Rackwitz ist eine Gemeinde im Landkreis Nordsachsen in Sachsen.
Geographie Lage Rackwitz liegt rund zehn Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Leipzig und rund dreizehn Kilometer südlich von Delitzsch.
Die Landschaft gehört zur Leipziger Tieflandsbucht und wird vom Lober durchflossen. In der Nähe des Ortes befinden sich der Schladitzer See und der Werbeliner See, die aus gefluteten Tagebaurestlöchern entstanden.
Die Neue Leipziger Messe sowie der Flughafen Leipzig/Halle liegen unweit des Ortes.
Gemeindegliederung Die Gemeinde umfasst folgende Ortsteile (in Klammern: Einwohnerzahlen 2019):
Zu Rackwitz gehören die Fluren der durch den Tagebau Delitzsch-Südwest devastierten Orte Schladitz mit Kömmlitz, Kattersnaundorf und Werbelin.
Geschichte Die Gegend von Rackwitz war früher slawisch bewohnt. Der Ortsname Rackwitz stammt vom sorbischen rak für „Krebs“, der sich auch im Wappen wiederfindet. Der Ort Rackwitz entstand aus den Orten Rackwitz und Güntheritz. Der heutige Ortsteil Podelwitz gilt als ältester Teil der heutigen Gemeinde. So wird es um 1250 erstmals erwähnt. Seit 1349/50 finden sich Schriftstücke, in denen Zschortau und Rackwitz erwähnt werden. Seit 1547 wird auch Brodenaundorf genannt.
Anfang des 15. Jahrhunderts wüteten die Pest und eine Hungersnot in Rackwitz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gemeindegebiet schwer geplündert.
1815 wurden im Rahmen des Wiener Kongresses Rackwitz mit Güntheritz und weiteren Ortsteilen, die bisher zum kursächsischen Amt Delitzsch gehörten,Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f. an Preußen abgetreten und dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeordnet. Podelwitz hingegen, zum kur- bzw. königlich sächsischen Kreisamt Leipzig gehörig, blieb bei Sachsen.
Am 21. Juni 1871 stießen bei Rackwitz ein Personenzug und eine Lokomotive zusammen. 19 Menschen starben, 56 weitere wurden verletzt.Martin Weltner: Bahn-Katastrophen. Folgenschwere Zugunfälle und ihre Ursachen. München 2008. ISBN 978-3-7654-7096-7, S. 14.
Zum 1. April 1939 wurden die Gemeinden Güntheritz und Rackwitz unter dem Namen Güntersmark vereinigt, aber bereits am 20. Mai 1939 in Rackwitz umbenannt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Rackwitz auf einem Gelände des Leichtmetallwerkes abgestürzte Flugzeuge gelagert und zu Ersatzteilzwecken und zur Aluminiumgewinnung zerlegt.
Im Zuge der Kreisreform in der DDR im Jahr 1952 wurde der Ortsteil Podelwitz dem Kreis Leipzig im Bezirk Leipzig zugeordnet. Rackwitz, Lemsel sowie die Gemeinde Zschortau gliederte man dem Kreis Delitzsch an. Durch die Erschließung der Braunkohletagebaue Delitzsch-Südwest und Breitenfeld wurden zwischen 1981 und 1992 die ehemaligen Ortsteile Schladitz mit Kömmlitz, Kattersnaundorf und Werbelin devastiert.
In der DDR bestand in Rackwitz ein Haftarbeitslager als Außenstelle der Strafvollzugsanstalt Leipzig, in dem Häftlinge untergebracht wurden. Das Lager befand sich in der Nähe des Leichtmetallwerks und die Insassen waren in Baracken mit jeweils acht bis zehn Personen untergebracht. Sie mussten Zwangsarbeit im Leichtmetallwerk leisten, das bereits während der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter beschäftigte.
Am 1. Januar 1999 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Podelwitz, südlich von Rackwitz gelegen, in die Gemeinde Rackwitz eingemeindet, wodurch der Ort vom Landkreis Leipziger Land in den Landkreis Delitzsch wechselte.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 Im Rahmen dieser Umstrukturierung musste das steuerlich ertragreiche Gewerbegebiet Podelwitz an Leipzig abgegeben werden. Das Gewerbegebiet stellte damals die Hälfte der Gesamtfläche von Podelwitz dar.
