Die Chronik der Teilung Deutschlands umfasst Geschehnisse vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990. Deutschland wurde aufgrund der Kriegsniederlage in vier Besatzungszonen geteilt, welche von den Hauptsiegermächten kontrolliert und geleitet wurden.
1944 Im Rahmen des Morgenthau-Plans diskutierte eine Minderheit unter den Alliierten verschiedene Varianten zur Aufteilung Deutschlands.Heil, Johannes: Matthaeus Parisiensis, Henry Morgenthau und die ‘Jüdische Weltverschwörung‘ in: Geschichtsmythen: Legenden über den Nationalsozialismus. hrsg. v. Wolfgang Benz und Peter Reif-Spirek. Metropol, Berlin 2003, S. 131–149.
Auf Basis des Plans wurden durch einzelne Personen in wenigen Ressorts des britischen und US-amerikanischen Außenministeriums folgende Grenzziehungsvarianten kontrovers diskutiert: Annexion von Teilen Hinterpommerns durch Polen bei gleichzeitiger Grenzziehung an der östlich gelegenen Glatzer Neiße. Zusammenschluss Österreichs mit Ungarn zur Donauföderation (kleine Lösung). Annexion westdeutscher Grenzgebiete durch die Niederlande bis an Rhein und Weser (Niederländische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg). Annexion kleinerer Grenzgebiete durch Belgien über das Eupen-Malmedy Gebiet hinaus (Belgische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg). Annexion kleinerer moselfränkischsprachiger Grenzgebiete durch Luxemburg (Luxemburgische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg). Zusammenschluss Österreichs mit Ungarn und der Tschechoslowakei zur Donauföderation (große Lösung).
Die Gegner des Plans auf amerikanischer sowie britischer Seite waren jedoch in der Mehrheit und lehnten die darin erhobenen radikalen Forderungen ab, so dass der Morgenthau-Plan nie zur Grundlage der Politik gegenüber Deutschland reifte.
1945 Im Jahre 1945 wurde auf der Konferenz von Jalta vom 4. Februar bis 11. Februar die Aufteilung Europas und Teilung Deutschlands in Besatzungszonen beschlossen. Außerdem bestimmte man die deutsche Hauptstadt Berlin zum Sitz des zukünftigen Alliierten Kontrollrats und zu diesem Zweck in vier Sektoren zu unterteilen (Viersektorenstadt). Nachdem die sowjetischen Truppen am 16. April 1945 ihren letzten großen Angriff ausführten, trafen sie erstmals am 25. April 1945 an der Elbe bei Torgau auf amerikanische Truppen.
Aufgrund der ersichtlichen Niederlage beging Adolf Hitler am 30. April in Berlin Suizid. Sein von ihm bestimmter Nachfolger als Reichspräsident Großadmiral Karl Dönitz amtierte formell bis zur Verhaftung der Geschäftsführenden Reichsregierung am 23. Mai 1945 in Flensburg-Mürwik. Am 1. Mai 1945 traf das Leitungsmitglied der Exil-KPD Walter Ulbricht an der Spitze der „Gruppe Ulbricht“ in Deutschland ein. Wie zwei ähnliche Gruppen begann sie in Absprache mit den sowjetischen Kommandanturen kommunistische Bürgermeister und Bezirksverwaltungen in Berlin und der künftigen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) einzusetzen. Am 8. Mai endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Alliierten übernahmen die oberste Regierungsgewalt in Deutschland.
zu den Einzelheiten siehe: Besatzungszone
Bereits am 10. Juni 1945 ließ die Sowjetunion Parteien und Gewerkschaften in ihrer Zone zu. So wurden die KPD am 11. Juni, die SPD am 15. Juni, die CDU am 26. Juni und die LPD (LDPD) am 5. Juli 1945 neugegründet. Am 9. Juli erfolgte die Bildung der SBZ und die Neuerrichtung der Länder. Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 fand die Potsdamer Konferenz auf Schloss Cecilienhof in Potsdam statt. Dort wurden unter anderem die Einzelheiten der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen sowie das Besatzungsrecht in diesen Zonen vereinbart. Die Konferenz endete mit dem Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945. Auf der Basis des Potsdamer Protokolls errichteten die Westalliierten in ihren Zonen ein Mehrparteiensystem und ließen viele demokratische Parteien zu. Am 26. Juli legt das 3. EAC-Zonenprotokoll die Vierteilung Deutschlands einschließlich Berlins durch die Schaffung einer französischen Besatzungszone fest. Am 30. August erfolgte die Bildung des Alliierten Kontrollrates und der Alliierten Kommandantur in der Viersektorenstadt Berlin.
