|} Als Flügelung oder Flügeln wird in der Fachsprache das fahrplanmäßige Trennen eines kombinierten Zuges und die Wiedervereinigung bei der Rückfahrt bezeichnet.Walter von Andrian: Flügeltriebzüge für die RhB. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9/2016. Minirex, , S. 400–402.Beat Bolliger: Auf: SBB Stories. Rund um die SBB. 26. Februar 2013 Für diesen Vorgang wird auch der Begriff Zugteilung verwendet. Hierbei müssen nicht zwangsläufig unterschiedliche Endbahnhöfe erreicht werden. Die Teilung in eine Express- und eine Regionallinie mit allen Halten wird als Längsflügeln bezeichnet.Weiterentwicklung des SPNV-Angebots im Rheinland – Zielnetze. go.Rheinland, Köln, 20. März 2023, abgerufen am 25. Mai 2023, S. 7.
Begriff Flügelzüge werden aus zwei oder mehr Trieb- oder Wendezügen gebildet, die auf einem Teil der Laufstrecke vereint verkehren. Gelegentlich werden sie auch als lokomotivbespannte Wagenzüge formiert.Jörg Schäfer: Braucht die Bahn Flügel? Ein Plädoyer für die Renaissance des Kurswagens. Studie März 2008. Auf der Website von Jörg Schäfer (PDF; 3,2 MB) Zu unterscheiden sind Flügelzüge von: dem Stärken und Schwächen, um Züge den Nachfrageschwankungen innerhalb eines Tages oder auf einem Teil der StreckeMathias Rellstab, Walter von Andrian: Acht- und vierteilige Flirt für den Voralpen-Express. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9/2016. S. 586–388.Christoph Dauwalder, Ruedi Beutler, Mike Fassbind: Ausrüstung von Domino-Fahrzeugen mit automatischen Zugkupplungen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11/2010. S. 573–575. anzupassen; einzelnen Kurswagen oder Kurswagengruppen, die aus Reisezugwagen bestehen und abschnittsweise einen vom restlichen Zug abweichenden Laufweg haben. Verkehrt eine solche Kurswagengruppe außerhalb des Stammzuges zu ihrem Zielort, spricht man – wie bei geflügelten Triebzügen – von einem Flügelzug.Daniel Ammann: Kurswagen – Eine «vergessene» Art des Bahnfahrens. In: Semaphor – Klassiker der Eisenbahnen Ausgabe Nr. 49, 2016 (PDF; 2,7 MB)
Betrieb
Mit Hilfe des Flügelungskonzepts können unterschiedliche Ziele umsteigefrei angeboten werden. Durch die vereinte Fahrt mehrerer Züge werden auf einem Teil der Strecke Fahrplantrassen – und damit Trassenentgelte – sowie Personal eingespart.Dominik Sommerer: Optimale Fahrgastinformation bei Flügelzügen. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 5/2011. Minirex, , S. 258–259. (PDF; 0,5 MB) Damit das Flügeln in kurzer Zeit erfolgen kann, sind Flügelzüge mit einer automatischen Kupplung ausgestattet, die von den Triebfahrzeugführern per Knopfdruck bedient wird. Um das Trennen und Vereinigen der beiden Zugteile innerhalb von zwei bis vier Minuten zu ermöglichen, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: Beide Streckenäste führen parallel in den Trennungsbahnhof hinein und vereinigen sich bei der Bahnsteigmitte, damit beide Zugteile fast gleichzeitig in den Bahnhof einfahren können.Dominik Sommerer: Schneller Flügeln. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 2/2013. S. 93–94. (PDF; 0,4 MB) Der Trennungsbahnhof ist mit Zwischen- oder Gleisabschnittsignalen in Vereinigungsrichtung ausgestattet. Der zweite Zugteil legt die kurze Fahrt vom Zwischen- bzw. Gleisabschnittsignal zum vorderen Zugteil als Rangierfahrt zurück. Gibt es ein Zugdeckungssignal im Zielgleis, wird dies in Deutschland als Beifahranlage bezeichnet. In diesem Fall wird die Fahrt mit einem Fahrtbegriff am zurückgelegenen Hauptsignal zugelassen, wobei die Geschwindigkeit wegen des fehlenden Durchrutschwegs begrenzt wird. Das Ausfahrsignal steht schon bei Einfahrt des ersten Zugteils auf Fahrt, damit die beiden vereinten Zugteile mit Höchstgeschwindigkeit ausfahren können, ohne durch eine punktförmige Zugbeeinflussung verlangsamt zu werden. Die richtungsbestimmende Weiche liegt direkt hinter dem Bahnsteig sowie einem Hauptsignal. Dadurch kann die Ausfahrt für den zweiten Zugteil eingestellt werden, sobald der vordere Zugteil den Bahnsteigbereich verlassen hat. Nicht möglich ist Flügeln, wenn der Abzweigbahnhof als Keilbahnhof ausgebildet ist.Yves Marclay: Halbstundentakt auf der Strecke Martigny – Le Châble / Orsières. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 3/2018. S. 162–164.
