mini|hochkant=1.2|Die Stadtkirche St. Maria und St. Nikolaus in Sternberg Die Stadtkirche St. Maria und St. Nikolaus wurde 1309 bis 1322 im mecklenburgischen Sternberg beim Markt errichtet. Sie ist seitdem die Hauptkirche Sternbergs, einer Kleinstadt zwischen Schwerin und Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist die Kirche der Kirchengemeinde Sternberg in der Kirchenregion Sternberg in der Propstei Wismar im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Eine frühgotische Vorgängerkirche wurde im Jahr 1232 erstmals urkundlich erwähnt. Die heutige Stadtkirche verdankt ihre Größe – die für eine kleine Stadt wie Sternberg beachtlich ist – dem mecklenburgischen Fürsten Heinrich II. Dieser begann nach einem Stadtbrand 1309 mit den systematischen Aufbau der Stadt und mit dem Bau der repräsentativen Kirche. Er wählte im Jahr 1310 Sternberg zu seiner Hauptresidenz.Georg Christian Friedrich Lisch: Geschichte Hauptbegebenheiten in der ältern Geschichte der Stadt Sternberg. Aufsatz 9, Band 12, Schwerin 1847, S. 193.

Das Backsteingebäude hat die Bauform einer fünfjochigen Hallenkirche. Bei einem großen Umbau 1895/1896 wurden dem Gebäude neogotische Elemente hinzugefügt.

Historische Bedeutung In der Stadtkirche St. Maria und St. Nikolaus wurden bis in das Jahr 1913 in zweijährigem Rhythmus (im Wechsel mit Malchin) die mecklenburgischen Landtage eröffnet. Im Jahr 1931 verlieh der Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche von Mecklenburg-Schwerin der Stadtkirche den Ehrennamen „Reformationsgedächtniskirche“ zum Gedenken an den außerordentlichen Landtag vom 20. Juni 1549 bei Sternberg, auf dem in Mecklenburg die Reformation eingeführt wurde.

Nach dem Sternberger Hostienschänderprozess von 1492 und dem anschließenden Judenpogrom war St. Maria und St. Nikolaus als Wallfahrtskirche Ziel zahlreicher Pilger. Zur Aufbewahrung der angeblich von mecklenburgischen Juden geschändeten Hostien und Verehrung des „Heiligen Blutes“ wurde die Kapelle des Heiligen Blutes an die Kirche angebaut.Georg Christian Friedrich Lisch: Sternberg. In: Meklenburg in Bildern. Rostock 1845, S. 2–5. Seit 2007 erinnert ein Mahnmal an die Geschehnisse.

Heute steht die Stadtkirche Sternberg unter Denkmalschutz und ist in die Denkmalliste des Amtes Sternberger Seenlandschaft eingetragen.

Baugeschichte mini|hochkant|Modell der Sternberger Kirche mit Winterkirche, Heiliger Blutskapelle und Turm im Vordergrund Die Kirche ist eine frühgotische Backsteinkirche. Sie ist eine sogenannte westfälische fünfjochige Hallenkirche mit ideal quadratischem Grundriss ohne Chor mit drei Schiffen, die im Osten durch eine gerade Wand gleichmäßig abgeschlossen werden.

Der Bau begann im Jahr 1309 und war 1322 fertiggestellt.Zerniner Beschäftigungsinitiative (ZEBI) e. V. und START e. V. (Hrsg.): Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Wismar-Schwerin. Edition Temmen, Bremen/Rostock 2001, ISBN 3-86108-753-7. Urkundlich erwähnt wurde die Kirche erstmals am 31. März 1328, als ihr Fürst Heinrich II das Dorf Loiz schenkt.Mecklenburgisches Urkundenbuch (MUB) Band VII, Schwerin 1872, Nr. 4363, 4912

Die beiden Seitenschiffe stammen noch aus dem Mittelalter. Das Gewölbe des Mittelschiffes wurde nach dem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1741 fünf Jahre später neu erbaut. Ebenfalls nach 1741 entstanden die Gesimse, das Mansarddach sowie Altar und Kanzel im Stil des Barock, die bis 1896 vorhanden waren.Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 4: Die Amtsgerichtsbezirke Schwaan, Bützow, Sternberg, Güstrow, Krakow, Goldberg, Parchim, Lübz und Plau. Schwerin 1896, S. 134 ff. (Digitalisat).

Die doppelgeschossige Nordsakristei stammt aus dem 14. Jahrhundert. In den Jahren 1494–96 entstanden durch die gewachsene Bedeutung als Wallfahrtskirche die Winterkirche und die Kapelle des Heiligen Blutes.

