mini|Früheres Logo bis 2017 mini|Der Mercedes-Benz W 196, mit dem Juan Manuel Fangio die Titel 1954 und 1955 gewann
Die Formel 1 (oft auch mit F1 abgekürzt) ist eine vom Automobil-Dachverband Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) autorisierte Formelserie. Die beteiligten Rennställe konstruieren Autos, die den in den Formel-1-Regeln festgelegten technischen Vorgaben entsprechen müssen. In der Formel-1-Weltmeisterschaft treten diese Rennwagen in bis zu 24 Grand-Prix-Läufen (Stand 2024; ) pro Jahr an. Am Ende der Saison wird der Fahrer mit den meisten Punkten Fahrerweltmeister und der Hersteller mit den meisten Punkten wird Konstrukteursweltmeister.
Die Formel 1 ist die höchstrangige von der FIA veranstaltete Rennserie des Formelsports. Sie wird als Königsklasse des Automobilsports bezeichnet, da sie den Anspruch erhebt, die höchsten technischen, fahrerischen, aber auch finanziellen Anforderungen aller Rennserien an Fahrer und Konstrukteure zu stellen. Sie ist damit direkte Nachfolgerin der früheren Internationalen Grand-Prix-Formel (französisch: Formule Internationale), die ab 1948 (mit der Einführung der neuen Formel 2) in die Formel 1 überging. 1950 wurde dann die Automobil-Weltmeisterschaft, zunächst nur für Fahrer, ab 1958 auch für die Konstrukteure, als übergreifende Wertung der pro Saison ausgetragenen Einzelrennen eingeführt. Bis zur Saison 1959 wurden dazu auch regelmäßig noch Rennen mit einbezogen, die nicht nach Formel-1-Reglement ausgetragen wurden. Nach einer grundlegenden Umordnung der Organisationsstruktur wird die Weltmeisterschaft seit 1981 nun unter der neuen offiziellen Bezeichnung FIA Formula One World Championship fortgeführt.
mini|Rennszene aus dem Großen Preis von Malaysia 2015 (Sieger: Sebastian Vettel)
Weltmeisterschaft mini|Kimi Räikkönen, Weltmeister von 2007, bei der Fahrerparade zum Großen Preis von Kanada 2008
Die Formel-1-Weltmeisterschaft (bis 1980 Automobil-Weltmeisterschaft) wird seit 1950 jährlich ausgetragen und besteht derzeit aus 24 Einzelrennen (Saison 2025), die jeweils die Bezeichnung Grand Prix im Titel führen. Bereits seit 1925 wurde eine Automobil-Weltmeisterschaft für einige Jahre ausgetragen, allerdings ohne Fahrerwertung und mit anderen technischen Regularien.
An der Weltmeisterschaft nehmen Rennställe teil, die aktuell jeweils zwei typgleiche Rennwagen und damit zwei Fahrer einsetzen müssen. In der Regel bestreiten die Fahrer eine gesamte Saison ausschließlich für ein Team. Fahrerwechsel innerhalb der Saison sind zwar möglich, finden jedoch eher selten statt – meist dann, wenn ein Stammfahrer verletzt ausfällt. Voraussetzung für die Teilnahme eines Fahrers bei einem Formel-1-Rennen ist die von der FIA vergebene Superlizenz.
Die einzelnen Rennergebnisse werden anhand eines Punktesystems gewertet, das aktuell seit 2010 für die ersten zehn platzierten Fahrer eines Rennens reguläre Punkte und von 2019 - 2024 einen Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde eines Fahrers, wenn er sich unter den ersten zehn Platzierten befindet (siehe hierzu Punktesystem). Seit der ersten Saison wird der Weltmeistertitel an den Fahrer vergeben, der in der Summe aller gewerteten Rennen am Saisonende die höchste Punktezahl erreicht. Zusätzlich dazu wird seit der Saison 1958 neben dem Fahrerweltmeister auch ein Team als Konstrukteursweltmeister ausgezeichnet. Diese Wertung berechnet sich durch die Addition der von den jeweiligen Fahrern eines Teams erzielten Punkte.
Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft werden parallel ermittelt, in der Vergangenheit wurden aber teilweise auch Rennen mit anderen Fahrzeugen (Formel 2, Champ Car) gewertet. Zudem waren nicht immer alle Rennen mit Formel-1-Fahrzeugen automatisch WM-Läufe. So gab es beispielsweise noch bis Anfang der 1980er-Jahre zahlreiche Rennen in Goodwood, Oulton Park oder der Stuttgarter Solitude, bei denen keine WM-Punkte, sondern lediglich Antritts- und Preisgelder vergeben wurden.
