Philippsthal (Werra) ist eine Marktgemeinde im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg, direkt an der Landesgrenze zu Thüringen.
Geographie Lage Philippsthal liegt an der Werra. Die Ulster mündet zwischen dem Ort und dem Ortsteil Röhrigshof in die Werra.
Der tiefste Punkt liegt mit in der Werraaue bei Harnrode. Der höchste Punkt liegt im Nordosten der Gemeindegemarkung auf etwa Höhe, wo die Gemarkungsgrenzen von Philippsthal, Heringen und Vacha aufeinandertreffen.
Die nächsten größeren Städte sind Bad Hersfeld (etwa 25 km im Westen) und Eisenach (etwa 29 km im Nordosten).
Nachbargemeinden Philippsthal grenzt im Norden an die Stadt Heringen (im Landkreis Hersfeld-Rotenburg), im Osten an die Stadt Vacha, im Süden an die Gemeinden Unterbreizbach (beide im thüringischen Wartburgkreis) und Hohenroda sowie im Westen an die Gemeinde Friedewald (beide im Landkreis Hersfeld-Rotenburg).
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Philippsthal, Röhrigshof, Unterneurode.
Geschichte mini|Innerdeutsche Grenze an der Bundesstraße 62 in Richtung Vacha, 1952 mini|Kaliwerk mit Abraumhalde in Philippsthal (Werra)
Philippsthal wird im Jahre 1191 in einem Schutzbrief des Papstes Coelestin III. an die Abtei Hersfeld das erste Mal erwähnt. Die Abtei gründete in diesem Jahre ein Benediktinerinnenkloster und benannte es nach dem hier lebenden Rittergeschlecht der von Cruceburg. Nach diesen wurde dann auch die sich entwickelnde Ortschaft Kreuzberg genannt. Die überwiegend zum Kloster gehörende Flur und einige Besitzungen in der Umgebung wurden von einem Vogt verwaltet und daher in den Urkunden als Vogtei Kreuzberg bezeichnet. Das Kloster wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört und 1568 von den Nonnen aufgegeben. Erhalten ist noch die ehemalige Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert und in ihrem Inneren ein im einstigen Klostergarten gefundener spätromanischer Grabstein für einen Ritter aus dem Geschlecht der von Cruceburg. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Abtei Hersfeld zu einem weltlichen Fürstentum umgeformt und vom römisch-deutschen Kaiser Ferdinand III. 1648 als Reichslehen dem Haus Hessen-Kassel zugesprochen. An der Stelle, an der das Kloster stand, ließ sich Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal (* 14. Dezember 1655, † 18. Juni 1721) im Jahre 1685 ein Schloss bauen, dem er den Namen Philippsthal gab. Dieser Name setzte sich Ende des 18. Jahrhunderts auch als Ortsname durch. Zum Schloss gehörte auch der Landschaftspark Weidenhain auf dem Hochufer der Werra, der sich bis 300 m westlich der Vachaer Werrabrücke erstreckte und mit seiner vielgerühmten Schankwirtschaft im frühen 19. Jahrhundert die bekannteste Sehenswürdigkeit des Ortes darstellte. Nach dem Beginn des Bergbaus im Kaliwerk Hattorf im Jahre 1905 wurde aus dem Handwerker- und Weberdorf ein Industrieort.
Während der Kriegsjahre 1943 bis 1945 wurden zur Bestandssicherung mehrere Millionen Bände aus den Archivbeständen der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin in die Schachtanlagen von Hattorf ausgelagert.Werner Schochow, Werner Knopp: Bücherschicksale. Die Verlagerungsgeschichte der Preußischen Staatsbibliothek. ISBN 978-3-11-017764-0, S. 209–219. Am 10. Juni 1942 kam es an einem unbeschrankten Bahnübergang der Ulstertalbahn nahe dem Bahnhof Philippsthal Süd zu einem schweren Eisenbahnunfall, bei dem drei Menschen starben.Michael Knauf, Markus Schmidt: Die Geschichte der Ulstertalbahn 1981–1996; Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2018, ISBN 978-3-95966-295-6 , Seite 88
Während der Zeit der innerdeutschen Teilung gewann das Gebäude der ehemaligen Druckerei im Haus Hoßfeld Berühmtheit, weil die innerdeutsche Grenze mitten durch das Gebäude verlief. Erst 1976 wurde durch eine Grenzregelung zwischen der alten Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik das gesamte Grundstück Westdeutschland zugeteilt.
Im Juni 1953 wurde die Gemeinde von „Philippsthal a. W.“ in „Philippsthal (Werra)“ umbenannt. Am 1. Januar 1977 erhielt die Gemeinde den amtlichen Namen, den sie bis zur Gebietsreform trug: „Philippstal (Werra)“.
Die Gemeinde wurde in den 1990er Jahren überregional durch den Mord an Melanie und Karola Weimar von 1986 und die daraus resultierenden Strafprozesse bekannt.
Der Titel „Marktgemeinde“ wurde am 30. Mai 2001 an die Gemeinde verliehen.
Eingemeindungen Am 1. August 1972 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bisher selbständigen Gemeinden Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Philippsthal (Werra), Röhrigshof und Unterneurode zur neuen Gemeinde Philippsthal zusammengeschlossen.
