Das Kastell Pförring (antiker Name Celeusum; neuzeitlich auch Epona, Eponaburgium, Epenberg, Pünburg, Pinoburgium)Joseph Fink: Das Kastell Pfoerring. In: Ernst Fabricius, Felix Hettner, Oscar von Sarwey (Hrsg.): Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. Berlin und Leipzig 1902, B VII Nr. 75, 1. war ein römisches Reiterkastell. Es befindet sich heute rund 900 Meter nördlich in der Flur vor dem bayerischen Markt Pförring im Landkreis Eichstätt und wurde als Standort einer berittenen römischen Einheit zur Sicherung des Donauüberganges errichtet.Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2, S. 112. Dieser Übergang findet im Nibelungenlied als ze Vergen Erwähnung.Otfrid-Reinald Ehrismann: Das Nibelungenlied. Beck, München 2005, ISBN 3-406-50872-3, S. 33.

Lage mini|300px|Kastell Pförring nach historischen und neuen Befunden mini|links|Das Kastell in seiner Lage zum Limes

Das Pförringer Gebiet war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Eine Kontinuität bis in römische Zeit konnte im Bereich des Militärlagers und seines Dorfes bisher nicht nachgewiesen werden. Der ehemalige Kastellplatz, auch als Biburg bekannt, liegt auf einem fast quadratischen kleinen Plateau am nordöstlichen Rand des Kelsbachtales und hebt sich mit seinen Böschungen deutlich von der Landschaft ab. Angepflanzte Bäume und Büsche deuten zusätzlich die ehemalige Umwehrung an. Neben der Porta Praetoria, dem Nordwesttor dieses Lagers, befindet sich heute ein alter baumumstandener Bierkeller. Im Süden liegt die Donauniederung, im Westen fließt der Kelsbach vorbei, der in seinem Namen noch an den antiken Ort erinnert.Britta Rabold, Egon Schallmayer, Andreas Thiel: Der Limes. Theiss, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1461-1, S. 134. Vom Nordwesttor konnte das römische Militär die zum Kastell Eining führende Fernstraße einsehen. Pförring lag an der Donausüdstraße, zwischen den älteren Kastellen Eining und Kösching.

Forschungsgeschichte Bereits im 16. Jahrhundert wurden Gelehrte auf die Biburg aufmerksam. So war bereits Johannes Aventinus (1477–1534) ein heute in München aufbewahrter Weihestein bekannt, der neben der keltischen Pferdegöttin Epona auch die Campestres nennt, die von den römischen Legionären als Göttinnen des Exerzierplatzes angesehen wurden. Neben diesem Fund benannte der Gelehrte weitere Inschriftensteine, die allesamt auf den Feldern bei Pförring gefunden worden waren. Auf dem historischen Gelände, das Aventinus unter den Namen Pünburg, Epona, Pinoburgium und Eponaburgium bekannt war, sollen in dieser Zeit auch einige Münzfunde gemacht worden sein.

mini|Eine während der Ausgrabungskampagne 1893 gemachte Aufnahme mini|Der 2013 errichtete Rekonstruktionsversuch des Osttors aus modernen Materialien Für 1838 wird berichtet, dass die Torzufahrten, Wälle und Gräben noch gut sichtbar sind und viele Münzen, insbesondere aus der Regierungszeit des Kaisers Hadrian (117–138), gefunden wurden.Franz Xaver Mayer: Monographien, oder topographisch-historische Ortsbeschreibungen des Landgerichtsbezirkes Ritenburg in der Oberpfalz. In: Verhandlungen des historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Ch. Ernst Brenck’s Wittwe, Regensburg, 1838. S. 254. Bereits zuvor und auch später gruben Laien im Areal, wie der Gastwirt Ignaz Busch, der 1843 die Bauinschrift an der Porta decumana, dem südlichen Lagertor, entdeckte. Doch erst durch die Reichs-Limeskommission (RLK) fanden erste wissenschaftliche Grabungen statt. Der rund 194 × 201 Meter große Kastellplatz orientierte sich mit seiner Breitseite nach Nordwesten in die Richtung des antiken Straßenverlaufes. Die Ausgräber stellten einen umlaufenden, an den vier Toren aussetzenden Doppelspitzgraben fest, sondierten die Lage der vier Ecktürme und Tore und nahmen anschließend die Principia (Stabsgebäude) in näheren Augenschein. Insgesamt blieben aber auch die Principia bis auf das Fahnenheiligtum (Sacellum oder Aedes) weitgehend unerforscht.

