mini|Zwei Modellhelis in unterschiedlichen Flugmanövern. Das vordere Modell vollzieht einen Messerflug; das hintere Modell befindet sich im Flugmanöver Funnel

Wie beim Kunstflug, gibt es auch im Modellflug viele unterschiedliche Flugmanöver. Jedes Manöver stellt für den Piloten eine besondere Herausforderung dar. In diesem Artikel werden die grundlegenden Flugmanöver beim Fliegen von Modellhubschraubern aufgeführt und erklärt. Zudem gibt der Artikel einen Überblick über entsprechende Wettkampfarten und weitere Besonderheiten, die im direkten Zusammenhang mit Flugmanövern mit dem Hubschraubermodell stehen.

Alle nachfolgenden Angaben beziehen sich auf einen pitchgesteuerten Modellhubschrauber mit einem Hauptrotor plus Heckrotor. Bei Koaxial-, Tandem- oder Flettnermodellen gelten sie analog der jeweils vorhandenen technischen Ausstattungen, wobei nicht alle Flugmanöver von allen Modellen geflogen werden können. Ein drehzahlgesteuerter Heli ohne verstellbare Pitchanstellung der Rotorblätter kann z. B. nicht im Rückenflug geflogen werden. Selbst bei pitchgesteuerten Modellen bedarf es ggf. einer bestimmten Rotorblattstellung und Flugphasenprogrammierung – sowie ggf. einer bestimmten Gaskurve, um bestimmte Manöver fliegen zu können.

Einzel- oder kombinierte Manöver Start Der Start leitet den Flug ein – das Modell hebt hier im Normalfall vom Boden ab.Jeder normale Kunst- oder 3D-Pilot startet vom Boden aus. Die Stuntflieger der in der Heliszene bekannten Piloten von HeliGraphix versuchen sehr oft auch außergewöhnliche Flugmanöver durchzuführen. Dazu gehörten auch Starts von einer vertikalen Wand oder ein Start durch Abwurf eines RC-Modellhelis aus einem fliegenden manntragenden Hubschrauber heraus. Bereits beim Start lassen sich komplizierte Kunst- und 3D-Flugmanöver integrieren:Vorgestellt von HeliGraphix-Frontmann Tobias Wagner in den "gelben Seiten" der Fachzeitschrift ROTOR, Ausgabe Juli 2011

Flipstart Ein geübter Pilot kann einen Flipstart fliegen, indem er das Modell dabei vom Boden abheben lässt und durch das gleichzeitige Anstellen der Taumelscheibe in Flugrichtung nach vorne kippt. Durch gleichzeitige Betätigung von ausreichend negativem Pitch wird das Modell in der Rückenlage abgefangen, wodurch die Flugfigur Flipstart vollendet ist.

Tail-Stand-Launch Bei diesem Flugmanöver hebt das Modell vom Boden ab und wird gleichzeitig durch eine Nickbewegung der Taumelscheibe nach hinten gesteuert. Das Modell neigt sich jetzt solange, bis es mit dem Heck zum Boden und der Nase in Richtung Himmel zeigt. In dieser Position wird etwas negativ Pitch und gleichzeitig etwas Nick nach hinten gesteuert, wodurch das Modell langsam in die Rückenlage kommt und gleichzeitig eine Vorwärts- wie auch eine leichte Abwärtstendenz bekommt: Der Tail-Stand-Launch ist abgeschlossen, wenn sich das Modell in kompletter Rückenlage befindet und mit dem Heck voraus in eine bestimmte Richtung fliegt. Die Abwärtstendenz muss dabei nicht gehalten werden, sondern kann durch ausreichend negativen Pitch kompensiert werden.

Messerflugstart Das Modell wird unmittelbar nach dem Abheben in eine ausreichende Flughöhe gebracht, hier sofort um 90° auf die Seite gekippt und mit Vollpitch in einen Messerflug gebracht: Das Modell fliegt nun also um 90° geneigt parallel zum Boden. Da das Flugmodell in dieser Lage insbesondere bei schwächerer Motorisierung sehr instabil werden und eine Absturztendenz bekommen kann, muss schnell eine weitere Flugfigur angeschlossen werden, um das Modell aus der Messerfluglage herauszusteuern: Aus der Messerfluglage kann es durch weiteres Neigen der Taumelscheibe mit einer Rollbewegung in die Rückenfluglage gebracht werden. Um einen Absturz zu vermeiden, muss dann schließlich negativer Pitch gegeben werden, um das Modell in der Rückenfluglage zu halten.

Schweben mini|Ein Modellhubschrauber im Schwebeflug Das Schweben gehört zu den ersten Flugmanövern, die man als Modellhubschrauberpilot erlernt.

