Eisern (Siegerländer Platt: Isern) ist ein Stadtteil der nordrhein-westfälischen Universitätsstadt Siegen.
Geografie Lage miniatur|links|Die Eisernhardt Eisern liegt im Eisernbachtal auf 270 bis Höhe. Im Ort mündet die Obersdorf, von Nordosten her kommend, in den Eisernbach sowie mehrere weitere kleine Bäche. Berge um den Ort sind der hohe Burgberg und der Michelsberg ( Höhe) im Süden, der hohe Eichholz und die Eisernhardt ( Höhe) im Norden.
Der Ortsteil liegt im Süden der Stadt und grenzt im Norden an den Stadtteil Siegen, im Osten an Obersdorf und Rinsdorf (Wilnsdorf), im Süden an Salchendorf (Neunkirchen) und im Westen an den Stadtteil Eiserfeld.
Ortsbild Das Ortsbild ist von widersprüchlichen Eindrücken geprägt. Die weitgehend bebauten Tallagen und tieferen Hanglagen sind umgeben von zumeist bewaldeten Bergrücken. Im alten Ortskern, der „Peeke“ sind neben der Kapellenschule aus dem 17. Jahrhundert und dem vor einigen Jahren renovierten „Backes“ (Backhaus) – beide Gebäude werden heute vom Heimatverein betreut und als Heimatmuseum genutzt – traditionelle Siegerländer Fachwerkhäuser zu sehen. Eisern wird überragt zum einen durch das Kriegerdenkmal auf dem Burgberg, zum anderen durch den weithin sichtbaren Richtfunkturm der Telekom auf der Eisernhardt. Seit 1969 durchschneidet die Bundesautobahn 45 die Gemarkung Eisern in voller Breite und hat durch zwei Brückenbauwerke, tiefe Einschnitte und Aufschüttungen das Ortsbild erheblich verändert und beeinträchtigt.
Geschichte miniatur|Eiserner Hütte (links) und Eisernhardter Tiefbau (rechts) um 1900 Die Besiedlung im Ortsgebiet fand in der „Fränkischen Landnahme“ zwischen 720 und 800 nach Christus statt.Dieter Pfau: Zeitspuren in Siegerland und Wittgenstein – Früh- und Hochmittelalter 750-1250. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009. Erstmals erwähnt wurde Eisern am 1. Januar 1289 in einer Urkunde, in der ein gewisser „Hermannus de Yseren“ genannt wird.Siegener Urkundenbuch. Band I. Siegen 1887, S. 35, Nr. 56. Eisern war viele Jahrhunderte durch die Eisenerzgewinnung und -verhüttung geprägt. 1623 wurden die Gruben Michel und Ramberg erstmals genannt. Bereits 1562 wurde eine Grube Ameise erwähnt. Sie wurde zu einer der größten Gruben in Eisern mit einer Gesamtförderung von knapp 1,36 Mio. Tonnen Eisenerz. Das Kapitel Bergbau endete 1957 mit der Schließung der letzten Grube Eisernhardter Tiefbau. Die Eiserner Hütte war von 1417 bis 1926 in Betrieb. In den Jahren 1444 und 1463 wurden drei Hütten „off der Ysern“ genannt.
Am 20. Juli 1881 richtete ein Unwetter nach wochenlang anhaltender Hitze schwere Schäden im Ort an.Zurückgeblättert... In: Siegener Zeitung. 30. Juli 2011, S. 43.
1890 wurde die Eisern-Siegener Eisenbahn eröffnet, um die Orte Eisern und Eiserfeld sowie die dort ansässigen Grubenbetriebe an die Staatsbahn, die durch Siegen führt, anzubinden. Am 1. April 1969 endete der Güterverkehr bis zum Endbahnhof Eisern. Unter der immer größer werdenden Beteiligung und Verantwortung der Siegener Kreisbahn war der Personenverkehr zum 30. Oktober 1947 zur Straßenbahn umgerüstet, aber nach dem Umbau der Schiene in der Straße ab 31. August 1956 nicht wieder auf ihr aufgenommen worden. An ihrer Stelle folgte der Oberleitungsbus Siegen als durchgehende Linie bis Wilnsdorf, bis auch er im Juli 1962 auf Dieselfahrzeuge umgestellt wurde und auf Dauer die meisten Fahrten wieder in Eisern endeten.
1939 wurde aufgrund einer Wassernot ein Laufbrunnen in der Giesenbach gebaut und in Betrieb genommen.
Die selbständige Gemeinde Eisern gehörte bis zum Inkrafttreten des eine Gemeindegebietsreform beinhaltenden Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Siegen am 1. Juli 1966 zum Amt Wilnsdorf. Durch dieses wurde sie der neu gegründeten Stadt Eiserfeld zugeschlagen, die aus den vorherigen Gemeinden des Amtes Eiserfeld, der Gemeinde Eisern und der Gemeinde Oberschelden, die bis dahin zum Amt Freudenberg gehört hatte, gebildet wurde. Mit der erneuten kommunalen Neugliederung durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz, das am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurden die gerade frisch aus der Taufe gehobenen Städte Eiserfeld und Hüttental in die Stadt Siegen eingegliedert.