1977 und 1978 fanden Notgrabungen westlich und südlich des Kastellgeländes statt. Notwendig geworden waren diese Maßnahmen durch den Bau der Bundesstraße 299. Die Wehranlage und das zugehörige Lagerdorf (Vicus) werden seit Jahrzehnten von Luftbildarchäologen überflogen. 2005 konnte die geplante Trassenführung einer Gasleitung durch das Lagerdorf weitgehend verhindert und damit Schäden an dem Bodendenkmal stark reduziert werden. Dennoch waren 2007 im Zuge des Leitungsbaus Grabungen erforderlich.Stefanie Berg-Hobohm, Alexandra Gram: Linearer Schnitt im Randbereich des Vicus von Pförring. Landkreis Eichstätt, Oberbayern. In: Das archäologische Jahr in Bayern, 2007, S. 71–73; hier: S. 71.

2005 und 2006 wurden geophysikalische Prospektionen mittels Magnetfeldmessungen an Teilen des Kastells vorgenommen, wodurch erstmals Aussagen über die Holzbebauung gemacht werden konnte. 2007 wurden diese Forschungen auf den Nordosten des Vicus ausgedehnt.Jörg Faßbinder: Neue Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion am Obergermanisch-Raetischen Limes. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Neue Forschungen am Limes, Band 3. Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2251-7, S. 167. Außerdem fanden im selben Jahr ergänzende Nachuntersuchungen in einem Bereich südlich des Kastells statt, der bereits 1977 angeschnitten worden war.

Für die touristische Erschließung und die Bestandssicherung des Kastelles wurde das von der Bundesregierung 2009 aufgelegte Investitionsprogramm der nationalen UNESCO-Welterbestätten eingeschaltet. Ein Teil der auch aus anderen Förderquellen stammenden Gelder floss in die Nachuntersuchung der beiden einzigen sichtbaren Fundamentzüge des Kastells – für den nördlichen Eckturm und das Nordosttor. Dessen Untersuchung wurde zwischen 2009 und 2010 durch die Ingolstädter Grabungsfirma Pro Arch unter der wissenschaftlichen Leitung von Jan Weinig vorgenommen.Josef Feldmann: Pförringer Kastell wird zugänglich. Donaukurier vom 30. November 2009. Abgerufen am 28. Juli 2010. Bereits 1908 hatte dort eine Erstdokumentation durch die Reichs-Limeskommission stattgefunden. Der Eckturm wurde nach diesen Maßnahmen neu konserviert. Neben diesen Untersuchungen wurden die Böschungen und Randbereiche des Kastellareals von der bis zu einem Meter starken Schicht aus antikem Bauschutt und Steinen befreit, der aus den angrenzenden Äckern hierher verlagert worden ist. Außerdem wurde der Böschungsbereich von Sträuchern und Gestrüpp befreit. An der Bundesstraße 299 entstand an einem Parkplatz zudem ein Informationspunkt der unter anderem über den ebenfalls neu angelegten Rundweg entlang des Kastells Auskunft gibt. Den Hauptschwerpunkt der Maßnahmen bildete die 2013 abgeschlossene Errichtung eines Stahlgerüsts, das silouettenhaft ein römisches Tor in vereinfachter Form nachbildet. Da diese von einem Architekturbüro entwickelte Konstruktion unmittelbar über den originalen Resten des Nordosttors entstehen sollte, sind dessen Reste nach der Neudokumentation zugeschüttet worden. Für die geplante Konstruktion wurden anschließend fünf bis sieben Meter lange Bohrpfähle in die Erde gerammt und eine Betonplatte über die antiken Fundamente gelegt. Darüber entstand der aus statischen Gründen auf 13 Meter reduzierte Aufbau, dessen Flächen aus einer textilen Bespannung bestehen.Hans-Heinrich Häffner und Lisa Feulner: Visualisierung des Nordosttors von Kastell Celeusum in Pförring. In: Der Limes, 2, 2013, S. 14–17; hier: S. 15–16.

Das gesamte unbebaute Gelände von Kastell und Lagerdorf ist heute durch intensive Landwirtschaft, Erosion und anhaltende Raubgrabungen bedroht, im Innern des Kastells haben seit 1893 keine Grabungen mehr stattgefunden. Die ehemals restaurierten Reste des Osttors und des nördlichen Eckturms sind wieder stark zerfallen.

