315px|mini|Rathaus () Buttstädt ist eine Landgemeinde (vor 2019 Landstadt) und zweitgrößte Kommune im Landkreis Sömmerda im deutschen Bundesland Thüringen.
Geografie Buttstädt befindet sich im östlichen Teil des Thüringer Beckens, an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, zwischen Ettersberg und Finne.
Landgemeindegliederung Die Landgemeinde Buttstädt gliedert sich in die folgenden Ortsteile:Hauptsatzung der Landgemeinde Buttstädt vom 8. Juli 2019, aufgerufen am 28. März 2020. Buttstädt Ellersleben Eßleben-Teutleben mit Eßleben und Teutleben Großbrembach Guthmannshausen Hardisleben Kleinbrembach Mannstedt Olbersleben Rudersdorf
Geschichte Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Buttstädt erfolgte als Butesstat im sogenannten Breviarium sancti Lulli zwischen den Jahren 775 und 786, als die Schutzherrschaft Karls des Großen über das Kloster Hersfeld begann. Markgraf Ekkehard von Meißen wurde reichlich 100 Jahre später als Stadtgründer genannt. Im 9. Jahrhundert wurde der Ort in Unterlagen des Klosters Fulda genannt. Die Schenken von Großvargula besaßen um 1214 in Buttstädt Eigengüter und Lehen der Abtei Fulda und der Landgrafen von Thüringen.Wilfried Warsitzka: Die Thüringer Landgrafen. Bussert & Stadeler, Jena 2004, ISBN 3-932906-22-5, S. 202. 1249 hielt Markgraf Heinrich III. von Meißen einen großen Gerichtstag ab. Seit 1331 ist der Ort eine Stadt, das Stadtrecht selbst wurde jedoch erst 1392 verliehen. Ab 1408 erhielt die Stadt eine eigenständige Gerichtsbarkeit. 1335 wütete ein Großbrand in der Stadt, 1350 brach die Pest aus. 1408 erhielt Buttstädt die vollständige Gerichtsbarkeit und das Vogteirecht. 1418 wurde auf einem alten Pergamentdokument der Allerheiligenmarket erwähnt. 1433 stellte Landgraf Friedrich IV. der Stadt einen „Begnadigungsbrief“ aus. Ein erneuter Großbrand suchte die Stadt 1450 heim und vernichtete fast alle Häuser.
1501 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen, 1505 mit dem des Rathauses. Eine Steintafel an der Ostseite der Kirche berichtet: Am 10. September 1513 erteilte Kaiser Maximilian Graf Ernst zu Mansfeld die Erlaubnis, 14 Tage vor Michaelis einen Ochsenmarkt einzurichten. Buttstädt war ohnehin schon seit dem 15. Jahrhundert für seine Viehmärkte bekannt. Der Bau der Stadtmauer wurde 1529 begonnen. 1536 vereinten sich Buttstädt und Wendenstadt und zwei Jahre später wurde die St.-Johannes-Kirche der Wendenvorstadt zur Begräbniskirche und ihr Friedhof zum Gottesacker der Stadt. Das Kirchenschiff wurde 1550 gebaut, 1551 wurde der Bau der katholischen Kirche am Michaelistag beendet und die Kirche eingeweiht. Das Rastenberger Tor wurde 1558 fertiggestellt und 1563 der große Keller im Rathaus (Südflügel) verändert. Zwei Jahre später war der Rathausumbau vollendet. 1574 wurde eine Pflasterstraße vom Windtor bis zum Gottesacker gebaut, 1590 eine Pflasterstraße vom Brücktor bis zum Kochborn. 1591 erweiterte man den Begräbnisplatz durch den Abriss mehrerer Häuser, um 1592 den Schlussstein im Portal der Anlage zu setzen. Nach dem großen Brand von 1596 erteilte Herzog Wilhelm Ernst die Erlaubnis für einen vierten Jahrmarkt. Die Pest brach erneut 1597 aus. Am Campo Santo brachte man 1603 eine Widmungsinschrift an, die wahrscheinlich vom Architekten und Steinmetz Christoph German stammt. mini|Buttstädt um 1650, Merian Im 16. Jahrhundert war Buttstädt, das nur 17 km nordnordöstlich von Weimar liegt, einer der bedeutendsten Viehmärkte Europas, auf dem jeweils am 1. November Rinder aus Ungarn, Polen, Brandenburg und Pommern angeboten wurden.Uwe Schirmer: Der ober- und westdeutsche Schlachtviehbezug vom Buttstädter Markt im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung. 56, 1996, S. 259–282. Mitte des 16. Jahrhunderts lieferten polnische Händler 16.000 bis 20.000 Rinder dorthin.Marian Małowist, Adelheid Simsch: Polen 1450–1650. In: Hermann Kellenbenz (Hrsg.): Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte vom ausgehenden Mittelalter bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts (= Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 3). Klett-Cotta, Stuttgart 1986, ISBN 3-12-904750-6, S. 1074–1096, hier S. 1092. Im Durchschnitt legte ein Viehtreck 25 km pro Tag zurück.Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie. Band 45, 1997, S. 273. Dabei lag das Schlachtgewicht der in Buttstädt gekauften Rinder um 1622 durchschnittlich bei 187 kg.Manfred Straube: Nahrungsmittelbedarf, Nahrungsmittelproduktion und Nahrungsmittelhandel im thüringisch-sächsischen Raum zum Beginn des 16. Jahrhunderts. In: Herwig Ebner, Walter Höflechner, Helmut J. Mezler-Andelberg, Paul W. Roth, Hermann Wiesflecker (Hrsg.): Festschrift Othmar Pickl zum 60. Geburtstag. Leykam, Graz u. a. 1987, S. 579–588, hier S. 580. Die jahrhundertelange Bedeutung des Viehmarktes wurde Ende des 19. Jhs. durch die Eisenbahn verdrängt.
