Die Tribus Gnaphalieae gehört zur Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae). Sie enthält 178 bis 184 oder bis zu 187 Gattungen mit 1240 bis über 2100 Arten und ist damit die artenreichste Tribus der Familie Asteraceae.
Beschreibung miniatur|Gesamtblütenstand mit vielen Blütenkörbchen der Silberimmortelle (Anaphalis margaritacea) mini|Gesamtblütenstand mit Blütenkörbchen und Röhrenblüten von Pseudognaphalium macounii miniatur|Achäne mit Pappus der Silberimmortelle (Anaphalis margaritacea) mini|Illustration der Silberimmortelle (Anaphalis margaritacea) aus Sturm
Erscheinungsbild und Laubblätter Es sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen, oder verholzende Pflanzen: Halbsträucher bis Sträucher. Die einjährigen Arten sind mehr oder weniger wollig behaart und erreichen oft nur Wuchshöhen von 1 bis 10 Zentimetern.
Die grundständig in Rosetten und/oder am Stängel verteilt, meist wechselständig, selten gegenständig angeordneten Laubblätter sind gestielt oder ungestielt. Die Basis der Blattstiele läuft oft am Stängel entlang abwärts. Die Blattspreiten sind meist einfach. Die Blattränder sind meist glatt oder selten gezähnt und oft nach unten oder oben eingerollt. Die Blattflächen sind oft wollig oder filzig und/oder drüsig behaart.
Blütenstände und Blüten Die körbchenförmigen Blütenstände stehen selten einzeln, meist an verzweigten, doldentraubigen, rispigen oder traubigen Gesamtblütenständen zusammen. Die Blütenkörbe sind meist scheibenförmig. Ein bis zwei oder zwölf bis über dreißig mehr oder weniger in Form und Größe verschiedene Hüllblätter stehen in meist drei bis mehr als zehn Reihen zusammen, selten fehlen sie. Die Hüllblätter sind oft wollig behaart, weiß oder leuchtend gefärbt (gelb, rosa- oder purpurfarben) und ihre Ränder und/oder Spitzen sind meist deutlich papierartig. Der meist flache bis konvexe, manchmal kegel- bis mehr oder weniger säulenförmige Korbboden besitzt meist kein Spreublätter (Palae); falls Spreublätter vorhanden sind, können diese manchmal die weiblichen Blüten umhüllen.
Im körbchenförmigen Blütenstand meist heterogam, manchmal homogam und befinden sich selten Zungenblüten und meist nur Röhrenblüten. Nur selten werden am Rand des Blütenkorbes weibliche, mehr oder weniger zygomorphe Blüten als Zungenblüten interpretiert. Meist gibt es am Blütenkorbrand ein bis mehr als drei Reihen meist weibliche, oft über 100 Röhrenblüten, die meist gelb oder purpurfarben bis weißlich sind, sie werden auf Grund ihrer Lage auch Strahlenblüten genannt (beachte, dass das bei den meisten anderen Asteraceae dann Zungenblüten sind). Die selten nur ein bis zehn, meist mehr Scheibenblüten sind meist radiärsymmetrische Röhrenblüten, die zwittrig oder weiblich und fertil sind. Es gibt, oft 100 oder mehr, randliche, weibliche Blüten in ein bis drei oder mehr Reihen; ihre gelbe oder purpurfarbene bis weißliche, manchmal rotgefleckte Krone ist radiärsymmetrisch und fast fadenförmig. Die inneren, manchmal nur ein bis zehn meist mehr Röhrenblüten sind zwittrig oder funktional männlich; ihre gelbe oder purpurfarbene, manchmal rotgefleckte Krone ist radiärsymmetrisch und endet in selten vier, meist fünf Kronzipfeln, die meist nur als Kronzähne erkennbar sind, selten lanzettlich-eiförmig bis lanzettlich sind. Die Staubbeutel sind meist an ihrer Basis mehr oder weniger geschwänzt und besitzen hauptsächlich eiförmige bis lanzettlich-eiförmige oder linealische, meist flache Anhängsel. Am unterseits kahlen oder papillösen Griffel sind die zwei Narbenäste mehr oder weniger linealisch mit oberseits zwei stigmatischen Linien auf ihrer ganzen Länge und ihr oberes Ende ist gestutzt oder gestutzt-pinselförmig; es sind meist keine Anhängsel erkennbar.
Früchte Alle Achänen eines Fruchtstandes sind meist gleich; sie sind ei- oder verkehrt-eiförmig, abgeflacht und glatt, behaart oder mehr oder weniger papillös und meist zwei-, drei- oder fünfrippig. In dieser Tribus ist meist ein Pappus vorhanden aus meist bärtigen bis selten fedrigen Pappusborsten oder Schuppen, manchmal ist es eine Kombination aus Borsten und Schuppen.
