mini|Heilige Drei Könige, Eichenholz, um 1490, Germanisches Nationalmuseum in NürnbergGermanisches Nationalmuseum: Online Objektkatalog Hl. Drei Könige mini|Anbetung der Weisen, Bronzeplakette, 4. Jahrhundert (Vatikanische Museen, Rom)Alfred Jeremias: Babylonisches im Neuen Testament. J. C. Hinrichs, Leipzig 1905, S. 51, n. 1.
Als Heilige Drei Könige oder Weise aus dem Morgenland bezeichnet die christliche Tradition die in der Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums erwähnten Sterndeuter (im griechischen Ausgangstext μάγοι magoi, wörtlich ‚Magier‘), die durch den Stern von Betlehem zu Jesus geführt wurden. Im Neuen Testament werden sie weder als „Heilige“ noch als „Könige“ bezeichnet, auch gibt es keine Angabe über ihre Anzahl. Die Dreizahl sowie Attribute von Königen sind Ergebnisse einer umfangreichen Legendenbildung, die erst im späten 3. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Die in der Westkirche verbreiteten Namen Caspar, Melchior und Balthasar werden erstmals im 6. Jahrhundert erwähnt. Dagegen sprechen eine syrische Quelle des 7. Jahrhunderts aus Edessa in Obermesopotamien und weitere Quellen von zwölf persischen Königen.Eberhard Nestle: Einiges über Zahl und Namen der Weisen aus dem Morgenland. In: Marginalien und Materialien (Tübingen 1893), S. 67–88.
mini|Anbetung der Könige, Kapitell, ausgestellt im Kapitelsaal der Kathedrale Saint-Lazare d’Autun, 12. Jahrhundert mini|Giotto di Bondone: Adorazione dei Magi, Fresko in der Cappella degli Scrovegni (Padua) mit Darstellung eines Kometen, um 1305 mini|Sandro Botticelli: Anbetung der heiligen drei Könige, Tempera auf Holz, um 1475 (Galleria degli Uffizi, Florenz) mini|hochkant|Dreikönigsbild des Meisters von Meßkirch, um 1538
In der katholischen Kirche werden die „drei Könige“ als Heilige verehrt, auch wenn es eine förmliche Heiligsprechung für sie nie gegeben hat. Ihnen zugeschriebene Reliquien wurden ab dem 12. Jahrhundert zum Ziel einer bedeutenden Pilgerbewegung, die sowohl die Fertigung des Dreikönigenschreins wie auch den Bau des hochgotischen Kölner Doms veranlasste. Das rheinische Erzbistum Köln wurde dadurch zu einem der wichtigsten Wallfahrtszentren des Mittelalters.Karin Feuerstein-Prasser: Heilige Könige für den Rhein, in: G.Geschichte 3|26 Friedrich Barbarossa – Eine deutsche Legende, S. 39 ff., ISSN 1617-9412, B 7276
Ihr Gedenktag ist das Hochfest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) am 6. Januar. In den evangelischen Kirchen wird zu Epiphanias der Weisen als biblische Glaubenszeugen gedacht, eine Verehrung der "drei Könige" im katholischen oder volkstümlichen Sinn gibt es jedoch nicht. In den orthodoxen Kirchen ist ihr Fest dagegen zusammen mit Weihnachten am 25. Dezember des julianischen Kalenders. In der Koptisch-Orthodoxen Kirche von Alexandrien wird ihrer am 26. Dezember gedacht.In Kirchen, die dem julianischen Kalender folgen, fällt dieser Termin derzeit auf den 7. Januar des gregorianischen Kalenders.
