mini|Michael Palm bei den Dreharbeiten zu Henry Fonda For President (Foto: Alexander Horwath)
Michael Palm (* 1965 in Linz, Österreich) ist ein österreichischer Filmemacher, Filmeditor, Sound-Designer, Filmtheoretiker und Hochschullehrer. Er arbeitet seit den späten 1980er-Jahren vor allem in den Bereichen Filmschnitt und Tongestaltung und war an zahlreichen Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilmen beteiligt. Neben seiner Tätigkeit als Editor realisierte Palm eigene essayistische Dokumentar- und Kurzfilme, darunter Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off, Low Definition Control und Cinema Futures.
Von 2019—2026 war er mit Beatrice Babin Professor für Montage an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Seit dem Wintersemester 2026/27 ist er Professor für Montage an der Filmakademie Wien.
Leben und Arbeit
Michael Palm studierte an der Filmakademie Wien sowie ergänzend in den Bereichen Philosophie, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien.
Seit 1988 arbeitet Palm vor allem in den Bereichen Filmschnitt und Tongestaltung. Seine Filmografie umfasst Arbeiten an Kurzfilmen, Dokumentarfilmen, Experimentalfilmen und Spielfilmen, darunter Produktionen von Christian Frosch, Georg Misch, Nikolaus Geyrhalter, Veronika Franz und Severin Fiala, Andreas Horvath, Ivette Löcker und Alexander Horwath.
Seit 2001 realisiert Palm auch eigene Dokumentar- und Kurzfilme. Sein erster Kurzfilm Sea, Concrete, Human wurde 2002 bei der Diagonale mit dem Preis Innovatives Kino ausgezeichnet. Es folgten unter anderem der Dokumentarfilm Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off über den österreichisch-amerikanischen Regisseur Edgar G. Ulmer, der Essayfilm Low Definition Control sowie der Dokumentarfilm Cinema Futures über die Digitalisierung des Kinos und die Zukunft filmischer Archivierung und Projektion.
Palm verfasste außerdem Vorträge und Publikationen zur Geschichte und Ästhetik von Film und Kino. Von 1990 bis 1994 war er als Filmkritiker für die österreichische Tageszeitung Der Standard und die Wiener Wochenzeitung Falter tätig. Daneben war er in Filmvermittlung, Vortrags- und kuratorischen Kontexten tätig.
Palm lehrte unter anderem an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz. Vom Wintersemester 2019/20 bis zum Sommersemester 2026 war Palm zusammen mit Beatrice Babin Professor für Montage an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Seit dem Wintersemester 2026/27 ist Palm Universitätsprofessor im Fachbereich Montage an der Filmakademie Wien.
Werk
Palms eigene Filme verbinden dokumentarische, essayistische und filmhistorische Verfahren mit medienreflexiven Fragestellungen. Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off porträtiert den aus Österreich stammenden Hollywood-Regisseur Edgar G. Ulmer und verbindet biografische Recherche mit filmhistorischer Spurensuche. In einer Besprechung in Variety wurde hervorgehoben, dass Palm angesichts der schwer greifbaren Biografie Ulmers eher Fragen als eindeutige Antworten in den Vordergrund stelle.
In Low Definition Control untersucht Palm Bilder der Überwachung, der Risikoprävention und der medizinisch-technischen Erfassung von Körpern. Der Film wurde unter anderem bei der Viennale gezeigt. Bert Rebhandl beschrieb ihn im Programmtext als „Science Fiction im buchstäblichen Sinn“, die biopolitische und gouvernementale Prozesse vorwegnehme.
Der Dokumentarfilm Cinema Futures behandelt die Umstellung von analoger Filmproduktion und -projektion auf digitale Bilddaten sowie Fragen der Bewahrung des filmischen Erbes. Der Film hatte am 2. September 2016 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Weltpremiere. Variety beschrieb den Film als Dokumentarfilm über Filmerhaltung und den Übergang vom analogen zum digitalen Kino; The Hollywood Reporter hob die Beiträge von Filmschaffenden und Filmhistorikern im Zusammenhang mit dieser Umstellung hervor.
Als Editor arbeitete Palm an Filmen unterschiedlicher Genres, darunter Dokumentarfilme, essayistische Arbeiten und Spielfilme. Für den Schnitt von Des Teufels Bad von Veronika Franz und Severin Fiala erhielt er 2024 den Österreichischen Filmpreis in der Kategorie Beste Montage. Für Henry Fonda for President von Alexander Horwath wurde er 2025 bei der Diagonale mit dem Preis für die beste künstlerische Montage Dokumentarfilm ausgezeichnet.
