Der Landesrettungsverein Weißes Kreuz (WK) ist eine in Südtirol und Teilen der Provinz Belluno tätige Hilfsorganisation, deren Haupttätigkeiten Rettungsdienst, Krankentransport und Zivilschutz sind.https://www.weisseskreuz.bz.it/de/wer-sind-wir/struktur-des-weissen-kreuzes/leitbild-585.html Die Gründung erfolgte am 10. August 1965 und der Verein wird mehrheitlich durch die Tätigkeit von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen. Im Jahr 2024 zählte das Weiße Kreuz 4100 Ehrenamtliche, die über 993.000 ehrenamtliche Stunden geleistet haben.
Tätigkeit mini|Rettungswagen des Weißen Kreuzes (Sektion Naturns) mini|RTH Pelikan 1 der Landesflugrettung Südtirol
Die Organisation ist die größte Rettungsorganisation in Südtirol und ist vor allem im Rettungsdienst und Krankentransport tätig, neben dem Weißen Kreuz ist auch das Italienischen Roten Kreuz mit wenigen Wachen in Südtirol im Rettungsdienst tätig. Das Weiße Kreuz ist mit seinen 33 Sektionen (3 davon in Belluno) flächendeckend in der ganzen Provinz organisiert. In 32 der 33 Sektionen steht mindestens ein Rettungswagen (RTW) oder Notfall-Krankenwagen (NKTW) zur Verfügung, die rund um die Uhr einsatzbereit sind. Die Notfälle koordiniert die Landesnotrufzentrale 112, die Krankentransporte die vereinseigene Einsatzzentrale. Im Jahr 2024 wurden 67.203 Notfalleinsätze abgearbeitet, dabei wurden 69.340 Patienten behandelt. Der Krankentransport verzeichnete 120.695 Fahrten. Im Zivilschutz wurden 32.483 Einsatzstunden geleistet. etwa 55 % der gesamten Einsatzstunden des Vereins wurden von Ehrenamtlichen getragen.
Die Organisation ist zudem auch in den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Organ- und Labortransporte, Hausnotruf, Bereitschaftsdiensten, Pistenrettung, First Respondern, Notfallseelsorge, Einsatznachsorge, Betreuungsdienst, SEG, Notfalldarstellung, Jugendgruppe und Brandschutzdienst an den Hubschrauberlandeplätzen bei in den Krankenhäusern tätig. Zudem ist sie federführendes Mitglied des im Jahr 2011 gegründeten, privatrechtlichen Vereins HELI – Flugrettung Südtirol, des alleinigen Trägers der Südtiroler Flugrettung im Auftrag der Südtiroler Landesregierung.
Als Partner des ADAC werden Auslandsverlegungen und Rückholtransporte im Auftrag dessen Mitglieder durchgeführt.
Im Rahmen der COVID-19-Pandemie erweiterte das Weiße Kreuz seine Tätigkeitsfelder temporär um Mithilfe bei Test- und Impfzentren, Einkaufsdienste und unterstütze Alten- und Pflegeheime und das Projekt Essen auf Rädern.
Geschichte Die Geschichte des Rettungsdienstes in Südtirol ähnelt stark jener des Südtiroler Feuerwehrwesens. Bereits im 19. Jahrhundert gab es in einigen Orten einen mehr oder weniger gut organisierten, ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Rettungs- bzw. Krankentransport. Zwischen den beiden Weltkriegen wurden die meisten Organisationen verboten und wenige staatliche Rettungswachen übernahmen mit hauptamtlichen Mitarbeitern die Aufgaben des Rettungs- bzw. Feuerwehrdienstes. Den Rettungsdienst und Krankentransport übernahm, wie im gesamten Staatsgebiet, das Italienische Rote Kreuz, mit Wachen in jenen Ortschaften, in welchen die Organisation heute noch vertreten ist.
Durch die geringe zur Verfügung stehende Anzahl an Wachen, Mittel und Personal konnten die heute üblichen Hilfsfristen bei weitem nicht eingehalten werden. Johann „Hans“ Nicolussi-Leck (1905–1966), der damalige Gemeindearzt von Eppan,Sterbebild von Hans Nicolussi-Leck auf sterbebilder.schwemberger.at litt Mitte der 1960er Jahre an einem Herzleiden. Für eine Untersuchung musste er sich in die Innsbrucker Klinik begeben. Der für die Verlegung zur Verfügung stehende Krankenwagen hatte aufgrund der winterlichen Straße (es gab damals noch keine Autobahn über den Brennerpass) eine Panne und Nicolussi-Leck schwor sich, falls er gesunden sollte, einen effektiveren Rettungs- und Krankentransport in Südtirol aufzubauen. Nicolussi-Leck gesundete und schaffte es noch 1965 mit der Hilfe von namhaften Bürgern (Günter Eccel, Franz Berger, Heinrich Döcker, Hermann Nicolussi-Leck, Claudio Paruccini, Karl Pellegrini, Letterio Romeo, Josef Rössler) am 10. August 1965 in Bozen den Verein Weißes Kreuz zu gründen.