Beim Schweben wird versucht, den ferngesteuerten Heli möglichst ohne große Geschwindigkeit in der Luft zu halten. Im Idealfall sollte das Flugmodell in der Luft auf der Stelle gehalten werden können. Da es aber aufgrund des Drehmomentes des Rotors und des dagegen arbeitenden Heckrotors sowie äußerer Umstände (Wind, Downwash, unkonstante Rotordrehzahl usw.) Störfaktoren gibt, die dieses Auf-der-Stelle-halten teilweise verhindern können, muss der RC-Pilot stets Ausgleichsbewegungen an seiner Fernsteuerung vornehmen, um diese Störfaktoren zu annullieren. Teilweise helfen mittlerweile elektronische Bauteile, die optional in das Modell eingebracht werden können, um diese unfreiwilligen Driftbewegungen in der Luft auszugleichen, was insbesondere Einsteigerpiloten den Zugang zum Hobby erleichtert.

Unter Schweben fallen aber noch weitere Flugmanöver, die jedoch stets mit einer möglichst langsamen Fluggeschwindigkeit über Grund verbunden sind:

Seitenschweben Unter Seitenschweben versteht man das Schweben des Modellhelis in der Form, dass eine Seite des Flugmodells stets in Richtung des steuernden RC-Piloten weist. Dabei kann das Flugmodell selber in alle Richtungen fliegen (also z. B. vorwärts, rückwärts, seitwärts) – es muss nur stets die Seite des Flugmodells zum Steuernden zeigen.

Rückwärtsschweben Bei diesem Flugmanöver fliegt das Modell mit dem Heckauslieger/Heckrotor voran.

Nasenschweben Unter Nasenschweben versteht man das Schweben des Modells mit der Spitze in Richtung RC-Pilot. Dieser sieht sich mit der Situation konfrontiert, dass bis auf Steigen/Sinken und Heckrotoransteuerung sämtliche Steuerbefehle seitenverkehrt anzuwenden sind. Dabei kann das Modell auch in alle vier horizontalen Richtungen bewegt werden (vorwärts, rückwärts und seitwärts).

Rückenflug mini|Rückenflug nur wenige Zentimeter über dem Boden. Showflugeinlage geflogen von Wettbewerbspilot Curtis Youngblood Beim Rückenflug, auch Inverted genannt, wird das Modell aus der Normallage heraus über die Querachse oder Längsachse um 180° gedreht, so dass dieses auf dem Kopf steht (Rotorkopf zum Boden zeigend). Der Flug wird in dieser Lage dann fortgesetzt. Hierfür ist eine negative Rotorblattanstellung erforderlich, die fortwährend gehalten werden muss, damit sich das Modell im Rückenflug in der Luft halten kann.

Looping Der Looping (von englisch: loop = Schleife, Schlinge) gehört zu den bekanntesten Flugmanövern. Dabei handelt es sich um einen vertikalen Kreis aufwärts, der im Scheitelpunkt in die Rückenlage führt und das Modell schließlich wieder in die Ausgangsposition zurückführt. Beim Looping wird zwischen Innenlooping und Außenlooping unterschieden.

Innenlooping Der Innenlooping ist ein vertikaler Kreis, der aus dem aufrechten Geradeausflug durch Ziehen des Nicks eingeleitet wird. In jeder Position zeigen die Rotorblätter in das Innere des Kreises.

Halber Innenlooping / Überschlag Wird der Innenlooping nur zur Hälfte geflogen, so dass im Zenit stehende Modell in den Geradeausflug übergeführt wird, wird das Manöver halber Innenlooping oder halber Überschlag genannt.

Immelmann Wird ein halber Überschlag durch das Rollen um 180° im Zenit beendet, so dass das Manöver im horizontalen aufrechten Geradeausflug endet, wird diese Figur Immelmann genannt.

Außenlooping Der Außenlooping ist ein vertikaler Kreis, der aus dem aufrechten Geradeausflug durch Drücken des Nicks eingeleitet wird. In jeder Position zeigen die Rotorblätter nach außen aus dem Kreis heraus.

Halber Außenlooping Der halbe Außenlooping ist fast das Gleiche wie ein voller Außenlooping, nur wird er genau nach der Hälfte beendet. Dieses Manöver endet mit Rückenflug und wird meistens durch Rollen um 180° beendet.

Eine andere Figur entsteht, wenn ein halber Außenlooping mit dem Manöver Immelmann kombiniert wird. Dabei findet das Rollen um 180° vor den Einflug in den halben Looping statt, so dass das Manöver im horizontalen aufrechten Geradeausflug endet.

