mini|280x280px|Hans-Dietrich-Genscher-Haus in der Reinhardtstraße in Berlin-Mitte, Bundesgeschäftsstelle/Parteizentrale der FDP
Die Freie Demokratische Partei (Kurzbezeichnung: FDP, von 1968 bis 2001 F.D.P.; Eigenbezeichnung: Freie Demokraten, bis 2015 Die Liberalen) ist eine liberale Partei in Deutschland, die im politischen Spektrum im Bereich MitteRoi Zur: Stuck in the middle: Ideology, valence and the electoral failures of centrist parties. In: British Journal of Political Science, 2019, S. 1–18. doi:10.1017/S0007123419000231 bis Mitte-rechtsQuellen:
eingeordnet wird.
Die FDP wurde am 12. Dezember 1948 auf dem Gründungsparteitag in Heppenheim gegründet und wirkte im Anschluss entscheidend an der Ausgestaltung des freiheitlich demokratischen Grundgesetzes und der ersten Bundesregierung mit. Beim Vereinigungsparteitag am 12. August 1990 erfolgte der Zusammenschluss mit den liberalen Parteien der DDR.
Historische Vorläufer der FDP fallen in die Frühzeit der demokratischen Bewegung in Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts. Die unmittelbare Linie der Partei geht zurück auf die vor der Märzrevolution abgehaltene Heppenheimer Tagung vom 10. Oktober 1847 und die am 6. Juni 1861 gegründete Deutsche Fortschrittspartei, die erste deutschlandweite Partei. Das alljährliche Dreikönigstreffen der FDP am 6. Januar im Staatstheater Stuttgart geht auf die Tagung liberaler Volksvereine am Dreikönigstag 1866 in Stuttgart zurück.Paul Rothmund, Erhard R. Wiehn, Die FDP/DVP in Baden-Württemberg und ihre Geschichte, Stuttgart 1979, S. 64.
Die FDP war von 1949 bis 1998 an den meisten Bundesregierungen beteiligt, seither nur noch in zwei Legislaturperioden. Dabei war sie stets einer der kleinen Koalitionspartner (siehe Liste der deutschen Bundesregierungen). Von 1949 bis 2025 war sie mit Ausnahme der 18. Legislaturperiode (2013–2017) als Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag vertreten. Seit 2025 ist sie erneut in der außerparlamentarischen Opposition.
Mit Theodor Heuss (1949–1959) und Walter Scheel (1974–1979) kamen bislang zwei Bundespräsidenten aus den Reihen der FDP. Scheel übernahm zudem kommissarisch im Jahr 1974 für neun Tage das Amt des Bundeskanzlers.
Im Europäischen Parlament ist die Partei mit Unterbrechungen (1984–1989 sowie 1994–2004) seit dessen Gründung 1979 vertreten. Auf Landesebene war sie in der Regel als Juniorpartner an zahlreichen Landesregierungen beteiligt. Die FDP stellte bislang zwei Ministerpräsidenten (1945–1953 in Württemberg-Baden/Baden-Württemberg mit Reinhold Maier sowie Anfang 2020 für 27 Tage in Thüringen mit Thomas Kemmerich). Bis 1958 hatte sie Abgeordnete in allen Landesparlamenten (inkl. West-Berlin). Seither scheiterte sie wiederholt in Landtagswahlen und ist seit 1988 immer in mindestens einem Bundesland nicht vertreten. Nach einem Tiefpunkt Mitte bis Ende der 1990er Jahre, als die Partei in nur vier Landesparlamenten präsent war, gelang ihr eine fast flächendeckende Rückkehr. Seit 2022 ist sie erneut auf dem Rückzug und mittlerweile wiederum in nur noch vier deutschen Landesparlamenten vertreten (Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein). Derzeit ist sie nur noch an einer geschäftsführenden Landesregierung (Sachsen-Anhalt) beteiligt.
Die FDP stellt derzeit (Stand September 2026) vier Oberbürgermeister (darunter in den Großstädten Dresden und Jena) und über 3000 weitere kommunale Mandatsträger.
Wegen des geschwundenen überregionalen Einflusses und einer Reihe sehr schwacher Wahlergebnisse seit Anfang 2025 wird die Partei von manchen Beobachtern seither als Kleinpartei eingeordnet.