mini|Fahrgastinformation eines Zuges, der im Verlauf der Fahrt geflügelt wird Ein Flügelungskonzept stellt besondere Ansprüche an die Fahrgastinformation. Es soll optisch und akustisch vermittelt werden, welcher Zugteil wohin fährt und wo der Zug geteilt wird. In elektronischen Fahrplänen fehlt oft der Hinweis auf Flügelung. Auf den Bahnhöfen muss der Fahrgast informiert werden, in welchen Zugteil er einsteigen soll, falls er über den Trennungsbahnhof hinaus weiterreist. Wenn die Bahnsteige in Sektoren A, B, C, … eingeteilt sind, können sich die Reisenden bereits vor der Zugankunft auf dem Bahnsteig entsprechend platzieren. Eine zusätzliche Orientierungshilfe bieten die Zugzielanzeiger außen an den Fahrzeugen sowie auch im Innern der Wagen. Für die Durchsage kurz vor dem Trennungsbahnhof sind selektive Ansagen für jeden der beiden Zugteile optimal.
Im Zusammenhang mit ETCS Level 2 (ohne konventionelle Hauptsignale) hat DB Netz einen neuen Fahrstraßentyp zum Stärken konzipiert. Dieser sieht einen Wechsel in die Betriebsart On Sight bei Annäherung an den vorausliegenden Zug vor.
Beispiele Deutschland Fernverkehr mini|links|Zwei gekuppelte ICE-Einheiten, die geflügelt werden können und als einzelne Züge in verschiedene Richtungen weiterfahren. mini|Kupplung zweier ICE-Einzelzüge in Leipzig Hauptbahnhof Schon im Schnelltriebwagennetz der Deutschen Reichsbahn in den 1930er Jahren wurde das Flügelzugkonzept angewandt. Die von Berlin bis Nürnberg vereinigten Züge wurden dort in Flügel nach Stuttgart und nach München getrennt. Ebenso wurde auf der Linie Berlin–Köln verfahren: Dort verkehrten beide Teile bis Hamm (Westf.) vereinigt, danach fuhr ein Teil über Hagen und Wuppertal, der andere über Dortmund, Essen und Düsseldorf nach Köln.
Dies wird auch gegenwärtig praktiziert, insbesondere seit Einführung des Halbzugkonzepts mit der zweiten, dritten und vierten Baureihe des Intercity-Express.ICE 2: Der Flexible. Auf der Website der DB Vertrieb GmbH, abgerufen am 20. Dezember 2018 Die Züge der tagsüber stündlich verkehrenden Linie 10 werden jede zweite Stunde in Hamm geflügelt. Für Fahrgäste nach Köln ergibt sich ein erheblicher Zeitgewinn, da der dorthin fahrende Zugteil das Ruhrgebiet südlich über Hagen und Wuppertal umfährt. Der andere Zugteil verkehrt nach Düsseldorf und hält im Ruhrgebiet an vier weiteren Bahnhöfen. Als weiteres Beispiel kann die Nord-Süd-Linie 25 aus München dienen, die in Hannover Hauptbahnhof geflügelt wird. Der vordere Teil fährt nach Hamburg, der hintere nach Bremen und am Tagesrand darüber hinaus nach Oldenburg.
Vereinzelt werden auch lokbespannte Intercity-Garnituren geflügelt. So verkehrt an Freitagen ein Intercity von Frankfurt am Main nach Fulda, wo der Zug geteilt wird und die entsprechenden Zugteile nach Leipzig sowie nach Berlin via Hannover weiterfahren. Die dafür notwendige zweite Lokomotive läuft bereits ab Frankfurt in der Mitte des Zuges mit, wodurch auf umständliches Rangieren in Fulda verzichtet werden kann.
Nahverkehr mini|Die Baureihe 610 sorgte 1992 für zwei Deutschland-Premieren: erster Zug mit Neigetechnik und erste Regional-Flügelzüge Im ÖPNV wird – so die Trieb- und Wendezüge automatisch gekuppelt werden können – ebenso verfahren. Die Flügelung wenden viele Bahngesellschaften an, die LINT-Triebzüge einsetzen, die speziell für den Flügelungsbetrieb konzipiert wurden. Zuweilen wird mit herkömmlichen Doppelstockwagen-Zügen geflügelt, wenn dies ohne großen Aufwand möglich ist. Begonnen wurde mit der Flügelung im Jahr 1992 mit den „Pendolino“ genannten Regionalschnellbahn-Zügen mit Neigetechnik von Nürnberg nach Bayreuth und nach Hof.