Systematik und Verbreitung Taxonomie Der Name Gnaphalieae wurde zuerst ungültig durch Alexandre Henri Gabriel de Cassini veröffentlicht. Die Tribus Gnaphalieae wurde 1831 gültig in Henri Lecoq und Jules Juillet in Dictionnaire Raisonne des Termes de Botanique et des Familles Naturelles. Paris, 296 veröffentlicht. Ein Synonym für Gnaphalieae ist Gnaphaliinae
Äußere Systematik Die Tribus Gnaphalieae wurde aus der früher viel größeren Tribus Inuleae ausgegliedert. Am nächsten verwandt sind die Tribus Anthemideae, Astereae und Calenduleae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae.
Verbreitung Die Taxa der Tribus Gnaphalieae sind sowohl in der Alten Welt als auch der Neuen Welt verbreitet. Sie gedeihen in tropischen, subtropischen, gemäßigten und arktischen oder alpinen Gebieten. Die Zentren der Artenvielfalt sind die Capensis und Australien. Einige Arten sind Neophyten in vielen Ländern der Welt.
Die größte Artenvielfalt gibt es in Südafrika mit 174 Gattungen, von denen 80 nur dort vorkommen, mit insgesamt 2072 Arten. In Australien gibt es etwa 84 Gattungen, davon sind 28 monotypisch und nur zehn mit mehr als zehn Arten, mit insgesamt etwa 475 Arten. In Südamerika kommen 19 bis 20 Gattungen etwa 111 Arten vor. Auch in Nordamerika kommen 19 Gattungen mit etwa 111 Arten vor. Die Subtribus Relhaniinae gibt es mit etwa 19 Gattungen nur in Afrika. In Pakistan gibt es etwa zwölf Gattungen mit etwa 45 Arten. Im eurasischen Teil der Nordhalbkugel gibt es nur wenige Gattungen, beispielsweise Antennaria, Leontopodium und Gnaphalium.
mini|Habitus von Achyrocline satureioides mini|Habitus, Laubblätter und Gesamtblütenstand der Silberimmortelle (Anaphalis margaritacea) mini|Karpaten-Katzenpfötchen (Antennaria carpatica) mini|Calocephalus platycephalus mini|Trommelstöckchen (Craspedia globosa) als Garten- und Balkonpflanze mini|Habitus von Elytropappus rhinocerotis mini|Zwerg-Filzkraut (Filago minima) mini|Gesamtblütenstand mit einigen Blütenkörben von Gamochaeta purpurea miniatur|Gnaphalium sandwicensium mini|Helichrysum moeserianum mini|Mittelmeer-Strohblume (Helichrysum stoechas) mini|Gesamtblütenstand mit vielen Blütenkörben mit roten Hüllblättern und darin viele Einzelblüten von Helichrysum sanguineum mini|Leontopodium shinanense mini|Leucophyta brownii, Syn.: Calocephalus brownii, selten auch Gitterkraut oder Silberköpfchen genannt, sie wird als Zierpflanze verwendet mini|Metalasia muricata mini|Gesamtblütenstand mit vielen dicht zusammenstehenden Blütenkörben von Ozothamnus diosmifolius mini|Habitus und Blütenkörbe von Phagnalon rupestre mini|Pseudognaphalium stramineum mini|Habitus von Psilocarphus tenellus mini|Polster von Raoulia hookeri mini|Einzeln stehende Blütenkörbe von Rhodanthe chlorocephala subsp. rosea mini|Stoebe passerinoides mini|Habitus, Laubblätter und Blütenkörbe von Stylocline gnaphaloides mini|Blütenkörbe von Syncarpha vestita mini|Habitus und Blütenkörbe von Trichanthodium skirrophorum mini|Blütenkorb von Waitzia acuminata mini|Blütenkorb der Garten-Strohblume (Xerochrysum bracteatum)
Innere Systematik Die Tribus Gnaphalieae ist die artenreichste Tribus der Familie Asteraceae.
