Stefan „Effe“ Effenberg (* 2. August 1968 in Hamburg) ist ein ehemaliger deutscher Fußballprofi und späterer -trainer sowie -funktionär. Der Mittelfeldspieler war den größten Teil seiner aktiven Karriere für Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern München aktiv, mit dem er unter anderem drei deutsche Meisterschaften gewann. Sein größter internationaler Erfolg war der Gewinn der UEFA Champions League 2001. Seit 2018 tritt Effenberg vor allem als TV-Experte für den Fernsehsender Sport1 auf.

Jugend Stefan Effenberg wurde am 2. August 1968 in Hamburg geboren und ist mit zwei Schwestern sowie einem Bruder im Stadtteil Niendorf aufgewachsen. Sein Vater Dieter arbeitete als Maurer, Mutter Margit war Büroangestellte. Als Kind spielte Effenberg zunächst in der Jugendmannschaft des Bramfelder SV, bevor er 1974 zum SC Victoria Hamburg wechselte, für den auch sein Vater aktiv war. Innerhalb der Familie spielte der Sport eine große Rolle. Effenbergs Schwester Claudia war Softballspielerin und später Trainerin der deutschen Frauen-Softballnationalmannschaft, sein Bruder Frank spielte ebenfalls beim SC Victoria. Nach seinem Realschulabschluss begann Effenberg eine Ausbildung als Zusteller bei der Deutschen Bundespost.

1986 gewann Effenberg mit der Auswahl des Hamburger Fußball-Verbands das A-Jugendturnier der Landesauswahlmannschaften in Duisburg. Dabei wurde Wolf Werner, Co-Trainer des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, auf den Mittelfeldspieler aufmerksam und verpflichtete ihn für die Reservemannschaft.

Spielerkarriere Borussia Mönchengladbach Zur Saison 1987/88 wurde Werner neuer Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach und verschaffte dem 18-jährigen Effenberg einen Profivertrag.www.sport1.de vom 13. Oktober 2015 Der Neuzugang kam am 21. November 1987 als Einwechselspieler zu seinem Bundesliga-Debüt (1:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern) und gehörte bereits eine Woche später zur Startformation.Statistik auf www.transfermarkt.de Effenberg brachte es in seiner Premierensaison auf insgesamt 15 Einsätze und ein Tor, das er am 32. Spieltag gegen Hannover 96 (4:2) erzielte.Statistik auf www.transfermarkt.de In den folgenden beiden Spielzeiten entwickelte sich der zweikampfstarke Effenberg zu einer festen Größe im Mittelfeld der Fohlen. Der Senkrechtstarter überzeugte schon als junger Profi durch Einsatz, Ehrgeiz und ein besonderes Gespür für den Pass im richtigen Moment. Mit neun Toren in 58 Einsätzen bewies er auch Torgefahr, und das Sportmagazin Kicker listete ihn im Sommer 1990 in der Rangliste des deutschen Fußballs erstmals im weiteren Kreis. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete den großgewachsenen Blondschopf als „Egoist und Mannschaftsdiener zugleich.“ Allerdings kämpfte Effenberg mit der Borussia während der Saison 1989/90 lange gegen den drohenden Abstieg, und die Mannschaft rettete sich erst am vorletzten Spieltag auf den 15. Tabellenplatz.

Bayern München Aufgrund der fehlenden sportlichen Perspektive in Mönchengladbach wechselte Effenberg im Juli 1990 für vier Millionen D-Mark zum FC Bayern München. Trainer war Jupp Heynckes, und mit Jürgen Kohler, Stefan Reuter, Olaf Thon, Thomas Strunz und Brian Laudrup standen zahlreiche Nationalspieler im Kader. Obwohl erst 22 Jahre alt, brachte sich Effenberg beim deutschen Rekordmeister mit provozierenden Äußerungen ins Gespräch und präsentierte sich sehr zum Missfallen von Heynckes als meinungsstarker und widerspenstiger Spieler. Mit Undiszipliniertheiten auf und neben dem Platz pflegte Effenberg seinen Ruf als Reizfigur mit Hang zur Arroganz, übernahm jedoch Verantwortung und erwies sich als fußballerische Verstärkung. Gleich in seinem ersten Bundesligaspiel erzielte Effenberg für die Bayern per Elfmeter gegen Bayer 04 Leverkusen (1:1) ein Tor und traf in der Saison 1990/91 insgesamt neunmal.Spielbericht auf www.transfermarkt.de Mit den Bayern verpasste Effe einen Titel, da sie nur deutscher Vizemeister wurden und im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister gegen Roter Stern Belgrad (1:2; 2:2) ausschieden.

