Das Kloster Neuzelle () ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster im Landkreis Oder-Spree im Osten Brandenburgs. Die frühere Abtei in der Gemeinde Neuzelle wurde im 13. Jahrhundert vom Haus Wettin gegründet, bestand bis 1817 und wurde dann von der Regierung Preußens in ein nicht-religiöses Stift umgewandelt. Die Klostergüter gingen an das staatlich verwaltete Stift Neuzelle, das bis zu seiner Verstaatlichung im Jahr 1955 bestand. Im Jahr 1996 wurde die Stiftung Stift Neuzelle als Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Brandenburg neu errichtet.Gesetz über die Errichtung einer Stiftung „Stift Neuzelle“ (Stift-Neuzelle-Gesetz – StNeuzG). In: bravors.brandenburg.de. Abgerufen am 12. Oktober 2024. Die Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt ist Wallfahrts- und Pfarrkirche. Im September 2018 wollten Mönche des Stifts Heiligenkreuz das Kloster ursprünglich wieder besiedeln, entschieden sich jedoch stattdessen dafür, Maria Friedenshort neu zu gründen.
Geschichte Mittelalter (1268–1550)
Entstehung des Klosters Das Kloster Neuzelle wurde am 12. Oktober 1268 von Markgraf Heinrich dem Erlauchten aus dem Haus Wettin im Gedenken an seine zwei Tage zuvor verstorbene Ehefrau Agnes gestiftet, um die von den Piasten erworbene Grundherrschaft zwischen Oder und Schlaube im Siedlungsgebiet der Sorben dem Christentum zu erschließen, wirtschaftlich zu entwickeln und zu nutzen. Das Kloster Neuzelle war eine Ausgründung des Mutterklosters Altzella (Cella) in Sachsen; ein Konvent bestand erst seit 1281. In diesem Jahr forderte das Generalkapitel des Zisterzienserordens den Abt von Altzella auf, das Kloster Neuzelle endlich einzurichten.
Der älteste Teil des heutigen Klosterkomplexes wurde zwischen 1300 und 1330 auf einem in die Oderniederung ragenden Bergsporn errichtet, auf dem vorher ein Plateau geschaffen worden war. Die dreischiffige Hallenkirche der Abtei wurde im Stil der Backsteingotik in der für die Gegend typischen Backsteinbauweise ausgeführt. Die Baumeister waren meist die Mönche selber. So gab es einige Erwähnungen von klosterinternen Baumeistern mit unterschiedlichen Titeln in Urkunden. 1370 wurde ein Johannes als „baumeyster“, 1409 ein Michael als „magister novi operis“ und 1414 ein Tylemmanus als „steynmeystre“ genannt.
Im Jahr 1309 erteilten die Bischöfe von Meißen und Breslau jedem Ablass, der die Brüder in Neuzelle zur Beichte oder Predigt besuchte. Dies weist, nach neuerer Literatur, darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt die Kirche bereits geweiht und zur Nutzung verfügbar war.
Im Mittelalter errichtete die Verwaltung des Klosters eine umfangreiche Grundherrschaft. Zum Beginn der Gründung erhielt das Kloster 8 Dörfer, welche sich bis 1372 auf 27 Dörfer in der Niederlausitz und einige in der Mark Brandenburg mit ihren Einnahmen und Frondiensten erweiterten. Auch das Städtchen Fürstenberg (Oder) (heute Teil von Eisenhüttenstadt) sowie die Burg Schiedlo an der Neißemündung waren im Besitz der Zisterzienser.
Überfall während der Hussitenkriege, Neuzeller Märtyrer Das Kloster hatte sich nach der Verurteilung der Lehre von Jan Hus im Konzil von Konstanz für die Bekämpfung der hussitischen Lehre eingesetzt. Im Jahr 1429 drang während der Hussitenkriege eine Heeresgruppe aus Böhmen ein und zerstörte neben der Stadt Guben auch das Kloster Neuzelle. Neuzelle hatte im Vorfeld des Überfalls Schutzbündnisse sowohl mit dem Erzbischof Günther von Magdeburg als auch mit Landvogt Hans von Polenz geschlossen. Da sich die Mönche weigerten, die Lehren des Reformators Jan Hus anzunehmen, wurden sie gemartert, ermordet oder verschleppt. Seither werden sie als Märtyrer verehrt, insbesondere Abt Petrus I. (1408–1429). Bei dem Überfall kamen 20 Mönche ums Leben. Nach Schätzung von Heinrich Theissing bestand der Neuzeller Konvent zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich aus nicht mehr als 30 Mönchen. Namentlich bekannte, abwesende beziehungsweise überlebende Mönche sind der Baumeister Tylemann und der spätere Abt Nicolaus II. von Bomsdorf. Die gesamte Klosteranlage wurde verwüstet und die Kirche in Brand gesteckt, das Feuer konnte aber gelöscht werden.
