Anita – Tänze des Lasters ist ein deutscher Spielfilm von Rosa von Praunheim aus dem Jahre 1987 über das Leben von Anita Berber mit Lotti Huber in der Hauptrolle.
Handlung Eine im besten Sinne „verrückte“ alte Frau – gespielt von Lotti Huber als brillant komische Knalltüte – entblößt auf der Straße ihr Hinterteil und behauptet, die längst verstorbene Nackttanz-Ikone Anita Berber zu sein, die in den 1920er Jahren für viele Skandale sorgte. Daraufhin wird sie in die Psychiatrie gebracht. Den Alltag dort meistert sie mit frechem Witz, unverschämten Anarcho-Sprüchen und ungebremster Lebenskraft. Dazwischen wähnt sie sich in Rückblenden als junge Anita – dargestellt von Ina Blum – in einer Otto Dix und George-Grosz-Bildern nachempfundenen Szenerie lustgieriger Voyeure und Verehrer. Anitas Liebe gilt aber dem Tänzer Sebastian Droste – gespielt von Mikael Honesseau. Der Film zeigt die Gegenwart in Schwarz-Weiß und die Rückblenden in Farbe.
Notizen In Deutschland wurde der TV- und Kinofilm zum ersten Mal 1988 bei der Berlinale gezeigt; Anita – Tänze des Lasters wurde international ausgewertet. Uraufgeführt wurde der Film 1987 beim New York Film Festival, wo er als Publikumsliebling von der Presse bejubelt wurde. Im Fernsehen wurde der Film erstmals 1989 im ZDF ausgestrahlt.
Rezeption Der Film wurde ein internationaler Erfolg auf Festivals und in Arthouse-Kinos. An guten Kritiken und Bewertungen fehlte es nicht: „Dieser Hit des New York Film Festivals ist eine Studie über Dekadenz, Wahnsinn und Kitsch.“ (Cleveland International Film Festival) Die Los Angeles Times schrieb: „Anita – Tänze des Lasters ist eine Feier der Unbezähmbarkeit des wahrhaft freien menschlichen Geistes.“ Im Time Out Magazin war zu lesen: „Von Praunheims Film, visuell atemberaubend und mit urkomischer Überzeugung gespielt, ist ein mitreißendes Zeugnis für die Kraft der Imagination.“ Die Allgemeine Zeitung Mainz schrieb: „Unter Rosa von Praunheims Film-Kuriositäten (Unsere Leichen leben noch, Horror Vacui) ist dieses tolldreiste Lustobjekt ein besonders gelungenes Exemplar. Die mit hohem stilistischen Raffinement ineinander verschränkten Lebensläufe zweier Zeitgenossinnen fügen sich zu einem virtuos exzentrischen Lastertraum: Ein Stummfilm-Kunstporno als Schauergroteske und Zeit-Psychogramm. […] Die Anita-Irre ist zwar eine Luxuszicke ohne soziales Gewissen, aber ihre Gier nach exzessivem Leben hat Format: Noch vom Leichentisch schreit die Alte nach einem Taxi. Suff, Drogen, Syphilis und Sado-Sex, totaler Genuss und totaler Ruin: Ein Gruselkabinett voll Komik und Magie.“ Die Süddeutsche Zeitung resümierte: „Ein faszinierender Bilder-Alptraum.“
Auszeichnungen 1987: Prädikat besonders wertvoll 1987: Nominierung für den Gold Hugo beim Chicago International Film Festival 1989: Publikumspreis beim Torino Gay & Lesbian International Film Festival
Literatur Lothar R. Just: Film-Jahrbuch 1989. Heyne, München, 1990, ISBN 3-453-03012-5.
Weblinks
Anita – Tänze des Lasters in der Webpräsenz Rosa von Praunheims; mit Szenenbildern
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmtitel 1987 Kategorie:Rosa von Praunheim