mini|Gigant im Kampf gegen Artemis
Die Giganten () sind Gestalten der griechischen Mythologie. Sie versuchten im geläufigsten Mythos, der Gigantomachie, die Olympischen Götter zu stürzen.
Abstammung Nach der ältesten Überlieferung, der Theogonie des Hesiod, entstanden die Giganten ebenso wie die Erinyen und die Meliaden aus den Blutstropfen, die zur Erde fielen, als Kronos seinen Vater Uranos entmannte.Hesiod, Theogonie 176. Die Mutter der Giganten ist die Göttin Gaia, die personifizierte Erde in der griechischen Mythologie. In der Bibliotheke des Apollodor gebiert Gaia die Giganten aus Ärger über die Titanen, die Vaterschaft des Uranos wird lediglich erwähnt.Bibliotheke des Apollodor 1,34.
Bei Bakchylides,Bakchylides, Fragment 15. Diodor,Diodor 4,15,1. Ovid,Ovid, Metamorphosen 1,151. VergilVergil, Georgica 1,276. und NonnosNonnos von Panopolis, Dionysiaka 25,85. wird nur ihre Mutter Gaia genannt. Einerseits deshalb, weil Gaia ihre Kinder auch ohne einen Vater aus sich selbst gebären kann, andererseits weil die Giganten in der Gigantomachie von ihrer Mutter unterstützt werden, ihr Vater aber nicht mehr vorkommt. In der Beschreibung Griechenlands von PausaniasPausanias, Beschreibung Griechenlands 8,28,1 ff. wird nur ihr Vater Uranos genannt, um die verwandtschaftliche Beziehung der Giganten zu den Titanen und den Olympischen Göttern zu verdeutlichen. HyginusHyginus, Fabulae Praefatio. nennt den Namen Ge für Gaia als die Mutter der Giganten, jedoch Tartaros als ihren Vater.
Aussehen mini|Poseidon bekämpft Polybotes. Attische schwarzfigurige Amphore, ca. 540–530 v. Chr.Standort: Louvre. Foto: Marie-Lan Nguyen mini|Darstellung eines Giganten aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Fundort: Aphrodisias. Standort: Archäologisches Museum Istanbul. Foto: Giovanni Dall’Orto
Laut Hesiod waren die Giganten „hell von Waffen umblinkt, langragende Speer’ in den Händen.“Hesiod: Theogonie. Übersetzer: Johann Heinrich Voß. Verlag von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), 1911; ApollodorBibliotheke des Apollodor 1,34. beschreibt sie als unübertroffen in ihrer Größe und Kraft, von furchterregender Erscheinung und mit Schlangenschuppen an den Unterschenkeln. Nach ClaudianClaudian, Gigantomachia Latina 66 ff. waren sie mit Keulen, Baumstämmen und Felsblöcken bewaffnet und nach OvidOvid, Metamorphosen 1,153. konnten sie mit ihren Kräften sogar Berge übereinander türmen, DiodorDiodor, Historische Bibliothek 4,21,5. und Gaius Valerius FlaccusGaius Valerius Flaccus, Argonautica 2,16 ff. erwähnen nur ihre ungeheuerliche Größe. Als König und Anführer der Giganten nennt HomerHomer, Odyssee 7,58; den Eurymedon.
Ein Motiv, das häufig in den bildenden Künsten dargestellt wurde, waren Giganten mit Beinen, die in Schlangenkörper auslaufen, wie auch OvidOvid, Metamorphosen 1,185. sie beschreibt. Die bekannteste Darstellung ist der Gigantenfries des Pergamonaltars, der den Kampf der Giganten gegen die Olympischen Götter während der Gigantomachie zeigt. PausaniasPausanias, Beschreibung Griechenlands 8,28,1. hingegen hält die Vorstellung von Schlangen anstatt Füßen für absurd. NonnosNonnos von Panopolis, Dionysiaka 25,85 ff. wiederum beschreibt sie mit Schlangenhaaren und zweihundert Händen.
Gigantomachie Sie galten insbesondere als Söhne ihrer Mutter Gaia, die sie in ihrem Kampf gegen die Olympier unterstützte. Dieser Kampf zwischen Giganten und Olympiern wird als Gigantomachie bezeichnet. Der Sieg sollte den Olympiern nur durch die Hilfe sterblicher Wesen möglich sein, weil Giganten durch Götterhand nicht sterben können. Diese Hilfe kam den Olympiern durch Dionysos und Herakles, beides Söhne des Zeus, die er mit sterblichen Müttern gezeugt hatte, wobei insbesondere Herakles entscheidend zum Sieg gegen die Giganten beitrug. Ein Wunderkraut, das Gaia wachsen ließ, sollte den Giganten allerdings gegen die Götter helfen, da sie dadurch auch von Sterblichen nicht getötet werden könnten. Als Zeus davon erfuhr, verbot er Eos, dem Morgenlicht, Selene, dem Mond, und Helios, der Sonne, den Kindern des Titanenpaares Hyperion und Theia, zu scheinen, bis er dieses selbst gefunden hatte.