Die Datierung des Überfalls ist unklar. Eine Urkunde des Markgrafen Johann von Brandenburg an den Dekan des Domstifts zu Stendal Dietrich Becker vom 28. Oktober 1429 bestätigt den Überfall auf das Kloster im September oder Oktober 1429. Andere Beachtung fand der Hussitenüberfall bei zeitgenössischen Historikern und Chronisten größtenteils nicht. Der Dominikaner Herrmann Korner aus Lübeck erwähnte ihn in seiner Chronik aus dem Jahr 1435 und in einer Übersetzung der Chronica novella aus dem Jahr 1431. Spätere Chronisten aus den darauffolgenden Jahrhunderten datierten den Überfall auf 1430, jedoch ist nach späterer Forschung kein Hussitenüberfall für 1430 nachweisbar. Chrysostomus Henriquez schrieb in einem 1631 erschienenen Buch einmal von dem Überfall am 10. September und am 9. Februar. Bei letzterem Datum erwähnte er allerdings ein „Closter Marien-Zell“, welches teilweise auch als Name für das Neuzeller Kloster genutzt wurde. Das Martyrologium des Zisterzienserordens von 1689 erwähnt nur den 10. September. Der Neuzeller Pater Franz Laurenz Mauermann OCist (* 1780), auf den sich die Klostertradition beruft, bestätigt den Gedenktag auf den 10. September.
Unter Abt Nicolaus II. von Bomsdorf (1432–1469) wurde das Kloster wiederaufgebaut, wozu einige erbuntertänige Dörfer verkauft wurden. Die Ausbildung der Kleriker erfolgte am Zisterzienserkolleg in Leipzig.
Der Zisterzienser und Kirchenhistoriker Augustinus Sartorius schrieb in seinem Werk Cistercium Bis-Tertium unter Nova-Cella den Zusatz illustris a sanguine Martyrum („durch das Blut seiner Märtyrer ausgezeichnet“). Die Neuzeller Märtyrer werden als Selige am 10. September verehrt. Im Jahr 2008 schenkte Joachim Kardinal Meisner dem Bistum Görlitz eine mittelalterliche Darstellung der Neuzeller Märtyrer. Dieses Pergament zeigt acht Mönche, denen Hände und Füße abgetrennt wurden. Die schiefe Kapelle am Klosterteich sowie die beschädigte Christussäule vor dem Haupttor des historischen Klostergeländes sind immer noch bestehende Zeichen der Neuzeller Märtyrerverehrung. Bischof Bernhard Huhn führte den liturgischen Gedenktag in den 1970er Jahren ein. Eine Märtyrerprozession existiert seit den 1980er Jahren. Diese wird immer noch jährlich am 10. September begangen.
Zeitalter der Konfessionalisierung (1550–1700)
Reformation Als einziges Kloster in der Niederlausitz blieb Neuzelle in der Reformationszeit als eine konfessionelle Insel beim alten Glauben. Die bäuerlichen Untertanen der Grundherrschaft des Klosters schlossen sich um 1550 der Lehre Luthers an. Neue Anwärter kamen nun überwiegend aus Nordböhmen und dem katholischen Teil der Oberlausitz und studierten nach dem Noviziat an der Karls-Universität Prag. Das Kloster wurde in die böhmische Ordensprovinz der Zisterzienser aufgenommen. Während dieser Zeit traten allerdings weniger Novizen ein. Gab es 1547 noch 35 Mönche im Kloster, so waren es 1585 nur noch 10.
Mit der Reformation geriet Neuzelle unter massiven Druck seines Landesherren, hohe Geldsummen aufzubringen, was das Kloster finanziell stark bedrohte. Auch eine mögliche Verpfändung an Johann von Küstrin stand im Raum, konnte allerdings abgewendet werden. Dafür, dass das Kloster nicht verpfändet wurde, mussten der Abt und der Konvent 10.000 Gulden aufbringen. Das führte zum Verkauf von mehreren Dörfern der Stiftsherrschaft und einem Schuldenberg von 17.000 Gulden. Auch ließen die Habsburger Landesherren das Kloster als ein Kammergut deklarieren, nahmen diese Entscheidung allerdings später wieder zurück. Das Kloster hatte lange an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu arbeiten. So konnten einige Dörfer erst im 18. Jahrhundert zurückgekauft werden.