Die ehemalige Gemeinde Zschortau mit den Ortsteilen Biesen, Brodenaundorf, Kreuma und Lemsel sowie die Gemeinde Rackwitz mit Podelwitz schlossen sich am 1. März 2004 aus wirtschaftlichen Gründen zu einer Großgemeinde zusammen.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum AnmerkungBiesen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach ZschortauBrodenaundorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach ZschortauGüntheritz 1. April 1939 Zusammenschluss mit RackwitzKattersnaundorf 1981 1981 durch Braunkohletagebau Delitzsch-Südwest devastiert, dadurch Eingemeindung nach ZschortauKömmlitz 1. April 1936 Eingemeindung nach Schladitz, 1986–89 durch Braunkohletagebau Breitenfeld devastiert, dadurch Eingemeindung nach RackwitzKreuma 1. Mai 1974 Eingemeindung nach ZschortauLemsel 1. März 1994 Eingemeindung nach ZschortauPodelwitz 1999 Eingemeindung nach RackwitzSchladitz 1989 1986–89 durch Braunkohletagebau Breitenfeld devastiert, dadurch Eingemeindung nach RackwitzWerbelin 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Kattersnaundorf, durch Devastierung von Kattersnaundorf 1981 Eingemeindung nach Zschortau, 1992 durch Braunkohletagebau Delitzsch-Südwest devastiertZschortau 1. März 2004 Eingemeindung nach Rackwitz
Bevölkerung Jahr Einwohner 1818 76 1880 96 1910 124 1925 192 1939 1.055 Jahr Einwohner 1946 1.375 1950 1.329 1964 1.786 1990 3.228 Jahr Einwohner 2002 3.228 2005 5.382 2010 5.018 2015 4.931 2020 5.317 Jahr Einwohner 2021 5.412 2022 5.416 2023 5.513 2024 5.452 2025 5.474
ab 2002: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die deutliche Erhöhung der Einwohnerzahl 2005 ist auf den Zusammenschluss von Rackwitz und Zschortau im Jahr 2004 zurückzuführen.
Religion In der Ortschaft Rackwitz steht keine Kirche.
Evangelisch-lutherische Einwohner von Rackwitz gehören zur Kirchgemeinde Podelwitz-Wiederitzsch und der Kirche Podelwitz,Podelwitz. Ev-Luth. Kirchgemeinde Podelwitz-Wiederitzsch, abgerufen am 4. Juni 2025. im Kirchenbezirk Leipzig der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.
Im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa infolge des Zweiten Weltkriegs ließen sich im seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägten Rackwitz und in den umliegenden Ortschaften wieder Katholiken in größerer Zahl nieder, sie wurden von der Kirchengemeinde St. Gabriel in Wiederitzsch seelsorglich betreut. Die katholischen Gottesdienste fanden zunächst in der evangelischen Kirche Podelwitz statt. Die Kirchengemeinde Wiederitzsch kaufte in Rackwitz an der Kletzener Straße ein Gebäude, in dem sich eine Fahrradwerkstatt befunden hat. Im Erdgeschoss wurde eine Kapelle eingerichtet und nach dem Erzengel Raphael benannt. Im Frühjahr 1957 weihte Propst Ernst Pfeiffer aus Leipzig die Kapelle ein.Kleine Enklave im Bistums-Grenzland. In: Tag des Herrn. Ausgabe 25/1997 vom 22. Juni 1997, S. 17. Von 1995 an wurde die Kapelle vom Pfarrer in Löbnitz betreut, nachdem die Kirchengemeinde Wiederitzsch keinen Pfarrer mehr hatte.Zusätzliche Aufgaben. In: Tag des Herrn. Ausgabe 34/1995 vom 20. August 1995, S. 14. Die zuletzt zum Gemeindeverbund Delitzsch gehörende Kapelle wurde aufgrund der gesunkenen Zahl der Gottesdienstbesucher am 29. März 2009 nach einer letzten Heiligen Messe profaniert und das Gebäude an einen privaten Eigentümer verkauft.Wenn Kirche das Dorf verlässt. In: tag-des-herrn.de, abgerufen am 29. März 2016
Politik
Gemeinderat mini|Rathaus Rackwitz Die Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis: +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Unabhängige Wählervereinigung Rackwitz528,7422,4418,2AfD124,8323,9––CDU424,1524,6524,2SPD210,7210,5212,9Linke29,0212,8317,3Grüne–2,615,8–3,4ALS––––212,2Bürgerschaft––––211,9Wahlbeteiligung66,6 %61,6 %45,8 %
Bürgermeister 1990–2001: Wolfgang Ofiara (SPD) 2001–2015: Manfred Freigang (Unabhängige Wählervereinigung Rackwitz) seit 2015: Steffen Schwalbe (geboren als Steffen Brzoska) (SPD, parteilos)
