkeiten erhältlich. Durch die Erfindung von automatisierten Systemen wie dem Tintenstrahldrucker wurden Tinten notwendig, die spezielle Eigenschaften wie freie Mischbarkeit (um unterschiedliche Farbtöne erzeugen zu können) und extrem schnelle Trocknungszeiten vereinen.
Tintenarten mini|Farbige Tinte. Vorne: Glasfeder mini|hochkant|Nachfüllflasche für Tuschefüller, hier für Zeichnungen auf nicht mattierten Zeichenfolien. Wasserfest, nicht anlösend, auf Latexbasis hergestellt (vor 1990).
Tinten mit löslichen Farbmitteln Bei löslicher Tinte sind die Farbstoffe chemisch in dem jeweiligen Medium gelöst oder als Komplex gebunden. Vorteile sind eine leichte Handhabbarkeit, da die Farbstoffe sich nicht ablagern (sedimentieren) können und dünne Federn oder Düsen werden auch nicht verstopft. Nachteilig ist die oft geringe Lichtechtheit und Beständigkeit gegenüber Chemikalien.
Tinte auf Wasserbasis Wasserlösliche Tinte wird vor allem für das Schreiben oder Markieren auf Papier eingesetzt, da wässrige Tinten nicht durch das Papier schlagen und es hierbei nicht so sehr auf die Trocknungsgeschwindigkeit ankommt. Wässrige Tinten trocknen wesentlich langsamer als Tinten auf Basis anderer Binde- und Lösemittel. In Ländern mit hoher Luftfeuchtigkeit werden für Anwendungen auf glatten Oberflächen Tinten auf Lösungsmittelbasis benutzt.
Eisengallustinte Moderne Eisengallustinten sind zweistufig aufgebaut. In der Flüssigkeit liegt Eisen(II)-sulfat neben Gallat farblos in Lösung vor, die dunkle Färbung (um den Schriftzug zu verfolgen) wird durch einen ebenfalls löslichen dunklen Farbstoff erreicht. Beim Trocknen an der Luft wird das Eisen(II) dann zu Eisen(III) oxidiert und es entsteht der tiefschwarz gefärbte Eisen(III)-gallat-Komplex. Daher sind Eisengallustinten nach der Öffnung nur begrenzt haltbar.
Aufgrund der verbreiteten Verwendung von Eisengallustinte in der Vergangenheit sind die langfristigen Reaktionen zwischen Bestandteilen der Tinte und den verwendeten Schreibgründen von enormer Bedeutung für die Bestandserhaltung von Schriftstücken. Durch komplizierte chemische Reaktionen entstehen im Laufe der Zeit Schwefelsäure und freie Eisen(II)-Ionen, die Schreibgründe wie Papyrus oder Papier zersetzen können. In Anlehnung an den Säurefraß wird dieser Vorgang auch Tintenfraß genannt. Während als Gegenmaßnahmen hierzu in den letzten Jahrhunderten vor allem chemische Maßnahmen eingesetzt wurden (unter anderem Nitrozellulose), konzentrieren sich moderne Methoden lediglich auf die schonende Neutralisation der Säure und auf die Wiederherstellung der Papierstabilität (beispielsweise durch das Papierspaltverfahren).
Antike indische Tinte In Indien wurde früher Tinte aus Kuhurin für Indischgelb, Fruchtfleisch und verschiedenen Baumrinden und oft mit dem Blut von Aalen oder Welsen hergestellt, es wurde auch Rost aus Eisenwerkzeugen oder Nägeln für einen intensiven schwarzen Farbton hinzugefügt.Reviving Assam’s ancient ink In: The Hindu. 19. März 2017.
Lösungsmittelbasierte Tinte Lösungsmittelbasierte Tinte (anlösende Tusche) wird vor allem für das Schreiben auf glatten Oberflächen (Glas, Folien) verwendet. Auf Papieren schlägt sie sehr stark durch und verläuft. In Frage kommende Lösungsmittel sind meist Ethanol und Ethylacetat oder andere Carbonsäureester, in seltenen Fällen Toluol und Xylol. Diese Lösungsmittel haben die Eigenschaft, sehr schnell und unabhängig von der Luftfeuchtigkeit zu verdunsten und somit schneller einen trockenen Film zu bilden. Mittlerweile wird von den deutschen Herstellern als Lösungsmittelbasis nur vergälltes Ethanol (Spiritus) verwendet, da dieses Mittel gesundheitlich am unbedenklichsten ist.
