Duingen (hochdeutsche Aussprache nach Schriftbild [ˈdʊɪŋən], dialektal (ostfälisch) Daujen [ˈdaʊʒən]) ist ein Flecken in der Samtgemeinde Leinebergland im niedersächsischen Landkreis Hildesheim. Geografie Lage mini|Blick von Holzen-Ith auf Duingen Duingen liegt etwas östlich vom Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln im Leinebergland zwischen Ith, Thüster Berg und Duinger Berg. Nahe liegt die Quelle des südwestlichen Leine-Zuflusses Saale. Durch den Duinger Wald führen mehrere Wander- und Fahrradwege zur Duinger Seenplatte mit dem Bruchsee, Humboldtsee, Ententeich und Weinbergersee.
Fleckengliederung Der Flecken Duingen besteht aus folgenden Ortsteilen: Capellenhagen (Einwohner: 141) Coppengrave (Einw.: 624) Duingen-Kernort (Einw.: 2706) Fölziehausen (Einw.: 84) Hoyershausen mit Lübbrechtsen und Rott (Einw.: 439) Marienhagen (Einw.: 750) Weenzen (Einw.: 362) (Einwohnerzahlen: Stand 30. November 2016)
Geschichte Erstmals wurde Duingen zwischen 826 und 876 als Duthungun schriftlich erwähnt. Der Ortsname ist eine Bildung mit dem Suffix -ung oder -unga zu einem Grundwort *duð/þ- unbekannter Bedeutung (vielleicht eine Pflanzenbezeichnung). Geschichtliche Varianten des Ortsnamens sind u. a. Dudingen, Tuingoburg, Dujen.
Im April 948 weilte der Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, der spätere römisch-deutsche Kaiser Otto I. in Duingen.
Um 1233 lebten die „Ritter von Duingen“ in der sogenannten „Tinne“. Die „Tinne“ steht im Alfelder Weg und ist Duingens ältestes Haus. Im Jahre 1642 wurde das Hirtenhaus im Hirtenweg 1 gebaut. Duingen hatte zu diesem Zeitpunkt rund 800 Einwohner. Die erste Windmühle wurde 1661 auf dem Windmühlenweg errichtet. 1742 wurde die Windmühle baufällig und neu aufgebaut.
Im Zweiten Weltkrieg gab es in Duingen mehrere Zwangsarbeiterlager, darunter auch jenes, welches in dem vom späteren Bremer Finanzsenator Wilhelm Nolting-Hauff verfassten Buch IMI’s - Chronik der Verbannung thematisiert wird. Im vom International Tracing Service herausgegebenen Catalogue of Camps and Prisons in Germany and german-occupied Territories trägt das Lager die Bezeichnung "Gestapolager Roehrenplatz auf den Bahnhofswiesen". In diesem waren zeitweise bis zu fünfzig der von den Nationalsozialisten als "Jüdische Mischlinge I. Grades" ("IMI´s") bezeichneten und nach den Nürnberger Rassengesetzen als "Halbjuden" eingestuften Männer interniert. Diese wurden primär im direkten Umfeld des Dorfes zur Zwangsarbeit eingesetzt, zum Beispiel im Forstamt Weenzen.
Bis Ende der 1960er Jahre war der Müllermeister Großmann tätig. Die Mühle wurde später zu einem Wohnhaus umgebaut. 1911 wurde die Freiwillige Feuerwehr Duingen gegründet. 1977 kam Duingen im Zuge der Auflösung des Landkreises Alfeld (Leine) zum Landkreis Holzminden und wurde 1981 in den Landkreis Hildesheim umgegliedert.
Duingen ist Mitglied der Region Leinebergland, ein nach dem Leader-Ansatz gegründeter freiwilliger Zusammenschluss verschiedener Städte und Gemeinden im südlichen Niedersachsen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Capellenhagen und Fölziehausen in den Flecken Duingen eingegliedert.
