mini|Der südliche Eingang zum Kino CAPITOL (2006) Der Artikel Kinos in Eisenach behandelt die Entstehung und Entwicklung der Lichtspieltheater in der Stadt Eisenach.

Schaubuden und Guckkästen Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die auf Eisenacher Jahrmärkten, Schützenfesten und zur Volksbelustigung angebotenen Attraktionen durch Schaubuden mit mechanisch beweglichen Apparaturen und optischen Geräte – im Volksmund Guckkästen – bereichert, welche sich einer wachsenden Beliebtheit erfreuen. So informierte das Eisenacher Tageblatt über das KINESCOPE von W. Glüers, Mikroskopisches Institut in Berlin, Gipsstraße 4, als neueste patentierte Erfindung.

mini|Ein Kaiserpanorama Regelmäßig traten nun Schausteller mit Welt- und Kaiserpanoramen in Eisenach auf. Neben eigenen Vorführzelten und Schaubuden nutzte man angemietete Räume in den Eisenacher Gasthäusern und Varietee-Theatern. So gastierte im KONZERTHAUS-CLEMDA am 8. und 9. Dezember 1883 Friedrich Thieles Riesen-Wandel-Diorama

Die Veranstaltungsdauer betrug bereits zwei Stunden, zum Repertoire gehörte: «Das Meer und seine Wunder», «Der Rattenfänger von Hameln», «Der Erlkönig», «Das Gebet der Mutter», «Die Loreley» und als Dokumentarfilm «Der Brand des Wiener Ring-Theaters».

Im TIVOLI-GARTEN gastierte vom 17. bis 22. Juli 1884 Professor H. Anotellis Theatre-Dissolving-Views Gezeigt wurden bei gleichzeitigem Gartenkonzert: «Im Fluge durch die Welt», «Der Rattenfänger von Hameln» und «Das Märchen vom Storch».

Im Garten der ERHOLUNG gastierte E. H. G. Beisner mit seinem Kosmorama-Theater am 30. und 31. Oktober 1886, er besaß ein Drumondsches Agioskopisches Pracht-Wandel-Tableaux. Das Standardprogramm des Kosmorama enthielt sowohl Reiseimpressionen aus aller Welt als auch Märchen: Rübezahl, der große Berggeist und Prinzessin Emma im Riesengebirge sowie humoristische Szenen und graphische Farbenspiele.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 11, November 1954 S. 175f

Wanderkinos (1898–1911) miniatur|Werbeplakat für Filmvorführungen der Gebrüder Skladanowsky (1896) mini|Werbung zum Besuch des Kinematographen (Wien um 1900) Am 16. Februar 1897, 15 ½ -Monate nach Max Skladanowskys Filmpremiere im Berliner WINTERGARTEN, wurde die erste Vorstellung mit Edisons Ideal-Kinetograph unter dem Motto Die lebende Photographie, die wunderbarste Schaustellung des Jahrhunderts, im kleinen Saal des TIVOLI in Eisenach aufgeführt. Das Programm bestand aus den Kurzfilmen: Auf dem Boulevard in Brüssel, Ankunft eines Dampfers im Hafen von Hamburg, Serpentintänzerin, Ankunft eines Eisenbahnzuges in einem Pariser Vorort, Place de la Republique in Paris und mimischen, meist komischen Darstellungen. Ein Eisenacher Lokalreporter: „Die Wirkung der Bilder ist geradezu überraschend und verblüffend“.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 11, November 1954 S. 176

In den folgenden Jahren gastierten zahlreiche Wanderkinos in Eisenach: 1903 Blasers Biograph-Riesen-Kinematograph im eigenen „Prachtbau“ mit einem Repertoire von 500 Filmen; 1904 bis 1906 Fricks Phono-Kinematograph; 1907 und 1908 L. Ohr, der als besondere Attraktion die ersten Dokumentarfilmstreifen aus Eisenach zeigte: Leben und Treiben an der Reutervilla, auf dem Karlsplatz und angrenzenden Straßen, Ein Rundgang auf dem Schützenfestplatz, Ausgang aus der Marktkirche am Sonntag Vormittag und Eine Fahrt mit der Straßenbahn. Diese „großartigen, haarscharfen Aufnahmen, worauf jedermann deutlich zu erkennen war …“ waren das Tagesgespräch in der Stadt.