1991/92 folgte die wohl schlechteste Saison in der Geschichte des FC Bayern. Der Rekordmeister kämpfte bis zum drittletzten Spieltag gegen den Abstieg und wurde nur Zehnter und verschliss mit Jupp Heynckes, Søren Lerby und Erich Ribbeck drei Trainer. Zusätzlich blamierten sich die Bayern durch ein Aus im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten FC Homburg und scheiterten auch im UEFA-Pokal bereits in der 2. Runde an B 1903 Kopenhagen.Spielbericht auf www.transfermarkt.de Nach dem Abgang erfahrener Führungsspieler fehlte der Mannschaft eine klare Hierarchie. Vor allem Effenberg, mittlerweile deutscher Nationalspieler, drängte selbstbewusst in eine Führungsrolle, die er jedoch noch nicht ausfüllen konnte, und geriet mit Heynckes aneinander. Im Dezember 1991 wurde Effe nach öffentlicher Kritik zunächst von der Vereinsführung und auch von Bundestrainer Berti Vogts vorübergehend freigestellt. Als erster Spieler der Bundesliga erhielt Effenberg am 4. Spieltag (20. August 1991) die neu eingeführte Gelb-Rote Karte und wurde in der Partie gegen den FC Schalke 04 nach 81 Spielminuten vom Platz gestellt.

Nach dieser sportlichen Katastrophe und wegen anhaltender Auseinandersetzungen mit dem Vereinsvorstand beschlossen Effenberg und der FC Bayern die vorzeitige Trennung.

AC Florenz Im Sommer 1992 kehrte Effenberg der Bundesliga den Rücken und wechselte für umgerechnet 7,5 Millionen D-Mark zur AC Florenz nach Italien. Die Serie A galt in den 1990er Jahren als die sportlich beste Liga der Welt. Bei der Fiorentina war er als Mittelfeldregisseur ein bestimmender Akteur und erzielte gleich in seinem ersten Punktspiel ein Tor (1:1 gegen den CFC Genua). Trotz einem hochkarätig besetzten Kader mit Spielern wie Gabriel Batistuta, Francesco Baiano, Stefano Pioli oder Brian Laudrup stieg die AC Florenz nach gutem Start am Saisonende 1992/93 als Tabellensechzehnter in die Serie B ab. Nach dem unerwarteten Abstieg versammelten sich aufgebrachte Fans vor Effenbergs Haus, der sich zu einem Mitspieler flüchten musste, und Vereinspräsident Vittorio Cecchi Gori erteilte seinen Abwanderungsgedanken eine klare Absage: „Diese Mannschaft ist mit Effenberg abgestiegen und wird auch mit Effenberg in der zweiten Liga spielen.“ Florenz ging mit einem Großteil der Abstiegs-Mannschaft in die Zweitklassigkeit, und Claudio Ranieri wurde neuer Trainer. Frühzeitig setzte man sich an die Tabellenspitze, und 1993/94 gelang der sofortige Wiederaufstieg. Effenberg hatte mit sieben Toren in 26 Spielen großen Anteil an der erfolgreichen Rückkehr in die Serie A.

