Der Stuttgarter Künstlerbund ist ein Verein bildender Künstler. Gegründet wurde er 1898 und gilt somit als ältester Künstlerbund Deutschlands. Der Künstlerbund hat die Rechtsform eines eingetragenen Vereins.
Vorgeschichte mini|Doppelseite aus einem Kneipbuch, 1889 Im Jahr 1876 gründeten Schüler der Stuttgarter Kunstschule die sogenannte „Tafelrunde“. Man traf sich regelmäßig, verfasste Zeitungen für diese Tafelrunden, die man üppig illustrierte.
Gesammelt sind diese frühen Erzeugnisse der Tafelrunde in fünf Büchern. Sie zeigen nicht nur ein Abbild der damaligen Zeit, sondern dokumentieren auch die Kunstfertigkeit der Mitglieder. Aufgrund der Signaturen oder „literarischen Erwähnungen“ lassen sich auch Lebensläufe verfolgen.
Etliche Mitglieder dieser Tafelrunde haben später Karriere gemacht und sind noch in alten und neuen Künstlerlexika verzeichnet. Viele der Tafelrundenteilnehmer sind später Mitglieder des Stuttgarter Künstlerbundes geworden. Einer von ihnen, Karl Bauer (1868–1942), Künstler und Schriftsteller, ist sowohl in den Aufzeichnungen der Tafelrunde als auch später im Kreis der „Stuttgarter Sezessionisten“ zu finden.
Berufung Graf Leopold von Kalckreuths nach Stuttgart mini|Leopold von Kalckreuth auf einer Fotografie von Jacob Hilsdorf. Ludwig Herterich (1856–1932), der aus München an die Stuttgarter Kunstschule kam, aber einen Ruf nach München annahm, empfahl dem König von Württemberg, Wilhelm II., Graf Leopold von Kalckreuth (1855–1928) aus Karlsruhe zu holen. Von Kalckreuth war bereit, nach Stuttgart zu kommen, und brachte zwei weitere Kollegen mit. Der König, der mit der Einsetzung des Barons Joachim Gans zu Putlitz als Generalintendant für das Theater schon eine gute Hand bewiesen hatte, ließ eigens für von Kalckreuth eine Komponierklasse schaffen, machte Robert Poetzelberger (1856–1930) zum Nachfolger von Herterich in der Zeichenklasse und Carlos Grethe zum Hilfslehrer bei Poetzelberger. Kalckreuths komplettes Gehalt und eine Aufbesserung von Grethes Bezügen wurden aus der königlichen Schatulle bezahlt, da die Kunstschule, die spätere Akademie, keine zusätzlichen Mittel hatte. Eine viel beachtete Ausstellung der drei neuen Lehrer und ihrer Schüler im Jahr 1900 machte schnell auf sie aufmerksam.
Gründung des Künstlerbundes Vorher aber hatte von Kalckreuth schon – wie im Jahre 1896 in Karlsruhe – dafür gesorgt, dass die Künstler ein Forum bekamen, das ihnen solche Ausstellungen ermöglichte. Der Stuttgarter Künstlerbund wurde als eingetragener Verein gegründet. Der Verein „Stuttgarter Künstlerbund“ taucht im Jahr 1900 erstmals im Stuttgarter Adressbuch auf, mit von Kalckreuth als erstem Vorsitzenden und einer Adresse in der Urbanstraße 37, auch heute noch Sitz der Staatsgalerie. mini|Die 7 Gründungsmitglieder als Handpuppen (v. l. n. r.: Leopold von Karlckreuth, Robert Haug, Theodor Fischer, Carlos Grethe, Alexander Eckener, Josef Kerschensteiner und Hermann Widensohler).
Der Kunsthistoriker Julius Baum berichtet im Jahr 1913, dass von Kalckreuth bald nach der Gründung des „Ausstellerverbandes Künstlerbund“ einen „Geselligen Verein Künstlerbund“ aus der Taufe gehoben hat, der den Künstlern zum Gedankenaustausch und zur Geselligkeit dienen sollte.Hauptstaatsarchiv Stuttgart E14, Büschel 1664: Schreiben Fleischhauers 21. November 1911 und Fleischhauer 1952 S. 164, Baum 1913, S. 9. Aus den Anfängen des Stuttgarter Künstlerbundes ist ein Restsatz von fünf von ursprünglich sieben Handpuppen erhalten, die von Robert Poetzelberger geschnitzt worden sein sollten, vermutlich um 1908 zum Abschied von Kalckreuths. Die karikierenden Köpfe zeigten die Professoren Leopold von Kalckreuth, Carlos Grethe, Robert von Haug (1857–1922) und Alexander Eckener von der Akademie, den Maler Josef Kerschensteiner, den Architekten des Kunstgebäudes Theodor Fischer und den Fotografen und Geschäftsführer des Kunstvereins Hermann Widensohler.