Namen der Giganten Die Namen der Giganten werden in mehreren Quellen genannt. Die älteste ist die Odyssee, worin der Anführer der Giganten Eurymedon erwähnt wird. Einige Namen sind auch auf attischen Vasen des 6. Jahrhunderts v. Chr. erhalten. VergilVergil, Aeneis 4,179. und ProperzProperz, Elegien 3,9. sind nach Homer die ersten Schriftsteller, bei denen Giganten namentlich erwähnt werden. Die erste Quelle, die eine Namensliste enthält, ist die Bibliotheke des Apollodor.Bibliotheke des Apollodor 1, 34. Pausanias nennt in seinen Reisen in Griechenland vereinzelt Namen, die zum Teil auf lokale Übernahmen des Gigantenmythos zurückzuführen sind. Daneben sind noch die Namenslisten bei Hyginus und bei NonnosNonnos von Panopolis, Dionysiaka 25,85; 48,6. überliefert.
Die Giganten wurden bereits von einigen spätantiken Autoren mit den Titanen verwechselt.Vgl. Servius, Kommentar zu Vergils Aeneis 8,698; Horaz, Carmina 3,4,42. Hyginus führt dementsprechend auch Titanen unter den Giganten auf, namentlich Astraios, Iapetos, Koios und Pallas. Die Gigantomachie scheint hier als eine bloße Nachahmung der Titanomachie verstanden worden zu sein. Auch der Aloide Otos wird von Hyginus zu den Giganten gezählt. Der Name seines Bruders Ephialtes ist der gleiche wie der des schon bei Hesiod genannten Giganten Ephialtes. Dazu schließt sich in älteren Erzählungen der Angriff der Aloiden auf den Olymp direkt an die Gigantomachie an,Vgl. Bibliotheke des Apollodor 1,6,3,1 ff. sodass hierbei von einer Verwechslung ausgegangen werden kann.Aloiden. In: theoi.com, abgerufen am 25. August 2026. Auch das Ungeheuer Typhon, das Hesiod noch als eigenständige Figur beschreibt, wird von Hyginus den Giganten zugeschlagen. Nonnos beschreibt den Typhon der älteren Autoren, nimmt den Namen aber zusätzlich in die Auflistung der Giganten mit auf.
Beinamen Den Giganten wurde von einigen Autoren der Beiname Gegeneis () gegeben, der Erdgeborene bedeutet.Batrachomyomachia 7; Sophokles, Trachiniai 1058 f. Als Substantiv verwendet, wurde der Beiname auch als alleinige Bezeichnung für die Giganten gebraucht.Aristophanes, Die Wolken 853; Lykophron 1408.
Namensliste (unvollständig)
+ Name findet Erwähnung bei … Name Athos Homer Apollodor Vergil Properz Pausanias Hyginus Nonnos Agasthenes xAttisch-schwarzfigurige Vase. Beazley 14590. 575–525 v. Chr. Agrios x x x Alkyoneus x x x Alpus x Astraios x Chthonios x Damasen x Damysos Emphytos x Enkelados x x xProperz, Elegien 2,1,39. x x xAttisch-schwarzfigurige Vase. Beazley 10148. 575–525 v. Chr. Ephialtes x x x xAttisch-schwarzfigurige Vase. Beazley 10047. 575–525 v. Chr. Euboios x Euphorbos x Euryalos xAttisch-rotfigurige Vase. Beazley 10047. 550–500 v. Chr. Eurymedon x xProperz, Elegien 3,9,48. Eurytos x x x Gration x x Hippolytos x x Hopladamus x Hyperbios x Klytios x x Mimas x Oranion x Otos x Pankrates x Peloros x x Polybotes x x x x x Porphyrion x x x x Rhoikos x Theodamas x Theomises x Thoon x x Thurius x Typhon x x
Literatur
Francis Vian: La Guerre des Géants. Le Mythe avant l’époque hellénistique. C. Klincksieck, Paris 1952. Claude Calame: Les Figures grecques du gigantesque. In: Communications. Band 42, 1985, S. 147–172.
Michael Grant, John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. dtv, München 2004, ISBN 3-423-32508-9, S. 158–160.
Weblinks
Gigantes im Theoi Project (englisch) bei Gottwein.de, 17. Juli 2024
Einzelnachweise
Kategorie:Männliche Gottheit Kategorie:Gruppe von Gottheiten