Kassel ist vor Bieber und Wirtheim der größte Ortsteil der Gemeinde Biebergemünd im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Umgangssprachlich wird er, auch zur Unterscheidung von der Stadt Kassel, Besenkassel genannt. Am Ortsrand von Kassel liegen Rathaus und Verwaltung der Gemeinde Biebergemünd.

Geografie Geographische Lage mini|Die Bieber in Kassel

Kassel liegt auf einer Höhe von etwa 150 m über NHN am Fluss Bieber, im unteren Biebertal, das sich nach Nordwesten aus dem Spessart öffnet, etwa 10 Kilometer östlich von Gelnhausen. Der Ort liegt an der von Mücke über Gedern und Wächtersbach nach Lohr führenden B 276, im Biebertal im hessischen Teil des Spessarts.

Nachbargemeinden Kassel grenzt im Nord-Osten an die Stadt Bad Orb, im Süd-Osten an den Ortsteil Roßbach, im Süd-Westen an Eidengesäß, einen Ortsteil der Gemeinde Linsengericht, im Westen an Höchst (Gelnhausen), einen Stadtteil der Stadt Gelnhausen und im Nord-Westen an den Ortsteil Wirtheim.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|Katholische Kirche St. Johannes Nepomuk in Kassel

Archäologische Funde aus der Region zeigen, dass sich bereits in der Würmzeit auf den Höhen bei Kassel Menschen aufhielten.1000 Jahre Kassel und Wirtheim – Herausgegeben von der Gemeinde Biebergemünd anlässlich der 1000-Jahrfeier, unter Mitwirkung des Geschichtsvereins Gelnhausen; Druckerei F.W.Kalbfleisch, Gelnhausen. Den ältesten zivilisatorischen Bau stellt der keltische Ringwall Alteburg dar, welcher neuesten Erkenntnissen zufolge aus der frühen Keltenzeit, im 6. Jahrhundert vor Christus stammt. 1292 übergibt Graf Luckard von Weilnau den Ort nebst zugehörigem Gericht dem Herrn Ulrich von Hanau und Graf Heinrich von Weilnau. 1313 verkauft Gottfried, Herr von Brauneck, Vogtei und Gerichtsbarkeit über das Dorf an Mainz.

Ortsname Es wird vermutet, dass sich der Name Kassel (historisch: Cassela) von der Burganlage der Alteburg herleitet. Als „castella“ wurden im Mittelalter Burganlagen und Königshöfe bezeichnet.

Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung Kassels datiert auf eine Urkunde aus dem Jahr 976. Darin wird das Dorf dem Stift „St. Peter und Alexander“ in Aschaffenburg durch den deutschen Kaiser Otto II. geschenkt. In dieser Urkunde wird Kassel noch als Cassela bezeichnet. Die Geschichte von Kassel ist über die Jahrhunderte eng mit dem Nachbarort Wirtheim verbunden. Die beiden Dörfer galten als Hauptumschlagplatz für die aus dem Bergbau gewonnenen Güter im oberen Biebergrund.

Neuzeit Nach Jahrhunderten, in denen Kassel von Wirtheim aus mehr oder weniger mitverwaltet wurde, trat der Ort um 1550 langsam aus dessen Schatten hervor. Es ist urkundlich festgehalten, dass in diesem Jahr 400 Morgen neues Land durch Rodung für 100 Familien geschaffen wurde.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde im Mainzer Territorium, zu dem Kassel und Wirtheim zu dieser Zeit zählten, die Gegenreformation durch den Mainzer Erzbischof Daniel Brendel von Homburg intensiv betrieben. Da sich die Orte Wirtheim, Kassel, Höchst und Orb im äußersten Grenzgebiet des Mainzer Einflusses befanden, waren sie umringt von protestantischen Dörfern sowie der 1543 zum Protestantismus übergetretenen Stadt Gelnhausen. Am 14. Juli 1628 kam es zum Eklat: Der Orber Pfarrer Valentin Schick zog mit Pfarrkindern aus Orb, Kassel und Wirtheim nach Gelnhausen, um mit den dortigen Franziskanern, flankiert von einer Schützengilde, zu demonstrieren. Die Gelnhäuser Bürger protestierten danach beim Erzbischof von Mainz und beriefen sich auf den Augsburger Religionsfrieden. Die Ermittlungen verliefen auf Grund des Dreißigjährigen Krieges jedoch im Sande.

1631 besetzte der Schwedenkönig Gustav II. Adolf Mainz und schenkte die Gemeinden Wirtheim und Kassel dem Grafen Philipp Moritz von Hanau. Da die Grafschaft Hanau nach dem Krieg mit sich selbst zu kämpfen hatten, bleiben die Orte jedoch auf sich alleine gestellt. Nach der Schlacht bei Lützen im Jahr 1632 kommen kaiserliche Truppen ins Kinzigtal. Die auf kaiserlicher Seite kämpfenden Kroaten plünderten unter Ottavio Piccolomini Wirtheim und Kassel aus und brachten die Pest mit, an der 60 % der Bevölkerung starben. Dadurch kam das Wirtschaftsleben der Region fast vollkommen zum Erliegen.