Tinten mit unlöslichen Farbmitteln Pigmentierte Tinten Pigmente können sich im Gegensatz zu den Farbstoffen nicht chemisch im Medium lösen, sondern sind lediglich aufgeschlämmt, besser noch dispergiert. Pigmentierte Tinten haben den Vorteil einer hohen Farbkraft, hoher Lichtechtheit, hoher Wasserfestigkeit und Chemikalienresistenz (dies ist vor allem von Bedeutung, wenn Tinte dokumentenecht sein soll). Als Nachteil ist jedoch zu erwähnen, dass Pigmente sich relativ rasch am Boden absetzen, sofern ihre Dichte sich von der des Lösungsmittels unterscheidet, weshalb die Pigmente in Tinten oft besonders stabilisiert werden. Je größer die Pigmentteilchen sind, umso schneller sedimentieren sie in der Regel. Bei Whiteboard-Tinten werden besonders grobe Pigmente benötigt, damit beim Abwischen keine Pigmente zurückbleiben. Pigmente von Textmarkern sind dagegen besonders fein (0,1–0,4 Mikrometer).
Bei hellen Farbtönen (wie gelb, rot, orange) können farbstoffbasierte Tinten von pigmentierten leicht unterschieden werden: Farbstoffbasierte Tinten sind im Gläschen im Gegensatz zu pigmentierten Tinten transparent (die Flüssigkeit ist durchsichtig). Bei dunkleren Farben (blau, violett, grün) erscheinen Farbstofftinten im Gläschen fast schwarz, pigmentierte Tinten haben im Gläschen die gleiche Farbe wie auf dem Papier.
Tusche mini|Pinsel, Tuschestange und Reibstein für asiatische Tuschemalerei und Kalligrafie
Das Wort tuschen für „schwarze Farbe auftragen“ wurde im 17. Jahrhundert aus „berühren“ entlehnt. Die Zusammensetzung von Tusche ist nicht einheitlich definiert und die Bezeichnung ist kein geschützter Begriff. Für Zeichentusche existiert allerdings die Norm ISO 9957. In der technischen Zeichnung werden anlösende (mit Lösungsmitteln; für Folien) und nicht-anlösende Tuschen verwendet. Tuschen enthalten Farbmittel (Pigmente) und ein Bindemittel, das die Farbmittel gut auf dem Papier haften lässt. Dieses Bindemittel kann eine wässrige Lösung von Schellack sein oder aus wasserlöslichen Kunstharzen, meistens alkalisch gelösten (verseiften) Acrylharzen, bestehen. Mit Schellackseife können wasserfeste Tuschen hergestellt werden – diese Tuschen lassen sich mit einer Klinge vom Papier abschaben.
In der Tuschmalerei werden Künstlertuschen verwendet, die in der Regel aus feinem Ruß bestehen, der mit Schellackseife, Wasser und Stellmitteln versetzt wird. Die fernöstliche Tuschmalerei und Kalligrafie verwenden Stangentuschen, die auf einem speziellen Reibstein mit Wasser angerieben werden. Im Handel sind zudem preisgünstige „Chinatuschen“ erhältlich, wobei es sich vorzugsweise um farbstoffbasierte Tinten mit Acrylharz handelt.
Umgangssprachlich werden Aquarell- und Deckfarben mitunter als Tuschfarben bezeichnet.
Der Gisalnapf ist ein Tuschbehälter.
Sonstige Tinten Einfache Tinten lassen sich durch Pressen der intensiv färbenden Beeren von Holunder und Liguster selber herstellen. Im Mittelalter wurde aus der Rinde des Schlehdorn gekochte Dornrindentinte verwendet.
Leuchttinte Durch die Fluoreszenz des Farbkörpers ist die Färbung des Tintenstrichs besonders intensiv und wirkt als Leuchten der Tinte. Aus dem auffallenden Licht, insbesondere vom Tageslichtspektrum, wird ein spezifischer Teil, oft des UV-Lichts, durch das farbgebende System des Farbstoffes absorbiert und als sichtbares, langwelliges Licht wieder ausgestrahlt. Die Leuchttinte bringt so mehr sichtbares Licht als die Umgebung hervor, sie erscheint dadurch besonders farbig und leuchtend.
Gel-Tinte