Filmografie (Auswahl)
Regie
2001: Sea, Concrete, Human (Kurzfilm) 2003: Sim Movie (Kurzfilm) 2004: Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off (Kino-Dokumentarfilm; Regie, Drehbuch, Schnitt) 2005: Mozart Sells (Kurzfilm) 2008: Body Trail (Kurzfilm; mit Willi Dorner) 2008: Laws of Physics (Kurzfilm) 2011: Low Definition Control (Kino-Dokumentarfilm) 2016: Cinema Futures (Kino-Dokumentarfilm) 2018: Demontage (Kurz-Dokumentarfilm)
Filmschnitt, Sounddesign und Musik
1996: Die totale Therapie (Spielfilm; Schnitt, Musik; Regie: Christian Frosch) 1999: Ceija Stojka (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Karin Berger) 2002: Auf allen Meeren (Dokumentarfilm; Schnitt, Sounddesign; Regie: Johannes Holzhausen) 2002: I am from Nowhere (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Georg Misch) 2004: Calling Hedy Lamarr (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Georg Misch) 2004: Volver la vista – Der umgekehrte Blick (Musik, Sounddesign; Regie: Fridolin Schönwiese) 2006: No Name City (Dokumentarfilm; Sounddesign; Regie: Florian Flicker, Georg Misch) 2007: Einst süße Heimat (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Gerald Igor Hauzenberger) 2007: Weiße Lilien (Spielfilm; Schnitt, Sounddesign; Regie: Christian Frosch) 2009: Jobcenter (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Angela Summereder) 2009: Die 5 Himmelsrichtungen (Dokumentarfilm; Sounddesign; Regie: Fridolin Schönwiese) 2010: Nachtschichten (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Ivette Löcker) 2011: Der Prozess (Dokumentarfilm; Schnitt, Sounddesign; Regie: Gerald Igor Hauzenberger) 2012: Elektro Moskva (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Dominik Spritzendorfer, Elena Tikhonova) 2014: Wenn es blendet, öffne die Augen (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Ivette Löcker) 2016: Homo Sapiens (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Nikolaus Geyrhalter) 2016: Ich seh Ich seh / Goodnight Mommy (Spielfilm; Schnitt; Regie: Veronika Franz und Severin Fiala) 2017: Was uns bindet (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Ivette Löcker) 2018: Lillian (Spielfilm; Schnitt; Regie: Andreas Horvath) 2019: The Lodge (Spielfilm; Schnitt, Co-Sounddesign; Regie: Veronika Franz und Severin Fiala) 2019: Die Kinder der Toten (Spielfilm; Schnitt; Regie: Nature Theater of Oklahoma / Kelly Copper und Pavol Liska) 2019: Widerstandsmomente (Dokumentarfilm; Schnitt; Regie: Jo Schmeiser) 2024: Des Teufels Bad (Spielfilm; Schnitt; Regie: Veronika Franz und Severin Fiala) 2024: Henry Fonda for President (Dokumentarfilm; Kamera, Ton, Schnitt; Regie: Alexander Horwath)
Auszeichnungen
Diagonale 2002: Preis Innovatives Kino für Sea, Concrete, Human San Francisco International Film Festival 2002: Certificate of Merit in der Kategorie New Visions für Sea, Concrete, Human New York Expo of Short Film and Video 2002: Honorable Mention in der Kategorie Fiction für Sea, Concrete, Human Diagonale 2009: Preis Innovatives Kino für Laws of Physics Diagonale 2010: Preis Beste künstlerische Montage Dokumentarfilm für Jobcenter 2012: Outstanding Artist Award des Österreichischen Kunstministeriums 2024: Österreichischer Filmpreis in der Kategorie Beste Montage für Des Teufels Bad Diagonale 2025: Preis Beste künstlerische Montage Dokumentarfilm für Henry Fonda for President
Schriften (Auswahl)
Herausgeberschaft
Zusammen mit Drehli Robnik (Hrsg.): Und das Wort ist Fleisch geworden. Texte über Filme von David Cronenberg. PVS Verleger, Wien 1992. Zusammen mit Christian Cargnelli (Hrsg.): Und immer wieder geht die Sonne auf. Texte zum Melodramatischen im Film. PVS Verleger, Wien 1994.
Buchbeiträge
Quartett zu Fünft. In: Alexander Horwath (Hrsg.): Der siebente Kontinent. Michael Haneke und seine Filme. Europaverlag, Wien 1991. Der Weltraum – Unheimliche Weiten. Der leere Raum und Science Fiction Kino. In: Karl Sierek (Hrsg.): filmtheorie UND. PVS Verleger, Wien 1991. Which Way? Drei Pfade durch das Bild-Gebüsch von Kurt Kren. In: Hans Scheugl (Hrsg.): Ex Underground. Kurt Kren. Seine Filme. PVS Verleger, Wien 1995. Dokumente, fiktiv. In: Peter Assmann und Peter Kraml (Hrsg.): Fiktion/non-fiction. Weltanschauungen zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Katalog zum Kubin-Projekt der Oberösterreichischen Landesgalerie. Residenz Verlag, Linz 1995. Liebesfilme. Zu einigen Arbeiten von Peter Tscherkassky. In: Alexander Horwath, Lisl Ponger, Gottfried Schlemmer (Hrsg.): Avantgarde Österreich. 1950 bis heute. Verlag Wespennest, Wien 1995. Die Geburt der Nation aus dem Geiste der Operette. Musikalische Rhetorik am 1. April 2000. In: Ernst Kieninger, Nikola Langreiter, Armin Loacker, Klara Löffler (Hrsg.): 1. April 2000. Edition Film und Text 2, Verlag Filmarchiv Austria, Wien 2000. Flux Aeterna. Stanley Kubrick in der musikalischen Leihanstalt. In: Regina Schlagnitweit und Gottfried Schlemmer (Hrsg.): Film und Musik. Wien 2001.
Weblinks
Literatur von Michael Palm im Österreichischen Verbundkatalog
Webseite des Filmemachers Michael Palm an der Hochschule für Fernsehen und Film München
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Filmeditor Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Filmwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz) Kategorie:Träger des Österreichischen Filmpreises Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1965 Kategorie:Mann