Bei der Bürgermeisterwahl 2015 trat Schwalbe noch unter seinem Geburtsnamen Steffen Brzoska (SPD) an und wurde im ersten Wahlgang zum Bürgermeister von Rackwitz gewählt. Nach der Eheschließung mit seinem Mann nahm er dessen Familiennamen Schwalbe an. Bei der folgenden Bürgermeisterwahl 2022 trat er unter diesem Namen als parteiloser Kandidat erneut an und wurde mit 84,9 % der Stimmen im Amt bestätigt.https://wahlen.sachsen.de/buergermeisterwahl-wahlergebnisse-2022.php?gemeinde=14730250&landkreis=14730
WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Steffen SchwalbeSchwalbe84,92015Steffen Brzoska (nach Heirat Steffen Schwalbe)SPD46,02008Manfred FreigangUWR61,0200144,11994Wolfgang OfiaraSPD56,8
Wappen Blasonierung: „In Grün, geteilt durch einen silbernen Wellenbalken, oben ein goldenes Schwert, unten ein wachsender goldener Krebs.“
Das Schwert symbolisiert Podelwitz mit seinem ehemaligen Rittergut. Der Krebs hat seinen Ursprung im Ortsnamen Rackwitz, welcher früher Rakovica lautete. Dies heißt so viel wie „Ort, wo Krebse leben“. Der Wellenbalken verweist auf den Bach Lober, welcher beide Ortsteile verbindet.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Kirche in Podelwitz mini|Kirche in Zschortau mini|Herrenhaus des Rittergutes Güntheritz mini|hochkant|Kirchturm in Kreuma
Bauwerke Kirche in Podelwitz, am Heiligabend 1250 vom Wettiner Heinrich dem Erlauchten dem Deutschen Orden geschenkt Kirche in Zschortau mit der einzigen erhaltenen Orgel (1745–1746) des Leipziger „Universitäts-Orgelmachers“ Johann Scheibe, die im Anschluss an ihre Fertigstellung von Johann Sebastian Bach geprüft wurde. Kirchenruine in Kreuma Schloss im Zschortauer Park (so genanntes Obergut), das heute als internationale Bildungsstätte genutzt wird Herrenhaus des Rittergutes Güntheritz
Kirchen Die Kirchen in Podelwitz, Zschortau und Kreuma sind evangelisch.
Gedenkstätten Auf dem Rackwitzer Friedhof befinden sich die Grabstätten von 16 Kriegsgefangenen sowie Frauen und Männern, die während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden.
Regelmäßige Veranstaltungen Neben dem jährlichen Straßenfest im Ortsteil Zschortau werden Feuerwehrfeste, Sportfeste, Oster- und Herbstfeuer in den Ortsteilen veranstaltet. Es finden kleine Weihnachtsmärkte statt. In Podelwitz findet im Mai jährlich ein Trabant- und im September ein Barkas-Treffen statt.
Als jährliches Highlight wird das Krebsbachfest Rackwitz veranstaltet (in der Regel am ersten Augustwochenende).www.krebsbachfest-rackwitz.de
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Im Jahr 1925 siedelte sich in Rackwitz ein Leichtmetallwerk des Unternehmers Bernhard Berghaus an. Im vormaligen VEB Leichtmetallwerk Rackwitz, der einzigen Aluminium-Aufbereitungsanlage der DDR, wurden nach der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion die von den Filialen der Staatsbank der DDR angelieferten Münzen der DDR eingeschmolzen. Seit 1998 gehört das Werk zu Norsk Hydro.
Mit der Agrar-Umwelt-AG, einer Tochter der Südzucker-Mannheim, gibt es einen bedeutenden landwirtschaftlichen Betrieb, der auch eine größere Biogasanlage betreibt.
Verkehr Straßenverkehr
Die Bundesstraßen Bundesstraße 2 und die Bundesstraße 184 führen am Ort vorbei. Unweit von Rackwitz liegt die Anschlussstelle Leipzig-Mitte der Bundesautobahn A 14. Mehrere Buslinien verbinden Rackwitz mit umliegenden Gemeinden.
Schienenverkehr
mini|Bahnhof Rackwitz Seit 1857 hat Rackwitz eine Bahnverbindung. 1859 fuhr der erste Zug durch Zschortau. Im Jahr 1902 eröffnete die zuletzt 37 km lange Delitzscher Kleinbahn. Sie verband im damaligen preußischen Landkreis Delitzsch zahlreiche Orte, die abseits der Stadt lagen. Die Trasse durchzog auch Teile des großen Braunkohlenreviers zwischen Delitzsch und Leipzig. Der Personenverkehr endete 1972. Ein Jahr später wurde schließlich auch der letzte verbliebene Güterverkehr eingestellt, und es folgte die Stilllegung der Strecke. Kurze Zeit später wurden die Gleise vollständig abgebaut.