Kreis Das Flugmanöver Kreis kann in unterschiedlichen Varianten geflogen werden:

Seitenkreis Als Seitenkreis wird das Manöver bezeichnet, bei dem der Hubschrauber eine Kreisbahn fliegt. Beim Ausführen wird noch Unterschieden, ob sich das Modell vor dem Piloten um den Piloten bewegt. Beim Fliegen der Figur zeigt die vordere Seite des Modells, die so genannte Nase, in Flugrichtung. Der Kreis kann auch in Rückenlage geflogen werden.

Nasenkreis Bei diesem Manöver fliegt der Hubschrauber ebenfalls eine Kreisbahn, wobei seine Nase (die vordere Seite des Modells) stets zum Kreiszentrum zeigt. Beim Ausführen des Nasenkreises wird noch unterschieden, ob das Manöver vor dem Piloten oder um den Piloten herum ausgeführt wird.

Schwanzkreis Dieses Manöver ist dem Nasenkreis sehr ähnlich. Der Unterschied liegt darin, dass beim Ausführen des Manövers nicht die Nase des Modells, sondern dessen Schwanz (Heck) stets zum Zentrum der geflogenen Kreisbahn zeigt.

Promenade Bei der Promenade schwebt der Helikopter auf der Stelle, während der Pilot um das Modell herumgeht.

Pirouette Bei einer Pirouette wird das Modell in der Regel um 360° um die Hochachse gedreht. Hierfür wird am Sender die Steuerrichtung „Heck“ angewählt und dann in eine Richtung zum Ausschlag gebracht.

Die Stationäre Pirouette wird auf der Stelle, also im Schwebeflug vollzogen und das Modell um die Hochachse um 360° gedreht.

Bei einer Kreispirouette wird das Modell zusätzlich noch in eine Vorwärts- oder Rückwärtsbewegung versetzt, so dass am Ende dieser Flugbewegung wieder ein geschlossener Kreis steht und das Modell den Ausgangspunkt der Flugbewegung erreicht hat. Während dieses Kreisfluges werden dann an bestimmten Stellen Pirouetten in die Steuermanöver eingeflochten.

Achten Bei einer geflogenen Acht werden zwei horizontale Kreisflüge miteinander kombiniert. Die Kreise liegen dabei direkt aneinander und werden an der Schnittstelle beider Kreise gekreuzt, so dass die Flugbahn letztlich der Ziffer Acht gleicht. Die Flugfigur ist beendet, wenn die Ausgangsposition wieder erreicht wurde.

Als weitere Flugfigurenvariante können Achten neben der Normalfluglage auch in Rückenfluglage – aber immer noch in horizontaler Flugrichtung – absolviert werden.

Bei der Kubanischen Acht verlässt das Modell die horizontale Flugrichtung und vollzieht dabei eine Kombination zweier vertikal geflogener Loopings, die an der Schnittstelle der beiden aneinander liegenden Loopingkreise ineinander übergehen, wobei im Übergang eine halbe Rolle geflogen wird.

Turn / Pushover mini|Ein Modellhubschrauber im Steigflug zur Einleitung des Flugmanövers Turn Bei einem Turn, auch Pushover genannt, wird das Modell von einer horizontalen Flugbahn aus geradlinig in eine vertikale Flugbahn gelenkt. Dieses Flugmanöver wird in der Regel durch sanfte Betätigung der Nickfunktion erreicht, bis das Modell komplett vertikal ausgerichtet ist. Irgendwann wird ein Zenit erreicht, wo schwerkraftbedingt so viel Geschwindigkeit abgebaut wird, dass das Modell in einen Stall verfällt und der Hauptrotor nicht mehr genügend Vortrieb bewirken kann, um der Schwerkraft entgegenzuwirken. An diesem Punkt wird durch die Steuerrichtung „Heck“ das komplette Modell in der Luft um 180° gedreht, so dass die Spitze des Modells in die entgegengesetzte Richtung zeigt. Der Flug wird dann der Schwerkraft folgend in Richtung Boden fortgesetzt und dann langsam per Steuerrichtung „Nick“ in einen horizontalen Flug übergeleitet.

Rolle Es gibt mehrere Varianten dieses Flugmanövers:

Standard-Rolle mini|Flugmanöver Rolle Bei einer Rolle vollzieht das Modell im Vorwärts- oder Rückwärtsflug eine 360°-Drehung um die eigene Längsachse. Bei diesem Flugmanöver kommt es auf eine gute Ausgangsposition an, um es auch entsprechend vollenden zu können. Ein häufiger Fehler ist es, mit schrägem Heck in das Manöver einzufliegen – dies kann dazu führen, dass die Rolle nicht sauber geflogen werden kann und das Manöver ggf. sogar abgebrochen werden muss.

Halbe Rolle