Wappen miniatur|hochkant|Ehem. Wappen der Gemeinde (1949–1966) Das Wappen wurde am 19. Mai 1949 durch den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Eisern war viele Jahrhunderte durch die Eisenerzgewinnung und -verhüttung geprägt. Der Rennofen sowie das Bergmannsgezähe sind Symbole dafür.
Blasonierung: „In Blau ein goldener Rennofen (Eisenofen), der mit gekreuztem, schwarzen Hammer und Schlägel belegt ist.“
Einwohnerzahlen Einwohnerzahlen des Ortes:Otto Schaefer: Der Kreis Siegen. Siegen 1968.siegen.de: (regelmäßig aktualisiert)
Jahr Einwohner 1773Franz Dango: Wilnsdorf – Geschichte und Landschaft. Verlag Vorländer, Siegen 1955. 286 1818 379 1885Westfälisches Gemeindelexikon. 1887, S. 108/109. 1078 1895Westfälisches Gemeindelexikon. 1897, S. 110/111. 1152 1905 1439 1910 1521 1925genealogy.net: Amt Eiserfeld 1602 Jahr Einwohner 1933 1710 1939 1757 1950 2329 1961 2489 1965Volkhard Wrage: Erfolg der Territorialreform. Duncker & Humblot, Berlin 1975, S. 16 (Schriftenreihe der Hochschule Speyer, Band 56). 2625 1994Hartmut Eichenauer: (PDF; 12,2 MB), ca. 1995. 2611 2001 2550 Jahr Einwohner 2004 2469 2006 2428 2008 2388 2009 2385 2010 2370 2011 2360 2012 2355 Jahr Einwohner 2013 2349 2014 2324 2015 2320 2016 2319
Politik Ehemalige Bürgermeister 1927 bis 1943: Hugo Roth bis 1966: Alfred Eckhardt (1915–1997), letzter Bürgermeister EisernsDen Toten ein ehrendes Gedenken. In: Siegerländer Heimatkalender. 1999, S. 37, 74. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur
Sehenswürdigkeiten 1774/75 wurde die Eiserner Kapellenschule erbaut. 1980 wurde sie vom Heimat- und Verschönerungsverein um- und ausgebaut. Seit 1987 können in der Heimatstube, die in der Kapellenschule eingerichtet wurde, Exponate aus Bergmannsgeschichte, Landwirtschaft, Hauberg, Handwerk und aus der Kirchengeschichte besichtigt werden.
Infrastruktur alternativtext=DAB+ Sendeturm auf der Eisernhardt|miniatur|DAB+ Sendeturm auf der Eisernhardt
Industrie Es finden sich einzelne, zumeist metallverarbeitende Betriebe im Ort. Die meisten von ihnen befinden sich an der Eiserntalstraße in Richtung Eiserfeld.
Verkehrsanbindung Eisern liegt an der Landesstraße 907, die sich von Wilnsdorf nach Eiserfeld zieht und dort auf die B 62 trifft. Im Ort selbst zweigen sich die L 909 nach Obersdorf und die L 562 in Richtung Siegen ab. An dieser Straße liegt auch die Auffahrt zur Autobahn 45, die nördlich am Ort vorbeiführt. Der nächste Bahnhof befindet sich in Eiserfeld, und als Buslinien der VWS verkehren (Stand 2022): C100 Siegen – Eiserfeld – Eisern, werktags halbstündlich R14 Siegen – Rödgen – Eisern – Wilnsdorf, meist stündlich, und R25 Siegen – Leimbachstraße – Eisern – Wilnsdorf – Gewerbegebiet Kalteiche – Burbach, mindestens jede zweite Stunde.
Schule und Freizeit Auf dem Rücken der Eisernhardt befindet sich seit den 1930er Jahren der Flugplatz Eisernhardt. Im südöstlichen Teil des Ortes befinden sich eine Grundschule, ein Kindergarten, ein Bürgerhaus und das Feuerwehrhaus. Südlich des Ortes, auf der Höhe zwischen Burgberg und Michelsberg ist ein Sport- und ein Tennisplatz. Ein weiterer Tennisplatz befindet sich auf der „Schränke“, nicht weit östlich der anderen. Eisern hat eine katholische und eine evangelische Kirche, deren Kirchengemeinde aus Eisern und dem benachbarten Rinsdorf besteht.
Persönlichkeiten Ewald Sauer (1881–1957), Politiker Gustav-Adolf Haas (1935–2013), Politiker Hans-Hermann Hertle (* 1955), Historiker und Publizist Gunter Schneider (* 1964), Generalleutnant der Bundeswehr
Literatur Adolf Müller: Eisern – Auf Erz und Eisen. Hrsg. Heimatverein Eisern, Vorländer-Verlag, 1966. Adolf Müller: 700 Jahre Eisern, Hrsg. Heimatverein Eisern. Vorländer-Verlag, 1988. Festschrift 700 Jahre Eisern – Auf Erz und Eisen -. Hrsg. ARGE Eiserner Vereine, 1989.
Weblinks
Geschichte und Aktuelles aus Eisern
Einzelnachweise
Kategorie:Stadtteil von Siegen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Siegen-Wittgenstein) Kategorie:Ersterwähnung 1289 Kategorie:Gemeindeauflösung 1966