Im Nachlauf der Reformation wurde dem Kloster Neuzelle angeboten, sowohl das Kloster Dobrilugk als auch das Kloster Oybin wiederzubeleben, was in beiden Fällen vom Abt abgelehnt wurde.
Die Neuzeller Äbte erhielten erstmals 1557 eine kaiserliche Konfirmation für ihre Wahl. 1569 erhielt das Kloster alle seine Privilegien durch Kaiser Maximilian, dennoch wurde später das Abtwahlrecht des Konvents beschnitten. Demnach durfte der Konvent nur noch Vorschläge unterbreiten, die Ernennung lag beim Kaiser und die Einsetzung beim Landvogt der Niederlausitz. Der Konvent widersetzte sich mehrfach. Dennoch kam es durch Formfehler bei der Wahl, kurze Regierungszeiten oder Konkubinat häufig zu fremdem Einfluss bei Abtwahlen. Jedoch kam es nie dazu, dass Neuzelle eine Kommendatarabtei wurde.
Am 24. Dezember 1615 war der Generalabt des Ordens, Nicolaus II. Bocherat, als Visitator in Neuzelle.
Zeit des Dreißigjährigen Krieges Obwohl sich die Stände der böhmischen Nebenlande nach dem Prager Fenstersturz etwas zurückhaltend verhielten, traten die Niederlausitzer Stände am 22. Februar 1620 der Konföderation der böhmischen Stände bei und wählten Friedrich von der Pfalz zum König von Böhmen. Die Rolle des Neuzeller Abtes ist allerdings unbekannt. Er dürfte sich zurückhaltend verhalten haben. Im August 1620 wurde Kurfürst Johann Georg von Sachsen vom Kaiser mit der Unterwerfung der Lausitz beauftragt. Diese sollte ihm als Lohn verpfändet werden. Nach einem erfolgreichen Feldzug des Sachsen legte die Stände der Lausitz auf einem Landtag im Juli 1621 einen Eid auf ihren neuen Herren ab.
Im Sommer 1627 wurde das Kloster unter General Johann T’Serclaes von Tilly geplündert. Danach war es etwas ruhig in der Neuzeller Stiftsherrschaft. So wurden 1630 unter Abt Hugo mehrere Urkunden durch den kaiserlichen Notar Martin Junius bestätigt. Die Lausitz bekam ab Frühjahr 1631 den Krieg stark zu spüren; das Kloster am 3. April 1631 von schwedischen Truppen geplündert. Obwohl Abt Hugo zunächst fliehen konnte, wurde er später von Soldaten festgesetzt und starb später an seinen Verletzungen. Zu diesem Zeitpunkt müsste der gesamte Konvent das Kloster verlassen haben. Die in der Mark Brandenburg liegenden Besitzungen wurden vom Kurfürsten eingezogen und an die Universität Frankfurt übertragen. Während dieser Zeit ließ der sächsische Kurfürst auch eine Administration zur Verwaltung des Klosterbesitzes einsetzen. Anschließend gab es Kampfhandlungen um Neuzelle und im Juli 1634 wurde es erneut durch Schweden geplündert.
Als die Habsburger 1635 im Prager Frieden die Niederlausitz an das sächsische Haus Wettin abtraten, musste der evangelische Kurfürst von Sachsen im sogenannten Traditionsrezess den Fortbestand der Klöster, darunter Neuzelle, garantieren. Es gehörte zu den Niederlausitzer Landständen und war bis zu seiner Auflösung im Landtag vertreten.
Auch in den darauffolgenden Jahren erfolgten immer wieder zu Kampfhandlungen und Truppenbewegungen in der Lausitz. Im April 1640 beschrieb Abt Bartholomaeus die Lage seines Klosters als so schlecht, „daß man sich dort nicht mehr aufhalten könne“. Durch eine erneute Besatzung der Schweden 1640 floh der Abt wiederum und verstarb im Januar 1641 dabei. Trotz der Verwaisung des Klosters ging es nicht unter. Am 14. März 1641 wurde Bernardus von Schrattenbach durch drei Äbte der böhmischen Ordensprovinz zum Abt von Neuzelle gewählt. 1644 wurden große Teile der Lausitz von sächsischen Truppen zurückerobert.
Wiederaufbau des Klosters, Stabilisierung der Stiftsherrschaft