mini|Dorfkirche St. Thomas in Damshagen (Südseite), 2008 mini|Nordseite mit den Kapellen, 2008 mini|Blick durch das Schiff auf den Altar, 2012
Die St.-Thomas-Kirche in Damshagen ist eine backsteingotische Dorfkirche im Klützer Winkel im Landkreis Nordwestmecklenburg.
Geschichte Das Dorf Damshagen liegt vier Kilometer südlich von der Kleinstadt Klütz mit dem Schloss Bothmer. Damshagen wurde bereits 1230 im Ratzeburger Zehntregister als Thomashagen erwähnt und ist eine der vier alten Parochien des Klützer Waldes. Dazu gehörten neben Damshagen noch Klütz, Elmenhorst und Kalkhorst.
Die erste Kirche wird wahrscheinlich ein Holzbau gewesen sein, doch keine hundert Jahre später wurde sie in drei Bauabschnitten durch eine Steinkirche ersetzt. Als erster Pleban wurde Godefridus de Thomshagen 1237 als Zeuge erwähnt, als Bischof Ludolfus von Ratzeburg am 26. Dezember 1237 das Benediktinerinnenkloster Rehna bestätigte.MUB I. (1863) Nr. 471.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Damshagen. 1898, S. 358.
Mit Besitz und Rechten befinden sich schon vor 1336 die Plessen in Damshagen, von denen Knappe Bernd einen Verkaufskontrakt im Dorfe vollzieht.MUB VIII. (1873) Nr. 5696. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts sind die von Plessen Besitzer des weitaus größten Teles vom Klützer Winkel, so neben Damshagen auch der Güter Klütz, Bahlen, Arpshagen, Grundeshagen, Grantenbeck, Brandenhof, Grossenhof, Hoikendorf, Tressow, Zierow, Barnekow, Parin und Hohen-Schönberg.Friedrich Lisch: Thomas Aderpul oder die Reformation zu Gressow, Machin und Bützow. MJB 16 (1851) S. 63–64.
Auf die Bedeutung dieser Adelsfamilie in der Geschichte der Reformation des Klützer Winkels wurde mehrfach bei den Patronatskirchen hingewiesen. Um 1550 verließ ein Dorfpfarrer wegen Vorenthaltung von Einkünften und Wegnahme von Ackerland durch den Patron Damshagen. 1611 erhängte sich der Pastor Thomas Löwe, seine Witwe machte dafür Johann von Plessen verantwortlich. Jahrelang habe der Pastor in Angst vor der Familie von Plessen gelebt. Zur Pfarre Damshagen gehörten 1583 neben Damshagen die Orte Stellshagen, Reppenhagen, Welzin, Moor, Pohnstorf, Gutow, Rolofshagen, Parin, Kussow, Kühlenstein und Goldbeck.Das Kirchspiel Damshagen. Aus der Chronik von Moor, Gutow, Kussow und Pohnstorf. Als 1612 Pastor Johann Gade nach Damshagen kam, fand er eine sehr herunter gekommene Pfarre vor. Das alte Wohnhaus und die Scheune waren ganz verfallen, der Acker war unbeweidet und der Boden nur gepflügt.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1627 die Kirche durch kaiserliche Soldaten arg verwüstet. 1636 brannte das Pfarrhaus samt Viehställen ab. Der Pastor Gade wohnte in dem zum neuen Wohnhaus hergerichteten ehemaligen Backhaus. Wegen der Kriegsunruhen ging er nach Lübeck und starb dort 1639 im Exil. Sein Nachfolger Pastor Johann Lademann wurde am 23. Juli 1647 durch Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg aus seinem Amt verwiesen. Im fürstlichen Dekret ist zu lesen: ...was der Pastor zu Damshagen Johannes Lademan für ein ärgerliches Leben führe, indem er nicht allein in seinem Hause mit seinem Weibe in Feindschaft lebe, sondern auch alle Tage vom Saufen voll und toll sei, mit allerhand Gesindlein …Heidelinde Knabe: Die kirchlichen Verhältnisse im 17. Jahrhundert. 2002, S. 62. Nachdem 1689 das Backhaus abgebrannt war, erfolgte erst 1697 ein Neubau mit Scheune für den Pastor. 1708 verkauften die von Plessen die Güter mit dem Kirchenpatronat von Damshagen an den Oberstallmeister Hartwig von Bülow. Doch schon 1722 traten die aus Hannover gekommenen Grafen von Bothmer die Rechtsnachfolge der übrigen Güter derer von Plessen an. Erst 1732 wurde das neue Pfarrhaus und 1755 ein neues Küsterhaus auf dem Damshagener Pfarrgelände erbaut. Neben der Verbesserung der Wohnverhältnisse für den Küster gab es für die Schulkinder einen eigenen Klassenraum. Zu dieser Zeit ging dann auch das Patronat von Damshagen an den Besitzer des Gräflich Bothmer’schen Fideikommisses über.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Damshagen.1898, S. 358.