Durch technische Verbesserungen und ständige Belieferung mit neuen Filmen entstanden in den Eisenacher Restaurants und Gasthäusern Filmabspielorte als zusätzliches Unterhaltungsangebot - Edisons Thaumatograph, der das Problem des Bildflimmerns verhinderte, Mesters Bioskop der Bioskop-Campagnie Charlottenburg-Berlin und der in der Werkstatt Kade in Zwickau entwickelte Optisch-physikalische-Apparat für Prachtvorstellungen. Besonders erfolgreich war die Vorstellung des Berliners Th. Windorf im TIVOLI im November 1903 – mit 50 Kurzfilmen, meist Reise- und Dokumentarfilme, darunter die halbstündige Reise nach dem Mond oder das Jahr 2000 – vielleicht der erste Utopische Film in Eisenach? 1905 gastierte M. Faßbender vom Institut Electrographia-Leipzig mit seinem Riesenprogramm großer Wunder phono-kinematographischer Sensationsdarbietungen und Th. Scherff vom Deutschen Bioskope-Institut Leipzig-Berlin, H. J. Fey aus Leipzig sowie nochmals Fricks Kinematograph – der bereits im November 1906 den Film «Der Hauptmann von Cöpenick» im Programm hatte.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 11, November 1954 S. 176f

Gründerzeit der Eisenacher Kinos (1907–1920) Welttheater (Frauenberg 13) Ermutigt durch die Erfolge der Wanderkinos wurde am 2. November 1907 das erste Eisenacher Kino im Haus Frauenberg 13 eröffnet – es trug den Namen Welt-Kinematograph – ab 1909 verkürzt auf Welttheater – und wurde von Herrn Alfred Edling und ab 7. Februar 1908 durch Frau Auguste Riesenberg geleitet.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 1, Januar 1955 S. 9 - Anmerkung 15 Die Eisenacher Zeitung druckte das Programm in den Veranstaltungshinweisen. Zu den ersten Filmen gehörte: «Das Drama von Sevilla (Bericht über den Stierkampf)», «Eine wahre Begebenheit», «Die erste Ausfahrt einer Radlerin» und «Aufnahmen aus Deutsch-Südwest-Afrika». Zeitweise wurde sogar ein Farbiger als Türsteher des Kinos engagiert. Wegen Beschwerden der Mieter über ständigen Lärm musste das Welttheater ab dem 3. Oktober 1909 in das Cafe Kaiser, Goldschmiedenstraße 14, umziehen.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 11, November 1954 S. 178

Salon Cinephon Theater (Bahnhofstraße 33) Als eine Filiale des Leipziger Filmtheaters Colosseum eröffnete am 16. Mai 1909 Feys Salon-Cinephon-Theater am Bahnhof, mit zweimal wöchentlich wechselndem Programm. Geboten wurde ein breites Unterhaltungsprogramm: Die böse Hexe und Der kleine Däumling (Märchen), Der Spion oder ein rettender Traum (Romanverfilmung), Der Barbier von Sevilla und Rigoletto (Opernszenen), Die Papierfabrikation (Dokumentarfilm), Graf Ungolino, Die Waise von Messina, Der Graf von Monte Christo und Die kleinen Schuhe (Bühnen-Dramen). Besonders beliebt waren die Komödien Das Pech des Einbrechers, Ein Umzug mit Ach und Krach, Die Horcher an der Wand und Lehmann als Ringkämpfer.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 11, November 1954 S. 178

Bioscop Theater (Alexanderstraße 13) mini|Reißerische Filmwerbung von 1919 Am 26. Januar 1910, eröffnete Th. Scherffs Bioscop-Theater Eisenach mit bereits 250 Sitzplätzen ausgestattet. Das Eröffnungsprogramm bot: (Dokumentarfilm) «Einzug des Großherzogs Wilhelm Ernst und seiner zweiten Frau in Weimar», «Wellen und Wogen bei St. Jean de Luz» und «Allerlei Mäuse»; (Bühnen-Drama) Madame Sans Gene, Lorbeerkranz und Totenkranz, Ich hab dich ja nie vergessen (Humoresken und Komödien) Vorher und nachher, Piefke soll die Tollwut haben, Die Braut des Gendarmen, Romeo und Julia im Seebad. Das Kino führte, bedingt durch mehrere Besitzerwechsel und technische Verbesserungen die geänderten Namen Lichtspielhaus Alexanderhof, Welttheater und ab 11. Juli 1919 Central-Lichtspiele.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 11, November 1954 S. 178f