Am 1. November 2016 wurden die Gemeinden Coppengrave, Hoyershausen, Marienhagen und Weenzen eingemeindet. Zeitgleich wurde die Samtgemeinde Duingen zur neuen Samtgemeinde Leinebergland fusioniert. Duingen ist dadurch nicht mehr Verwaltungssitz, erhielt aber Außenstellen der neuen Samtgemeinde.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1885 994 1910 1245 1925 1306 1933 1453 1939 1624 1950 3178 1956 3007 1973 3053 1975 3296 ¹ 1980 3083 ¹ Jahr Einwohner Quelle 1985 2752 ¹ 1990 2931 ¹ 1995 3061 ¹ 2000 3029 ¹ 2005 3043 ¹ 2010 2893 ¹ 2015 2863 ¹ 2016 5034 ¹ 2019 4892 ¹ ¹ jeweils zum 31. Dezember
Religion mini|Katholische Kirche Guter Hirt Die evangelisch-lutherische Katharinenkirche, 1735–1739 nach Plänen von Ernst Braun erbaut, befindet sich am Pfarrhof. Die Kirchengemeinde, deren Pfarramt auch die Kirchengemeinde Coppengrave sowie die Kapellengemeinde Ith-Weenzer-Bruch betreut, gehört zum Kirchenkreisverband Hildesheimer Land/Alfeld. Die katholische Kirche Guter Hirt wurde 1960/61 nach Plänen von Johannes Reuter sen. an der Ebertstraße erbaut. Sie gehört seit 2006 zur Pfarrgemeinde St. Marien in Alfeld. Eine Neuapostolische Kirche befindet sich an der Töpferstraße am Ortsausgang. Die Gemeinde wurde 1930 gegründet, 1953 wurde ihr erstes Kirchengebäude geweiht. Die Gemeinde gehörte zum Kirchenbezirk Hildesheim und wurde 2014 geschlossen.
Politik Rat Der Rat des Fleckens Duingen setzt sich aus 4 Ratsfrauen und 11 Ratsherren folgender Parteien zusammen: CDU: 4 Sitze SPD: 5 Sitze Wählergemeinschaft Leinebergland: 4 Sitze Grüne: 1 Sitz FDP: 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl 12. September 2021)
Bürgermeister Der Bürgermeister des Fleckens Duingen ist Klaus Krumfuß (CDU). Seine Stellvertreter sind Andrea Prell (SPD) und Wolfgang Schulz (WGL).
Wappen Dem Flecken Duingen wurde das Kommunalwappen am 22. August 1939 durch den Oberpräsidenten der Provinz Hannover verliehen. Der Landrat aus Alfeld überreichte es am 9. Dezember desselben Jahres.
Wappen der eingemeindeten Ortschaften
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Duinger Seenplatte (Bruchsee, Humboldtsee, Weinbergersee) in etwa vier Kilometer Entfernung vom Ort
Töpfermuseum Duingen
Wirtschaft und Infrastruktur In Duingen gibt es Kindergärten, eine Oberschule, eine Grundschule sowie zwei Supermärkte, einen Getränkemarkt und ein Hallenbad.
Verkehr mini|Bahnhof Duingen, Vereinsheim des Fördervereins Kleinbahn VDD Duingen liegt an der Bundesstraße B 240. Der Bahnanschluss bestand früher in Form der Kleinbahn Voldagsen-Duingen-Delligsen. Mittlerweile ist die Strecke nicht mehr in Betrieb, allerdings wird vom Förderverein Kleinbahn VDD ein musealer Verkehr in Richtung Voldagsen angestrebt. Über eine Buslinie der Regionalverkehr Hildesheim GmbH ist Duingen an Alfeld und Thüste angebunden. Wander- und Fahrradwege führen unter anderem zur Duinger Seenplatte.
Persönlichkeiten
Johann Georg von Eckhart (1674–1730), Historiker und Bibliothekar, geboren in Duingen. Hermann Kyrieleis (1863–1924), Fälscher von Luther-Autographen, geboren in Duingen.
Literatur Ralf Busch: Duingen: ein niedersächsischer Töpferort. Ausstellungskatalog. Veröffentlichungen des Braunschweigischen Landesmuseums 2. Braunschweig 1975. Ralf Busch: Mittelalterliche und neuzeitliche Töpfereien zwischen Alfeld und Deister. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Band 48: Hannover, Nienburg, Hildesheim, Alfeld. Teil I: Einführende Aufsätze. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1981. S. 224–231. Mit Literaturangaben. Historisches Museum am Hohen Ufer Hannover. In Zusammenarbeit mit Westermann’s. Hannover 1986. S. 113: Abbildung „Braunes Duinger Steinzeug“. Ulrich Fliess: Volkskundliche Abteilung. Ausstellungskatalog des Historischen Museums am Hohen Ufer Hannover II. Hannover 1972. S. 95–98: Duinger Steinzeug (Geschichtlicher Überblick) und Ausstellungsstücke in der Wandvitrine 141 (zugehörige Abbildungen in Tafel 14).
Weblinks
Webseite zu Duingen Töpferwesen in Duingen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Hildesheim
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