Fritz-Otto Busch (* 30. Dezember 1890 in Köln-Lindenthal; † 5. Juli 1971 in Limpsfield, Surrey, England) war ein deutscher Marineoffizier der Kaiserlichen sowie der Reichs- und der Kriegsmarine sowie Übersetzer und Seefahrts- und Marineschriftsteller. Er engagierte sich in der nationalsozialistischen Bewegung und wirkte maßgeblich an der Gleichschaltung des deutschen P.E.N. ab 1933 mit. Als Pseudonym wählte er Peter Cornelissen.

Leben Fritz-Otto Busch war Sohn des Bankdirektors Alfred Busch und seiner Frau Eugenie geb. Schick. Nach dem Gymnasium besuchte er zwei Semester eine Universität. Sein jüngerer Bruder war der zwischen 1934 und 1935 als Leiter der Hamburger Kunsthalle tätige Kunsthistoriker Harald Busch (1904–1983), der wie Fritz-Otto während des Zweiten Weltkriegs in einer Propagandakompanie Dienst tat und die Kriege der Wehrmacht im Auftrag des Propagandaministeriums verharmloste und das Kameradschaftserlebnis der Soldaten hochlobte.http://www.polunbi.de/pers/busch-02.html

Auf der Rückseite des Schutzumschlages seines 1950 im Adolf Sponholtz Verlag erschienenen Buches über Das Geheimnis der Bismarck schrieb Fritz-Otto Busch folgenden Kurzlebenslauf:

Buschs erstes Schiff als Offiziersanwärter war der Große Kreuzer Vineta, ein Seekadettenschulschiff der kaiserlichen Marine. Dieses Schiff machte 1912 eine Auslandsreise in das Mittelmeer und lief unter anderem auch die Häfen von Konstantinopel und Alexandria an. In Konstantinopel begegnete Busch einer jungen Engländerin namens Frances May. Beide trafen sich noch einmal in Kairo, als die Vineta in Alexandria lag.Siehe auch Hinweise zu Buschs Buch Frances May.

Während des Ersten Weltkriegs nahm er am 31. Mai 1916 als Leutnant zur See auf dem Großlinienschiff Oldenburg an der Skagerrakschlacht teil. Vom Frühjahr 1917 bis zum Sommer 1918 war er als Oberleutnant II. Artillerieoffizier auf dem Kleinen Kreuzer Regensburg. In diese Zeit fällt auch ein kurzer Aufenthalt an der Landfront in Flandern vom 27. Juni bis 14. Juli 1918. Danach war er in gleicher Funktion auf dem Minenkreuzer SMS Bremse eingesetzt, auf dem er auch die Revolution 1918 und das Kriegsende erlebte. Er erhielt das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse und wurde mit dem Friedrich-August-Kreuz ausgezeichnet.

1919 heiratete er Ada von dem Knesebeck, geb. Reichsfreiin von Bittersdorf, die drei Kinder mit in die Ehe brachte. 1920 wurde der Sohn Ulf geboren. Busch wurde in die Reichsmarine übernommen und schied 1928 mit dem Rang Korvettenkapitän aus dem aktiven Dienst aus.

Nach dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurde er von der Kriegsmarine reaktiviert und erlebte am 4. September 1939 den ersten britischen Luftangriff auf den Marinestützpunkt Wilhelmshaven. Danach wurde er wieder in die Reserve versetzt. Im Mai 1941 war er auf dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen als Kriegsberichter eingeschifft und erlebte die Versenkung des britischen Schlachtschiffes Hood als Augenzeuge. 1943 besuchte er als Kriegsberichterstatter die 25. U-Boot Schulflottille in Memel und quartierte sich für ein paar Tage auf deren Zielschiff Vega ein. Über seine Erlebnisse bei der Schulflottille schrieb er einen längeren Bericht, der anschließend 1943 in der Kriegsmarine Zeitschrift Heft Nr. 17 bis Heft Nr. 21 unter der Überschrift Eine Waffe wird geschärft veröffentlicht wurde.