Vom 3. bis 11. September 1945 erließen die Provinz- und Landesverwaltungen der Sowjetischen Besatzungszone ähnlich lautende Verordnungen zur Durchführung der Bodenreform in der SBZ. Enteignet wurden landwirtschaftliche Betriebe von Großgrundbesitzern mit mehr als 100 ha Fläche und Besitzer kleinerer Betriebe, die als Kriegsverbrecher und aktive NSDAP-Mitglieder eingestuft wurden.
Mit dem 20. November begannen die Nürnberger Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher.
1946 Am 21. und 22. April 1946 fand in Ost-Berlin der Vereinigungsparteitag der KPD und der SPD statt. Auf diesem wurde die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED in der Sowjetischen Besatzungszone und Berlin beschlossen. Zu Vorsitzenden wurden Wilhelm Pieck (KPD) und Otto Grotewohl (SPD) gewählt. Erich Honecker wurde Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend. In Berlin konnte die SPD mit Unterstützung der Westmächte überleben und gewann die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin 1946. Berlin bekam einen sozialdemokratisch dominierten Magistrat.
US-Außenminister Byrnes verkündete am 6. September in Stuttgart die längerfristige Präsenz westlicher alliierter Soldaten in Deutschland. Am 2. Dezember unterzeichneten die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich Verträge über die Zusammenlegung der britischen und amerikanischen Zone zur Bizone um ein einheitliches Wirtschaftsgebiet zu erhalten. In den Westzonen fanden außerdem Wahlen zu den Landtagen statt. In der Sowjetischen Besatzungszone wurden Betriebe von Kriegsverbrechern sowie Betriebe der Schwer- und Schlüsselindustrie enteignet und in Volkseigentum überführt.
1947 Am 12. März 1947 trug Harry S. Truman vor dem amerikanischen Kongress die Truman-Doktrin der USA vor. Sie enthielten eine Ausarbeitung um den Totalitarismus einzudämmen. Der Marshallplan, eine Konkretisierung der Truman-Doktrin zur finanziellen Unterstützung europäischer Länder wurde am 5. Juni 1947 vorgestellt. Die Unterstützung in Bezug auf den Marshallplan wurde auch der Sowjetischen Besatzungszone angeboten, diese schlug das Angebot jedoch aus. Am 6. Juni 1947 scheiterte die erste Konferenz der Ministerpräsidenten in München. Diese trafen erst wieder in ihrer Gesamtheit am 20. Dezember 1990 zusammen. Am 30. Juni 1947 wurde die „Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion“, aus der im Jahre 1949 die „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ wurde, gegründet. Zwei Monate später, am 30. September 1947 gründete sich das Kommunistische Informationsbüro. Vom 25. November bis zum 15. Dezember 1947 tagte die Außenministerkonferenz. Sie wurde aufgrund der Kritik der UdSSR an der Bizone abgebrochen. Außerdem wurde das Saarland im Jahre 1947 abgetrennt.
1948 In Ost-Berlin tagte am 17./18. März der Zweite Deutsche Volkskongress,Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 6, Von 1945 bis 1949. Autorenkollektiv: Walter Ulbricht u. a. Dietz Verlag, Berlin 1966, S. 240. in dessen Beschlüssen die Ablehnung des Marshallplans, die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und ein Volksbegehren zur deutschen Einheit gefordert wurden. Von Februar bis Juni fand die Londoner Sechsmächtekonferenz statt. Die drei westlichen Besatzungsmächte (USA, Frankreich und Vereinigtes Königreich) sowie die Beneluxstaaten beratschlagten über die Selbstverwaltung und erste Organisation von Deutschland (z. B. Landtagswahlen). Sie beschlossen den Inhalt der Frankfurter Dokumente. Der Parlamentarische Rat sollte eine Verfassung ausarbeiten, die ein zukünftiges Deutschland zu einem föderalistischen und demokratischen Staat machen würde. Als Reaktion trat die UdSSR aus dem Alliierten Kontrollrat aus.
