mini|Die Räumlichkeiten der Grande Société befinden sich seit 1769 in der Beletage des Hôtel de Musique in Bern (2011) mini|Albrecht Steiger (1723–1793), Mitbegründer und erster Trésorier der Grande Société, Bildnis von Emanuel Handmann (1771) mini|Bern, Theaterplatz mit Hôtel de Musique (um 1820) mini|Hôtel de Musique (1902) Der Cercle de la Grande Société de Berne (dt. Grosse Sozietät) ist eine 1759 gegründete Gesellschaft der Berner Aristokratie und Diplomatie.

Geschichte Die Gesellschaft wurde 1759 nach ihrem holländischen Vorbild, der 1748 errichteten Grande Société in Den Haag, hauptsächlich durch Offiziere in niederländischen Diensten gegründet und in ihren Anfängen entsprechend Holländische Sozietät genannt. Zu den Gründern gehörten Vincenz Frisching, Albrecht Steiger, Niklaus Friedrich von Steiger und Johann Rudolf Stürler. Über die Gesellschaft und ihr Wirken ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Gelegentlich erscheinen Zeitungsartikel, die über die Grande Société de Berne berichten. So in der Berner Tageszeitung „Der Bund“ vom 6. April 2009 anlässlich der Veröffentlichung eines Buches zum 250-jährigen Bestehen der Gesellschaft. Im Buch The Victim's Fortune (2002) beschreibt Richard Wolffe detailliert die Verhandlungen zur Aufarbeitung der Nazigelder zwischen dem World Jewish Congress (WJC) unter Israel Singer und Edgar Bronfman mit der Schweizerischen Bankiervereinigung, vertreten durch Georg Krayer (Bank Sarasin) und Hans J. Bär (Bank Julius Bär), in den Räumlichkeiten der Sozietät.

Räumlichkeiten In ihren Anfängen mietete die Grande Société Räumlichkeiten im ehemaligen Haus der Gesellschaft zu Mittellöwen, zuoberst an der Kramgasse in Bern.Kehrli 2009, S. 50. 1761 wechselte die Gesellschaft ins Haus des Landvogts Samuel Friedrich Fasnacht, ebenfalls an der Kramgasse.Kehrli 2009, S. 50. Ab 1766 plante die Grande Société einen Neubau, bevorzugt wurde ein Projekt vor den Toren der Stadt.Kehrli 2009, S. 50. Im selben Jahr gründeten 24 Mitglieder eine Gesellschaft mit dem Ziel, ein Theater- und Konzerthaus zu bauen. Ein Jahr später boten sie der Grande Société Räumlichkeiten im geplanten Bau an.Kehrli 2009, S. 52. 1769 konnten die Salons im neu erbauten Hôtel de Musique am Theaterplatz bezogen werden.Kehrli 2009, S. 52. Die Räumlichkeiten erfüllen ihren Zweck bis heute.

Mitglieder In den Anfängen der Grande Société wurden unter restriktiven Aufnahmebedingungen mit wenigen Ausnahmen Angehörige der regierenden Geschlechter aufgenommen.Kehrli 2009, S. 49. Ausnahmen waren Schwiegersöhne und Personen, die ein besonderes Ansehen hatten (Wissenschaftler, Architekten).Kehrli 2009, S. 49. 2009 berichtete die Tageszeitung Der Bund, in der Grande Société seien ehemals regimentsfähige Familien Berns sowie ausgewählte Bürger und Diplomaten vertreten. Laut eigenen Angaben seien heute Patrizier, Politiker, Diplomaten, Militärs, Vertreter aus der Wirtschaft, Kunst und wohltätigen Organisationen Mitglieder des Cercle.Gleizes 2020, S. 232. Der Cercle pflegt mit dem Zürcher Club Baur au Lac und dem Münchner Herrenclub Beziehungen.

Mitbegründer waren u. a. Vincenz Frisching, Albrecht Steiger, Niklaus Friedrich von Steigervon Erlach 2009, S. 58. und Johann Rudolf StürlerVon Tscharner: La Grande Société de Berne 1759–1909. 1909, S. 67.. Weitere bekannte Mitglieder waren Albrecht von Hallervon Erlach 2009, S. 32., Marc Charles Frédéric de Sacconayvon Tscharner: La Grande Société de Berne 1759–1909. 1909, S. 131., Emanuel von Graffenriedvon Tscharner: La Grande Société de Berne 1759–1909. 1909, S. 130., Vincenz Bernhard Tscharnervon Erlach 2009, S. 118., Wolfgang-Charles de Ginginsvon Tscharner: La Grande Société de Berne 1759–1909. 1909, S. 130., Johann Rudolf Sinnervon Erlach 2009, S. 312., Karl Viktor von Bonstettenvon Erlach 2009, S. 90., Erasmus RitterKehrli 2009, S. 48., Friedrich Sinnervon Tscharner 1909, S. 131., Johann Rudolf Sinnervon Tscharner 1909, S. 131., Johann Rudolf TschiffeliKehrli 2009, S. 48., Johann Samuel Ithvon Tscharner 1909, S. 140., Samuel Anton WilhelmiKehrli 2009, S. 48., Niklaus Bernhard Morellvon Tscharner 1909, S. 140., August von Gonzenbachvon Erlach 2009, S. 217., Arthur von Stürlervon Tscharner 1909, S. 173., Walther von Bonstettenvon Erlach 2009, S. 243., Toulo de Graffenriedvon Erlach 2009, S. 258., Max Hubervon Erlach 2009, S. 255., Sigismund von Bibravon Erlach 2009, S. 275., Max Petitpierrevon Erlach 2009, S. 298., Hans Wildbolzvon Erlach 2009, S. 301. und Paul Jollesvon Erlach 2009, S. 305..

Literatur Georg von Erlach u. a. (Hrsg.): Hôtel de Musique und Grande Société in Bern 1759–2009. Licorne-Verlag, Bern 2009, ISBN 978-3-85654-181-1. (Inhalt)

Manuel Kehrli: Die Grosse Sozietät. In: Berns goldene Zeit. Das 18. Jahrhundert neu entdeckt. Stämpfli, Bern 2008, ISBN 978-3-7272-1281-9, S. 208. Manuel Kehrli: Mobiliar und Raumausstattungen der Grande Société von 1766 bis 1834, in: Georg von Erlach e.a.: Hôtel de Musique und Grande Société de Berne, Bern 2009. Manuel Kehrli: Geselligkeit in Bern, die Leiste und die Gründung der Grande Société, in: Georg von Erlach e.a.: Hôtel de Musique und Grande Société de Berne, Bern 2009, S. 41–57. Ludwig Samuel von Tscharner: La Grande Société de Berne 1759–1909. Notice commémorative à l'occasion du cent cinquantième anniversaire de sa fondation. Staempfli, Bern 1909.

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