Der Speyerer Auwald ist ein auf der Gemarkung der Stadt Speyer an Rhein und Berghäuser Altrhein gelegener Auwald. Er erstreckt sich zwischen der Gemarkungsgrenze zur Verbandsgemeinde Römerberg im Süden entlang dem Rheinhauptdeich zwischen diesem und zunächst dem Berghäuser Altrhein und nach dessen Einmündung in den Rhein zwischen Rheinhauptdeich und Rhein bis zum Neuen Hafen von Speyer.
Ganz im Norden hat Speyer noch Anteil am Angelhofer Altrhein. Der gesamte Speyerer Rheinauenwald bestand in der oberen Baumschicht zu 29 Prozent aus Eschen, 26 % Pappeln, 20 % Eichen, 16 % Ahorn, 3 % Nussbäumen, 2 % Buchen und 4 % anderen Baumarten, vor allem Weiden., Vorlage 0006/2005 Punkt 1 der 3. Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Speyer vom 17. Februar 2005
Der Speyerer Auwald befindet sich zum Teil im Eigentum der Stadt, zum Teil im Eigentum des Landes Rheinland-Pfalz und entlang des Rheins im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim. Stadt- und Landesforst einerseits und Bundesforst andererseits werden von zwei verschiedenen Forstämtern verwaltet.
Gliederung und Besonderheiten des Auwalds Hintere Hammelweid und Sick’sche Wiese Stromaufwärts im Bereich Dammwachthaus, der sich auf Römerberger Gemarkung erstreckt, befindet sich das Waldstück Hintere Hammelweid und die sogenannte Sick’sche Wiese, eine Stromtalwiese mit zahlreichen seltenen Arten. Besonders selten ist die am Rande der Sick’schen Wiese nachgewiesene Blaue Ödlandschrecke.L.A.U.B. Gesellschaft für Landschaftsanalyse und Umwelttechnik mbH: Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer – Landschaftspflegerischer Begleitplan –, 2006, als Antragsunterlage V ein Bestandteil der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer, Seite 42 In einer Feuchtwiese am Dammwachthaus wurde der Große Feuerfalter nachgewiesen, eine geschützte Art nach Anhang II der FFH-Richtlinie.L.A.U.B. Gesellschaft für Landschaftsanalyse und Umwelttechnik mbH: Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer – Landschaftspflegerischer Begleitplan –, 2006, als Antragsunterlage V ein Bestandteil der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer, Seite 41
Im Hechenich, Runkedebunk, Insel Horn Der im Gegensatz zum Berghäuser Altrhein nicht mehr mit dem Rhein verbundene Altrheinarm Runkedebunk trennt innerhalb des Auwaldes die Insel Horn ab. Die Flurstücke östlich und westlich der Insel Horn und der schmale Streifen zwischen Rheinhauptdeich und Runkedebunk wird als Im Hechenich bezeichnet.
Goldgrube und Lausgrube Nördlich des Rheinhauptdeiches oberhalb des Bereiches Im Hechenich, Runkedebunk, Insel Horn, befinden sich das Altgewässer Goldgrube, so genannt wegen der dortigen früheren Gewinnung von Rheingold und Löschsand, und die Senke Lausgrube, die sich öfter mit Druckwasser füllt. (752 kB)
Vögel Im Bereich Im Hechenich, Runkedebunk, Insel Horn und Goldgrube ließen sich Vorkommen von 15 streng geschützten Vogelarten sowie von 11 besonders geschützten oder gefährdeten Arten auffinden, davon sieben Arten, die im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie aufgeführt sind.L.A.U.B. Gesellschaft für Landschaftsanalyse und Umwelttechnik mbH: Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer – Landschaftspflegerischer Begleitplan –, 2006, als Antragsunterlage V ein Bestandteil der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer, Seiten 35, 36, 37
Streng geschützte Arten Purpurreiher (Runkedebunk), Schutz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie Schwarzmilan (1 Horst in der Goldgrube), Schutz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie Habicht (Insel Horn), Sperber (Goldgrube), Mäusebussard (Goldgrube, Insel Horn), Turmfalke (Goldgrube), Baumfalke (Goldgrube), Waldwasserläufer (Goldgrube), Eisvogel (Goldgrube, Runkedebunk), Schutz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie Wendehals, (Goldgrube) Grauspecht, Schutz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie Grünspecht, (nördl. Goldgrube) Schwarzspecht, Schutz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie Mittelspecht, Schutz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie
Besonders geschützte Arten Aus L.A.U.B.:L.A.U.B. Gesellschaft für Landschaftsanalyse und Umwelttechnik mbH: Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer – Landschaftspflegerischer Begleitplan –, 2006, als Antragsunterlage V ein Bestandteil der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer, Seite 35 Zwergtaucher (Goldgrube), Haubentaucher, Graureiher (Goldgrube, Runkedebunk), Krickente (Goldgrube), Wasserralle (Goldgrube), Kleinspecht, (Insel Horn) Gelbspötter (Insel Horn, Goldgrube), Pirol (Insel Horn, Goldgrube), Neuntöter, Schutz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie Beutelmeise (Goldgrube), Saatkrähe (Goldgrube), Möwenverwandte, Regenpfeiferartige u. a. („Laro-Limikolen“) (50 Arten), Schwimmvögel (40 Arten)
Auf der Insel Horn fanden sich 81 Bäume mit Spechthöhlen, davon 45 in Pappeln, elf in Eichen, je acht in Eschen und Weiden, sieben in Birken, drei in Graupappeln und zwei in Birnbäumen.