Am 20. Juni wurde die Währungsreform in den West-Zonen beschlossen. Sie wurde wenig später auch in den Westsektoren eingeführt. Am 23. Juni folgte die Sowjetische Besatzungszone. Als Reaktion auf die Einführung der D-Mark in den Westzonen, wurden in der Nacht auf den 24. Juni die Berliner West-Sektoren von der Sowjetunion abgeriegelt. Dies war der Beginn der fast einjährigen Blockade. Mit der Berliner Luftbrücke versorgten die Westalliierten die eingeschlossene Bevölkerung in West-Berlin. Am 30. November 1948 beendete die SED die einheitliche Kommunalverwaltung in Berlin, indem eine im Ostsektor von ihr zusammengerufene „außerordentliche Stadtverordnetenversammlung“ den Magistrat für abgesetzt erklärte und einen „provisorischen demokratischen Magistrat“ mit Friedrich Ebert junior (SED) als Oberbürgermeister einsetzte, den die sowjetische Besatzungsmacht sofort als einzig rechtmäßigen Berliner Magistrat anerkannte.
Die Aufstellung kasernierter Polizeiverbände (DVP, Deutsche Volkspolizei) durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) am 3. Juli wurde von den Westmächten als Vorstufe einer ostdeutschen Armee angesehen.
1949 Am 8. April wurde die Bizone zur Trizone. Die am 24. Juni 1948 gestartete Blockade West-Berlins wurde am 12. Mai beendet. Am 23. Mai erfolgte die Gründung der Bundesrepublik Deutschland auf westdeutschem Gebiet durch die Verkündigung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, worauf sich der erste Deutsche Bundestag am 7. September konstituierte und der Amtsantritt der Bundesregierung am 20. September 1949 erfolgte.
Im April wurden einige grenznahe deutsche Gebiete in die Niederlande (Selfkant, Elten) und nach Belgien (Losheim, Hemmeres) ausgegliedert und kamen bis 1963 zurück zur Bundesrepublik Deutschland.
Zwischen dem 29. Mai und dem 3. Juni fand der Dritte Deutsche Volkskongress statt. Mehr als 2.000 Mitglieder wählten dabei den zweiten Deutschen Volksrat als ständiges Organ. Nur 25 % seiner 330 Mitglieder stammten aus den Westzonen. Der Volkskongress nahm die von ihm erarbeitete Verfassung für eine Deutsche Demokratische Republik einstimmig an.
Am 14. August fanden die Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag statt. Von den 402 Mandaten errang die Union 139, die SPD 131, die FDP 52 und die KPD 15. 8 Abgeordnete aus West-Berlin hatten im Bundestag kein Stimmrecht.
Am 7. September trat der erste Deutsche Bundestag zusammen, der Konrad Adenauer (CDU) zum Bundeskanzler wählte. Als Bundeshauptstadt der Bundesrepublik wurde übergangsweise Bonn festgelegt.
Einen Monat später, am 7. Oktober 1949, trat in Ost-Berlin der Zweite Deutsche Volksrat zusammen und konstituierte sich als Provisorische Volkskammer. Anlässlich der Gründung der DDR wurde die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik zu geltendem Recht erklärt. Wilhelm Pieck wurde zum Präsidenten ernannt. Als Hauptstadt bestimmte der Ost-Berliner Magistrat Berlin. Am 10. Oktober übertrug die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Verwaltungsfunktionen an die provisorische Regierung – den späteren Ministerrat. An die Stelle der SMAD trat die Sowjetische Kontrollkommission (SKK). Gegen Ende des Jahres wurde begonnen, Parteien und Massenorganisationen in der DDR zur Einheitsliste der Nationalen Front zusammenzuschließen.
1950 mini|Flüchtlinge aus der DDR 1950 im Durchgangslager der mittelhessischen Stadt Gießen Im Jahr 1950 wurde die DDR Mitglied im RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, COMECON), der Wirtschaftsgemeinschaft der sozialistischen Länder.