Der aktuell amtierende Fahrerweltmeister der Saison 2025 ist der Brite Lando Norris von McLaren Racing.
Eine Übersicht von Rekorden und Statistiken bietet die Formel-1-Statistik.
Grand Prix
Länderbezug Jede Saison besteht aus mehreren Einzelrennen, die als Grand Prix oder Großer Preis bezeichnet werden. Ein Großer Preis wird dabei in der Regel nach dem Land benannt, von dessen nationalen Automobilclub er ausgerichtet wird, beispielsweise als Großer Preis von Deutschland durch den Automobilclub von Deutschland (AvD). Jeder Nation steht dabei in der Regel maximal ein solches Rennen pro Saison zu. Sollen in einem Jahr zwei Formel-1-Veranstaltungen in einem Land ausgetragen werden, wird für den zweiten Grand Prix üblicherweise ein anderer Name gewählt. Dafür wurden in der Vergangenheit etwa Namen von Regionen herangezogen, Beispiele sind der Große Preis von Europa, der bereits auf Rennstrecken in Großbritannien, Spanien, Deutschland und Aserbaidschan ausgetragen wurde, der Große Preis von Pescara von 1957, die Großen Preise der Emilia-Romagna in Imola, der Steiermark in Spielberg und der Eifel am Nürburgring im Jahr 2020, sowie der Große Preis des Pazifiks, der Mitte der 1990er-Jahre in Japan ausgetragen wurde. Ebenso kommt es wiederholt vor, dass Rennen auch in Nachbarländern stattfinden, wie etwa der Große Preis von Luxemburg, der zweimal auf dem Nürburgring in Deutschland ausgerichtet wurde, oder der auf der italienischen Rennstrecke in Imola von 1981 bis 2006 ausgetragene Große Preis von San Marino.
Seit 1950 wurden 35 unterschiedlich benannte Große Preise in 34 Ländern auf 77 Formel-1-Rennstrecken veranstaltet. Die meisten Großen Preise finden in Europa statt, aber auch in Nord- (erstmals 1959) und Südamerika (erstmals 1953), Australien und in Asien werden regelmäßig Formel-1-Rennen ausgetragen. Dabei fand 1976 erstmals mit dem Großen Preis von Japan ein Rennen in Asien statt, 1985 war man erstmals in Australien auf dem Adelaide Street Circuit zu Gast. In Afrika fanden bis zur Saison 1993 einige Male der Große Preis von Südafrika und einmal der Große Preis von Marokko als WM-Läufe statt.
In den ersten Jahren bestand eine Formel-1-Weltmeisterschaft aus weniger als zehn Einzelrennen. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Austragungsorte hinzu. Die erste größte Steigerung der Anzahl an Rennen pro Saison geschah Mitte der 1970er Jahre. Erstmals 15 Rennen pro Saison wurden 1973 ausgetragen. In den 1980er und 1990er Jahren lag die durchschnittliche Anzahl an Rennen pro Saison bei ca. 16 Grand Prix. Mit neuen Austragungsorten um die Jahrtausendwende wuchs der Kalender kontinuierlich auf im Schnitt 17 Rennen pro Saison an. 20 Rennen pro Saison umfasste der Kalender erstmals 2012. Mit dem durch die Covid-19-Pandemie stark gekürzten Kalender 2020 wurden erstmals wieder deutlich weniger Rennen ausgetragen. Mit Fortschreiten der 2020er Jahre wuchs der Kalender auf über 20 Rennen pro Saison an. Die Höchstzahl von 24 veranstalteten Saisonrennen wurden bisher in den Saisons 2024 und 2025 erreicht. Die maximale Anzahl von 24 Rennen pro Saison ist im sportlichen Reglement festgeschrieben.https://www.motorsport-total.com/formel-1/reglement-regeln/sportliches-reglement
Nur zwei Große Preise wurden lückenlos in jeder Saison ausgetragen: der Große Preis von Großbritannien und der Große Preis von Italien. Die meisten Formel-1-Rennen in einer WM-Saison in einem Land fanden zum ersten Mal 1982 in den USA mit je einem Rennen in Detroit, Long Beach und Las Vegas statt. Durch die Neuauflage des Großen Preises von Las Vegas ab der Saison 2023 werden erneut 3 Rennen (Austin, Miami und Las Vegas) in einer Saison in den USA veranstaltet. Der jüngste Grand Prix ist der erstmals 2023 veranstaltete Große Preis von Las Vegas. Neben dem 2008 zum ersten Mal veranstalteten Großen Preis von Singapur ist der Großen Preis von Abu Dhabi das zweite Nachtrennen der Formel 1, jedoch mit der Besonderheit, dass noch bei Tageslicht gestartet wird. Seit 2014 wird zudem beim Großen Preis von Bahrain unter Flutlicht gefahren.
