Die Condor Flugdienst GmbH, kurz Condor, ist eine deutsche Fluggesellschaft mit Basis auf dem Flughafen Frankfurt. Die Fluggesellschaft gehört zu 51 % der Investmentgesellschaft Attestor und zu 49 % der SG Luftfahrtgesellschaft, einer staatlichen Auffanggesellschaft.
Geschichte Gründung und erste Jahre mini|Vickers Viking Frachter der Condor, betrieben für Lufthansa (1964) mini|Vickers Viscount der Condor (1965)
Am 21. Dezember 1955 wurde die Deutsche Flugdienst GmbH von den vier Gesellschaftern Norddeutscher Lloyd (27,75 %), Hamburg-Amerika-Linie (27,7 %), Deutsche Lufthansa (25,81 %) und Deutsche Bundesbahn (18,5 %) gegründet. Die rechtliche Voraussetzung für die Gründung einer deutschen Fluggesellschaft war, dass die Besatzungsmächte das Alliierte Vorbehaltsrecht der Genehmigung des Luftverkehrs durch den im selben Jahr in Kraft getretenen zweiten Deutschlandvertrag auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen hatten. Der Heimatflughafen ist seit Anbeginn der Flughafen Frankfurt am Main.
Am 29. März 1956 begann der touristische Flugbetrieb des Unternehmens mit einem Pilgerflug ins Heilige Land.Sven Weniger: Drei Propellermaschinen ins Heilige Land. Er machte das Fliegen erschwinglich: Der deutsche Charterflug wird sechzig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. März 2016, S. R2. Schon im ersten Betriebsjahr standen Mallorca sowie die Kanareninsel Teneriffa auf dem Flugprogramm. Die Flotte bestand zunächst aus vier zweimotorigen Propellerflugzeugen des englischen Typs Vickers Viking mit je 36 Sitzen. Im Oktober 1957 erwarb die Gesellschaft fünf Maschinen des Typs Convair CV-240 aus den Beständen der KLM, die über eine Druckkabine verfügten und einen höheren Komfort boten. Im Jahr 1959 übernahm die Deutsche Lufthansa AG 95,5 % des Kapitals der Deutschen Flugdienst GmbH. Ab 1961 kamen Flugzeuge des Typs Vickers Viscount zum Einsatz.Till Bartels: Condor – 65 Jahre Ferienflieger: Ein Blick zurück in Bildern, Stern, 2021
Die Deutsche Flugdienst GmbH übernahm 1961 die 1957 gegründete Condor Luftreederei des Oetker-Konzerns und nannte sich ab dem 1. November 1961 Condor Flugdienst GmbH. So kehrte ein traditionsreicher Name in die Lufthansa-Familie zurück: 1927 war als eine Lufthansa-Tochtergesellschaft die Syndicato Condor Ltda. in Brasilien gegründet worden und flog ab 1941 als Serviços Aéreos Condor. 1942 fiel das Eigentum an Brasilien und der Nachfolger (Serviços Aéreos Cruzeiro do Sul Ltda.) ging später an VARIG. Bei der heutigen Condor handelt es sich also nicht um eine Rechtsnachfolgerin der Syndicato Condor Ltda., jedoch erinnert der Name Condor an diese Pionierzeit der deutschen Verkehrsluftfahrt.
Condor im Zeitalter der Jets mini|Boeing 707 der Condor (1978) mini|Boeing 747-200 der Condor (1976) mini|Boeing 727-230 der Condor (1984) mini|Airbus A310-200 der Condor (1987) mini|Airbus A300 der Condor (1988) mini|Airbus A320 der Condor Berlin (2002)
Die Condor Flugdienst GmbH hatte 1962 an der gesamten deutschen Flugtouristik einen Anteil von 63,3 Prozent. Rund 32.000 Passagiere wurden in diesem Jahr befördert – Mallorca war mit 18.400 Passagieren der Spitzenreiter. 1964 bestand die Condor-Flotte aus vier Vickers Viscount. Im Februar 1965 wurde die erste Boeing 727-100 von der Lufthansa übernommen; im Jahr 1970 kam eine zweite Maschine dieses Typs hinzu. Im Februar 1967 erhielt Condor ihre erste Boeing 707-300B, mit der Langstreckenflüge nach Colombo, Bangkok, Nairobi und Santo Domingo aufgenommen wurden. Charterflüge in die USA folgten ab Dezember 1967. Kontinuierlich wurde die Flotte bis 1968 auf Jets umgestellt. Im Jahr 1968 erwarb die Lufthansa die Charterfluggesellschaft Südflug International, die am 2. Januar 1969 mit der Condor fusionierte.