Raubgräber Die Gier der Raubgräber hat in Pförring inzwischen unerträgliche Ausmaße angenommen. So scheuten sich die Täter 2007 nicht, des Nachts auf das damalige Grabungsgelände vorzudringen. Dabei stahlen sie nicht nur Material aus dokumentierten Befunden, sondern raubten aus dem frei liegenden Planum mittels Sonden auch Metallgegenstände. Nur die Anstellung eines Sicherheitsdienstes bereitete dem nächtlichen Treiben ein Ende.Stefanie Berg-Hobohm, Alexandra Gram: Linearer Schnitt im Randbereich des Vicus von Pförring. Landkreis Eichstätt, Oberbayern. In: Das archäologische Jahr in Bayern, 2007, S. 71–73, hier: S. 73.

Vorgeschichtliche Besiedlung Rund 400 Meter nordwestlich des Kastells lag an einem sanft nach Westen abfallenden Lößhang eine rund 60 × 60 Meter große vorgeschichtliche Befestigungsanlage, die ein verschobenes Quadrat bildet und von drei Parallelgräben umgeben war. Anhand von Luftbildern nimmt man an, dass sie als Spitzgräben ausgeführt worden sind. Die Ausrichtung dieser Annäherungshindernisse ist ungefähr Nord-Süd sowie Südost-Nordwest. Die Forschung geht davon aus, dass das Werk wohl aus der Hallstattzeit stammt und zum Typus der damaligen befestigten Herrenhöfe gehörte. In römischer Zeit wurden auf dem inzwischen völlig eingeebneten Untergrund einer Grabenecke zwei hintereinander liegende Steingebäude ausgeführt, von denen das eine fast quadratische Formen aufweist, während das andere eine längliche Form mit mindestens zwei deutlich getrennten Räumen besitzt. Wahrscheinlich gehörten diese Gebäude noch zum Vicus des Kastells. Zerfurchungen, welche die vorgeschichtliche Anlage ebenfalls am Rand stören, könnten für Lehmgruben einer naheliegenden römischen Ziegelei oder Töpferei sprechen.Rainer Christlein, Otto Braasch: Das unterirdische Bayern. Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-0855-7, S. 138.

Mit der geomagnetischen Prospektion des Kastellinneren in den Jahren 2005/2006 wurden auch im Bereich der Retentura vorgeschichtliche Strukturen deutlich. Deutlich zeigte das Meßbild eine von einem Doppelgraben umgebene, rund 40 × 80 Meter umfassende ovale Anlage, die mit ihrer Längsseite fast genau in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet ist und nördlich nahe an das römische Fahnenheiligtum herankommt. Der beim Landesamt für Denkmalpflege tätige Geophysiker Jörg Faßbinder ging von einem endneolithischen beziehungsweise altheimerzeitlichen Erdwerk aus. In späterer Zeit, das Erdwerk war entweder schon vergangen oder wurde einplaniert, entstand an dieser Stelle ein mit einem Doppelgraben umgebener Hof, der in seiner Ausdehnung die alte Anlage problemlos in sich aufnahm. Von ihm wurde 2007 nur der nördliche Teil bekannt. Dieser stößt mit einer abgerundeten Grabenspitze, die bis unter den Innenhof der Principia reicht, in nordwestliche Richtung und könnte, wie sein 400 Meter entferntes nördlicheres Gegenstück, als Gesamtanlage ebenfalls eine verschobene rechteckige Form bilden. An seiner nordnordwestlich ausgerichteten Flanke befindet sich innerhalb der Umfriedung ein wesentlich kleineres Grabenwerk, das Fassbinder als eventuellen hallstattzeitlichen Herrenhof ansah. Diese ebenfalls von einem Doppelgraben umgebene rechteckige Anlage ist mit ihrer Längsseite fast genau in Nord-Süd-Richtung orientiert. Sie übernimmt im Westen den Graben der großen Anlage und überlappt im Osten bis zur Hälfte das Oval der ältesten Siedlungsstelle. Inwieweit diese kleine Anlage und das größere Grabenwerk zeitgleich oder aufeinanderfolgend sind, könnte nur eine Ausgrabung unter den römischen Kulturschichten klären.Jörg Faßbinder: Neue Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion am Obergermanisch-Raetischen Limes. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Neue Forschungen am Limes, Band 3. Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2251-7, S. 168–169.

Baugeschichte Die Besatzung wird wohl durchgehend die in dem am 30. Juni 107 in Weißenburg ausgestellten Militärdiplom genannte Ala I Flavia singularium civium Romanorum pia fidelis (1. Reitertruppe „Flavia singularium“ römischen Bürgerrechts, pflichtbewusst und treu.) gewesen sein.. Sie soll zu Beginn des 2. Jahrhunderts das erste Holz-Erde-Kastell errichtet haben. Diverse Funde, vor allem Terra Sigillata, konnten in diese Zeit datiert werden.