Vorsitzende und Aktivitäten bis 1942 bis 1908 Leopold von Kalckreuth 1908 Carlos Grethe 1909 Hans von Heider 1912–1916 Robert Poetzelberger (Umzug in das neu erbaute Kunstgebäude) 1916 Professor Heine Rath 1923–1927 keine Einträge 1928 Professor Robert Breyer. In den Anfängen der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch der Stuttgarter Künstlerbund gleichgeschaltet, aus dem Vereinsregister gelöscht und neu eingetragen, 1. Vorsitzender waren in der Folge:
Julius Kurz Hans von Heider 1941 Josef Zeitler bis 1942 H. Kißling. Danach werden Vereinsvorsitzende nicht mehr im Adressbuch erwähnt, laut Vereinsregister wurde Adolf Weller mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Vorsitzenden betraut. Bis 1958 war u. a. Walter Romberg gemeinsam mit Felix Hollenberg im Vorstand tätig.
Ausstellungen der frühen Zeit In den Anfangszeiten sind „Ausstellungen“ das entscheidende Thema des Stuttgarter Künstlerbundes. Gemeinsam mit der Stuttgarter Kunstgenossenschaft trat man als Stuttgarter Gruppe erstmals 1904 in Dresden mit einer Gesamtausstellung auf. Die dafür von der Kunstgewerbeschule unter der Leitung von Bernhard Pankok geschaffene Saaleinrichtung und -ausstattung wurde später von der Stuttgarter Gemäldegalerie übernommen. Weitere Ausstellungen fanden im Jahre 1904 in Wiesbaden, Aachen, Krefeld und Heilbronn statt. 1907 wurde Köln mit einer Ausstellung beschickt, im Jahre 1909 wieder Dresden. Im Januar 1909 stellte der Stuttgarter Künstlerbund in Mannheim, einen Monat später in Stuttgart in den Räumen des Kunstvereins in der Schellingstraße aus. Ausstellungen in Heilbronn, Magdeburg, Elberfeld, Krefeld und Wiesbaden schlossen sich an, so berichtet Dr. Erich Heyfelder vom Künstlerbund anlässlich der Ausstellung zum 25-jährigen Bestehen.
Außerdem fand 1907 die Abschiedsausstellung für von Kalckreuth statt, 1909 gab es eine Werkausstellung des Akademielehrers Friedrich von Keller, in den Jahren 1909 bis 1911 jeweils eine Gedächtnisausstellung für Otto Reiniger, Alexander Freiherr von Otterstedt und Hermann Pleuer. 1912 folgte eine Ausstellung von Werken von Gustav Schönleber, ebenfalls Lehrer an der Akademie.
Kunstgebäude mini|Kunstgebäude in Stuttgart Zunächst stellten die Künstler in den Räumen der Königlichen Galerie (heute Staatsgalerie) aus. Dafür musste die ständige Ausstellung teilweise ausgeräumt werden, da es keine anderen Ausstellungsräume gab. Auch der Kunstverein, der Werke ankaufte und ausstellte, hatte keine ausreichenden Ausstellungsmöglichkeiten.
In einer Petition vom 27. Juni 1907 an den König baten die Mitglieder des Bundes um die Errichtung eines Kunstgebäudes am Schloßplatz. Da das Hoftheater am Schloßplatz 1902 niedergebrannt war, musste dieser repräsentative Platz ohnehin neu geplant werden. Obwohl es einen Entwurf von Bernhard Pankok, dem damaligen Leiter der Kunstgewerbeschule gab, übertrug der König die Ausführung des Kunstgebäudes, das Städtische Galerie, Kunstverein und Künstlerbund beherbergen sollte, dem inzwischen wieder in München lebenden Theodor Fischer.Stadtarchiv Stuttgart Depot B, CXX Bd. 1, Nr. 1 (Büschel1): Vertrag zwischen der Krone und der Stadt über die Errichtung des Kunstgebäudes.Stadtarchiv Stuttgart Depot B, CXX Bd. 1, Nr. 1 (Büschel1): Mitgliederliste der Kunstgebäude-Kommission. Ein repräsentatives Gebäude, in dem neben Ausstellungsräumen ein Restaurant, Klubräume, eine Kegelbahn für den Künstlerbund und Wohnungen für die Hausmeister und das Restaurantpersonal eingeplant werden sollten, war damals noch recht ungewöhnlich und eine Herausforderung für den Architekten.Stadtarchiv Stuttgart Depot B, CXX Bd. 1, Nr. 1 (Büschel1): Erläuterungsbrief von Theodor Fischer. Ursprünglich sollte Pankok die Inneneinrichtung entwerfen, verzichtete jedoch auf den Auftrag. Innerhalb von drei Jahren entstanden nicht nur das neue Theater und das Lindenmuseum, sondern auch das Kunstgebäude und das Theater.