In den folgenden Jahren war das Weiße Kreuz gezwungen, durch verschiedene, branchenunübliche Tätigkeiten finanziell über Wasser zu bleiben. So sammelte und verkaufte der Verein zum Beispiel. Altpapier und Altmetall im großen Stil und hatte dafür auch entsprechende Fahrzeuge erwerben können. Im Laufe der folgenden Jahre entstanden überall in der Provinz Sektionen (= Rettungswachen) des Vereins, um die Hilfsfristen verkürzen zu können. Mit der Zeit wurde auch von politischer Seite erkannt, dass dieser Dienst für eine moderne Gesellschaft unerlässlich ist, und es wurden Rettungswachen gebaut, welche die vormaligen provisorischen Keller und Garagen, in welchen die Sektionen untergebracht waren, ersetzten. Mit dem Dekret des Präsidenten der Republik Italien Nr. 645 vom 10. Oktober 1974 wurde das Weiße Kreuz als privatrechtliche juristische Person anerkannt. Während ursprünglich jede Rettungswache eine eigene Notrufnummer mit eigenem Telefonisten hatten, werden seit 1993 alle Notrufe durch die LNZ zentral angenommen und disponiert.
Seit dem 21. Mai 1998 ist die Organisation im Landesverzeichnis der ehrenamtlich tätigen Organisationen eingetragen. Seit 2010 gehört das Weiße Kreuz Samaritan International an. Am 18. Februar 2012 trat das Weiße Kreuz der italienischen ANPAS (Associazione Nazionale Pubbliche Assistenze, Nationale Vereinigung der Hilfsorganisationen) bei.
Bei der alljährlichen Vollversammlung am 5. Juni 2015 übergab der bisherige Präsident Georg Rammlmair sein Amt an die bisherige Vizepräsidentin Barbara Siri, die das Amt mehr als acht Jahre ausfüllte. Am 15. November 2023 übergab sie es an ihren Stellvertreter Alexander Schmid.
Mitglieder und Mitarbeiter Der Landesrettungsverein Weißes Kreuz hat über 140.000 Fördermitglieder aus der Bevölkerung, die einen jährlichen Mitgliedsbeitrag entrichten, der sich nach der Art der Mitgliedschaft richtet. Diese sind „Südtirol“, „Weltweit“ und „Weltweit Plus“, die jeweils als Einzelperson oder Familie abgeschlossen werden können. Je nach Art der Mitgliedschaft hat man dadurch Anspruch auf kostenlose Krankentransporte oder Rückholdienste.
Ausbildung Die im Verein tätigen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter durchlaufen ein Ausbildungsprogramm, welches sich an den in Italien sowie der Autonomen Provinz Bozen geltenden Gesetze ausrichtet.
Die Qualität der Dienstleistungen wird mit jährlichen Pflichtfortbildungen sowie einer ebenfalls jährlichen Rezertifizierung des AED-Diploms garantiert. Die Prüfungen und Rezertifizierungen werden von einer Kommission aus Ausbildern, Notärzten und Krankenpflegern abgenommen.
Neben den Ausbildungen für die vielfältigen Aufgaben im Verein, gibt es drei Qualifikationsstufen im Rettungsdienst:
KTS-Kurs: Dieser Grundkurs wird von allen Mitarbeitern beim Eintreten in den Verein absolviert und umfasst die Grundlagen der Traumaversorgung die Patientenumlagerung sowie BLS. Nach erfolgreichem Abschluss der Prüfung kann der Mitarbeiter z. B. im Krankentransport eingesetzt werden. Die Ausbildung umfasst 150 Theoriestunden sowie 90 Stunden Praktikum auf einem Krankentransportwagen.
RDS-Kurs: Die RDS-Qualifikation ist für den Einsatz im Primärrettungsdienst erforderlich. Zusätzlich zur KTS-Ausbildung müssen 300 Stunden Theorieausbildung sowie 200 Stunden Praktikum auf einem Rettungswagen absolviert werden. Die Mitarbeiter werden in erweiterter Traumaversorgung (z. B. ITLS), erweitertem BLS sowie PBLS und im Ablauf des MANV-Konzepts geschult.
C-Kurs: In der höchsten nicht-akademischen Qualifikationsstufe im Südtiroler Rettungsdienst werden die Inhalte nochmals vertieft. Zum RDS-Kurs müssen dann noch 700 Stunden Theorie sowie 200 Stunden Praktikum auf einem Notarzteinsatzfahrzeug absolviert werden. Die Mitarbeiter werden in dieser Qualifikationsstufe auf die Zusammenarbeit mit dem Notarzt sowie dem MANV-Konzept geschult.
