Aidlingen ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg.
Geographie
Lage Aidlingen liegt im Heckengäu und wird vom Bach Aid, entstanden aus dem Aischbach aus Dachtel sowie der Irm (Sau) aus Gechingen, durchflossen. Am Ortsrand fließt die Aid in die Würm.
Gemeindegliederung Das heutige Gemeindegebiet entstand durch Eingliederung der zuvor selbstständigen Gemeinden Dachtel und Deufringen nach Aidlingen im Jahr 1971.
In der Hauptsatzung der Gemeinde Aidlingen sind die vier Ortsteile Aidlingen, Dachtel, Deufringen und Lehenweiler ausgewiesen. Diese vier Ortsteile bilden Wohnbezirke im Rahmen der Unechten Teilortswahl. Die Ortsteile Dachtel und Deufringen bilden zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.Hauptsatzung der Gemeinde Aidlingen vom 25. August 1988, zuletzt geändert am 24. Juli 2014 (PDF; 38 kB)
Zur Gemeinde Aidlingen in den Grenzen vom 31. August 1971 gehören das Dorf Aidlingen und die Orte Kirchtalhof, Kühneberg, Lehenweiler, Lindenhof und Würmtalhof sowie die abgegangenen Ortschaften Laiddorf (?), Himburg und Pfanneburg. Zur ehemaligen Gemeinde Dachtel gehört das Dorf Dachtel Zur ehemaligen Gemeinde Deufringen gehört das Dorf Deufringen sowie die abgegangenen Ortschaften Brunnhalden und Sighartstal.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 80–81.
Schutzgebiete
In Aidlingen gibt es die drei Naturschutzgebiete Kasparsbrunnen-Ried-Binn, Venusberg-Wolfsäcker-Besental/Halde und Storrenberg. Diese sind eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet Aidlingen und sind Bestandteil des FFH-Gebiets Gäulandschaft an der Würm. Im Osten befindet sich zudem der Schonwald Schelmenwasen.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Aidlingen 1681, Forstlagerbuch von Andreas Kieser Mittelalter und frühe Neuzeit Im Ortsteil Aidlingen hatte 843 das Kloster Reichenau Besitz. Es verkaufte Fronhof und Kirchensatz 1355 an die Herren von Bondorf, die beides wiederum 1365 den Grafen von Württemberg überließen, die im 14. Jahrhundert auch den Anteil der Pfalzgrafen von Tübingen erwarben. Seither gehörte Aidlingen zum württembergischen Amt Böblingen. Dienstleute der Pfalzgrafen saßen als Ortsadlige in Aidlingen. Die Nikolaikirche erbaute 1470 Aberlin Jörg als Wehrkirche in beherrschender Höhe. Den alten Ortsbereich bestimmen heute noch Fachwerkhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts. 1709 gründeten zwei ehemalige Gardereiter des Herzogs Eberhard Ludwig den Ort Lehenweiler im Norden der Aidlinger Markung.
Von der Gründung des Königreichs Württemberg bis zur NS-Zeit mini|rechts|Luftbild von Aidlingen, 1918 Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im seit 1806 bestehenden Königreich Württemberg blieb Aidlingen weiterhin dem Oberamt Böblingen zugeordnet.
Um 1850 trieben die Einwohner meist Feldbau und daneben noch Tuchmacherei, Handspinnen sowie Korbflechten. Fünf von der Aid getriebene Mühlen, eine Bierbrauerei und eine mechanische Wollspinnerei vertraten Gewerbe und Industrie. Charakteristisch sind das klassizistische ehemalige Rathaus von 1853 und der gegenüberliegende reiche Fachwerkbau des Gasthofes „Adler“ von 1705. Das heutige Rathaus wurde 1866 als Wohn- und Geschäftshaus für Arzt, Apotheke und Lehrer gebaut.
Seit 1927 ist auch ein Diakonissenmutterhaus des Christlichen Vereins für Frauen und Mädchen mit Bibel- und Haushaltungsschule ansässig.
Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Böblingen.