Beim großen Umbau 1895/96 unter Leitung von Gotthilf Ludwig Möckel wurde die Kirche, vor allem der Innenraum, neogotisch umgestaltet. Es entstand die Westempore, und es wurden alle Fenster erneuert, das Gestühl, die Kanzel und der Altar ausgetauscht. Einige Portale wurden vermauert, und der Haupteingang wurde von der Vorhalle zur Turmhalle verlegt. Diese erhielt dabei ein Kreuzgewölbe und wurde mit Bildern ausgestattet. Zwischen Winterkirche und der Kapelle des Heiligen Blutes wurde eine Trennwand eingezogen.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. Neubearbeitung. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03081-6, S. 572 f.

Die Kirche wurde beginnend in den 1990er Jahren abschnittweise renoviert; eine umfassende Restaurierung des Innen- und Außenraumes erfolgte in den Jahren 2010 bis 2012.

Bau Hauptkirche mini|Grundriss der Kirche Das Kirchengebäude ist ein rechteckiger Bau mit den Anbauten der Winterkirche, Sakristei und des Turmes. Das gesamte Kirchengebäude ist in der Ost-West-Achse 51 Meter lang und das Hauptgebäude 25 Meter breit. Es besitzt im Osten einen geraden Abschluss ohne Chornische. Es hat ein Mittelschiff und zwei gleich lange, nicht viel niedrigere Seitenschiffe. Die Kirchengewölbe werden von acht Pfeilern und vier Pilaster in zwei Reihen angeordnet gestützt. Die Pfeiler sind achteckig mit viereckigen Sockeln ausgeprägt. Sie haben Basen und Kapitäler und an den vier schmalen Seiten schlanke Halbsäulen. Die Säulen sind mit verschiedenen Mustern bunt bemalt. So beispielsweise mit schwarz, gelb und rot getreppten Sparren mit grüner Blattranke an den Rändern. Alle Säulen sind mit Wappen verziert.Georg Christian Friedrich Lisch: Geschichte der Stadt Sternberg. (Aufsatz 9, Band 12), Schwerin 1870, S. 192.

Alle drei Kirchenschiffe besitzen gebuste Kreuzgewölbe mit annähernd gleich hohen Schenkeln.

Die gotischen Fenster der Kirche sind durch schmale steinerne Säulen dreifach geteilt. Das Fenster hinter dem Altar ist vierfach geteilt und neueren Ursprungs, da bei den beiden großen Bränden der Altargiebel einstürzte. Die beiden anderen Fenster in der Altarwand und die beiden unten abgekürzten Fenster über den beiden Hauptpforten auf der Südseite haben über ihren Wölbungen drei kleine runde Fenster oder Rosen.

mini|hochkant|Der Altar Die Fensterscheiben der Altarwand stellen die kirchlichen Feste Pfingsten, Ostern und Weihnachten dar. An der Südseite findet man das sogenannte Reformationsfenster. Er zeigt Martin Luther und die damaligen mecklenburgischen Landesherren Johann Albrecht I. und Heinrich V. Alle vier Fensterscheiben stammen von 1895 und wurden unter Verwendung von privaten Spenden zu DDR-Zeiten restauriert.

Die beiden Hauptpforten sind schräge eingehend und mit Rippen oder Säulen mit kleinen Kapitälern geschmückt. An der südlichen Pforte unter dem Turm sind die Mauernischen mit spitzen Giebeln und schwarzglasierten Verzierungen ausgeführt. Sie ist der derzeitige Haupteingang der Kirche. Neben der Pforte befindet sich links ein eingemauerter Granitblock mit zwei Fußspuren. Einer Sage nach sind dies die Fußspuren von Eleasars Frau, welche in den Stein sank, als sie die Hostien im Bach versenken wollte. An den Fußspuren sind jedoch Meißelspuren zu erkennen, so dass die eigentliche Herkunft nicht bekannt ist. An der Westecke des südlichen Seitenschiffes wurde die Kapelle des Heiligen Blutes angebaut. Sie ragt über die Seitenwand der Kirche hinaus.

Am Altar liegt die ehemalige Altarplatte, mit den fünf Weihekreuzen gekennzeichnet. Sie trägt die (sekundäre) Inschrift Ein Divack war 1572 Burgemeister zu Sternberg.