1605 wurde eine Feuerspritze gekauft, die man „Feuerkunst“ nannte. Vermutlich kam sie 1632 zum Einsatz, nachdem der Kirchengiebel vom Blitz getroffen war. Während des Dreißigjährigen Kriegs zog am 28. September 1632 Herzog Bernhard der Große mit Kriegsvolk durch die Stadt, und auch Schwedenkönig Gustav Adolf übernachtete mit seinem Stab in der Stadt im gleichen Jahr. Zum dritten Mal wütete die Pest 1633/34 in der Stadt und kostete 659 der etwa 1500 Einwohner das Leben. Aus einem Bericht der Stadt Weimar ist zu entnehmen, dass 1640 zwei Fünftel der Flur von Buttstädt wüst waren und es nur noch 182 bewohnte Häuser gab. 1651 spaltete ein Blitz das Gemäuer des Turmes am Allerheiligen. 1681 verfügte Herzog Johann Ernst II. in einem gedruckten Erlass, dass in Sachsen-Weimar keine Zigeuner geduldet seien. Stattdessen zog erneut die Pest übers Land, vor allem in Rastenberg, Guthmannshausen und Großbrembach waren am ärgsten betroffen. In Buttstädt raffte sie bis 1685 375 Menschen dahin. 1684 legte das Dienstmädchen Elisabeth (Liese) Meyer ein Feuer, dem 180 Wohnhäuser, das Rathaus, beide Kirchen, die Schule und das Pfarrhaus am 18. Juli zum Opfer fielen. Die Reste der alten St.-Johannis-Kirche mussten daraufhin abgetragen werden. Am 5. August 1685 wurde die Brandstifterin selbst auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im gleichen Jahr erhielt die Stadt das Privileg, aufgrund der erlittenen Verluste durch Pest und den Großbrand, neben den drei bereits bestehenden Jahrmärkten zu Johannis, Michaelis und Allerheiligen einen weiteren Markt, den sogenannten Fastenmarkt abzuhalten, den heutigen Pferdemarkt. Die Kirche wurde am 29. Oktober 1689 in ihrer jetzigen Gestalt durch Anton Mylius (erster Superintendent) wieder eingeweiht. Aber schon am 24. Oktober 1690 stand der Kirchturm schief, da eine der neuen Glocken durch eine Fehlkonstruktion zu Schwingungen und Vibrationen im Turm führten.
Von 1697 an war Buttstädt Sitz einer Superintendentur und nach Aufhebung der eigenständigen Gerichtsbarkeit im Jahre 1812 dann einem Großherzoglichen Stadtgericht zugeordnet, das 1817 im Amt Buttstädt, dann 1850 im Justizamt und schließlich 1879 im Amtsgericht Buttstädt aufging. Vor der Gründung des Amts Buttstädt wurde die Stadt im 19. Jahrhundert zum Amt HardislebenJohann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Theil 1, Band 4: Welcher die Fortsetzung und den Beschluß vom Obersächsischen Kreise enthält. Schwickert, Leipzig 1793, S. 38 f. (). des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach gezählt.