Als erste Ferienfluggesellschaft der Welt setzte Condor 1971 den „Jumbo“, die Boeing 747-200, ein. Mit einem Umsatz von 291 Millionen DM lag Condor 1973 weltweit an der Spitze der Ferienfluggesellschaften. Vorübergehend kamen während der Sommersaison 1971 drei Boeing 737-100 der Lufthansa zu Condor. Die Flotte setzte sich 1973 zusammen aus insgesamt elf Boeing-Flugzeugen: zwei Boeing 747, zwei Boeing 707 und sieben Boeing 727. Im Rahmen der Ölkrise wurden die zwei Boeing 747 später durch McDonnell Douglas DC-10-30 ersetzt, die bis Ende der 1990er Jahre als größtes Flugzeugmuster in der Flotte verblieben.
Ab 1981 wurden insgesamt fünf Boeing 737-200 eingeflottet, später auch 737-300. Im Sommer 1985 gehörte für kurze Zeit auch eine von German Cargo geleaste Douglas DC-8 zur Flotte.
Die geplante Tochter InterCondor Einher mit der Abwicklung der DDR-Fluggesellschaft Interflug im Jahr 1990 gingen Planungen, eine gemeinsame Tochterfirma „InterCondor“ zu gründen, an der sowohl Interflug als auch Condor mit jeweils 50 Prozent beteiligt gewesen wären. Im Frühling desselben Jahres wurden bereits die nötigen Verträge unterzeichnet. Man rechnete für das Ostberlin-Geschäft mit einem Potenzial von 1,6 Millionen Fluggästen pro Jahr. Entsprechendes Werbematerial war bereits publiziert worden.Postkarte: InterCondor (Boeing 757-200 in neuer InterCondor-Bemalung), vermutlich 1990 veröffentlicht. Zunächst sollte eine Boeing 757-200 der Condor mit 210 Sitzplätzen und einer Reichweite von 5700 Kilometern geleast werden, später weitere 737. Bedingt durch die inzwischen erfolgte Deutsche Wiedervereinigung und geänderte Rahmenbedingungen wurde das Vorhaben letztlich nicht verwirklicht.
Entwicklung seit 1990 Condor Flugdienst führte 1991 mit der Condor Comfort Class als erste Ferienfluggesellschaft eine Business Class ein. Im Herbst 1992 wurde die Tochter Südflug komplett in die Condor Flugdienst integriert. Zwischen 1993 und 1996 war wieder eine Boeing 747 in den Farben der Condor im Einsatz, eine 747-400 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-ABTD,airfleets.net – Daten zur 747-400 (Kenn. D-ABTD) der Condor abgerufen am 17. Januar 2009 die allerdings keine Condor-Flüge durchführte, sondern für Lufthansa nach Taiwan flog. Zu der Zeit war es durch ein Gesetz der Volksrepublik China Fluggesellschaften, die Taiwan anflogen, untersagt, auch die Volksrepublik China anzufliegen.
Im Jahr 1995 weitete Condor ihre Beteiligungen aus. Inzwischen gehören die alpha Holding GmbH (30 Prozent), die Kreutzer Touristik GmbH (37,5 Prozent), die Fischer Reisen GmbH (100 Prozent) und mit 10 Prozent die Öger Tours GmbH zum „Condor-Touristik-Verbund“. Condor Flugdienst übernahm außerdem den vom Lufthansa-Konzern bis dahin gehaltenen Anteil von 50 Prozent an der zur übrigen Hälfte Turkish Airlines gehörenden Charterfluggesellschaft Sunexpress.
Der US-amerikanische Maler James Rizzi gestaltete 1996 zum 40-jährigen Unternehmensjubiläum eine Boeing 757-200 zum fliegenden Kunstwerk, den „Rizzi Bird“. Condor wurde mit zwölf Festbestellungen Erstkunde der Boeing 757-300.
Condor Berlin
Anfang des Jahres 1998 gründete Condor die Condor Berlin GmbH (CIB), eine 100-prozentige Tochtergesellschaft mit Sitz in Berlin-Schönefeld. Diese besaß den ICAO-Code CIB und bediente bis zu ihrer Integration in die Muttergesellschaft am 1. Mai 2013 mit Airbus A320-200 Ziele auf der Kurz- und Mittelstrecke.