Nachkriegszeit bis heute Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Aidlingen in die Amerikanische Besatzungszone und kam somit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
In den Nachkriegsjahren 1949/50 errichtete die katholische Kirchengemeinde eine Kirche am Sonnenberg. Auch entstanden im Osten an der Straße nach Böblingen die Baugebiete „Ostheim“ (1955) und „Kirschhalde“ (1959–1960), zu denen sich 1966 bis 1976 das Baugebiet „Sonnenberg“, nördlich des alten Ortskerns gesellte. Im Westen erfolgten die Ortserweiterungen „Buchhalde“ und „Gewanne“, an die sich ein kleines Gewerbegebiet anschloss. mini|Die Nikolaikirche in Aidlingen Diese Entwicklung machte den weiteren Ausbau der öffentlichen Einrichtungen notwendig. Es wurden sowohl neue Kindergärten (Aidlingen und Lehenweiler 1970 und 1972) als auch Schulen gebaut (Buchhaldenschule 1952, Sonnenbergschule 1971). Es erfolgte 1966–1970 die Restkanalisation der Gemeinde (Sammelkläranlage im Würmtal) und seit 1971 eine Erweiterung der Wasserversorgung (neue Wasserfassung, Hochbehälter und Verbindungsleitungen). Weitere öffentliche Einrichtungen waren eine Leichenhalle (1966), Feuerwehrhaus (1968), Sonnenberghalle (1972) und Buchhalden-Sporthalle (1980) mit erweiterter Sportanlage „Vogelherdle“ (1976 bis 1978)
Großräumige Landschafts- und Naturschutzgebiete sorgen für die Erhaltung der charakteristischen Landschaft des Schlehen- und Heckengäus.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg wurde am 1. September 1971 die Gemeinde Dachtel nach Aidlingen eingegliedert, am 1. Dezember 1971 erfolgte die Eingliederung Deufringens.
Einwohnerentwicklung Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 2.637 1. Dezember 1880 ¹ 2.766 1. Dezember 1890 ¹ 2.598 1. Dezember 1900 ¹ 2.470 1. Dezember 1910 ¹ 2.388 16. Juni 1925 ¹ 2.279 16. Juni 1933 ¹ 2.320 Jahr Einwohner 17. Mai 1939 ¹ 2.333 13. September 1950 ¹ 3.419 6. Juni 1961 ¹ 3.804 27. Mai 1970 ¹ 5.420 31. Dezember 1980 7.732 27. Mai 1987 ¹ 7.754 31. Dezember 1990 8.309 Jahr* Einwohner 1995 8.920 2000 9.136 2005 9.242 2010 9.033 2015 8.843 2020 9.233 * jeweils 31. Dezember
Konfessionsstatistik Am 31. Dezember 2018 waren von den Einwohnern 3696 (40,79 %) Mitglied der evangelischen Kirche, 1803 (19,92 %) der römisch-katholischen Kirche und 3561 (39,30 %) hatten eine sonstige Religion oder keine Religionszugehörigkeit.Religionszugehörigkeit der Einwohner von Aidlingen
Politik Gemeinderat In Aidlingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate (Ausgleichssitze) verändern. Der Gemeinderat in Aidlingen besteht aus den 21 (vorher 23) gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,30 8 30,74 7 FW Freie Wähler 21,57 5 24,23 6 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 15,55 3 22,75 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 5,61 1 10,04 2 Freie Die Freien 12,65 3 7,27 2 FDP Freie Demokratische Partei 6,31 1 4,98 1gesamt100,021100,023Wahlbeteiligung66,26 %66,05 %
Bürgermeister 1919–1940: Albert Kiedaisch 1940–1945: Ernst Theodor Link 1945–1948: Georg Schuller 1948–1963: Hans Pflüger 1964–2000: Martin Häge (1935–2023) 2000–2024: Ekkehard Fauth seit 2024: Helena Österle
Wappen Die Gemeindefarben sind Blau und Weiß (Silber).