Schriftstellerische und politische Tätigkeit Schon zu Anfang der Weimarer Republik war Busch propagandistisch tätig. Er war an der Schaffung des Mythos beteiligt, die deutsche Marine habe in der Skagerrakschlacht den Sieg davongetragen. Das war auch in seinem Beitrag „S.M.S. Regensburg beim letzten Flottenvorstoß (23.–25. April 1918)“ zu lesen, der in der von Eberhard von Mantey zusammengestellten propagandistischen Anthologie Auf See unbesiegt. 30 Einzeldarstellungen aus dem Seekrieg in dem völkischen J.F. Lehmanns Verlag erschien. Busch nutzte für manche Bücher das Pseudonym Peter Cornelissen.Michael Epkenhans, Jörg Hillmann, Frank Nägler: Skagerrakschlacht: Vorgeschichte, Ereignis, Verarbeitung. (im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes). Oldenbourg Verlag, 2009, S. 318. Auch Heut’ geht es an Bord ...! (1934) erschien in einem explizit völkischen VerlagVerortung des Armanen-Verlag nach: Olaf Kühl-Freudenstein: Evangelische Religionspädagogik und völkische Ideologie: Studien zum „Bund für deutsche Kirche“ und der „Glaubensbewegung Deutsche Christen“. Königshausen & Neumann, 2003 S. 151 online., dem Armanen-Verlag. Nach 1933 entwickelte sich Busch zu einem der meistgelesenen nationalsozialistischen Propagandaautoren für den Marinebereich. Seine Werke, einige illustriert von Karl Bloßfeld, erschienen in Verlagen, die sich dem Nationalsozialismus verschrieben hatten.

Mitwirkung an der Zerschlagung des Deutschen PEN Busch wurde auf der Generalversammlung des deutschen PEN-Clubs am 23. April 1933 aufgrund einer Vorschlagsliste des Kampfbund für deutsche Kultur PEN-Mitglied.Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten Reich: eine Dokumentation, Ullstein 1989, S. 70. Der PEN Deutschland war mit der Generalversammlung am 23. April „ein- aus- und gleichgeschaltet“, wie sein neuer Schriftführer Johann von Leers vermerkte.Dietmar Dürr: Das Amt Rosenberg in der nationalsozialistischen Literaturpolitik (PDF-Datei; 739 kB) S. 37ff. Aufgerufen am 14. März 2012. Im Mai 1933 brachte Busch als Teilnehmer der offiziellen deutschen Delegation zusammen mit Edgar von Schmidt-Pauli und Hans Martin Elster auf der internationalen P.E.N.-Tagung in Ragusa den PEN davon ab, dass eine Stellungnahme gegen die Bücherverbrennung und die Verfolgung von Juden in Deutschland verabschiedet wurde, wie er in einem mehrseitigen Brief schrieb, der als Abschrift an Joseph Goebbels ging.Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten Reich: eine Dokumentation, Ullstein 1989, S. 80–82. Als auf der Tagung trotz des Widerspruchs der deutschen Delegation der ins Exil gegangene Schriftsteller Ernst Toller reden konnte und die Misshandlung und Verfolgung deutscher Schriftsteller im NS-Deutschland anprangerte, verließ Busch mit seiner Delegation den Kongress. Kurze Zeit später trat der deutsche PEN-Club aus der internationalen Organisation aus und gründete 1934 die Union nationaler Schriftsteller. „Schriftführer“ der Union wird Busch.Gerd Simon (Hrsg.): Die philologisch-historischen Wissenschaften in den Planspielen des SD. Verlag der Gesellschaft für interdisziplinäre Forschung Tübingen (GIFT), Erstveröffentlichung 31. Januar 1998, leicht geändert am 1. September 2010, ISBN 3-932613-06-6, S. 256 online. Die damit erfolgte Zerschlagung des deutschen PEN, führte dazu, dass alle in Deutschland lebenden Schriftsteller aus dem internationalen P.E.N.-Club austreten mussten. Nur im Exil lebende Deutsche blieben PEN-Mitglieder.

Propagandist des Nationalsozialismus mini|hochkant|Zeitschrift Die Kriegsmarine 14/1940 nach der deutschen Eroberung Frankreichs im Juni 1940 Busch wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit dem Hauptschriftleiterposten der Propaganda – Zeitschrift Die Reichsmarine. Zeitschrift für Seegeltung und Seefahrt beauftragt, die ab 1934 als Kriegsmarine – Deutschland zur See fortgeführt, wurde.Werner Rahn: Deutsche Marinen im Wandel: vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit. Oldenbourg Verlag, 2005, S. 360 online. Als die Reichsmarine am 1. Juni 1935 in Kriegsmarine umbenannt wurde, erfolgte bei der Zeitschrift die Umbenennung in Kriegsmarine – Deutsche Marine-Zeitung. Zu Anfang wurde die Zeitschrift mit Unterstützung des Oberkommandos der Kriegsmarine, später direkt vom Oberkommando der Kriegsmarine herausgegeben.Vergleiche die Angaben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Busch blieb bis zum Ende der Zeitschrift im Jahre 1944 der Hauptschriftleiter.