Kapelle des Heiligen Blutes mini|hochkant|links|Kapelle des Heiligen Blutes mini|hochkant|Plastik „Stigma“ des Crivitzer Bildhauers Wieland Schmiedel mini|hochkant|Tischplatte, Relikt des Hostienschänderprozesses Die Kapelle des Heiligen Blutes, später auch Taufkapelle genannt, wurde für die Pilger gebaut, die nach dem Sternberger Hostienschänderprozess (1492) zur Verehrung des Heiligen Blutes nach Sternberg kamen. Sie ist ein schlichter Backsteinbau mit Vorhalle und Seitengang. Die Kapelle befindet sich an der Südwestseite der Kirche. Vom Windfang des Südportals führt eine kleine Treppe in die Taufkapelle. Die Kapelle wurde beim Stadtbrand 1741 in Mitleidenschaft gezogen, der von den Herzögen Heinrich V. und Albrecht VII. in Auftrag gegebene Altar von Erhard Altdorfer aus dem Jahr 1516 wurde im Jahr 1741 beim Brand vernichtet. Der Sockelbereich der Kapelle ist bis zu einer Höhe von ungefähr einem Meter mit einem stilisierten Blumenteppich bemalt. Vor dem Zugang zur Kapelle befindet sich eine mittelalterliche Tischplatte als Relikt aus der Zeit des Hostienschänderprozesses.

In der Mitte der Kapelle hängt derzeit ein Korpus mit kreuzförmigem Stempel über einem weißen Teppich mit Kreuzabdruck. Es handelt sich um die Plastik „Stigma“ des Crivitzer Bildhauers Wieland Schmiedel. Sie soll an das dunkle Kapitel des Hostienschänderprozesses erinnern.

In der Kapelle wurde vorher ein Relief mit der Darstellung der unschuldig Hingerichteten, vielleicht ein ehemaliger Altar, gezeigt. Des Weiteren befindet sich hier eine 1895 geschaffene neugotische Fünte des Hofbildhauers Rusch aus Wismar. Der Deckel stammt vom Doberaner Bildhauer Kasch. Ebenfalls hier zu sehen ist der Armenkasten. In diesem wurden die Spendengelder für die ärmeren Kinder Sternbergs gesammelt, um ihnen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Diese Gegenstände befinden sich derzeit in der Hauptkirche. Über dem Übergang zur Winterkirche befindet sich in drei Metern Höhe ein Christusfresko. Die Kapelle ist außerdem mit einem schmalen gewölbten Gang an der Südseite mit der Winterkirche verbunden. Dieser wurde wohl für Prozessionen und Pilger angelegt.

Winterkirche Die Winterkirche entstand um 1500. Sie diente und dient heute als Gemeinderaum für den Winter, wenn der große Kirchenraum zu kalt für Gottesdienste ist. Sie befindet sich an der Südwestecke zwischen der Kapelle des Heiligen Blutes und dem Kirchturm. In der Winterkapelle wurden Altar und Kanzel der 1904 abgerissenen St. Jürgen-Kapelle aufgestellt. Der St. Georgsaltar aus der Zeit um 1500, ist ein geschnitztes Triptychon eines mecklenburgischen Meisters.

Der Altar zeigt den Heiligen Georg, wie er den Drachen tötet, aber auch zehn weitere Heilige. So wird Georg flankiert von einer Anna-selbdritt-Gruppe und einer dritten Figur (vermutlich Elisabet). Im linken Altarflügel sind Jakobus der Ältere, Ursula, eine unbekannte Figur und Paulus dargestellt. Im rechten Altarflügel sind Katharina, Mauritius, Sebastian und Nikolaus zu sehen. Die Außenseiten zeigen die Verkündigung des Herrn durch den Erzengel Gabriel.

Die Kanzel zeigt die Evangelisten Markus, Lukas und Matthäus.

Seit der Umgestaltung der Kirche im Jahr 1895 befinden sich hier mehrere alte Grabsteine. So ist hier das Epitaph für Theodor (Diedrich) von Plessen zu sehen. Er ist eine Arbeit des niederländischen Bildhauers Philipp Brandin.

Turm mini|hochkant|Westturm der Stadtkirche Der quadratische zwölf mal zwölf Meter große Westturm in der Breite des Mittelschiffes wurde 1322 beendet. Der obere Teil des Turmes wurde nach den Stadtbränden von 1659 und 1741 neu gebaut. Das Fertigstellungsjahr 1750 ist am Turm weithin sichtbar angebracht. Die barocke Laterne wurde mit Helm im Jahr 1816 erneuert. Bei einem Blitzschlag im Jahr 1894 brannte der Turm erneut und erhielt 1895 sein heutiges, neugotisches Aussehen. Der 66 Meter hohe Turm ist für Besucher zugänglich und bietet von einer Plattform auf 55 Metern Höhe unter der Laterne einen Rundblick über die Stadt Sternberg und deren Umgebung.

mini|hochkant|Fresko des Landtags an der Sagsdorfer Brücke