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Marktgemeinde Philippsthal (Werra) erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Philippsthal (Werra) 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 36,8652,91247,61150,71245,51052,712 Philippsthal33,8623,8632,2728,4634,7827,96 29,3521,4520,2520,9519,8519,55 ——1,90———————— Gesamt 100,0 17 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 57,4 55,3 54,7 52,7 56,2 63,0
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Marktgemeinde Philippsthal (Werra) neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und acht weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2020 Timo Heusner (SPD). Er wurde als Nachfolger von Ralf Orth (SPD), der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 26. Mai 2019 im ersten Wahlgang bei 54,6 Prozent Wahlbeteiligung mit 55,7 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im Juli 2025.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 6. Juli 2025 in Philippsthal
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2020–2031 Timo Heusner (SPD)Hersfelder Zeitung, 3. Januar 2020: Kein Kaltstart für Timo Heusner im Philippsthaler Rathaus: „Seinen ersten offiziellen Termin als neuer Bürgermeister der Marktgemeinde Philippsthal hatte Timo Heusner übrigens bereits am Neujahrstag“ 2008–2019 Ralf Orth (SPD)Hersfelder Zeitung, 30. Dezember 2019: Nach zwölf Jahren als Bürgermeister in Philippsthal geht Ralf Orth zum Jahreswechsel in den Ruhestand 2002–2007 Hartwig Klotzbach 1978–2001 Fritz Schäfer (SPD) (1941–2021)Traueranzeigen Fritz Schäfer
Wappen
Partnergemeinden Partnerschaftliche Beziehungen werden seit 1974 zu Salies-du-Salat (Région Midi Pyrénées, Département Haute-Garonne) in Frankreich und seit 1990 zu Vacha und Dorndorf in Thüringen gepflegt.
Religionen und Konfessionen links|mini|Evangelische Pfarrkirche Philippsthal
Das Gebiet der Marktgemeinde Philippsthal gehört heute zur Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (Kirchenkreis Hersfeld) und dem weitgehend deckungsgleichen katholischen Bistum Fulda. Die Gemeinde ist mehrheitlich evangelisch.Angaben auf der Seite des Statistischen Landesamtes Hessen, abgerufen am 29. Juli 2017
Evangelisch:
Die evangelische Schlosskirche befindet sich in der Schloß 8, 36269 Philippsthal (Werra).
Katholisch:
Die katholische Filialkirche St. Maria in der Südstraße 6 wurde im Jahre 2023 profaniert. Sie gehörte zur Pfarrei St. Robert Heringen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten hochkant|mini|Grenzstein der Abtei Hersfeld an der alten Werrabrücke zwischen Philippsthal und Vacha Für die unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmale der Gemeinde siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Philippsthal (Werra).
Museen Grenzmuseum im TorbogenhausOrte des Erinnerns
Bauwerke Schloss Philippsthal Orangerie im Schlosspark dreischiffige Schlosskirch: ehemalige Klosterkirche, aus dem 12. Jahrhundert
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsunternehmen Kaliwerk Hattorf, Teil des Kaliwerks Werra der K+S-Gruppe
Verkehr Auf der linken Seite der Werra führt die Bundesstraße 62 durch die Gemeinde.
Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt durch die ÜWAG Bus GmbH mit der Linie 340. Der Personenverkehr auf der Hersfelder Kreisbahn und der Bahnstrecke Gerstungen–Vacha ist 1993 bzw. 1981 eingestellt worden. Lediglich der Güterverkehr zwischen Gerstungen und dem Kaliwerk Hattorf besteht noch.
Rad- und Wanderwege Durch das Stadtgebiet verlaufen folgende Radwanderwege: Der Bahnradweg Hessen führt von Hanau auf ehemaligen Bahntrassen circa 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön und endet in Bad Hersfeld. Der Ulsterradweg ist Teil des Rhönradweges. Dieser hat eine Länge von insgesamt 180 km und führt von Bad Salzungen nach Hammelburg. Er verläuft von Thüringen aus über Hessen bis nach Bayern. Der Werratal-Radweg führt entlang der Werra und verbindet auf einer Länge von 290 km Thüringen, Hessen und Niedersachsen. Der Hessische Radfernweg R7 (Von der Lahn zur Werra) führt über 215 km durch das Lahntal, den Vogelsberg und das Fuldatal.
Persönlichkeiten Franz von Hessen-Philippsthal (1805–1861), Prinz von Hessen-Philippsthal und Baron von Falkener Hermann Lindemann (1910–2002), Fußballspieler und -trainer
Literatur
Johannes Burkardt: Kreuzberg (Philippsthal). In: Friedhelm Jürgensmeier u. a.: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Hessen (Germania Benedictina 7 Hessen), Eos, St. Ottilien 2004, S. 732–740. ISBN 3-8306-7199-7.
Elmar Clute-Simon, Reiner Emmerich: Das Haus auf der Grenze. Ott, Bad Hersfeld 1989.
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliger Residenzort in Hessen
Kategorie:Ort an der Werra Kategorie:Werra-Fulda-Kalirevier Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Hessen Kategorie:Marktgemeinde in Hessen