Busch vertrat auch in anderen Publikationen nationalsozialistische Propagandapositionen. In dem gemeinsam mit dem Jugend- und Propagandaschriftsteller Gerhard Ramlow (1904–1951) geschriebenen Buch: Deutsche Seekriegsgeschichte (1940), das mit der Germanenzeit beginnt, wird auf die Marine als einem frühzeitigen Zentrum nationalsozialistischer Gesinnung hingewiesen:

Anfang Februar 1933 fand ein Staatsbegräbnis für den an einer Schussverletzung gestorbenen SA-Mann Hans Maikowski in Berlin statt, das als große NS-Propagandaaktion mit Rundfunkübertragung gestaltet wurde. Maikowski wurde in der Übertragung zum zweiten Horst Wessel erklärt. Unter den Rednern war neben Joseph Goebbels auch Fritz-Otto Busch, der eine Lobeshymne auf den deutschen Soldaten beisteuerte.Beschreibung der erhaltenen Rundfunkreportage S. 36.

Das Jugendbuch: Die Wikinger (1934) Die Literaturwissenschaftlerin Ingeborg Römer untersucht in ihrer Dissertation zahlreiche Jugendbücher des NS-Staates auf die Darstellung altnordischer Geschichte. Eines ist „Die Wikinger“ (1934) von Busch, erschienen im Leipziger Franz Schneider Verlag.Ingeborg Römer: Ahnen und Helden? Altnordische Literatur in Schul- und Jugendbüchern der nationalsozialistischen Zeit. Frankfurt a. M. 2010. Wikinger sind für Busch „Nordgermanen“, „kühne Seefahrer und unsere Blutsverwandten“.Römer 2010, S. 79. Das Buch teilt sich in zwei große Abschnitte: Sachinformationen über Schiffbau der Wikinger und abenteuerlich geschilderte Nacherzählung von Ausschnitten der Vinland-Sagas. Römer weist einige typische politische Instrumentalisierungen und Erfindungen nach. Erik der Rote und seine Söhne werden dabei mit „nachahmenswerte Eigenschaften“ (Römer) ausgestattet. Auffällig sei, dass Busch für Erik den Roten allein in einem Abschnitt mehrfach das Wort „Führer“ verwendet, das sonst in der Seemannssprache unüblich, allenfalls als „Schiffsführer“ Verwendung findet.Römer 2010, S. 140. Auch ein dramatischer Kampf der Mannschaft des Wikingerbootes mit einem Unwetter ist eine Verstärkung dieses Motivs, das in den echten Vinland-Sagas keine Vorlage hat.Römer 2010, S. 141. Gemeinsam sei vielen Jugendbüchern zum Thema, darunter auch dem von Busch etwa die Hervorhebung der Entdeckung Amerikas durch die Wikinger. Busch verbindet hierbei die freie Darstellung der tatsächlichen Geschichte mit der Gegenwart. Beispielsweise fügt er die Amerikaflüge von „unseren Fliegern Gronau und Balbos Geschwader“ (Busch) ein. Diese hätten wie die Wikinger denselben Weg zum neuen Erdteil gefunden, was in einer Karte anschaulich dargestellt wird.Römer 2010, S. 40. Zwischen den vermeintlichen Ahnen und der Gegenwart des NS-Staates baut Busch auch weitere „Brücken“ (Römer). So sei für Busch ein „Deutscher“ namens „Tyrkir“ ein Mannschaftsmitglied von Erik gewesen. „Deutscher“ auch noch als Bezeichnung einer Nationalität, war um 1000 unbekannt. Auch die überlieferte Bezeichnung „suðrmaðr“ bedeutet wörtlich nur „Südmann“ oder „Mann aus dem Süden“. Ähnlich sieht es mit anderen Details aus, so sei die Anrufung eines Gottes modern, nicht historisch. Erik ruft im Buch zur Bekräftigung seiner Absicht, mit Leif nach Westen zu segeln: „Beim Thor, und ob ich wollte!“. Dies bildet die Akklamationen aus dem christlichen Glauben, besonders katholischer Prägung nach und sei nicht heidnisch.Römer 2010 S. 200. Weitere Details der Vinland-Sagas werden von Busch unkritisch übernommen, etwa die angebliche Entdeckung von Wein und Getreide dort. Vier Büchlein aus der Sammlung Thule dienten Busch als Quelle.

Die Wikinger erschien in mehreren Nachauflagen, 1938 war das 19. bis 20. Tausend erreicht, 1941 das 26. bis 35. Tausend.DNB. Zum Thema selbst publizierte Busch auch nach 1945, 1966 erschien bei Sponholtz in Hannover: Wikingersegel vor Amerika, Die Saga von Gudrid und Freydis.

Der Bestseller: Narvik, Vom Heldenkampf deutscher Zerstörer (1940)