Am 8. Mai 1913 wurde das Gebäude in Anwesenheit von König Wilhelm II von Württemberg eingeweiht.Hauptstaatsarchiv Stuttgart E14, Büschel 1661: Informationsblatt zur großen Kunstausstellung in Stuttgart. An der Eröffnungsausstellung beteiligten sich Künstler aus Deutschland und, die heimischen Künstler, die sich jedoch einer Jurierung unterziehen mussten. Juroren waren Robert v. Haug, Christian Landenberger, Alfred Schmidt, Eugen Stammbach, Friedrich von Keller, Christian Speyer, Ludwig Habich, Robert Poetzelberger, Gustav Adolf Bredow, Josef Brüllmann und Ulfert Janßen.„Schwäbische Chronik“, Nr. 209, 8. Mai 1913: Bericht über die Eröffnung der großen Kunstausstellung.
Mit 785 Exponaten aus den Bereichen Malerei, Grafik und Bildhauerkunst trug die „Große Kunstausstellung Stuttgart“ ihren Namen zu Recht. Schon nach zwei Monaten waren die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern höher als für den gesamten Ausstellungszeitraum veranschlagt, und als die Ausstellung am 19. Oktober ihre Pforten schloss, hatte man mehr als hunderttausend Besucher gezählt und für mehr als 300.000 Mark Kunstwerke verkauft oder in Auftrag genommen.
Anlässlich der Ausstellung entstand im Jahr 1913 ein Buch des Stuttgarter Kunsthistorikers Julius Baum – Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart –, das mit seinen vielen Abbildungen ein Bild der Vielfältigkeit dieser Ausstellung bietet. Da waren noch ganz im 19. Jahrhundert verhaftete Werke ebenso zu sehen, wie die damals sehr beliebten Werke des schwäbischen Impressionismus und die in die Moderne weisenden Werke von Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Adolf Hölzel. Aber die „Moderne“ hatte noch lange nicht überall Einzug gehalten, denn ein Teil des Wandschmuckes, den Alfred Heinrich Pellegrini für den Brunnen und für die Räume des Künstlerbundes geschaffen hatte und die deutliche Jugendstilelemente zeigten, wurde schon nach kurzer Zeit zugehängt, in den Künstlerbundräumen sogar abgekratzt, weil sie angeblich den Mitgliedern des Künstlerbundes missfiel.„Schwäbische Chronik“, Nr. 264, 11. Juni 1913.
Klubräume des Stuttgarter Künstlerbundes Im ersten Stock des neuen Kunstgebäudes waren außer drei Ausstellungsräumen und drei Galerien die Klubräume des Künstlerbundes untergebracht. Die Klubräume lagen über dem Eingangsbereich des Erdgeschosses im Südflügel, dem Schloßplatz zugewandt. Die Treppe, die zu diesen Räumen hinauf führte, war jene, für die in der Vorhalle das Treppentürmchen angebaut worden war. Von ihr aus betrat man einen Garderobenraum und von dort weiter geradeaus das Billardzimmer. Dieses mündete ohne Tür in einen Gang, von dem man in ein Lesezimmer gelangte. Geradeaus führte er in den langgestreckten Vereinssaal, der in einen flachgedeckten und in einen längeren, tonnenüberwölbten Bereich unterteilt war. Ihm schloss sich eine um vier Stufen erhöhte Bühne an, die nach hinten zwei Umkleidekabinette begrenzten. Die Fenster der Räume wiesen in Richtung der Kuppel, drei des Saals – insgesamt erhellten ihn fünf – und das des Lesezimmers öffneten sich auf den Schmuckhof, das Fenster des Billardzimmers ging auf die nicht überdachte Halle der Terrasse über dem Hof. Die Ausstattung des Garderobenraums und des Billardzimmers besorgte der Architekt Oskar Pfennig, die des Lesezimmers und des Saals, mit Ausmalung der Tonnendecke, der Maler Eduard Pfennig.Daiber: 1914 S. 4–5.
Im Untergeschoss befand sich eine Kegelbahn. Kegelstube und Bahnraum wurden von Theodor Fischer entworfen. Die Stube war bis in halbe Wandhöhe dunkel holzvertäfelt, die Wandfläche darüber zeigte sich einfarbig und hell wie die Decke.
Wilhelm II. scheint eine besondere Vorliebe für seine Künstler gehabt zu haben, denn die Einrichtung der „Königsabende“ in den Klubräumen des Künstlerbundes gab es auch schon vor dem Einzug in das Kunstgebäude.
Die frühen Jahre, Ausstellungen und Aktivitäten