mini|hochkant=1.1|Panorama der Gemeinde Nister Nister ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Hachenburg an.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt nördlich von Hachenburg an der Großen Nister. Im Osten des Ortes liegen Norken und Unnau, im Nordwesten bzw. Nordosten Atzelgift, Luckenbach und Nauroth, im Westen Müschenbach, Streithausen und die Abtei Marienstatt. Im Norden und Nordwesten liegt das Nauberggelände.
Zur Gemeinde Nister gehört auch der Wohnplatz Nisterhammer.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 973 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte Der Ort wird erstmals 1270 urkundlich erwähnt, als Erzbischof Anno II. von Köln einen Betrag der Abtei Siegburg in Nistera bestätigt. Der Ausgangspunkt des Dorfes ist das „Felsenstübchen“ oberhalb der Abtei Marienstatt, wo im Mittelalter die „Burg Nister“ (Nistria, Nistera) stand.
Der Ort Nister gehörte zum Kirchspiel Altstadt und landesherrlich zur Grafschaft Sayn. Die Einwohner wurden nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn erst lutherisch und später reformiert.Vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, S. 74–80. Nach der Landesteilung der Grafschaft Sayn im 17. Jahrhundert gehörte Nister zur Grafschaft Sayn-Hachenburg.
1799 kam die Grafschaft auf dem Erbweg an die Fürsten von Nassau-Weilburg. Im Zusammenhang mit der Bildung des Rheinbundes kam die Region und damit auch die Gemeinde Nister 1806 an das neu errichtete Herzogtum Nassau. Unter der nassauischen Verwaltung war die Gemeinde dem Amt Hachenburg zugeordnet.
Nach der Annexion des Herzogtums Nassau, kam er 1866 an das Königreich Preußen und gehörte von 1868 an zur Provinz Hessen-Nassau und zum Oberwesterwaldkreis. Seit 1946 ist die Gemeinde Nister Teil des Landes Rheinland-Pfalz.
Industriewerk Nisterhammer Am Ortsausgang des Dorfes an der Hammer-Straße liegt das Industriewerk Nisterhammer. Im Jahr 1570 erhielten die Grafen von Sayn das Privileg zur Errichtung eines Hammerwerkes in Nister, lange Zeit verpachtet und 1707 wieder in herrschaftlichem Besitz. 1769 wird der Burggraf Georg Friedrich Freudenberg Besitzer; 1802 tritt die Britisch-Nassauische Eisenwerksgesellschaft in Hachenburg als Eigentümerin auf und modernisiert den Betrieb. 1892 besteht darin die Bürstenfabrik Bocks & Co.Vgl. Markus Müller: Die Bürstenfabrik Bocks und Co. in Nister im 19. Jahrhundert, S. 147–152. Nach 1942 ist das Industriewerk Nisterhammer wieder ein Eisenbetrieb, ab 1956 als Nisterhammer Maschinenbau GmbH. Der Nisterhammer war einstmals der erste Großbetrieb im Oberwesterwald.Walter Kwasnik und Dieter Trautmann 1981, S. 84ff.
Alter Höhweg In Richtung Norken in den Gemarkungen Nister und Nauroth befindet sich eine ca. 2½ km lange geradlinige Waldschneise auf dem Sattel des Nauberggeländes, die den Namen „alter Höhweg“ trägt, der früher eine Teilstrecke der Handelsstraße Köln-Leipzig war, die im Gebiet der Gemarkung Nister von der Furt durch die Große Nister bei der Abtei Marienstatt kommend längs dem Nauberggelände in Richtung Kirburg verlief. Diese Fahrstraße ist noch älteren Datums als die von Altenkirchen über Altstadt, Hachenburg und die Furt durch die Große Nister an der ehemaligen Schneidmühle nach führende Köln-Leipziger-Straße. An der Schneise stehen an der früheren Landesgrenze zwischen den Grafschaften Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg bzw. an der heutigen Kreisgrenze zwischen dem Westerwaldkreis und dem Landkreis Altenkirchen, mehrere Grenzsteine mit dem Zeichen SH/SA, die nach 1671 gesetzt wurden, als die beiden Herrschaftsbezirke endgültig getrennt wurden.