1649 gab Graf Friedrich Casimir von Hanau die Gemeinden Wirtheim und Kassel wieder an den Erzbischof von Mainz zurück. Durch eine weitere Pestepidemie in den Jahren 1667/68 wurde die Einwohnerzahl weiter stark dezimiert. Aus diesem Grund holte der aus Tirol stammende Wirtheimer Pfarrer Christian Fuchs zahlreiche Menschen aus seiner Heimat in den Ort, um sie dort anzusiedeln; einige der Tiroler Nachnamen sind noch heute präsent: Schmank, Riesbeck und Desch. Die Neubürger sollten sich als enormer Glücksfall für die Kasseler Bürger erweisen, da die Tiroler solides Handwerkswissen in den Ort mitbrachten und ihn wirtschaftlich stärkten, während das benachbarte Wirtheim nach Plünderungen durch französische Soldaten immer weiter an Einfluss verlor. Neue Berufe kamen in den Ort, unter ihnen besonders hervorzuheben sind die Besenbinderei, die Zeidlerei und die Imkerei. In den folgenden Jahren entstanden außerdem in kürzester Zeit zahlreiche Mühlen im Kasselgrund. Dazu zählten Günthersmühle, Lohmühle, Riethmühle und Obermühle.

Ein weiterer Hinweis auf die Verlagerung der Bedeutung von Wirtheim nach Kassel ist die Tatsache, dass sich der letzte Mainzer Vogt Wirtheims im Jahr 1668/69 in Kassel begraben ließ. Sein Epitaph existiert noch heute als Teil der Mauer der St. Johannes-Nepomuk-Kirche. Es wird vermutet, dass er schon die letzten Jahre seiner Amtszeit in Kassel verbracht hat.

1755 trennte sich die Kasseler Gemeinde endgültig von der Mutterkirche in Wirtheim und erhält eine eigene Kaplanei. Sofort begannen die Planungen zum Bau einer neuen Kirche. Auch die Tatsache, dass in einer wirtschaftlich schweren Zeit im Jahre 1789 ein solch kostspieliger Bau begonnen wird, lässt einen Rückschluss auf den Wohlstand des Ortes zu.

Im Pariser Frieden von 1814, nach der für Napoleon Bonaparte verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig, wurde Kassel, ebenso wie Wirtheim und Orb dem Königreich Bayern zugesprochen. Der Wiener Kongress bestätigte 1814/15 nochmals diese Zuordnung. Bereits 1866 musste Bayern, nach dem verlorenen Deutschen Krieg, Kassel an das Königreich Preußen abtreten.

Ein beachtliches Bauvorhaben wurde 1870/71 verfolgt: Um die Wasserversorgung der Stadt Frankfurt am Main sicherzustellen, wird ein Leitungssystem im Kasselgrund von 4 Quellen über eine Entfernung von 60 km errichtet. Das Wasser fließt bis heute in die Großstadt ohne ein Pumpsystem, allein durch die Schwerkraft. Immer noch werden 10 % des Frankfurter Wasserbedarfs aus Quellen des Nordspessart (Kassel und Bieber) und dem Vogelsberg (Fischborn) gedeckt. Das Wasser benötigt dabei 2 Tage zum Zurücklegen der gesamten Strecke.

Ebenfalls 1870 erhielt Kassel einen Brunnen namens Hungerborn, welcher an der Stelle entstand, wo noch kurz zuvor das alte Rathaus zu finden war. Bereits 1912 wird der Brunnen jedoch wieder entfernt und eine Gesamtwasserversorgung eingerichtet. 1920 beginnt der Abriss des aktuellen Rathauses im Ortskern. An dessen Stelle rückt 1926 ein Kriegerdenkmal, welches dort noch heute zu finden ist.

Zur Förderung des Erzbergbaus im Biebertal wurde 1885 die schmalspurige Spessartbahn in Betrieb genommen. Sie führte vom Bahnhof Gelnhausen nach Lochborn. Der Betrieb dieser Bahn wurde auch nach Stilllegung des Bergbaus im Mai 1925, für die Personenbeförderung fortgesetzt. Auf diese Art konnten auch die im Dorf hergestellten Besen bis nach Frankfurt vertrieben werden. Aus dieser Zeit stammt auch der umgangssprachliche Namen Besenkassel. 1951 stellte die Bahn ihren Betrieb ein. Ein Teil der Bahntrasse ist als Wander- und Radweg erhalten geblieben.

1908 war Kassel das erste Dorf im Kreis Gelnhausen mit elektrischer Stromversorgung, welche vom Sägewerk Schum geliefert wurde.