Inhaltliches Profil Der inhaltliche Grundgedanke der FDP ist der Liberalismus, den sie seit jeher traditionell in Deutschland vertreten hat. Ihr fundamentales Ideal besteht somit in der Freiheit des Einzelnen, insbesondere vor staatlicher Gewalt. Dem Ideal der FDP liegt damit ein negativer Freiheitsbegriff zugrunde. Die Ausrichtung der FDP wird wie in einigen zweidimensionalen Modellen des politischen Spektrums vorkommend als nahezu durchgängig wirtschaftsliberal bzw. marktliberal beschrieben.Bezüglich des politischen Kompass (zweidimensionales Modell des politischen Spektrums):
Bezüglich der Attribuierung „nahezu durchgängig“: Dossier Parteien in Deutschland: Freie Demokratische Partei (FDP). Bundeszentrale für politische Bildung; abgerufen am 27. Februar 2017. Insbesondere der letzte Absatz.
Hinweis: Der Ausdruck „neoliberal“ wird im angelsächsischen Raum als Bezeichnung für Wirtschaftsliberalismus verwendet (siehe Cambridge Dictionary, abgerufen am 25. Februar 2017).
Die gegenwärtigen Leitlinien der FDP sind in den Karlsruher Freiheitsthesen verankert. Diese wurden auf dem 63. Ordentlichen Bundesparteitag am 22. April 2012 in Karlsruhe beschlossen. Vorher galten die Wiesbadener Grundsätze, die auf dem 48. Ordentlichen Bundesparteitag am 24. Mai 1997 in Wiesbaden beschlossen wurden.
Wirtschaftspolitik Eigenen Aussagen zufolge orientiert sich die Wirtschaftspolitik der FDP an einer liberalen und sozialen Marktwirtschaft. In: fdp.de.
Sie fordert eine staatliche Ordnungspolitik, die dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffe, aber den Markt nicht durch Interventionen verzerren solle.
Zentrales Ziel ist der Anreiz von Wirtschaftswachstum durch Verbesserung des Investitionsklimas. Erreicht werden soll dies unter anderem durch Bürokratieabbau, Privatisierungen, Deregulierung, Abbau von Subventionen und eine Reform des Tarifrechts. Entsprechend sprach sich im Bundestagswahlkampf 2021 Parteichef Christian Lindner für ein „Comeback“ der Angebotspolitik aus. In der Globalisierung sieht die Partei vor allem Chancen.
Die Staatsverschuldung soll reduziert werden. Es wird ein ausgeglichener Haushalt ohne Neuverschuldungen angestrebt.
In der Steuerpolitik wird ein einfacheres Steuerrecht gefordert. Das Modell der Einkommensteuer sieht einen Stufentarif vor. Langfristig wird eine sogenannte Flat Tax angestrebt. Durch Steuersenkungen soll die Kaufkraft der Arbeitnehmer erhöht und die Wirtschaft belebt werden.
Die FDP lehnte im Bundestagswahlkampf 2013 den bundesweiten Mindestlohn ab. Die Partei wollte dagegen Lohnuntergrenzen einführen, die auf Besonderheiten der jeweiligen Regionen und Branchen Rücksicht nehmen.
Eine Analyse des Wahlprogramms zur Bundestagswahl 2025, durchgeführt durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, ergab, dass einer Familie mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen durch die Reformvorschläge der FDP 1520 Euro im Jahr weniger zur Verfügung stünden. Eine Familie mit einem Brutto-Jahreseinkommen von 180.000 Euro würde durch die Pläne der Partei hingegen um 11.990 Euro entlastet. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung berechnete, dass die Pläne der FDP zu ungedeckten Mindereinnahmen für Bund, Länder und Kommunen von 116 Milliarden führten. Die FDP kritisiert die Studie des ZEW und bemängelt methodische Annahmen sowie Berechnungen als fehlerhaft und irreführend. Hintergrund der Kritik ist die Annahme des ZEW, dass die FDP eine Abschaffung des Wohngeldes plane, was die Partei zurückweist.
Sozialpolitik In der Sozialpolitik wird die Einführung eines Bürgergeldes angestrebt, in dem alle steuerfinanzierten sozialen Hilfen des Staates unbürokratisch zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich um ein Modell einer negativen Einkommensteuer. Es wäre wie die jetzige Regelung an eine Arbeitsverpflichtung gebunden. Zusätzlich fordert die Partei bessere Hinzuverdienstgrenzen für Sozialhilfeempfänger und will Einkommen von Jugendlichen aus Familien, die Sozialhilfe beziehen, bis zur Höhe des Minijobs nicht mehr anrechnen.
