mini|Hauptansicht (1909) Das Gesellschaftshaus Concordia () ist ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude in Wuppertal-Barmen mit den Adressen Werth 46–50, Concordienstraße 2–4 und Lindenstraße 1–3. Der Ursprungsbau entstand 1816–1818, beherbergte seither die 1801 gegründete Gesellschaft Concordia und wurde 1898–1900 durch den in Teilen bis heute erhaltenen neobarocken Bau ersetzt. Das Gebäude bildet den südlichen Abschluss des Johannes-Rau-Platzes (Rathausvorplatz) und gehört mit dem Rathaus Barmen und dem Stadtbad Kleine Flurstraße zu den wenigen historischen Bauten im alten Stadtkern, die den Zweiten Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahrzehnte überlebt haben.

Geschichte 19. Jahrhundert Das älteste Jahrbuch der Ersten Gesellschaft zur Gemarke erwähnt, dass „sich 1801 einige Freunde des geselligen Vergnügens in der Absicht verbanden, nach dem Beyspiel der in Elberfeld bestehenden gesellschaftlichen Verbindung (Elberfelder Casinogesellschaft) eine Societät hierselbst zu errichten, um da im freundschaftlichen Zirkel die der Erholung gewidmeten Abendstunden genießen zu können“.Bredt (1901), Seite 1 Die 25 Gründerväter benannten ihre Bürgergesellschaft Concordia und waren durch musikalische Aufführungen und Tanzveranstaltungen bemüht, auch den Interessen der Ehefrauen und Töchter der Mitglieder zu entsprechen. Zu diesem Zweck wurde 1816–1818 vom Baumeister Wilhelm Buchholz das erste Gesellschaftshaus an der Wertherstraße (heute Werth) in klassizistischen Stilformen mit Mittelrisalit und Zwerchgiebel errichtet. Durch die fortschreitende Industrialisierung Barmens und den sprunghaften Anstieg der Bevölkerung wuchsen auch die Anforderungen an die Stadtverwaltung. Da viele der Entscheidungsträger von Stadt und Bezirk in der Gesellschaft Concordia waren, wurden auf ihren Zusammenkünften häufig lokal- und regionalpolitische Vorhaben eingeleitet.

Die musikalischen Aufführungen hatten beachtliches Niveau erreicht und machten durch Mangel an alternativen Räumlichkeiten in Barmen eine Erweiterung notwendig. Im Februar 1861 fand nach zwei Jahren Bauzeit die Einweihung des Konzertsaals statt. Dieser bot über 400 Besuchern Platz, hatte eine sternenförmige Deckenbeleuchtung und war der erste Konzertsaal auf dem Kontinent mit einer Orgel, die aus der Werkstatt von Ibach stammte. Bedeutende Solisten wie z. B. Johannes Brahms am 16. Februar 1884 und Dirigenten wie z. B. der in Elberfeld geborene Hans Knappertsbusch gaben hier Konzerte. , Grußwort von Wolfgang Baumann Das Gesellschaftshaus war die Ideenschmiede und der Versammlungsort für die Gründung des Barmer Verschönerungsvereins am 8. Dezember 1864 sowie des Barmer Kunstvereins am 25. Februar 1866.

Neubau um 1900 mini|hochkant|Eingangsportal (1909) mini|Konzertsaal (1909) mini|Treppenhaus (1909) In den 1870er und 1880er Jahren entwickelte sich das Gesellschaftshaus der Concordia zu einer bürgerlichen Festhalle, und das Gebäude entsprach nicht mehr den Anforderungen. Am 8. Juni 1896 beschloss die Gesellschaft den Neubau des Vereinshauses an gleicher Stelle. Die feierliche Einweihung erfolgte am 17. Januar 1900. Eine dem Schlussstein beigelegte Urkunde vom 25. Januar 1900 beschreibt den Ablauf des Bauprojekts:zitiert bei: Bredt (1901), Seite 54

Die Kunstverglasungen wurden von der Glasmalerei Schneiders und Schmolz in Köln-Lindenthal angefertigt. Die Architekten, der Bildhauer und die ausführenden Werkstätten besaßen hohes Renommee in Fachkreisen.

Der Neubau hatte den Charakter eines barocken Stadtpalais. Eine zeitgenössische Beschreibung des Gebäudeinneren besagte:Bredt (1901), Seite 52–53

Mit der geschweiften Giebelform der zahlreichen Zwerchhäuser in den Mansardwalmdächern hatte das Gebäude ein lebhafte Dachlandschaft, mit der die Architekten an Formbestände des bergischen Bürgerhauses aus dem Spätbarock anknüpften. Originell ist auch das erhaltene bergische Eingangsportal mit leicht verziertem Kämpferfenster und spiegelbildlich angeordneten Dielenfenstern, wobei spielerisch mit den Barockformen nach österreichisch-böhmischer Art und bergisch-märkischer Tradition umgegangen wurde.