Am 27. September 1944 fiel eine schwere Luftmine auf Kassel, durch welche das Dach der Kirche beschädigt wurde. Weitere Bomben schlugen am 22. Februar 1945 ein: Dabei wurden 2 Häuser zerstört, und es kamen 5 Menschen, darunter 2 Kinder, ums Leben. Außerdem erlitt die Kirche weitere Schäden und die Turmuhr blieb um 2 Uhr stehen.

Die Ostermesse 1945 wurde auf freiem Feld am Ende des Haitzbachgrundes gefeiert, da Kassel, Wirtheim und Höchst unter feindlichem Beschuss standen. An dieser Stelle existiert heute eine Mariengrotte mit dem Text: „Mutterhände mild und gut hüteten des Dorfes Leben, hielten uns vor Brand und Tod, vor des bösen Feindes Wut. Schütz Maria uns, dein Segen; mach uns stark in jeder Not“.

Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. September 1970 die bis dahin selbständigen Gemeinden Kassel und Wirtheim zur neuen Gemeinde Biebergemünd zusammengeschlossen. Zum 1. Juli 1974 wurden die Gemeinden Breitenborn A. B., Lanzingen, Roßbach und Bieber kraft Landesgesetzes hinzugefügt. Für die Ortsteile wurden keine Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Die Fläche der ehemaligen Gemeinde Kassel betrug 22,37 km².

Bevölkerung Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon

1632: 36 Dienstpflichtige 1812: 190 Feuerstellen, 940 Seelen

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 15 evangelische (= 1,60 %), 925 katholische (= 98,40 %) Einwohner • 1961: 94 evangelische (= 5,12 %), 1740 katholische (= 94,72 %) Einwohner

Infrastruktur und Wirtschaft Verkehr Straßen Kassel liegt an der Bundesstraße B 276, die von Birstein nach Lohr am Main führt. An der Eisernen Hand bei Bad Orb bindet sie im Osten an die Bundesautobahn A 66 an (AS 45 Bad Orb / Wächtersbach). Im Westen liegt die Anschlussstellen AS 44 Gelnhausen Ost.

Bahn Am Bahnhof im Ortsteil Wirtheim (2 km) gibt es Anschluss an die Kinzigtalbahn. Hier verkehrt die Regional-Express Fulda–Frankfurt (RE 50) im Stundentakt sowie die Regionalbahn Wächtersbach–Frankfurt (RB 51). Die nächsten behindertengerechten Bahnhöfe liegen in Wächtersbach und Gelnhausen.

Nahverkehr Ganzjährig verkehren in Kassel mehrere Buslinien des KVG. Sie schaffen mit den Linien MKK 64 und MKK 65 öffentliche Verkehrsanschlüsse zu allen Ortsteilen der Gemeinde Biebergemünd, nach Wächtersbach mit der Kinzigtalbahn (Hessen) (Bahnhof Wächtersbach) sowie nach Bad Soden-Salmünster, weiterhin zu den Bahnhöfen Gelnhausen und Wirtheim, aber auch zu den Nachbargemeinden Flörsbachtal und JossgrundMKK Verkehrslinienplan. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Bildung Kindertagesstätte In Kassel gibt es die Kindertagesstätte – St. Johannes Nepomuk. Eigentümerin ist die Gemeinde Biebergemünd. Der Kindergarten hat sechs Gruppen mit insgesamt 124 Plätzen. Seit 2015 ist die Kita "Nepomuk" im neuen Gebäude am GemeindezentrumKindertagesstätte – St. Johannes Nepomuk.

Schulen In Kassel gibt es die Alteburg-Schule. Sie hat einen Grund-, einen Haupt- und einen Realschulzweig. Darüber hinaus ist Kassel mit der gesamten Gemeinde Biebergemünd an die Friedrich-August-Genth-Schule (Kooperative Gesamtschule) in Wächtersbach, das Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen und die Henry-Harnischfeger-Schule (integrierte Gesamtschule) in Bad Soden-Salmünster angebunden.

Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Kassel ist 1927 gegründet worden, bis dahin gab es eine Pflichtfeuerwehr, 1967 folgte die Jugendfeuerwehr Kassel. 1956 wurde das Feuerwehrhaus Kassel eingeweiht, 2004 folgte das neue Feuerwehrhaus in der Wirtheimer StraßeFreiwillige Feuerwehr Kassel im MKK.

2014 verfügte die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kassel über 34 Kameraden und Kameradinnen, hinzu kam die Jugendfeuerwehr mit 14 Personen. Die Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte der Freiwilligen Feuerwehr sind: Seniorenzentrum des Main-Kinzig-Kreises, Gewerbe- und Industriegebiet, Historischer Ortskern, Außenliegendes Wochenendgebiet, Bundesstraße B276 Richtung Würzburg.