Baugeschichte Der Backsteinbau soll in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in drei Abschnitten erbaut worden sein.Georg Dehio: Damshagen Lkr. Nordwestmecklenburg. 2000, S. 104. Zuerst wurde der Turm errichtet, in dem auch der Gottesdienst abgehalten wurde. Schon Jahre später wurde der anschließende Teil, das Langhaus gebaut. An der Südwand außen ist noch deutlich zu erkennen, wie groß der erste Teil des Kirchenschiffes war. Der große Altarraum zeigt, dass der zweite Teil noch vor der Reformation gebaut sein muss.Martin Eberling: Die Geschichte von Damshagen. Aufzeichnungen um 1930. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte man auch die Kirche in Damshagen und die Plessen’sche Begräbnisstätte stark verwüstet, besonders 1627 durch Kaiserliche Truppen. Umfangreiche Erneuerungen in der Kirche erfolgten von 1720 bis 1724 unter dem Patronat des Oberstallmeisters Hartwig von Bülow auf Rolofshagen.
1844 wurden einige Reparaturen und kleine Veränderungen im Innern der Kirche ausgeführt. Sogar eine Orgel wurde angeschafft. Das Geld beschaffte Pastor Friedrich Emil Groth durch Sammlungen in der Gemeinde. Auch Graf Kuno zu Rantzau-Breitenburg, der zu dieser Zeit auf Schloss Bothmer wohnte und das Patronat verwaltete, und der Geheime Kammerrat von Plessen zu Schwerin als Besitzer von Damshagen gaben Geldspenden. Die Kirche befand sich in diesen Jahren in einem schlechten Zustand. 1856 schilderte Pastor Mehlhardt sogar dem Großherzog Friedrich Franz II. in Schwerin die Beschaffenheit der Kirche: Die Kirche zu Damshagen ist in einem traurigen Zustand. Die innere Kirche ist im höchsten Grade verfallen, verwüstet, unordentlich und unschön. Der Fußboden ist halb versunken, an einigen Stellen aufgebrochen und mit Trümmern bedeckt. Viele Kirchenstühle sind morsch, ja sogar zersplittert und gebrochen. Altar, Kanzel, Ornamente haben ein unsauberes, verwittertes, häßliches Ansehen. Es muß ins Herz schneiden., daß dies ein Gotteshaus und eine heilige Stätte der Anbetung ist. Danach wurde die Kirche völlig ausgebaut und es erfolgte eine durchgreifende Renovierung. Man erneuerte den Fußboden, die Kirchenstühle, den Beichtstuhl, die Kanzel und den Altar. Der Gottesdienst wurde im Schulhaus abgehalten. Das Kirchenpatronat hatte zu dieser Zeit Felix Graf von Bothmer aus Bothmer. Für die baufachlichen Belange war der Landbaumeister Severin aus Grevesmühlen zuständig.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges begann man mit dem Umbau und einem Anbau des Pfarrhauses in Damshagen. Durch Verzögerungen musste die Pastorenfamilie Hildebrandt im Gutshaus zu Stellshagen wohnen. In den Nachkriegsjahren blieb auch das Pfarrhaus von Plünderungen und Diebstählen nicht verschont.
Während der Amtszeit von Pastor Helmuth Spieß wurde 1964 die Kirche innen restauriert. Äußeres Die gesamten äußeren Wände des Langhauses von 32 Metern Länge und 10,50 Metern Breite wurden im Wendischen Verband gemauert. Der einschiffige Kirchenbau mit dem außen abgestrebten Chor mit 5/8-Schluss wurde innen wie außen mehrfach überformt. Außen wurden die gotischen Fenster modernisiert. Der ursprüngliche Zickzack-Fries am Langhaus ist in Teilen erhalten. An der Nordseite des Kirchenschiffes wurden Kapellen angebaut. Eine dient als Grabkapelle, die andere, ursprünglich der Aufgang zum Patronatsgestühl, wird heute als Leichenhalle genutzt. Als Symbol für Gerechtigkeit und Macht wurde – so erzählt man sich – einem Dieb die Hände abgeschlagen und in die Kirchenwand eingemauert. Allerdings konnte dies nie eindeutig nachgewiesen werden, es soll aber in der Kirchenchronik festgehalten worden sein.
Der Kirchenraum ist ein Saalbau im Stil des 18. Jahrhunderts. Anstelle der früheren Gewölbe findet sich ein durchgehender Plafond, der früher mit den Wappen der Patronatsfamilien Hartwig von Bülow geschmückt war (das Wappen der ersten Gemahlin Hedwig von Bülow a. d. H. Gutow und eines seiner zweiten Gemahlin Christine, geborene Reventlow). Auch sonst ist eine Unterteilung zwischen Langhaus und Chor nur am Bodenniveau zu erkennen; der Chorraum liegt zwei Stufen höher als das Schiff.