Fledermäuse Mittels Detektoraufnahmen und Netzfängen ließen sich auf der Insel Horn zehn Arten von Fledermäusen nachweisen.L.A.U.B. Gesellschaft für Landschaftsanalyse und Umwelttechnik mbH: Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer – Landschaftspflegerischer Begleitplan –, 2006, als Antragsunterlage V ein Bestandteil der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer, Seiten 38, 39, 40
Streng geschützte Arten Bechsteinfledermaus, besonders bemerkenswert fand der Gutachter aufgrund des Fanges eines trächtigen Weibchens und des geringen Aktionsradius der Art von 500 Meter den sicheren Nachweis eines Brutvorkommens, Braunes Langohr, Großer Abendsegler, Großes Mausohr (unsicherer Detektornachweis), Kleine Bartfledermaus, Kleiner Abendsegler, Mückenfledermaus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus, Zwergfledermaus.
Reptilien Die Gewässer Goldgrube und Runkedebunk werden von Ringelnattern, eine sonders geschützte und gefährdete Art, besiedelt, der Rheinhauptdeich auf der Höhe der Insel Horn und die Sick’sche Wiese von Zauneidechsen.L.A.U.B. Gesellschaft für Landschaftsanalyse und Umwelttechnik mbH: Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer – Landschaftspflegerischer Begleitplan –, 2006, als Antragsunterlage V ein Bestandteil der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer, Seite 41
Amphibien Im Bereich Runkedebunk, Goldgrube und Berghäuser Altrhein liegen Artnachweise für folgende nach der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie geschützte Arten vor:L.A.U.B. Gesellschaft für Landschaftsanalyse und Umwelttechnik mbH: Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer – Landschaftspflegerischer Begleitplan –, 2006, als Antragsunterlage V ein Bestandteil der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Verlängerung der Start-/Landebahn am Verkehrslandeplatz Speyer, Seite 40, 41 Kammmolch, Goldgrube, Reliktbestand Knoblauchkröte Kreuzkröte, Goldgrube, Sick’sche Wiese, Druckwassersenken Wechselkröte, Vorkommen von mehreren hundert ist ein Verbreitungsschwerpunkt der Art Laubfrosch (Nordgrenze des Verbreitungsgebietes in den Rheinauen) Moorfrosch, Art vom Aussterben bedroht Kleiner Wasserfrosch, Runkedebunk, Berghäuser Altrhein
Im Hechenich Nordteil, Rheinhäuser Fähre, Im Salmengrund Nördlich wird das Flurstück Im Unteren Hechenich durch die Straße zur Rheinhäuser Fähre begrenzt. In diesem Bereich erreicht der Berghäuser Altrhein den Rhein. Im Endstück legt die Fähre an und während des Kalten Krieges war hier eine schwimmende Notbrücke für den Verteidigungsfall stationiert. Ein Teil des Geländes war als militärischer Sperrbezirk ausgewiesen und eingezäunt. Es folgt das Flurstück Im Salmengrund. Der Name erinnert an die frühere bedeutende Lachsfischerei in Speyer.
Schänzel, Ratswört, Rheinanlage, Herrenwiese Nördlich des Salmengrundes ganz im Rheinknick folgt das Flurstück Schänzel. Dann folgen die Flurstücke Ratswört und Rheinanlage, von Speyerern die Anlach genannt. Westlich zum Deich liegt dort die Herrenwiese, früher ein Ausflugsort für die Stadtbewohner, wo Freiluftkonzerte und Tanzveranstaltungen stattfanden. Im Osten der Flurstücke erstrecken sich zwei weitere Altgewässer.