Einen Tag nach der Neueröffnung 1900 wurde auch das Bismarck-Denkmal in der Nähe der Concordia eingeweiht. Diese bewusst angelegte städtebauliche Situation hatte für das Gesellschaftshaus der Concordia einen politischen Zusammenhang, in dem der Begriff Concordia mit Otto von Bismarck als gefeiertem Vollender der Deutschen Einheit politisch umgedeutet wurde. In der historischen Concordia war das Bürgertum unter sich. Alles, was Rang und Namen hatte, ging hier ein und aus, um sich den schönen Künsten zu widmen., Schöne drei Concordia Es wurde Politik betrieben, man präsentierte und feierte sich selbst, engagierte sich aber auch in christlicher Nächstenliebe mit „edlen Thaten“ für die „unteren“ Gesellschaftsschichten.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit Im Zweiten Weltkrieg wurde das repräsentative Gesellschaftshaus durch den alliierten Luftangriff auf Barmen in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 1943 bis auf die Umfassungsmauern zerstört und in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Dabei entfielen die Mansardwalmdächer, und die großen Öffnungen der zweigeschossigen Eisen-Glas-Schaufenster-Konstruktionen wurden durch eingeschossige Schaufenster und kleinere Rundbogenfenster im ersten Obergeschoss ersetzt, das Mauerwerk zwischen diesen Fensteröffnungen wurde mit Sandstein verkleidet, der sich farblich von den alten Teilen der Fassade unterscheidet.

Das Gebäude mit der schmuckvoll verzierten Fassade fällt vor allem durch die beiden großen, originalen Konsolen-Figuren über dem kunstvollen Portal auf, die einen Balkon mit schmiedeeisernem Geländer tragen. Während im Erdgeschoss an der Frontseite unter anderem Ausstellungsräume eines Kunsthändlers untergebracht sind, liegt am Ende der Schuchardstraße der Eingang zum ehemaligen FITA-Palast, in dem von 1948talgeschichten.de, Hoppla, jetzt komm ich! Ein halbes Jahrhundert Kintopp in Wuppertal bis 1998 , Chronik von 1900 bis 1999 ein Mehrtheaterkino mit insgesamt 1400 Sitzplätzenhatzfeldpost.de (PDF; 8 kB), Park-Lichtspiele Wuppertal-Hatzfeld und abgetrennten Logen, Ex-Fita-Palast: Disco oder doch Ärztehaus? untergebracht war., private Website von Wolfgang Mondorf Das Kino wurde aus den ehemals zwei großen Gesellschaftssälen der Concordia gebildet.

Heutige Nutzung alternativtext=Ambiente-Trauung Concordia Wuppertal|mini|Räumlichkeiten für Trauungen 2006 wurde der Dortmunder Architekt Niederwörmann damit beauftragt, das ehemalige Kino zu überplanen. Bis zu zehn Arztpraxen sollten als Ärztehaus in dem ehemaligen Kino Platz finden. Vorher wurden bereits Nutzungen als Diskothek, Erlebnisgastronomie, Indoor-Kinderspielplatz oder als dritte kommunale Theaterspielstätte in Wuppertal, Fita-Palast, Antrag der Ratsfraktion der Partei des Demokratischen Sozialismus diskutiert, realisiert wurde bislang keiner dieser Pläne. 2026 kauften zwei Projektentwickler das Haus, das zu zwei Dritteln leer steht und wiederbelebt werden soll.

Der Rest des Gebäudeblocks enthält Ladenlokale, Gastronomieräume, Büros und Wohnungen. Im zweiten Obergeschoss bleiben das Spielzimmer, die Gesellschaftsräume und zwei große Säle der Gesellschaft Concordia für Geselligkeit, Konzerte, Kunstausstellungen, Vorträge und Festversammlungen vorbehalten. In den Sälen kann man sich standesamtlich trauen lassen.

Bilder

Literatur F. W. Bredt: Concordia. Eine Jahrhundertstudie aus dem Wupperthal. Luhn, Barmen 1901. Florian Speer: Vom Bau des ersten Gesellschaftshauses der Bürgergesellschaft Concordia zu Barmen 1816–1818. In: Kunst und Architektur. Festschrift für Hermann J. Mahlberg zum 60. Geburtstag. Müller+Busmann, Wuppertal 1998, ISBN 3-928766-32-5, Seiten 32–40. Hermann J. Mahlberg, Hella Nußbaum: Der Aufbruch um 1900 und die Moderne in der Architektur des Wuppertales. Abendrot einer Epoche. Müller+Busmann, Wuppertal 2008, ISBN 978-3-928766-87-6, Seiten 120–122.

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Einzelnachweise

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