Die Tribus Gnaphalieae wird in fünf bis sechs Subtribus gegliedert: Subtribus Angianthinae : Die etwa 60 Gattungen kommen alle, bis auf Craspedia (die auch in Neuseeland vorkommt), nur in Australien vor. Subtribus Cassiniinae : Sie enthält etwa 16 Gattungen (Anaphalis, Antennaria, Chionolaena, Gnaphaliothamnus). Subtribus Filagininae : (Filago, Logfia, Micropus, Psilocarphus, Stylocline) Subtribus Gnaphaliinae : Sie enthält etwa 47 Gattungen (Achyrocline, Belloa, Berroa, Chevreulia, Cuatrecasasiella, Facelis, Gamochaetopsis, Helichrysum, Jalcophila, Lucilia, Luciliocline, Pseudognaphalium). Subtribus Loricariinae : Sie enthält etwa sechs Gattungen: Loricaria : Die etwa 20 Arten kommen nur in den Anden vor. Mniodes : Die etwa 18 Arten kommen nur in den Anden vor. Pterygopappus : Sie enthält nur eine Art: Pterygopappus lawrencei : Dieser Endemit kommt nur in Tasmanien vor. Psychrophyton : Die etwa neun Arten kommen in Neuseeland vor. Raouliopsis : Die nur zwei Arten kommen nur in Kolumbien vor. Sinoleontopodium : Sie enthält nur eine Art: Sinoleontopodium lingianum : Dieser Endemit gedeiht in 4500 bis 4900 Metern in Tibet nur in Mainling. Subtribus Relhaniinae : Die etwa 19 Gattungen (Amphiglossa, Disparago, Elytropappus, Metalasia, Relhania, Stoebe und einige kleine Gattungen) kommen nur in Afrika vor.
Alphabetische Liste der Gattungen mit ihrer Verbreitung Die Tribus Gnaphalieae enthält 178 bis 184 oder bis zu 187 Gattungen mit 1240 bis über 2100 Arten.
Acanthocladium : Sie enthält nur eine Art: Acanthocladium dockeri : Sie ist in Australien verbreitet. Achyrocline : Die etwa 32 Arten sind in Afrika, Madagaskar, Zentral- und Südamerika verbreitet. Acomis : Die etwa drei Arten sind in Australien verbreitet. Actinobole ex : Die etwa drei Arten sind in Australien verbreitet. Alatoseta : Sie enthält nur eine Art: Alatoseta tenuis : Sie kommt nur in den südafrikanischen Provinzen Nordkap und Westkap vor. Aliella & : Die etwa vier Arten sind in Marokko verbreitet. Ammobium : Die etwa drei Arten sind in Australien verbreitet, beispielsweise: Papierknöpfchen (Ammobium alatum ) Amphiglossa (Syn.: Pterothrix ): Die etwa elf Arten sind hauptsächlich in den südafrikanischen Provinzen Nord- sowie Westkap verbreitet, zwei Arten kommen auch in Namibia vor und eine Art kommt auch in den Provinzen Ostkap, Free State, Mpumalanga, Nordwest vor. Anaphalioides : Von den etwa sieben Arten kommen fünf in Neuseeland und zwei in Neuguinea vor. Anaphalis : Die etwa 110 Arten sind hauptsächlich in Zentralasien und Indien verbreitet. Anaxeton : Die etwa zehn Arten kommen nur in der südafrikanischen Provinz Westkap. Ancistrocarphus : Die nur zwei Arten sind von den südwestlichen USA bis ins nordwestlichen Mexiko verbreitet. Anderbergia : Die etwa sechs Arten kommen nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Anemocarpa : Die etwa zwei Arten sind in Australien verbreitet. Angianthus : Die etwa 15 Arten sind in Australien verbreitet. Anisochaeta : Sie enthält nur eine Art, sie wird auch zu Athroismeae gestellt: Anisochaeta mikanioides : Sie kommt nur in den südafrikanischen Provinzen KwaZulu-Natal und Ostkap vor. Anisothrix : Die nur zwei Arten kommen nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Katzenpfötchen (Antennaria ): Die 45 bis 71 Arten sind in gemäßigten und arktisch/alpinen Regionen, hauptsächlich in Nordamerika (34 Arten), Mexiko und Eurasien, außerdem wenige Arten in Südamerika verbreitet. Antithrixia : Sie enthält nur eine Art: Antithrixia flavicoma : Sie kommt nur im Namaqualand (Westkap) vor. Apalochlamys : Sie enthält nur eine Art: Apalochlamys spectabilis : Sie ist in Australien verbreitet. Argentipallium : Die etwa sechs Arten sind in Australien verbreitet. Argyroglottis : Sie enthält nur eine Art: Argyroglottis turbinata : Sie ist in Australien verbreitet. Argyrotegium : Die 2003 aufgestellte Gattung ist in Australien mit etwa vier Arten verbreitet. Arrowsmithia : Sie enthält nur eine Art: Arrowsmithia styphelioides : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Ostkap vor. Artemisiopsis : Sie enthält nur eine Art: Artemisiopsis villosa : Sie ist im tropischen und südlichen Afrika verbreitet. Asteridea : Die etwa sechs Arten sind in Australien verbreitet. Athrixia : Die etwa 14 Arten sind in der Capensis (neun Arten), im tropischen Afrika und Madagaskar verbreitet. Atrichantha & : Sie enthält nur eine Art: Atrichantha gemmifera () & : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Balladonia : Sie wurde 2016 aufgestellt und enthält nur zwei Arten, die nur im australischen Bundesstaat Western Australia vorkommen.