Exegese und biblische Bezüge Das zweite Kapitel des Matthäusevangeliums berichtet im Rahmen der Erzählung von der Geburt Jesu Christi in Bethlehem über die Verehrung des Neugeborenen durch (griechisch, Mágoi apὸ anatolôn, „Magier aus dem Osten“). Dort heißt es: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: ‚Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.‘“
Der Begriff mágos (gr. Sing. μάγος, Plur. μάγοι; von Altpersisch maguš) wurde im Griechischen allgemein für einen Zauberer und Sterndeuter verwendet, aber vor allem für die zoroastrische Priesterkaste, die ursprünglich auf den medischen Priesterstamm der Mager zurückging, der unter anderem bei Herodot, Strabon und Philon von Alexandria erwähnt wird. Im iranischen Arsakidenreich (ca. 250 v. Chr. bis 224 n. Chr.) wurden dann alle zoroastrischen Priester als Magier (moġ) bezeichnet; sie genossen bei Griechen und Römern den Ruf, besonders gute Wahrsager und Sterndeuter zu sein. Deshalb könnten im biblischen Text persische oder auch chaldäische Sterndeuter gemeint sein. In der älteren Forschung wurde teils die Meinung vertreten, dass diese Magier von der jüdischen Gemeinde in Babylon beeinflusst gewesen sein könnten.Theodor Zahn: Das Evangelium des Matthäus (= Kommentar zum Neuen Testament, Band 1). A. Deichert, Leipzig und Erlangen 41922; Nachdruck R. Brockhaus, Wuppertal 1984, ISBN 3-417-29211-5, S. 93 f. Ludwig Neidhart: „Als die Zeit erfüllt war …“, in: Brücke zum Menschen, Nr. 133 (1998), S. 41. Nach allgemeiner Auffassung der theologischen Exegese repräsentieren sie die Welt der Heiden und suchen nach dem neugeborenen „König der Juden“ , ein Begriff, der bei Matthäus nur von Heiden verwendet wird (vgl. ); die Juden verwenden im Matthäusevangelium stattdessen ausschließlich den Begriff „König Israels“ .
Die Magier haben laut Matthäus den Aufgang eines Sterns beobachtet, der die Geburt eines Königs ankündigt . Hier ist an einen persönlichen Stern im Sinne einer von ihnen beobachteten Himmelserscheinung gedacht. Assoziationen zum Stern finden sich sowohl im Verstehenshorizont der heidnischen antiken Umwelt (Vergils Aeneis 2,694) als auch im jüdischen Umfeld (vgl. das Bileamwort über einen aufgehenden Stern in Israel oder auch eventuell die wandernde Feuersäule in ). Ob der Erzählung ein tatsächliches Phänomen am Sternenhimmel um die Zeitenwende zugrunde lag (denkbar wäre eine bestimmte Planetenkonstellation, eine Supernova oder ein Komet), ist unter Astronomen umstritten und geht nach Meinung vieler Theologen „als Frage am primär symbolischen Gehalt des Sterns vorbei“.
In den Versen 3 bis 8 kommen die Magier zuerst nach Jerusalem, dem als Hauptstadt naheliegenden Geburtsort eines Königs der Juden. Hier wird die Reaktion der politischen und religiösen Aristokratie auf die Geburt des Messias geschildert: „sie erschraken“ (V.3). In Vers 8 beauftragt König Herodes sie sogar, zurückzukehren und ihm genau den Aufenthaltsort des Kindes zu verraten – eine Vorbereitung der Erzählung vom Kindermord in Betlehem . So weist Matthäus bereits in der Einleitung des Evangeliums auf das zentrale Motiv der Ablehnung des Messias durch sein eigenes Volk hin. Hingegen sind die Heidenvölker, die die Magier repräsentieren, noch vor Israel zum Glauben an Jesus als den Messias gelangt. Ihre Huldigung und ihre Geschenke nehmen die endzeitliche Völkerwallfahrt vorweg.
In Vers 9 folgen die Weisen wieder dem Stern, der erst jetzt als wegweisender Wanderstern beschrieben ist. Er zieht vor ihnen her bis nach Betlehem und bleibt dort stehen. Im Unterschied zum Lukasevangelium („Krippe“ ohne Aussage zum Gebäude, ) ist es bei Matthäus ein gewöhnliches „Haus“ (Vers 11). Vers 10 und 11 sind als Kontrast zum Erschrecken der Menschen in Jerusalem gestaltet: Die Magier sind überglücklich – „sie freuten sich sehr mit großer Freude“ – und bringen ihre Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe (Vers 11). Dieser Vers nimmt auf mehrere alttestamentliche Texte Bezug:
Die Völkerwallfahrt zum Zion in Psalm :
Im Buch Jesaja :
Und im Hohelied :
Daneben dient Matthäus jedes GeschenkManfred Becker-Huberti: Die Symbolik: Gold, Weihrauch, Myrrhe; Artikel auf der Website „Heilige Drei Könige“ einzeln als Zeugnis für die Messianität Jesu: Gold als das angemessene Geschenk für den neugeborenen König; Myrrhe, eine Heilpflanze, mit der Arznei zubereitet wird, zum einen als Geschenk für den von Gott gesandten Arzt und Heiler („Heiland“), zum anderen unter Bezugnahme auf ebenso wie der dem Bereich des Tempels zugeordnete Weihrauch als Geschenk für den zukünftigen Hohepriester Israels.