Teil des Reisekonzerns Thomas Cook mini|Airbus A320-200 der Condor in Hybridbemalung mit Condor-Farben, aber Thomas-Cook-Schriftzug und -Logo
1997 brachte die Lufthansa die überwiegende Mehrheit ihrer Anteile an der Condor in die gemeinsam mit Karstadt gegründete C&N Touristic ein, aus der später die Thomas Cook Group entstand. Aus Condor Flugdienst wurde 2002 die neue Marke „Thomas Cook powered by Condor“. In Deutschland erhielten die Flugzeuge von Condor und Condor Berlin nach und nach das neue Thomas-Cook-Design. Auf dem Rumpf der Maschinen stand seitdem der Schriftzug „Thomas Cook“, auf dem Leitwerk das Thomas-Cook-Logo. Die Hauptfarbe Gelb wurde durch Blau ersetzt. Im Juni 2002 startete das erste von damals fünfzig Condor-Flugzeugen in der neuen Gestaltung. 2003 wurde die Condor-Flotte um zwölf Boeing 757-200 reduziert, um Überkapazitäten im Markt abzubauen. Ab Mai 2004 flog die Fluggesellschaft der Thomas Cook AG in Deutschland wieder unter dem Markennamen Condor Flugdienst, da der Name Thomas Cook von den Deutschen aufgrund des schwächeren Bekanntheitsgrads nicht angenommen worden war und dies zu starken Einbußen in den Passagierzahlen führte. Bei der Lackierung wurde lediglich der Thomas-Cook-Schriftzug in „Condor“ umlackiert, das Thomas-Cook-Logo am Leitwerk blieb ebenso wie die Hauptfarbe blau. Condor Berlin kaufte 2005 einen weiteren Airbus A320-200 und betrieb nun eine Flotte von 13 Flugzeugen dieses Typs. 2006 folgte eine weitere A320-200, außerdem starteten Condor und Germanwings eine Partnerschaft.
Am 22. Dezember 2006 unterzeichneten die Lufthansa und die Karstadt Quelle eine Absichtserklärung, wonach der Lufthansa-Konzern sich bereit erklärte, seinen Anteil von 50 Prozent an Thomas Cook an die Karstadt Quelle zu einem Kaufpreis in Höhe von rund 800 Millionen Euro zu übereignen.4investors.de – Markt-Kommentar Zugleich wurde vereinbart, den direkten Kapitalanteil des Lufthansa-Konzerns an Condor von 10 auf 24,9 Prozent aufzustocken und dem Lufthansa-Konzern zudem die Anteile der Condor an der türkischen Charterfluggesellschaft SunExpress zu übertragen. Lufthansas indirekter Kapitalanteil an der Condor von 45 Prozent ging mit dem Verkauf ihrer Thomas-Cook-Anteile komplett an KarstadtQuelle über. Insgesamt reduzierte die Deutsche Lufthansa somit ihren Kapitalanteil an der Condor um 30,1 Prozentpunkte. KarstadtQuelle erhielt die Kaufoption, nach Ablauf von zwei Jahren nach Schließung des Kaufvertrags den Anteil des Lufthansa-Konzerns an Condor von 24,9 Prozent zu übernehmen. Im Gegenzug erhielt der Lufthansa-Konzern eine Verkaufsoption auf den Kapitalanteil der KarstadtQuelle AG (75,1 Prozent). Für den Fall, dass beide Unternehmen ihre Optionen nicht nutzen, wurde dem Lufthansa-Konzern ein Vorkaufsrecht auf die Thomas-Cook-Anteile an Condor zugestanden. Mit dieser Anteilsregelung sollten die Start- und Landerechte von Condor auch außerhalb Europas insbesondere für den Lufthansa-Konzern gesichert und ein Aufkaufen durch ausländische Investoren zunächst vermieden werden.
Verkaufs- und Fusionsgespräche mini|Boeing 767-300ER der Condor im 2013 mit der alten Grundbemalung und dem alten Schriftzug, aber mit „Sunny Heart“
Im September 2007 gab Air Berlin bekannt, den Anteil von Thomas Cook übernehmen zu wollen. Der Kaufpreis sollte durch die Ausgabe neuer Air-Berlin-Aktien (Anteil der Thomas Cook an Air Berlin dann 29,99 Prozent) und in bar erfolgen und insgesamt 500 Millionen Euro betragen, wobei die Transaktion bis zum 10. Februar 2009 abgeschlossen sein sollte. Der Anteil der Lufthansa von 24,9 Prozent, auf den Thomas Cook eine Call-Option hatte, sollte dann im Februar 2010 an Air Berlin übergeben werden. Die wechselseitigen Beteiligungen wurden am 5. Oktober 2007 beim Bundeskartellamt zur Genehmigung vorgelegt. Das Bundeskartellamt hatte von Anfang an erhebliche Bedenken und verlängerte die Prüfungsfrist mehrfach. Am 11. Juli 2008 zogen Air Berlin und Thomas Cook den Antrag auf Fusion beim Bundeskartellamt aufgrund der „erheblich veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ zurück.
Daraufhin wurde versucht, die Condor in eine gemeinsame Fluggesellschaft mit der Germanwings und TUIfly einzubringen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch Ende September 2008. Laut Thomas Cook sollte es nun keine weiteren Bemühungen um eine Fusion geben. Thomas Cook übernahm 2009 die restlichen Condor-Anteile von 24,9 Prozent für 77 Millionen Euro von der Lufthansa.
Seither hält die Lufthansa keine Anteile mehr an Condor. Im Jahr 2012 verlegte Condor ihre Zentrale von Kelsterbach in den neuen Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen.Frankfurter Allgemeine Zeitung – Condor verlegt Sitz nach Gateway Gardens, 7. Mai 2010