Die Kirche erhielt 1700–1724 eine barocke Pfeifenorgel des Orgelbauers Peter Heroldt aus Apolda. Kirchendecke und Emporen wurden 1720 durch den italienischen Kunstmaler Francesco Domenico Minetti im Barock-Stil ausgestaltet. Herzog Ernst August nahm 1734 auf dem Rossplatz die Parade des Kürassierregiments ab, 1734 war Friedrich der Große vom 3. bis 11. Oktober im Schall’schen Haus einquartiert. 1735 kam Rittmeister Hans Joachim von Zieten nach Buttstädt. Bei Arbeiten am Kirchturm im Jahre 1782 fand sich unter anderem folgende Nachricht: König Friedrich der Große von Preußen hat im Siebenjährigen Krieg, vor der Schlacht bei Roßbach, vom 3. bis 11. Oktober 1757 im Schall’schen Hause in der Oberstadt im Quartier gelegen. Er war damals bereits gichtkrank und konnte an einem Feldlager nicht mehr teilnehmen. Wo genau das Schall’sche Haus gestanden hat, ist heute nicht mehr bekannt.
mini|Stolperstein für einen ermordeten Polen an der Kreuzung Großemsener Weg/Neue Straße rechts vor der Pizzeria
Ende Januar 1794 waren 650 französische Kriegsgefangene im Rathaus und im Zollhaus und in den Scheunen am Brücktor, 33 Soldaten und 30 Buttstädter starben. 1806 wurde der Herzog von Braunschweig nach der Schlacht bei Auerstedt am 14. Oktober im Weimarer Hof verbunden. Am 3. Mai 1812 zogen 6000 französische Kavalleristen durch die Stadt, vermutlich auf dem Weg zur Völkerschlacht bei Leipzig. 1826 und 1827 verbrannten 126 Häuser. Die Feuerspritze von 1605 wurde zum letzten Mal 1884 eingesetzt. Die Glocke wurde 1904 gegen eine größere ausgetauscht. Großherzog Wilhelm Ernst und Gemahlin Carolina besuchten die Stadt am 7. Juli 1904. Am 12. November 1921 trug der Kirchenvorstand dem Gemeindevorstand die Übergabe des Campo Santo an, der Antrag wurde jedoch endgültig abgelehnt.
In der Zeit des Nationalsozialismus bestand in Buttstädt das Reichsarbeitsdienstlager Abteilung 7/231, in dem junge Männer aus Thüringen zu Bauarbeiten auch zum Zweck der Kriegsvorbereitung eingesetzt wurden. Mit der einsetzenden Verfolgung von Bürgern aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen setzte auch Widerstand aus der Arbeiterklasse ein. Zu ihnen gehörte Johannes Enke, der 1945 an den Folgen seiner Haft im KZ Buchenwald verstarb. An ihn erinnerte in der DDR-Zeit eine Straße. Johannes Enke war in der Zeit des Nationalsozialismus durch zahlreiche Bürger als Spitzel denunziert worden. Nach Recherchen der Geschichtswerkstatt des Prager-Haus-Vereins Apolda wurden die in Buttstädt umlaufenden Gerüchte über eine angebliche Spitzeltätigkeit des Kommunisten Enke gegen seine Genossen als unzutreffend nachgewiesen. Angeregt durch diese Forschungen bildete sich in Buttstädt eine Interessengruppe, die im Einverständnis mit Bürgermeister und Stadtrat beschloss, für Enke einen Stolperstein verlegen zu lassen. Die 1938 gemeldeten zehn jüdischen Bürger der Stadt wurden verfolgt, in die Emigration getrieben bzw. ermordet. Auch eine Sinti-Familie und ein homosexueller Mann wurden Opfer der Nazidiktatur. Während des Zweiten Weltkrieges mussten über 400 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: bei einem Omnibusbetrieb, bei der Bahnmeisterei, beim Raiffeisenlager, im Stadtgut Becker. Zahlreiche Opfer der Zwangsarbeit wurden auf dem Friedhof begraben, ihre Gräber sind aber nicht mehr auffindbar.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 267. Eine 20-jährige Frau wurde 1940 wegen Kontakten zu einem französischen Kriegsgefangenen mit neun Monaten Gefängnis bestraft.Apoldaer Tageblatt. 6. November 1940. Eine Buttstädterin, die eine Beziehung mit einem polnischen „Ostarbeiter“ hatte, wurde 1943 bei den Nationalsozialisten angeschwärzt, kahl geschoren, am Rathausbrunnen an den Pranger gestellt und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Pole wurde auf dem Roßplatz öffentlich erhängt. Zwangsarbeiter aus Buttstädt und Umgebung mussten bei der Hinrichtung zugegen sein.
1978 wurde aus bautechnischen Gründen die Michaeliskirche geschlossen (heute wieder geöffnet). Seit 1992 bis heute wird das Rathaus instand gesetzt.Stadtchronik.
Am 15. Oktober 2011 wurden von dem Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig drei Stolpersteine verlegt: für einen ermordeten polnischen Kriegsgefangenen, ein vierjähriges Opfer der NS-„Euthanasie“ und für den kommunistischen Widerstandskämpfer Johannes Enke.