Fahrzeuge Die meisten Fahrzeuge, inklusive der Krankentransportfahrzeuge sind maximal 4,25 Tonnen schwer und können damit mit einer Fahrerlaubnisklasse B gesteuert werden. Um die Fahrerlaubnis mit Sondersignal zu erlangen bzw. aufrechtzuerhalten, sind aufgrund der italienischen Gesetze und der vereinsinternen Regelung ein Mindestalter von 21 Jahren, ein Einweisungskurs und regelmäßige Fahrsicherheitstrainings notwendig.
Hauptpartner für den Fahrzeugausbau des Weißen Kreuzes ist der Hersteller Ambulanz Mobile.
Fahrzeugtypen NEF (Notarzteinsatzfahrzeug): Dieses Fahrzeug steht ausschließlich der LNZ zur Verfügung und wird mindestens mit einem Notarzt des jeweiligen Bezirkskrankenhauses sowie einem Mitarbeiter mit C-Kurs besetzt. In einigen Bezirken fährt zusätzlich ein Krankenpfleger zur Unterstützung des Notarztes an Bord mit. ITW (Intensivtransportwagen): Dieses Fahrzeug wird seit 2020 für die Verlegung von Intensivpatienten verwendet. Es wurde im Laufe der Covid-19-Pandemie angekauft und ist ein Ambulanz Mobile Tigis. Das Fahrzeug ist mit einem oder mehreren Ärzten sowie Personal einer Intensivstation besetzt. Lediglich gesteuert wird es von Mitarbeitern des Weißen Kreuzes. Es wird selten auch für den Regelrettungsdienst verwendet. NAW (Notarztwagen): Dieses Fahrzeug steht ebenfalls ausschließlich der LNZ zur Verfügung und wird mindestens mit einem Notarzt des jeweiligen Bezirkskrankenhauses, einem Mitarbeiter mit C-Kurs, sowie einem weiteren Mitarbeiter mit mindestens RDS-Kurs besetzt. In einigen Bezirken fährt zeitweise zusätzlich ein Krankenpfleger an Bord mit. Dieses Modell wird vom Landesrettungsverein nicht weiter verfolgt und somit eingestellt. RTW (Rettungswagen): Dieses Fahrzeug steht ausschließlich der LNZ zur Verfügung und wird mindestens mit zwei Mitarbeitern mit RDS-Kurs besetzt. NKTW (Notfall-Krankentransportwagen): Dieses Fahrzeug steht normalerweise der LNZ zur Verfügung, kann aber bei Bedarf auch von der Einsatzzentrale des Weißen Kreuzes für Krankentransporte eingesetzt werden. Es wird mindestens ein Mitarbeiter mit RDS-Kurs sowie einer mit KTS-Kurs eingesetzt. Aufgrund der Ausrüstung und Ausbildung innerhalb des Weißen Kreuzes erfüllen beinahe alle KTWs diese Vorgaben und werden entsprechend eingesetzt. KTW (Krankentransportwagen): Dieses Fahrzeug steht i. d. R. der Einsatzzentrale des Weißen Kreuzes für Krankentransporte zur Verfügung, kann aber in seltenen Fällen auch für Noteinsätze angefordert werden. Es sind mindestens ein Mitarbeiter mit mindestens KTS-Kurs an Bord. LKTW (Langstrecken-Krankentransportwagen): Dieses Fahrzeug dient dem Rückholdienst hierzulande verunfallter EU-Bürger und verfügt häufig über einen niedrigeren Aufbau als gewöhnliche KTW, um den Strömungswiderstand und somit den Verbrauch bei Autobahnfahrten zu reduzieren. In der Regel verwendet das Weiße Kreuz Fahrzeuge des Modells Hornis Baltic von Ambulanz Mobile als LKTW. BTW (Behindertentransportkraftwagen): Dieses Fahrzeug steht ausschließlich der Einsatzzentrale des Weißen Kreuzes für Krankentransporte zur Verfügung. Es befindet sich ein Mitarbeiter mit mindestens KTS-Kurs an Bord. PTW (Personentransportwagen): Dieses Fahrzeug steht ausschließlich der Einsatzzentrale des Weißen Kreuzes für Krankentransporte zur Verfügung. Es befindet sich ein Mitarbeiter mit mindestens KTS-Kurs an Bord. ORG (Einsatzleitfahrzeug): Das Einsatzleitfahrzeug bringt den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (ORG) zum Einsatzort. Der ORG berät bei MANV-Einsätzen den leitenden Notarzt (LNA), setzt seine Entscheidungen um und nimmt die taktische, organisatorische und logistische Leitung des Einsatzes wahr. Einsatzleitfahrzeuge des Weißen Kreuzes sind in Bozen, Brixen, Bruneck und Schlanders stationiert.