Einen anderen Bezug zur Myrrhe bietet das Johannesevangelium , wo es heißt, Nikodemus habe etwa 100 Pfund Myrrhe mit Aloe vermischt zu Jesu Begräbnis gebracht. Die Auffassung, dass die Myrrhe des Königs in diesen Zusammenhang gehört, begegnet schon sehr früh. In einem Beda Venerabilis zugeschriebenen Text,Hugo Kehrer: Die Heiligen Drei Könige in Literatur und Kunst; Bd. 1, 1908, S. 66. dessen Vorlage vielleicht ein griechisches Malerhandbuch war, liest man: „Balthasar […] per myrrham filium hominis moriturum professus est“ („Balthasar hat durch die Myrrhe den künftigen Tod des Menschensohns angegeben“). In diesem Sinn dichtete Friedrich Spee um 1623: „die Myrrh’ auf seine Menschheit wies“.Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch für das Erzbistum Köln, Nr. 846, Strophe 5; Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart 1975 Die Myrrhe ist dann nicht Zeichen für den Heiler, sondern Zeichen für den sterblichen Menschen, der mit Myrrhe einbalsamiert ins Grab gelegt wird. Diese Vorstellung drückt auch die Antiphon zum Benedictus der Laudes des 7. Januar aus. Da bringen die drei Weisen „Gold dem großen König, Weihrauch dem wahren Gott und Myrrhe für sein Begräbnis“. Der nämliche Gedanke findet sich in dem LiedtextGotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch. Ausgabe für das Bistum Passau, Nr. 783. Stuttgart 2013 „Ein Stern ist aufgegangen“ von Guido Maria Dreves: Die Weisen brachten „Weihrauch dem Gotteserben, dem Königskinde Gold, die Myrrhe ihm, der sterben für uns am Kreuze wollt“.
sorgt noch dafür, dass die Weisen nicht zu Komplizen des Herodes werden und Jesus verraten. Damit verschwinden sie aus dem Matthäusevangelium, „ein weiteres Interesse an ihnen besteht nicht“.
Überlieferungen und Legenden mini|SCS Balthassar, SCS Melchior, SCS Casparfür: Sanctus Balthassar, „heiliger Balthasar“ usw. mit phrygischen Mützen, Mosaik des 6. Jahrhunderts (Basilica Sant’Apollinare Nuovo, Ravenna). Die Tracht ähnelt der Kleidung sassanidischer Priester. mini|Chorschrankenbilder des Kölner Doms mit Dreikönigslegende, um 1340 In der antiken griechischen Literatur war magoi in der Regel die Bezeichnung für die zoroastrischen Priester Persiens (siehe oben). Aufgrund der Bezüge zu und , wo Könige die Geschenke bringen, wurden die „Magier“ in der christlichen Überlieferung aber bald zu Königen umgedeutet. So schreibt bereits der Kirchenschriftsteller Tertullian Anfang des 3. Jahrhunderts im Rückgriff auf diese Bibelstellen über die Weisen, sie seien fast wie Könige aufgetreten. Endgültig zu Königen wurden sie dann bei Caesarius von Arles und noch später bei Isidor von Sevilla. Dagegen sieht sie die Legenda aurea weiter als Sterndeuter, Philosophen und Magier. Aus frühchristlichen Quellen stammt die Erzählung von ihrer Taufe durch den Apostel Thomas und von ihrer Bischofswürde, von einem gemeinsamen Weihnachtsfest im Jahr 54 und ihrem unmittelbar darauf folgenden Tod.
Die Zahl der Weisen schwankt in den ersten Jahrhunderten. Origenes (185–254) nennt als erster die Dreizahl der Magier. Auf Wandgemälden der Domitilla-Katakomben in Rom sind vier statt der üblichen drei Magier dargestellt, in einer anderen Katakombe sind (wohl aus symmetrischen Gründen) nur zwei Könige mit phrygischen Mützen abgebildet.