Die Einzelrennen werden von lokalen Organisationen veranstaltet und verfügen teils über eine längere Geschichte als die Formel-1-Weltmeisterschaft. Für die Abhaltung eines offiziell zur WM zählenden Grand Prix schließen die Organisatoren einen Vertrag mit der Formula One Management Ltd. (FOM) ab. Mehrere der Organisatoren sind in der Interessensvertretung Formula One Promoters’ Association (FOPA) organisiert.
Anzahl der offiziell zur WM zählenden Grands Prix In der folgenden Tabelle ist aufgelistet, wie viele Grands Prix in der Saison offiziell zur Fahrer- beziehungsweise Konstrukteursmeisterschaft zählten. In diesen Grands Prix wurden Meisterschaftspunkte vergeben. Darüber hinaus gab es einige Grands Prix, die nicht zur Meisterschaft zählten. Diese sind hier nicht enthalten.
Saison 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 ∅ GP/Jahr Summe 1950er 7 8 8 9 9 7 8 8 11 9 8,4 84 GP 1960er 10 8 9 10 10 10 9 11 12 11 10 100 GP 1970er 13 11 12 15 15 14 16 17 16 15 14,4 144 GP 1980er 14 15 16 15 16 16 16 16 16 16 15,6 156 GP 1990er 16 16 16 16 16 17 16 17 16 16 16,2 162 GP 2000er 17 17 17 16 18 19 18 17 18 17 17,4 174 GP 2010er 19 19 20 19 19 19 21 20 21 21 19,8 198 GP 2020er 17 22 22 23 24 24 23 22,1 155 GP Gesamtsumme Stand: 17. August 2026 1173 GP
Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus
Bis in die 1970er-Jahre hinein gab es neben den Rennen mit Weltmeisterschaftsstatus regelmäßig Rennen, die nach dem Formel-1-Reglement abgehalten wurden, die aber keine Wertungsläufe zur jeweiligen Formel-1-Weltmeisterschaft waren (sog. Non Championship Races). Beispiele für Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus waren in Deutschland der Große Preis der Solitude (1961 bis 1964), in Großbritannien das Race of Champions und in Südeuropa der Gran Premio di Siracusa. Auch die Rennen der Südafrikanischen Formel-1-Meisterschaft hatten ganz überwiegend keinen Weltmeisterschaftsstatus. Solche Rennen boten einerseits auch weniger konkurrenzfähigen Fahrern und Rennställen Startmöglichkeiten – und damit nicht zuletzt auch Einnahmequellen – andererseits konnten auch die Spitzenteams und -fahrer diese Gelegenheiten nutzen, ihr Material und ihr Können zu testen. Die zunehmende Professionalisierung, die stetige Verdichtung der Renntermine und nicht zuletzt die Umwandlung der Formel 1 in eine geschlossene Rennserie, in der nur noch eingeschriebene Teams mit jeweils selbst konstruierten Rennwagen zugelassen sind, führten schließlich dazu, dass diese Art Rennen zu Beginn der 1980er Jahre vollständig aus dem Kalender verschwand.
Ablauf eines Rennwochenendes Ein Grand Prix beginnt am Freitag mit zwei freien Trainingseinheiten.
Der Samstag beginnt mit dem dritten Freien Training, das eine Stunde dauert, mindestens zwei Stunden später beginnt das Qualifying, ebenfalls von einer Stunde Dauer. Im Qualifying werden die Startplätze für das Rennen am Sonntag ausgefahren. Der Modus wurde seit der Saison 2003 bereits mehrfach geändert. Aktuell entscheidet ein dreiteiliges Ausscheidungsrennen über die Startplätze (vgl. aktuelles Reglement). Während und nach dem Qualifying dürfen keine technischen Veränderungen mehr vorgenommen werden. Nach dem Qualifying folgt eine Pressekonferenz, an der die drei bestplatzierten Fahrer teilnehmen müssen.
Das Rennen beginnt mit einer Einführungsrunde, zu der sich die Fahrer im Starterfeld bereits in der Reihenfolge der Qualifying-Ergebnisse aufstellen. Nach der Einführungsrunde halten die Fahrzeuge wieder in ihrer Startbox auf der Start-Ziel-Geraden für den stehenden Rennstart an. Die Startfreigabe erfolgt durch eine über dem Starterfeld angebrachte, aus fünf Ampeln bestehende Signalanlage. Dabei werden die fünf Rotlichter nacheinander aktiviert. Nach dem Erlöschen aller fünf Lichter ist der Start freigegeben.
mini|Boxenstopp von McLaren beim Malaysia-GP 2006