In allen Regionen Deutschlands gibt es Anwendungen von Flügelzugkonzepten:
Norddeutschland mini|Zug der mit dem Flügelzugkonzept betriebenen Hamburger S-Bahn-Linie 1 Seit dem 11. Dezember 2008 werden die Züge der Hamburger S-Bahnlinie S1 im Bahnhof Ohlsdorf getrennt. Der vordere Zugteil fährt zum Flughafen Hamburg und der hintere nach Poppenbüttel. In der Gegenrichtung fährt der Zug aus Richtung Flughafen zuerst ein. Die Fahrgäste aus Poppenbüttel mit Ziel Flughafen müssen daher nur die Bahnsteigseite wechseln. Die Züge der Linie RE7 von Hamburg nach Flensburg und Kiel werden in Neumünster geteilt. Der vordere Zugteil fährt nach Flensburg, der hintere Richtung Kiel Auf der Vogelfluglinie Lübeck–Puttgarden wurde bis 2022 im Bahnhof Neustadt (Holst) Gbf geflügelt. Bei der Stadtbahn Hannover verkehren die Linien 2 (Gleidingen – Alte Heide) und 8 (Hauptbahnhof – Messe/Nord) montags bis sonntags ab 21 Uhr von Alte Heide bis Peiner Straße, wo der Zug geteilt wird. Der eine Wagen fährt weiter nach Gleidingen und der andere nach Messe/Nord. Später vereinigen sich die Züge in der Haltestelle Bothmer Straße wieder und fahren als Linie 2 nach Alte Heide. Von Göttingen aus werden die Linien RB7 nach Bebra und RB8 nach Kassel der cantus Verkehrsgesellschaft in Eichenberg geflügelt. Nordrhein-Westfalen, Hessen Im Stolberger Güterbahnhof bei Aachen besteht eine Beifahranlage, um zwei Linienäste der Euregiobahn zusammenzuführen. Hier werden Bombardier-Talent-Züge mit einer automatischen Scharfenbergkupplung gekoppelt. Auch bei der Rhein-Niers-Bahn aus Aachen Hbf wird ab dem Bahnhof Lindern ein Zugteil nach Heinsberg geführt; der andere hatte Duisburg und seit Ende 2019 Essen zum Ziel. Diese Verbindung wird mit Zügen der DB-Baureihe 425/426 gefahren. mini|Hinweistafel im Zug Bis zum Fahrplanwechsel 2006 wurde bei einigen mit herkömmlichen Doppelstockwagen-Zügen gefahrenen Regional-Express-Zügen von Frankfurt am Main nach Siegen und Treysa in Gießen geflügelt. Bei diesem Beispiel wurde die Fahrgastinformation mit einfachen Mitteln durchgeführt: kreidebeschriftete Tafeln markierten die Trennstelle am Bahnsteig, Klebezettel am Wagenübergang markierten sie im Zug. Heute wird in Gießen der mit Triebzügen gefahrene Mittelhessen-Express geflügelt. Ein Teil fährt weiter nach Treysa, der andere nach Dillenburg. Seit Dezember 2010 finden in Gießen darüber hinaus Flügelungen auf der Linie RE 98/RE 99 statt. Der hintere Zugteil fährt weiter nach Siegen (Main-Sieg-Express), der vordere nach Kassel. Auch in Westfalen gibt es Beispiele für Flügelzüge. Die RB 69 und RB 89 verkehren zwischen Münster und Hamm als Doppelzug und werden dort getrennt. Der eine Zugteil fährt als RB 69 weiter nach Bielefeld, der zweite Zugteil über Paderborn nach Warburg. In Ostwestfalen/Südniedersachsen wird seit Dezember 2015 die Verbindung aus Paderborn in Ottbergen geteilt: Entweder via Oberweserbahn (RB 85) weiter nach Göttingen oder als RB 84 über die Sollingbahn nach Kreiensen. Die Züge bei der Ruhr-Sieg-Bahn (RB 91) von Iserlohn von Siegen werden jeweils in Iserlohn-Letmathe zusammengeführt und verkehren nach Hagen. In der Gegenrichtung werden die Züge in Iserlohn-Letmathe getrennt und verkehren allein nach Siegen und Iserlohn. Der Rhein-IJssel-Express (RE 19) fährt von Düsseldorf Hbf bis Wesel und wird dort geteilt. Von Wesel fährt ein Zugteil nach Bocholt, der andere nach Arnhem Centraal. Der Emscher-Münsterland-Express (RE 14) fährt von Essen Hbf bis Dorsten und wird dort geteilt. Von Dorsten fährt ein Zug nach Borken, der andere nach Coesfeld. Neue Bundesländer