In der Rentenpolitik sieht die FDP aufgrund des demographischen Wandels akuten Handlungsbedarf. Hier schlägt sie vor, das umlagefinanzierte Rentensystem durch eine kapitalgedeckte Aktienrente nach dem Beispiel Schwedens zu ergänzen, um so mittelfristig zu einem steigenden Rentenniveau zu gelangen. Die Partei plädiert ebenfalls für einen flexiblen Renteneintritt ab 60 Jahren.
Gesundheitspolitik Im Bereich der Gesundheitspolitik spricht sich die FDP für einen Abbau bürokratischer Regulierungen aus. Die FDP schlägt eine Bepreisung von Bürokratie- und Berichtspflichten vor. Derjenige, der sie anfordert, soll sie auch bezahlen.
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen und die Einführung robotischer Assistenzsysteme soll gefördert werden. Die Entwicklung der Digitalisierung soll internationale technische Standards berücksichtigen, um die Interoperabilität in der Zukunft zu gewährleisten.
Die Freien Demokraten fordern eine Verbesserung der Investitionsfinanzierung von maximal versorgenden, sowie von kleineren, spezialisierten Krankenhäusern. Fehlanreize für eine Überversorgung im Krankenhausbereich sollen vermieden werden. Eine Ungleichbehandlung von privaten, öffentlichen und konfessionellen Trägern wird ebenso abgelehnt wie die Planungshoheit der gesetzlichen Krankenkassen für die Versorgungsstrukturen.
Die körperliche Selbstbestimmung wird besonders hervorgehoben. So soll jeder Mensch auch im Rahmen medizinischer Behandlungen das Recht haben, frei über seinen Körper zu bestimmen. Ein liberales Sterbehilfegesetz wird gefordert.
Auch sprechen sich die Freien Demokraten für die Gleichberechtigung Homosexueller und Transsexueller bei der Blutspende aus. Die FDP ist dagegen, dass homosexuelle Männer generell für einen längeren Zeitraum auf die Blutspende warten müssen als heterosexuelle Männer.
Im Bereiche der Fortpflanzungsmedizin fordert die FDP, dass der Zugang zur künstlichen Befruchtung sehr stark vereinfacht werden soll. So wird von den Freien Demokraten eine Legalisierung der Eizellenspende befürwortet. Auch will die FDP die Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen deutlich stärken und die Unterstützungsangebote bei den Erfüllungen von Kinderwünschen viel umfassender ausbauen. Unter anderem soll die Kryokonservierung (etwa zum Zweck des „Social Freezing“) gefördert werden und die Altersbegrenzung (derzeit zwischen 25 und 40 Jahren) soll an die „Lebenswirklichkeit in Deutschland“ angepasst werden.
Ebenso spricht sich die FDP dafür aus, dass geschlechtsangleichende Operationen an intersexuellen Kindern ohne medizinische Notwendigkeit strengstens verboten sein müssen. Auch setzt sich die FDP für ein Verbot von Konversionstherapien in Bezug auf die Abänderungen der sexuellen Orientierungen ein.
Ferner strebt die FDP eine kontrollierte Freigabe von Marihuana an. Die FDP will die Freigabe von Tetrahydrocannabinol-haltigen Hanfblüten für Erwachsene in Apotheken nach gesundheitlicher Aufklärung für den Eigenbedarf zugänglich machen.
Gesellschaftspolitik Ein gemeinsamer Nenner der Freien Demokraten ist die kritische Einstellung zum Einfluss des Staates und zu konservativen oder egalitären Gesellschaftsentwürfen. Nach dem Motto „So viel Staat wie nötig, so wenig Staat wie möglich!“ versucht die FDP, die Eingriffe des Staates in das Leben des Einzelnen so weit wie möglich zu beschränken.
Die Freien Demokraten lehnen alle Elemente eines Überwachungsstaates ab. Verbindendes Element ist für sie der Gedanke der „Schaffung und Wahrung der Freiheit des Einzelnen“. So trug sie nahezu alle gesellschaftlichen Liberalisierungen mit, die in der Bundesrepublik realisiert wurden.
Familienpolitik