An der Lußheimer Fahrt und Färchenwärtel Den nördlichen Abschluss des Speyerer Auwalds bildet das Flurstück An der Lußheimer Fahrt, deren Name an die Fähre nach AltlußheimNäheres zu den alten Rheinfähren im Artikel Rheinhäuser Fähre erinnert, und schließlich die spitz auslaufende Gemarkung Färchenwärtel. Der westliche Teil der Gemarkung An der Lußheimer Fahrt ist eine große Stromtalwiese. Die spitze Form des Färchenwärtel ergibt sich aus dem Einschnitt durch das erste von zwei Hafenbecken des Neuen Hafens von Speyer. Dort befindet sich die Schiffswerft Braun und ein Yachthafen.
Wertvolle Biotoptypen im Speyerer Auwald Schilfröhrichte finden sich insbesondere im Bereich Goldgrube, der Schluten innerhalb der Insel Horn und im Altarm Runkedebunk. Entlang des Berghäuser Altrheins auf der Insel Horn und am Nordrand der Insel Flotzgrün findet sich ein schmaler Streifen Weichholzauenwald vom Typ Silberweidenauenwald. Im Bereich Gold- und Lausgrube wachsen Silberweiden-Gesellschaften. Auf der Insel Horn findet sich ein forstlich überprägter Hartholzauenwald mit Esche und Bergahorn, aber auch naturnahe Komplexe des Stieleichen-Feldulmen-Auenwaldes (Querco-Ulmetum).
Schutzstatus nach Europarecht Auch die EU-Richtlinien sind in Landesrecht umgesetzt und ihre Umsetzung erfolgen durch Land und Stadt, aber ihre Ausgestaltung und Umsetzung werden letztlich durch das vorgängige EU-Recht bestimmt und es gibt auch Beschwerdeverfahren zur EU-Ebene.
EU-Vogelschutzgebiet Der Speyerer Auwald, gelegentlich in Speyer auch als Auwald Süd bezeichnet, ist insgesamt Teil des EU-Vogelschutzgebietes DE 6716-402 „Berghäuser und Lingenfelder Altrhein“ (ohne Goldgrund und Lausgrund). Die Kurzcharakteristik lautet: Teilweise ausgebaggerte Altrheine, Weich- und Hartholzauen sowie ein System röhrichtbewachsener Gräben und seggenreicher Wiesen kennzeichnen den Auenkomplex zwischen Germersheim und Speyer.
Die Schutzwürdigkeit ergibt sich aus: Bestände der röhricht- und baumbrütenden Zielarten in beachtlichen Größen. Altwässer und große Schlammflächen u. a. für Laro-Limikolen, Enten, Gänse und andere Schwimmvögel unverzichtbares Rast- und Durchzugsgebiet.http://www.natura2000.rlp.de/steckbriefe/sdb/VSG_SDB_6716-402.pdf Das Erhaltungsziel nach der „791-1-17 Landesverordnung über die Erhaltungsziele in den Natura 2000-Gebieten vom 18. Juli 2005“ lautet: Erhaltung oder Wiederherstellung einer strukturreichen Auenlandschaft mit einem natürlichen Mosaik aus Flachwasserzonen, Schlamm- und Kiesbänken, Röhricht, Weich- und Hartholzauenwäldern.http://rlp.juris.de/rlp/Natura2000GebV_RP_Anlage3.htm
Als Arten mit Hauptvorkommen gemäß Artikel 4 Absatz 1 und 2 der Vogelschutzrichtlinie im Gebiet DE 6716-402 sind festgestellt: Schwarzmilan, Eisvogel, Mittelspecht, Blaukehlchen, Purpurreiher, Wespenbussard, Rohrweihe, Grauspecht, Schwarzspecht, Neuntöter, Wachtelkönig, Wasserralle, Wendehals, Schilfrohrsänger, Drosselrohrsänger, Beutelmeise, Seeschwalben, Limikolen, Schwimmvögel (Tauchenten), Gründelenten, Gänse, Kormoran, Möwen.Carola Schnug-Bögerding: Landschaftsplan zum Flächennutzungsplan, Juni 2006, Bearbeitung im Auftrag der Stadt Speyer
Fauna-Flora-Habitat