Djoser (nach alter Schreibung auch Zoser) ist der Name eines bekannten altägyptischen Königs (Pharao) der 3. Dynastie zur Zeit des Alten Reiches. Er wird allgemein mit dem archäologisch gut belegten Horusnamen Netjerichet (eigentl. Hor-Netjerichet) gleichgesetzt. Djoser wird als Begründer der 3. Dynastie und „Vater“ einer neuen Ära angesehen: dem sogenannten Zeitalter der Pyramiden. Er war der Nachfolger von König Chasechemui und mit einiger Sicherheit der Vorgänger von König Sechemchet.

Djosers Herrschaft ist von kulturellen, architektonischen, wirtschaftlichen und politischen Neuerungen und Errungenschaften geprägt, die nachhaltigen Einfluss auf die ägyptische Geschichte nehmen würden. So wurde unter ihm unter anderem der Monumentalbau mit behauenen Steinen vervollkommnet und die Verwaltungszentrale Ägyptens rundum erneuert und modernisiert. Aus seiner Regierungszeit sind die Namen zahlreicher einflussreicher und hochgebildeter Wesire und Beamter überliefert, allen voran der berühmte Imhotep. In postumen Quellen werden Djoser und Imhotep gleichermaßen geehrt und sogar in literarischen Werken wie dem berühmten Westcar-Papyrus treten sie auf. Bis in ptolemäische Epochen hinein wird Djoser in Verbindung mit Sagen und Legenden erwähnt und sein Andenken in Ehren gehalten. Zu Djosers berühmtesten Monumenten gehören zweifellos seine Stufenpyramide zu Sakkara in dessen Totenbezirk und seine lebensgroße Sitzstatue.

Name und Identität Zeitgenössische Namen Zeitgenössisch ist dieser Herrscher ausschließlich durch seinen Horusnamen Netjerichet bezeugt. Dessen Lesung und Deutung erfährt innerhalb der Ägyptologie abweichende Ansichten. Der Name „Netjerichet“ kann sowohl „Göttlicher Leib (des Horus)“ als auch „Göttlicher der Götterschaft“ bedeuten. Wie für die späte 2. und die gesamte 3. Dynastie üblich, wurde der Horusname auch für den Thronnamen und den Nebtinamen übernommen, sodass alle Namenversionen gleich lauten. Auf Steingefäßen erscheint hingegen nur der Horusname, ohne weitere Titel und ohne irgendwelchen weiteren Inschriften. Auch dies ist typisch für die 3. Dynastie.

Ein weiterer Name, nämlich Djosers Goldname Nub-Re, wurde interessanterweise nicht selten dem Thronnamen angehängt, sodass er nun Nesut-bitj Nebti Netjerichet-nebu lautet. Dieses Phänomen lässt sich bereits bei seinem Vorgänger, König Chasechemui, beobachten, dessen Thronname manchmal als Nesut-bitj Nebti Chasechemui-nubchetsen erscheint. Der Goldname erscheint dabei nie alleinstehend, sondern als integrierter Bestandteil der Königstitulatur. Dies ist deshalb interessant, weil die Goldnamen der Könige Djer (Ni-nebu; 1. Dynastie) und Ninetjer (Neheb-ren-nebu; 2. Dynastie) sehr wohl noch alleinstehend (aber neben den Horusnamen) erscheinen. Außerdem taucht in Djosers Fall der verschmolzenen Titulatur nur das Gold-Symbol (Gardiner-Zeichen S12) auf, ohne Sonnenscheibe. Der Goldkragen mit Sonnenscheibe taucht gelegentlich gemeinsam mit dem Schen-Ring auf und ist auf einem (heute zerstörten) Djoser-Relief aus Heliopolis auch ein Beiname der Neunheit von Heliopolis.Winfried Barta: Zum Goldnamen der ägyptischen Könige im Alten Reich. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. (ZÄS) Band 59, Heft 2. Berlin / Leipzig 1995, S. 80–88. Ab König Snofru (4. Dynastie) wird der Goldname durch die endgültige Form, dem Goldhorus-Namen, abgelöst.Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 80–84.

Der spätere Name „Djoser“ Der Name „Djoser“ kann dank Inschriften und Dokumenten aus postumen Epochen zweifelsfrei mit dem archäologisch gut belegten Horusnamen „Netjeri-chet“ gleichgesetzt werden. Erster stichhaltiger Beleg ist eine Sitzstatue des Pharao Sesostris II. der 12. Dynastie, deren Sockelinschrift den Namenszug „Hor-Netjerichet-Djeser“ in einer Königskartusche erwähnt. Damit ist unter Sesostris II. die früheste direkte Verknüpfung des Namens „Djeser“ mit „Netjerichet“ nachgewiesen.Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil I: Posthume Quellen über die Könige der ersten vier Dynastien. Berlin 1969, S. 59 & 60.

