Karl Ludwig Graf von Bothmer – gelegentliche Pseudonyme „Martin Salander“Othmar Plöckinger: Adolf Hitler als Hörer an der Universität München im Jahre 1919. Zum Verhältnis von Reichswehr und Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 24 f., ISBN 978-3-8316-0726-6. Google Books (Unter dem Pseudonym „Martin Salander“ publizierte Bothmer in der Zeitschrift Der bayerische Königsbote; angegebene Quelle: StA München, Pol. Dir. München, 10045, Brief von Gottfried Feder vom 20. Dezember 1920.), „Wilfried von Ivanhoe“Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat. 3., durchges. Aufl., Berlin 2003, S. 470, ISBN 3-05-004070-X. und „Paul Garin“Michael Peschke (Hrsg.): International encyclopedia of pseudonyms (= Internationale Enzyklopädie der Pseudonyme). 1: Pt. 1, Real names., A - Bradds. München 2006, S. 354, ISBN 3-598-24961-6. – (* 28. März 1881 in Bamberg; † 15. April 1947 in Schleswig)Paul Hoser: Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der Münchner Tagespresse zwischen 1914 und 1934. Methoden der Pressebeeinflussung. Frankfurt a. M. / Bern / New York / Paris 1990, S. 40 (Anmerkung 38), ISBN 3-631-42631-3. war ein deutscher, völkischer Publizist, der sich nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs in Bayern für die Wiederherstellung der Monarchie sowie für den Separatismus politisch engagierte. Zu Beginn der Weimarer Republik war Bothmer zunächst vehementer Gegner der republikanischen Idee, bis er in den 1920er Jahren Mitglied im Jungdeutschen Orden wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich das historische Interesse insbesondere im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der NSDAP auf seine Person.
Deutsches Kaiserreich Die Familienwurzeln von Karl Graf von Bothmer lagen in einem ostelbischen Adelsgeschlecht. Er war verwandt mit dem Generalobersten Felix Graf von Bothmer.Dieter J. Weiß: Kronprinz Rupprecht von Bayern 1869-1955. Eine politische Biografie. Regensburg 2007, S. 171, ISBN 3-7917-2047-3. Vor dem Ersten Weltkrieg war Karl Graf von Bothmer Redakteur in Memmingen, engagierte sich bei den Liberalen, zog dann nach München und wurde Mitarbeiter des Münchener Teils der Münchener Zeitung (MZ). Während des Krieges war Bothmer ein Mitstreiter von Wolfgang Kapp und eine führende Figur in der neu gegründeten Vaterlandspartei. Anfang 1917 beendete er seine Arbeit als Schriftleiter in der Münchener Zeitung. Zusammen mit Fritz Gerlich gründete er die nationalistische Zeitschrift Die Wirklichkeit mit dem Untertitel „Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht“, in der sie 1917 für eine radikale Kriegsführung eintraten und eine aggressive Kolonialpolitik sowie einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg forderten. Im August 1917 wurde die Zeitschrift vom bayerischen Kriegsministerium verboten.1919 kam es indessen zwischen Bothmer und Fritz Gerlich zu einem Streit, der zu einem juristischen Prozess führte, vgl. Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 24. (Quellen: StdA München, NL Dirr, 303, Schriftsatz vom 24. Oktober 1919; Münchener Post vom 26. März 1918.)
Weimarer Republik Im Januar 1919 suchte Georg Heim, Gründer der Bayerischen Volkspartei (BVP), Bothmer auf, um ihn als schreibenden Unterstützer für seine Partei zu gewinnen.Hans Fenske: Konservativismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918. Bad Homburg v. d. H. / Berlin / Zürich 1969, S. 117. Zwischen Januar und Mai 1919 war Bothmer Mitarbeiter in Dietrich Eckarts antisemitischer Wochenschrift Auf gut deutsch.Margarete Plewnia: Auf dem Weg zu Hitler. Der völkische Publizist Dietrich Eckart. Bremen 1970, S. 36, ISBN 3-7961-3012-7. Im Februar 1919 forderte Bothmer in einem Beitrag dieser Zeitschrift eine Verbindung zwischen Nationalismus und Sozialismus, indem er in bewusster Gegenposition zum Internationalismus – den er für „antisozial“ hielt – eine „nationale Solidarität“ der „arbeitenden und schaffenden Kreise“ der jeweiligen Völker forderte, um zu verhindern, dass diese „zum Spielball fremdländischer Spekulanten“ würden. Bothmer kennzeichnete in diesem Artikel „alle Schichten und Berufsklassen“, die er als „aufeinander angewiesen“ herausstellte, als Teil „eines Volksganzen“.Othmar Plöckinger: Adolf Hitler als Hörer an der Universität München im Jahre 1919. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 25. (Quelle: Auf gut deutsch, 1 Jg., 6. H, 7. Februar 1919.); Kai-Uwe Merz: Das Schreckbild. Deutschland und der Bolschewismus 1917 bis 1921. Berlin / Frankfurt a. M. 1995, S. 433, ISBN 3-549-05449-1. Ab April 1919 publizierte auch der spätere NS-Chefideologe Alfred Rosenberg in Auf gut deutsch, mit dem er bis zum Sommer des Jahres „Hand in Hand“ arbeitete.