Wirtschaft und Infrastruktur Bildungseinrichtungen Neben der Sonnenberg-Werkrealschule gibt es zwei Grundschulen im Ort, in Aidlingen die Buchhalden-Grundschule, die die Aidlinger und Lehenweiler Schüler besuchen und in Deufringen die Schallenberg-Grundschule, die die Kinder aus Deufringen und Dachtel besuchen.
Verkehr Aidlingen ist über Kreisstraßen mit dem überregionalen Straßennetz verbunden, siehe Liste der Kreisstraßen im Landkreis Böblingen. Die Buslinie 763 verbindet den Ort mit Sindelfingen, Böblingen und Calw. Seit dem 11. Dezember 2016 gibt es die Buslinie 764 für einen direkten Anschluss an den Bahnhof Ehningen und zur S-Bahn-Linie S1 Richtung Stuttgart.
Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Ehningen an der Bundesautobahn 81 Stuttgart – Singen in 6 km Entfernung.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten Die Nikolaikirche in Aidlingen wurde 1275 erstmals erwähnt und erhielt um 1470 eine Chor-Seitenturmanlage von Aberlin Jörg. Zu den Kunstschätzen der Kirche zählt das spätgotische Chorgestühl mit Heiligenbüsten um 1510 Die Vituskirche im Ortsteil Deufringen mit wertvollen Ausmalungen und Sakramentshaus. Sie erhielt ihre heutige Struktur im Rahmen einer Erweiterung im Jahr 1790, die mit einem völligen Umbau des um 1500 erbauten Gotteshauses einherging. Reste der romanischen Vorgängerkapelle finden sich im unteren Teil des Kirchturmes.Ev. Kreisbildungswerk und Kath. Bildungswerk Kreis Böblingen (Hrsg.), Die Kirchen im Landkreis Böblingen, München 1990, S. 11f. Das im 14. Jahrhundert erbaute Schloss Deufringen im Ortsteil Deufringen Das Naturschutzgebiet Venusberg, eine Landschaft für Spaziergänger und Wanderer. (Daher der Slogan Aidlingens: „Die Perle des Heckengäus!“) Das Heimatmuseum im 1827 erbauten Schul- und Rathaus Dachtel zeigt verschiedene Exponate des ländlichen Lebens in früheren Jahrhunderten Das Heimatmuseum im Hopfenhaus Aidlingen thematisiert ebenfalls das ländliche Leben in vorgenannter Zeit und verfügt über eine Ausstellung der Heimatvertriebenen.Heimatmuseum "Hopfenhaus" auf aidlingen.de, abgerufen am 2. Mai 2024.
Kultur Zur Fasnetszeit gibt es jährlich einen „Fasnetumzug“ der Aidbachhexen Aidlingen e.v. mit anschließender Hexennacht in der Sonnenberghalle. Die seit 2004 jährlich im September stattfindenden Aidlinger Heckengäu Wochen. Alle 2 Jahre findet der Heckengäutag statt Seit 1994 werden die Aidlinger JazzTage mit mittlerweile über 100 Konzerten durchgeführt.jazzforumaidlingen.de Abgerufen am 2. Mai 2024. mini|Das Schloss in Deufringen
Sport SpVgg Aidlingen FSV Deufringen Karatedôjô panta rhei
Söhne und Töchter der Gemeinde Willy Eiselen (1896–1981), Unternehmer und Mäzen Karl Heß (1911–1997), geb. in Lehenweiler, Landrat des Landkreises Böblingen 1953–1973 Ulrike Flender (* 1982), erste Panavia-Tornado-Kampfpilotin
Weitere Persönlichkeiten Wilhelm Ludwig Hosch (1750–1811), pietistischer Theologe und Kirchenlieddichter Harald Pfeiffer (* 1972), Politiker, aufgewachsen im Ortsteil Deufringen Wilhelm Friedle (1889–1935), Betriebsdirektor Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen Maurice Schmidt (* 1999), Paralympicssieger im Rollstuhlfechten (Startklasse A)
Literatur
Quellen
Weblinks
Website der Gemeinde Aidlingen Aidlingen bei LEO-BW
Kategorie:Ort im Landkreis Böblingen Kategorie:Ersterwähnung 843 Kategorie:Ort an der Würm (Nagold)