Borussia Mönchengladbach Nach der WM 1994 kehrte Effenberg – zunächst auf Leihbasis – zu Borussia Mönchengladbach zurück und zählte nicht zuletzt wegen seines Mittelfinger-Eklats sofort zu den größten Reizfiguren der Bundesliga. Zu Saisonbeginn konnte Effenberg noch nicht vollends überzeugen, doch sein denkwürdiger Auftritt am 6. Spieltag gegen den VfL Bochum (7:1), als er nach einer verlorenen Wette in der Fernsehsendung Wetten, dass...? mit einem aufgemalten Tigerkopf auflief, ließ die Kritiker nach zwei Toren verstummen. Die Frisur untermauerte seinen Ruf als enfant terrible und sorgte für Schlagzeilen in den Boulevard-Medien, die Effenberg aufgrund seiner aggressiven Spielweise den Spitznamen „Tiger“ gaben. Aus sportlicher Sicht übernahm Effenberg zunehmend die uneingeschränkte Führungsrolle auf und neben dem Platz; er präsentierte sich als deutlich gereifte Spielerpersönlichkeit. Trainer Bernd Krauss gewährte seinem streitbaren Star zahlreiche Freiheiten, und Effenbergs Rückkehr löste am Bökelberg eine Welle der Euphorie aus. Mit ihrem neuen Spielmacher landeten die Gladbacher in der Saison 1994/95 nach Jahren im Bundesliga-Mittelmaß auf dem fünften Platz und gewannen durch ein 3:0 über den VfL Wolfsburg am 24. Juni 1995 den DFB-Pokal – der erste Titel für den Verein seit 16 Jahren. Für den zuvor als „Star ohne Titel“ verhöhnten Effenberg, der im Endspiel zum zwischenzeitlichen 2:0 getroffen hatte, war der Erfolg eine sichtliche Genugtuung. Zur Folgesaison 1995/96 verpflichteten die Borussen ihn fest und zahlten die vereinsinterne Rekordablöse von 7,6 Millionen Mark an die AC Florenz. Um den Transfer zu realisieren und die Gehaltsvorstellungen ihres neuen Kapitäns erfüllen zu können, musste der Verein an seine finanzielle Schmerzgrenze gehen. Mit Effenberg als zentralem Fixpunkt und Spielern wie Patrik Andersson, Martin Dahlin und Karlheinz Pflipsen setzten sich die Fohlen in der Spitzengruppe der Bundesliga fest. Gladbach knüpfte an die starke Vorsaison an und wurde Vierter, im Europapokal der Pokalsieger scheiterten sie im Viertelfinale an Feyenoord Rotterdam (2:2; 0:1).

Nach zwei sportlich erfolgreichen Jahren zeigte die Formkurve der Borussia anschließend deutlich nach unten. 1996/97 spielte sie zeitweise gegen den Abstieg und landeten am Saisonende auf dem unbefriedigenden elften Platz. Effenberg blieb hinter den Erwartungen zurück, spielte eine mäßige Saison und sorgte für Negativschlagzeilen, als er am 1. Dezember 1996 wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt wurde. Auch seine Vertragsverlängerung bis 2000, die ihn mit einem Jahresgehalt von 5,5 Millionen DM zu einem der Topverdiener der Bundesliga werden ließ, brachte Unruhe in den Verein. Der sportliche Absturz setzte sich auch während der turbulenten Saison 1997/98 fort. Borussia Mönchengladbach spielte dauerhaft gegen den Abstieg, und mit Hannes Bongartz, Norbert Meier und Friedel Rausch verbrauchte man insgesamt drei Trainer. Auch Vereinspräsident Karl-Heinz Drygalsky gab sein Amt nach einem internen Machtkampf mit Manager Rolf Rüssmann auf. Die Hinrunde war durch ständige Auseinandersetzungen zwischen Effenberg, Pflipsen und Trainer Bongartz geprägt, der seinen eigenwilligen Kapitän sogar für das Rheinische Derby gegen den 1. FC Köln (4:1) aus dem Kader verbannt hatte. Folgerichtig sah es im Frühjahr 1998 bereits nach dem ersten Bundesliga-Abstieg aus, doch Effenberg zeigte Führungsstärke und raffte sich zu einer Energieleistung auf. Mit fünf Toren und sieben Vorlagen allein in der Rückrunde führte er die Mannschaft zu einem starken Endspurt, der am letzten Spieltag belohnt wurde. Gladbach siegte am 9. Mai 1998 mit 2:0 gegen den VfL Wolfsburg und schaffte nur durch das bessere Torverhältnis den Klassenerhalt. Effenberg war in dieser wichtigen Partie nach 13 Spielminuten das Führungstor gelungen, und nach dem „Wunder von Wolfsburg“ fingen TV-Kameras wirkungsvoll ein, wie sich Borussen-Trainer Friedel Rausch und sein Kapitän tränenüberströmt in den Armen lagen.Schema auf www.transfermarkt.de Unmittelbar nach dem Saisonfinale beendete Effenberg die wochenlangen Gerüchte um seine Zukunft und verkündete seinen Abschied von Borussia Mönchengladbach.

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