Zwischen 1919 und 1920 war Bothmer Leiter der bayrischen Dienststelle der Reichszentrale für Heimatdienst.Hitlers Eintritt in die Politik und die Reichswehr. Dokumentation. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 7. Jg. (1959), Heft 2, S. 191 f. (PDF) In der Folge des Einmarschs der sich neu formierenden Reichswehr in Bayern und dem gewaltsamen Ende der rund zweimonatigen Münchener Räteherrschaft im Mai 1919, bemühte sich das Gruppenkommando, zu dem auch alte kaiserliche Offiziere gehörten, energisch um eine neue reaktionäre Ausrichtung der Truppe durch Schulung und Ausbildung. In München wurden – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – eigens zu diesem Zweck Leute für die Propaganda ausgebildet, die sich gegen alle wahrgenommenen demokratischen und vor allem linken Einflüsse wendeten.Othmar Plöckinger: Adolf Hitler als Hörer an der Universität München im Jahre 1919. Zum Verhältnis von Reichswehr und Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 17 ff. In einer Denkschrift, datiert auf den 22. Mai 1919, setzte sich Bothmer mit der Idee einer Zusammenarbeit zwischen Heimatdienst und Reichswehr für die Propagandatätigkeit ausführlich auseinander. Leiter der im Gruppenkommando der Münchener Reichswehr eingerichteten Nachrichten- und Aufklärungsabteilung war Hauptmann Karl Mayr, der am 30. Mai 1919 seine Stelle antrat. Mayr hatte sich zunächst um Fritz Gerlich bemüht, der ebenfalls zu dem im Mai 1919 gegründeten „Heimatdienst Bayern“ gehörte und dort eine spezielle, kleine literarische Kampfgruppe gegen den Bolschewismus leitete. Der „Heimatdienst“ lehnte indessen Mayers Ansinnen ab und verwies auf Karl Graf von Bothmer, was dazu führte, dass die Stelle des „Heimatdienstes“ durch ihn einen erheblichen Anteil an der Gestaltung dieser Kurse bekam.Othmar Plöckinger: Adolf Hitler als Hörer an der Universität München im Jahre 1919. Zum Verhältnis von Reichswehr und Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 21 f. und 25.
Ein erster „Aufklärungskurs“, der sich vor allem aus Personen aus dem Umfeld der von Paul Nikolaus Cossmann geleiteten Süddeutschen Monatshefte zusammensetzte, fand zwischen dem 5. und 12. Juni 1919 in der Münchener Universität statt; nachfolgend einer im Palais Porcia zwischen dem 26. Juni und 5. Juli 1919. Neben Bothmer, der in jenen Tagen als Hauptorganisator und Seminarleiter gleich drei Referate hielt (laut Plan „Der Sozialismus in Theorie und Praxis“ am 7. Juni, „Der Zusammenhang zwischen innerer und äußere Politik“ am 12. Juni und im zweiten Kursabschnitt „Die auswärtige Politik seit dem Kriegsende“), wurden bei den ersten beiden Kursen Vorträge von Karl Alexander von Müller, Joseph Hofmiller, Michael Horlacher, Adolf DirrOthmar Plöckinger: Adolf Hitler als Hörer an der Universität München im Jahre 1919. Zum Verhältnis von Reichswehr und Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 25. (Fälschlich wird zum Teil der Münchener Stadtarchivar Pius Dirr als Referent in der Literatur angegeben.), Erich Marcks, Regierungsassessor Friedrich Merz sowie Karl Mayr gehalten. Gottfried Feder, mit dem Bothmer seit Mai 1919 beinahe täglich in Kontakt stand,Othmar Plöckinger: Adolf Hitler als Hörer an der Universität München im Jahre 1919. Zum Verhältnis von Reichswehr und Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 28. hielt zunächst am 7. Juni und in einem weiteren Kurs am 8. August 1919 jeweils ein Referat.Am 7. Juni 1919 hielt Feder ein Parallelkurs zu Karl Alexander von Müller in der Münchener Universität, vgl. Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil 2. München 2008, S. 35; Bezugnahme von Hermann Esser auf einen Kurs vom „Freitag“ (8. August 1919), vgl. Hitlers Eintritt in die Politik und die Reichswehr. Dokumentation. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 7. Jg. (1959), Heft 2, S. 196. (Quelle: Bericht von Hermann Esser an Hauptmann Mayr. Kempten, 11. August 1919.); zwischen dem 19. und 25. August 1919 war Feder zudem als Propagandaredner im Durchgangslager Lechfeld eingesetzt.