Den zweitjüngsten Beleg liefert der berühmte Westcar-Papyrus aus der 13. Dynastie, der für Djoser ebenfalls den Kartuschennamen „Djeser“ verwendet und im selben Textabschnitt den Wesir Imhotep erwähnt. Durch diese Verknüpfung beider Personen wird die Gleichsetzung von „Nejerichet“ und „Djoser“ bestärkt, denn dass beide zur selben Zeit lebten und wirkten, ist archäologisch zweifelsfrei nachgewiesen.Adolf Erman: Die Märchen des Papyrus Westcar. Stuttgart 1890, S. 76–77.

Gegenstand heutiger Forschungen ist allerdings die Frage, woher der Name „Djeser“ stammen mag. Einen möglichen Anhaltspunkt liefern Fragmente von Stelen aus poliertem Sandstein, die aus dem Djoser-Komplex in Sakkara stammen. Deren Inschriften nennen meist die Namen von Djoser und dessen Ehefrauen und Töchtern, beginnen aber stets mit den Worten „Chenti-ta-djeser-nisut“ (gesegnet sei das Land des erhabenen Königs). Das „djeser-nisut“ wurde womöglich in späterer Zeit als Geburtsname des Djoser fehlgedeutet und als Kartuschenname übernommen. Wie aber der tatsächliche Geburts- und Eigenname von Djoser gelautet hat, ist unbekannt.Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. Mainz 1999, S. 48–50 u. 176.

Gesonderte Beachtung findet auch der Kartuschenname Nr. 16 in der Königsliste von Abydos des Pharaos Sethos I. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die dortige Namensversion ursprünglich nicht mit „Djeser“ eingeleitet worden war, sondern mit einem anderen Wort. Dieses wurde jedoch später wieder ausgemeißelt. Es ist unsicher, wie dieses Wort gelautet hat und warum es wieder entfernt wurde und es gibt zahlreiche Interpretationen dazu.

Herkunft und Familie Djosers Mutter war mit einiger Wahrscheinlichkeit Königin Nimaathapi, die Gemahlin von Chasechemui, dem mutmaßlich letzten Herrscher der 2. Dynastie. Es kann daher mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass Chasechemui auch Djosers Vater war. Die einzige bekannte Ehefrau Djosers war Hetephernebti. Als einziges Kind Djosers ist eine Tochter namens Inetkaes überliefert. Ob sie auch die Tochter der Hetephernebti war oder aus einer anderen Ehe stammte, lässt sich aus dem vorhandenen Quellenmaterial nicht sicher bestimmen.

Ein mögliches weiteres Familienmitglied des Djoser ist auf einem Relieffragment aus Heliopolis, das sich heute im Museo Egizio in Turin (Inventar-Nr. 2671/211) befindet, abgebildet. Das Fragment zeigt den thronenden König, vor ihm, wesentlich kleiner dargestellt, stehen seine Tochter Inetkaes und seine Gemahlin Hetephernebti. Eine weitere Person umfasst von hinten den Fuß des Königs. Um wen es sich hierbei handelt, ist nicht sicher, da die Beischrift schlecht erhalten ist. Ann Macy Roth liest den Namen Nianch-Hathor und hält die dargestellte Person für eine weitere Tochter.Ann Macy Roth: Social Change in the Fourth Dynasty. The Spatial Organization of Pyramids, Tombs, and Cemeteries. In: Journal of the American Research Center in Egypt. Band 30, 1993, S. 54. Diese Lesung ist allerdings hochgradig unsicher und hat sich in der ägyptologischen Forschung bisher nicht durchgesetzt.

Möglicherweise sind von einer der weiblichen Verwandten Djosers auch die sterblichen Überreste erhalten geblieben. James Edward Quibell fand Anfang des 20. Jahrhunderts in der Pyramidenanlage des Djoser mehrere Knochen einer jungen Frau, die er für eine Prinzessin hielt. 1989 wurde eine Datierung der Knochen mittels Radiokohlenstoffdatierung vorgenommen. Die Ergebnisse waren zwar recht ungenau, schlossen aber eine Datierung der etwa 16 bis 17 Jahre alten Frau in die Zeit Djosers nicht aus.Renate Germer: Überreste von Königsmumien aus den Pyramiden des Alten Reiches – Gibt es sie wirklich? In: Sokar. Nr. 7, 2003, S. 37.

Herrschaft mini|hochkant=0.7|Djoser beim Hebsed-Lauf (Relief aus den unterirdischen Grabgalerien)Gay Robins: The Art of Ancient Egypt. British Museum Press for the Trustees of the British Museum, London 1997, ISBN 0-7141-0988-6, S. 43, Abbildung 39.