Alter und Neuer Bremsberg An der Südseite der Naubergskuppe Weiße Ley befand sich ab 1900 ein Abbauareal der Firma Grothe & Groehl, die unter der Basaltkuppe der Weißen Ley aus zwei Stollen Quarzitsteine gewann. Diese Steine wurden auf einem „Bremsberg“ talwärts transportiert. Die Bergstation befand sich unmittelbar vor dem Stollen, unten neben dem früheren Wasserbehälter war die Talstation, von dort wurden die Steine mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Korb abtransportiert. Der alte Bremsberg wurde später durch einen neueren und längeren ersetzt, der etwa 100 m östlich davon errichtet wurde. 1920 wurde der neue Bremsberg entfernt. Die untere Strecke ist inzwischen mit Wohnhäusern überbaut, auf dem Verladeplatz wurde der Sportplatz der Ortsgemeinde errichtet.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde Nister, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 347 1835 528 1871 470 1905 622 1939 598 1950 652 Jahr Einwohner 1961 667 1970 816 1987 875 1997 1.060 2005 1.044
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Nister besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD WGR Gesamt 2024 7 9 16 Sitze 2019 9 7 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: . 2014 7 5 12 Sitze 2009 9 7 16 Sitze 2004 9 7 16 Sitze
Bürgermeister Das Amt ist derzeit vakant. Bernd Kunz wurde am 29. August 2024 Ortsbürgermeister von Nister. Da bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 kein gültiger Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl des Bürgermeisters gemäß rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung dem Rat, der jedoch zunächst keinen Bewerber benennen konnte. Ende August wurde Bernd Kunz, nachdem er bei der Konstituierenden Sitzung am 12. Juli 2024 zunächst zum Ersten Beigeordneten gewählt worden war, vom Rat zum Ortsbürgermeister gewählt. Im Juli 2026 legte Bernd Kunz das Amt aus persönlichen Gründen vorzeitig nieder, was eine Neuwahl erforderlich macht.
Sein Vorgänger Thomas Giehl (SPD) hatte das Amt seit Sommer 2019 inne. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 88,18 % für fünf Jahre gewählt worden. Bis zu Giehls Ernennung war der Posten seit dem Tod von Juliane Vetter (SPD) im Oktober 2018 vakant gewesen. Übergangsweise hatte der Erste Beigeordnete Michael Mies die Amtsgeschäfte ausgeübt.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Nister wird über die B 414 an das überörtliche Verkehrsnetz angeschlossen. Zu den Autobahnanschlüssen der A 3 Ransbach-Baumbach und Dierdorf gelangt man über die B 8/B 413. Nister ist über die Bushaltestelle „Nister Dorfwiese“ an den Regionalen ÖPNV angebunden. Hier verkehren Busse Richtung Hachenburg und Betzdorf. Der nächstgelegene ICE-Halt ist der Bahnhof Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Der nächstgelegene Bahnhof ist der Bahnhof Hachenburg an der Bahnstrecke zwischen Limburg an der Lahn und Siegen. Dort verkehrt stündlich die Linie RB90 der Hessischen Landesbahn (HLB).
Öffentliche Einrichtungen Die Gemeinde verfügt über die Nauberghalle mit verschiedenen Räumlichkeiten, einen Fußballplatz, eine Tennisanlage mit drei Plätzen, einen Bolzplatz mit Streetball-Anlage, zwei Kinderspielplätze und ein ausgedehntes Wanderwegenetz.
Literatur Walter Kwasnik und Dieter Trautmann: Landschaftsmuseum Westerwald Hachenburg: Westerwälder Beiträge 1 – Naturkundliche und kulturhistorische Denkmäler im Westerwald: Kroppacher Schweiz und Hachenburg. Hachenburg 1981. Markus Müller: Ein Eberkopf als Warenzeichen. Die Bürstenfabrik Bocks und Co. in Nister im 19. Jahrhundert, in: Wäller Heimat (2002), S. 147–152. Markus Müller: Gemeinden und Staat in der Reichsgrafschaft Sayn-Hachenburg 1652–1799, (Beiträge zur Geschichte Nassaus und des Landes Hessen, Bd. 3), Wiesbaden 2005, ISBN 3-930221-14-4. Müller, Markus: Nister – Sport von 1905 bis 1991. Ein Streifzug durch die Geschichte der Gemeinde und ihrer Vereine, hrsg. vom Turn- und Sportverein Nister 1951 e. V., Nister 1991. Müller, Markus: Nister in alten Ansichten. Ein historischer Bildband, hrsg. von der Ortsgemeinde Nister, Nister 1995. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80.
Weblinks
Ortsgemeinde Nister auf den Webseiten der Verbandsgemeinde Hachenburg
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Westerwaldkreis Kategorie:Ersterwähnung 1270