Elite-Bioskop-Theater (Bahnhofstraße 27 / später - 53) Am 25. Dezember 1910 eröffnete Th. Scherffs Elite-Bioskop-Theater in der Bahnhofstraße 27. Das neue Kino eröffnete mit einem Dokumentarfilm über die Vorbereitungen einer deutschen Luftschiffexpedition in arktischen Gewässern um Spitzbergen, auch in diesem Kino dominierten Komödien und Dramen. Das Kino bestand bis 10. März 1922.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 11, November 1954 S. 179

Modernes Lichtspieltheater (Georgenstraße 44/46) Als fünftes Lichtspielhaus eröffnete am 10. Februar 1911 das Kino Moderne Lichtspiele in einem Seitengebäude des Gasthofes Zur Sonne. Als technische Neuerung besaß es Zentralheizung und Klappstühle. Der Spielbetrieb konnte zwei Jahre ermöglicht werden.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 12, Dezember 1954 S. 191

Lichtspielpalast (Georgenstraße 5) 1911 erwarb der Eisenacher Unternehmer Hermann Bräutigam mit Ausnahme des Bioscope Theaters in der Alexanderstraße 13 alle spielberechtigten Kinos und gründete die Firma Vereinigte Eisenacher Lichtspiel-Theater (VELTH), er besaß für zwei Jahre das Monopol der Eisenacher Lichtspielhäuser und nutzte dieses, um 1912 den Eisenacher Architekten W. Creutzburg mit dem Umbau des ehemaligen Hotels und Gasthofes Zum halben Mond in ein Lichtspieltheater zu beauftragen. Am 5. April 1913 wurde mit der Aufführung des Films Der Mutter Augen der Spielbetrieb im Kino Lichtspielpalast eröffnet. Schon 1919 wurde der ebenerdige Zuschauersaal in südlicher Richtung erweitert (Architekt C. Mergenbaum, Eisenach). Beim dritten Umbau im Jahr 1924 entfernte der beauftragte Eisenacher Architekt Ernst Kühne alle noch im Hinterhof gelegenen Anbauten und Remisen, ein breiter Durchgang – wohl als Fluchtweg zur raschen Evakuierung im Brandfall erforderlich – wurde mit mehreren Seitentüren zum Saalbau geschaffen. Im Jahr 1928 wurde die Straßenfassade im Stil des Art déco durch den Erfurter Architekten Carl Fugmann (Special-Büro für Kino-Bauten) mit weiteren technischen Verbesserungen und Leuchtreklame gestaltet. Dieses Haus bot nun Platz für 400 Zuschauer und war auch bei der Vorführtechnik mit zahlreichen technischen Neuerungen ausgestattet. Als Premierenfilm lief der Streifen Die Heilige und ihr Narr. Die Eisenacher Lokalpresse war begeistert, besonders wurde die Ventilation der Klimaanlage gewürdigt. Der Lichtspielpalast war bis 1928 das größte und erfolgreichste Kino der Stadt.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 12, Dezember 1954 S. 192fE. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 1, Januar 1955 S. 7f

Kammer-Lichtspiele (Katharinenstraße 93/95) Nach dem Ersten Weltkrieg entstand in der Katharinenstraße das erste Vorstadtkino – es eröffnete am 20. Juni 1919 als Kammerlichtspiele.

Tonfilm-Kinos (1920–1990) mini|Die Ruine des Kino Schauburg vor der Sanierung Die Entwicklung des Tonfilmes setzte neue Anforderungen an die Kinotechnik und an die Architektur des Gebäudes. Dies wurde in den 1920er Jahren durch weitere Kinobauten und Modernisierungen in Eisenach verwirklicht.

Alhambra-Lichtspiele (Katharinenstraße 93/95) Bereits 1924 wurden die Kammer-Lichtspiele umgebaut und in Union-Lichtspieltheater umbenannt, das Haus hieß ab 29. Oktober 1926 Alhambra-Lichtspiele. Als erstes Eisenacher Kino führte man hier den Monumentalfilm Panzerkreuzer Potemkin von Sergej Eisenstein auf. Das Kino war bis zum 31. August 1950 in Betrieb, musste wegen veralteter Sicherheitstechnik schließen und wurde später als Lager genutzt.E. Matthes Von der Flimmerkiste zum Tonfilmtheater - In: Der Wartburgtürmer Heft 12, Dezember 1954 S. 192

Titania Palast (Georgenstraße 5) mini|Das ehemalige Kino TITANIA (2015)