Thronfolge Auf dem Palermostein, ein Bruchstück des berühmten Annalenstein der 5. Dynastie ist Djosers Regierungsübernahme vom 26. Achet III in der ägyptischen Jahreszeit „Überschwemmung“ des ägyptischen Kalenders belegt.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Jahrgang 1950. Band 10). Steiner, Wiesbaden 1950, S. 54. Es ist jedoch unbekannt, wer tatsächlich die Vorgänger und Nachfolger von Djoser waren. Zwar wird heute allgemein König Chasechemui als Vorgänger präsentiert, doch nicht alle Ägyptologen und Archäologen sind überzeugt. Die chronologische Angabe Chasechemui → Netjerichet (Djoser) geht auf Tonsiegel zurück, die gemäß Peter Kaplony aus dem Grab des Chasechemui stammen. Auf ihnen ist ein Horusname eingedrückt, der mit dem Gardiner-Zeichen R8 (eine wehende Fahne) eingeleitet wird. Dieses wird als „Netjer“ gelesen, womit Kaplony eine Lesung als „Netjerichet“ als sicher wähnt. Wolfgang Helck hält jedoch dagegen, dass makabererweise sämtliche Tonsiegelabdrücke so zerrieben sind, dass nur das Netjer-Zeichen erhalten geblieben ist. Nun gibt es aber noch König Ninetjer aus der 2. Dynastie, dessen Horusname mit demselben Symbol eingeleitet wird. Helck nimmt daher an, dass die Tonsiegel genauso gut aus dem Grab des Ninetjer stammen können (auch Siegel der Könige Peribsen und Sechemib fanden sich in Chasechemuis Grab).Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1984, S. 107.

Als Nächstes führen Ägyptologen an, dass fast alle ramessidischen Königslisten einen gewissen König Nebka vor Djoser setzen, so der Königspapyrus Turin und die Königsliste von Abydos. Die Königsliste von Sakkara nennt zwar einen König „Nebkare“, was mit einiger Sicherheit eine Verballhornung von „Nebka“ ist, präsentiert diesen aber als direkten Vorgänger von König Snofru (mutmaßlicher Begründer der 4. Dynastie). Die Identität von König Nebka ist zuhöchst unsicher, denn „Nebka“ tritt nur als Kartuschenname auf und ist zeitgenössisch nicht vor König Huni (Ende der 3. Dynastie) belegt. Er lässt sich mit keinem Horusnamen der 2., 3. oder gar 4. Dynastie sicher verbinden.Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1984, S. 108.

Auch die Nachfolgerschaft von Djoser ist Gegenstand anhaltender Diskussionen. Im Allgemeinen wird König Sechemchet als Nachfolger angenommen. Hierfür sprechen drei zeitgenössische Fundlagen: Zum einen ließ Sechemchet seine Grabanlage in unmittelbarer Nähe zum Djoser-Komplex errichten und die Grabarchitektur der unterirdischen Galerien ist direkt mit der unter der Djoser-Pyramide vergleichbar. Die architektonische Entwicklung unter Sechemchet schließt also zeitlich direkt an die des Vorgängers an. Zum anderen weisen Felsenreliefs im Sinai frappierende stilistische Ähnlichkeiten auf, zumal Sechemchet mit exakt denselben Insignien und Kleidungsstücken wie Djoser dargestellt wird. Hinzu kommen Arbeiter-Graffiti im Sechemchet-Komplex, die als Leiter der Bauarbeiten Imhotep nennen. Dieser war auch für die Errichtung und Beaufsichtigung des Djoser-Komplexes verantwortlich gewesen. Zu guter Letzt ist Sechemchets Horusname jenem von Djoser nachgebildet (beide enden jeweils mit der Silbe „...chet“).Jean-Claude Goyon, Christine Cardin (Hrsg.): Proceedings of the Ninth International Congress of Egyptologists. Leuven 2007, S. 964.

Gegen die Thronfolge Djoser → Sechemchet sprechen Tonsiegel des Sanacht, die im Totentempel und nahe der West-Galerien des Djoser-Komplexes gefunden wurden. Von Sechemchet wurden dort keine Siegel gefunden. Dies mute gemäß Nabil Swelim, Jochem Kahl und Ursula Zimmermann seltsam an, denn gerade von Sechemchet als direkter Nachfolger hätte man Tonsiegel erwarten können.Jochem Kahl, Nicole Kloth, Ursula Zimmermann: Die Inschriften der 3. Dynastie. Wiesbaden 1995, S. 3–4, 129–131 & 139–143.