Der wohl Ende des 14. Jahrhunderts westlich vorgebaute, etwas eingezogene quadratische Turm trägt als vierseitigen Helm ein Zeltdach. Die hölzerne Turmspitze wurde wegen Fäulnis 1771 erneuert. Über dem Westportal befindet sich ein Radfenster. Die schon 1653 vom Major Johann Berend von Plessen der Kirche geschenkte Turmuhr stand bis zum Turmbau auf seinem Hof. 1851 wurde die Kirchturmspitze vom Blitz getroffen, der Brand konnte durch das mutigen Handeln des Schmiedejungen Pinnow gelöscht werden. Die Erneuerung des Kirchturms erfolgte erst 1857. Dabei fand man in der Kugel eine Urkunde von 1777. Das Turm- und Kirchendach konnte 2015 neu mit Biberschwanzdachziegeln eingedeckt.
Zur Erhaltung der Befriedigung um den Damshagener Kirchhof hatte man nach 1750 bestimmte Vorschriften erlassen. So hatte jede Dorfschaft ein bestimmtes Teilstück der Friedhofsumzäunung in Ordnung zu halten. 1848 war die Kirchhofsmauer teilweise verfallen und die Zäune zerbrochen.
Ausstattung miniatur|Restaurierte Fünte, 2012
Ältestes Ausstattungsstück ist eine steinerne Fünte aus Gotland-Kalkstein aus dem frühen 13. Jahrhundert, Der Taufstein, der in der Leichenhalle abgestellt war, wurde nach der Überholung durch den Steinmetzmeister Bruhn aus Grevesmühlen 1959 wieder in der Kirche aufgestellt. Auf dem Taufstein liegt ein schmiedeeisernes Gitter, das der Schmiedemeister Reppenhagen aus Klütz angefertigt hat.https://www.foerderkreis-kirche-damshagen.de/chroniken Chronik: Pastor Spieß, Chroniken 1958 bis 1995 Inneres Das Innere wurde von 1721 bis 1724 unter dem Patronat des Oberstallmeisters Hartwig von Bülow zu einem einheitlichen Saal mit einer eingebauten Flachtonnendecke, mit umlaufendem Sims und Voute umgestaltet. Eine weitere durchgreifende Renovierung fand 1856 statt. Dabei verlor das Innere den gotischen Charakter, denn es wurde eine neugotische Fassung umgesetzt. Von der Renovierung 1964 stammt die heutige gut durchdachte Farbfassung mit den Farben blau, weiß und rot. Die Wiederherstellungsarbeiten schlossen die Instandsetzung des barocken Kanzelaltars und die Wiederaufstellung der Kalksteinfünte ein.Horst Ende: Damshagen, Krs. Grevesmühlen. In: Dorfkirchen in Mecklenburg. 1978, S. 136.
Kanzel Der barocke Kanzelaltar wurde 1724 von dem Lübecker Bildhauer Hieronymus Hassenberg geschaffen. Es fehlen noch vier der geschnitzten Figuren. Sie wurden wegen starken Holzwurm-Befalls abgenommen und bedürfen einer Restaurierung, für die der Kirchengemeinde momentan das Geld fehlt. Die Figur des auferstandenen Christus konnte mit Hilfe der Denkmalpflege bereits restauriert werden und steht seit 2017 wieder oben auf dem Altar. Das aus der gleichen Zeit stammende Patronatsgestühl ist nicht zugänglich, weil die Treppe dahinter fehlt.
Tauffünte Die Kalksteinfünte ist trotz ihrer Schlichtheit von klassischer Ausgewogenheit. Aus der attischen Basis wächst der konische, sich nach oben verjüngende, mit einem Halsring abschließende Schaft empor, auf dem die halbkugelige Kuppa mit ihrem rundbogigen Blendarkaden aufsetzt. Die Entstehungszeit dürfte die Mitte des 13. Jahrhunderts sein.
Orgel mini|Die Winzer-Orgel, 2015 Bis 1844 gab es keine Orgel in der Kirche. Die Orgel (sechs Register, ein Manual und Pedal) wurde 1844 vom Wismarer Orgelbauer Friedrich Wilhelm Winzer für 414 Reichstaler gebaut und am Pfingstsonntag eingeweiht. Davor gab es keine Orgel in der Kirche. Das aufwändige Prospekt Biedermeierform auf der Westempore wurde vom Baumeister Johann Heinrich Tischbein aus Warin entworfen. 1938 kamen durch den Schweriner Orgelbauer Marcus Runge der elektrische Windmotor und neue Prospektpfeifen hinzu. Durch den Orgelbauer Wolfgang Nußbücker aus Plau erfolgte 1974 ein Umbau und mit der Umdisponierung erklingt die Orgel in sechs Registern mit 324 Pfeifen. Bei der Renovierung 1975 wurde der kleine Strahlenkranz auf der Lyra verkleinert.
Glocke