mini|Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr. mini|Die illyrischen Provinzen um 400 n. Chr. mini|Spätrömischer Offiziershelm vom Typ Berkasovo II, 4. Jahrhundert miniatur|Solidus des Flavius Constantius von 421. Am Revers wird der Kaiser als Heerführer dargestellt Ein Comes Illyrici (mitunter auch Comes per Illyricum; wörtlich: „Graf von Illyricum“) wurde im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. im Krisenfall als Befehlshaber der spätrömischen mobilen Eingreiftruppen (Comitatenses) an der oberen und mittleren Donau eingesetzt.

Namentlich bekannte Comites:

Varronianus (4. Jahrhundert, der Vater des späteren Kaisers Jovian) Aegidius (um 364 n. Chr.) Vitalianus (Winter 380/381 n. Chr.)Allerdings wird dieser General, der sowohl bei Ammianus Marcellinus (25,10,9) als auch bei Zosimos erwähnt wird (4,34,1), von manchen Forschern auch als magister militum eingeordnet. So Wilhelm Enßlin: Die magistri militum des 4. Jahrhunderts. In: Klio. Band 24, 1931, S. 102–147, hier S. 133; Für comes Neutral zu dieser Frage Romulus (um 488 n. Chr.)

Definition und Funktion Der römische Amts- und Ehrentitel comes bezeichnete in der Spätantike in der Regel die höchste Rangklasse des Adels (vir spectabilis) bzw. Mitglieder des Kronrats am kaiserlichen Hof. Beim Militär wurde dieser Titel in der Regel an die Kommandeure der mobilen Feldarmeen in den Provinzen oder an hohe Offiziere für zeitlich begrenzte Sonderkommandos verliehen.

Als ständige Einrichtung hat das Amt des illyrischen Comes wahrscheinlich nie existiert. In der Notitia Dignitatum Occidentum findet er sich auch nicht in der Auflistung der übrigen comites der westlichen Armee, sondern scheint nur unter dem Magister peditum auf. Theodor Mommsen vertrat die Ansicht, dass er von diesem nur bei Bedarf ernannt wurde, z. B. als Spezialkommando für besondere Aufgaben oder in extremen Krisenzeiten. Der Magister peditum konnte zwar diesen Titel nicht vergeben, sehr wohl aber einen Offizier mit den Befugnissen eines Comes vorübergehend einsetzen.

Kommandobereich Sein Verantwortungsbereich (comitativa) erstreckte sich im Wesentlichen auf die Provinzen des sog. „Illyricum occidentale“:

Raetia I und II, Ufer- und Binnennoricum, Pannoniae I und II, Valeria ripensis, Savia, Dalmatia und Dacia.

Entwicklung Decius wurde im Jahre 249 von Kaiser Philippus Arabs (244–249) als Dux des Illyrischen Heeres (pannonische und mösische Truppen) gegen die Goten auf der Balkanhalbinsel in Marsch gesetzt, wo er sich im Sommer desselben Jahres zum Kaiser proklamieren ließ. Nach der Ermordung des Constans (337–350) ließ Constantius II. (337–361) eine Feldarmee für Illyricum aufstellen. Ihre weitere Entwicklung lässt sich nur anhand von Vergleichen mit den Truppenlisten der östlichen Notitia (entstanden vor 395 n. Chr.) und der weströmischen Auflistung in der distributio numerorum (entstanden um 420 n. Chr.) verfolgen. Ammian schreibt, dass im Jahr 364 n. Chr. ein Comes Aegidius das illyrische Aufgebot anführte. Ein Mann, dessen Rang oder Dienstalter nicht ausreichend erschien, um ihm die Würde eines Magister militum per Illyricum zu gewähren, also erfüllte er seine Aufgaben mit dem etwas niedrigeren Titel eines Comes. Später wurde er in den Rang eines magister armorum per Illyricum erhoben.Anm.: 29, 6, 3. Equitius Illyriciano praeponitur exercitui nondum magister sed comes.

Nach einem Bericht des Zosimos fungierte um 409 n. Chr. Generidus als Oberbefehlshaber der Donauarmee, wobei umstritten ist, ob er nur den Titel eines comes Illyrici oder den eines eigens dafür eingesetzten magister militum trug. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckte sich auf Oberpannonien, Noricum und Raetia sowie Dalmatia.Zosimos 5,46,2. Als comes Illyrici deutet ihn u. a. Alexander Demandt argumentiert aber ausführlich dafür, dass Generidus eine Art Sonderkommando als Heermeister innehatte, siehe

Für eine temporäre Einrichtung dieses Amtes spricht auch, dass der Comes Illyrici nicht im Index der anderen Comites limitium in der Notitia Dignitatum aufscheint und es in ihr – wie dort üblich – keine Abbildungen von Städten oder Kastellen gibt, die er kontrollierte. Außerdem scheint er auch über keinen eigenen Verwaltungsstab verfügt zu haben. Es sind keine Hinweise vorhanden, dass ein Comes über einen längeren Zeitraum die Feldarmee in Illyricum befehligte. Die Forschung glaubt, dass dies ein Indiz dafür sein könnte, dass sie erst später, um 420, unter Constantius III. (421) aufgestellt worden ist (Illyricum war im Übrigen noch bis 399 Teil des östlichen Imperiums und in dieser Zeit u. a. auch von den gotischen Föderaten des Alarich besetzt).

Die Aufstellung der illyrischen Feldarmee war wohl die Reaktion auf den endgültigen Zusammenbruch der Grenzsicherung am oberen und mittleren Donaulimes. Constantius III. musste um 420 n. Chr. alle noch verfügbaren Truppen zusammenziehen, um so die schweren Verluste des weströmischen Heeres auszugleichen, die es in den Kämpfen nach den Einfällen von 406 erlitten hatte. Da aus Geldmangel keine neuen Soldaten angeworben werden konnten, zog man die meisten dafür benötigten Einheiten aus den Limitanei heraus und beförderte sie kurzerhand zu Comitatenses. In den Reihen der neuen Feldarmee befanden sich u. a. zwei Einheiten Lanzenwerfer, die zuvor in Lauriacum und Comagena stationiert waren. Trotz der späteren Abtretung der pannonischen Provinzen an Attila durch Aetius hat das Amt des Comes Illyrici wohl auch noch in der Mitte des 5. Jahrhunderts bestanden. Beim antiken Chronisten Priscos wird ein Mann namens Romulus aus Poetovio genannt, der als Mitglied einer Delegation hochrangiger Würdenträger 448 n. Chr., im Auftrag des Aetius, zu Verhandlungen an den Hof des Hunnenkönigs entsandt wird. Da Priscus auch erwähnt, dass Gesandtschaften überwiegend von den Heerführern der an das Hunnenreich angrenzenden Regionen standen, begleitet wurden, ist es möglich, dass Romulus das Amt des illyrischen Comes bekleidet hat.Peter Heather: Der Untergang des Weströmischen Reiches. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2011, ISBN 978-3-499-62665-4, S. 472.

Unter Theodosius I. (379–395) entsprach die Organisation der Armee nicht mehr dem althergebrachten System des Diokletian (284–305). Die meisten Heermeisterämter sowie die einzelnen Abschnittskommandos der Palast- und der mobilen Feldarmeen verschwanden, so vielleicht auch das Amt des Comes Illyrici. Als Sicherungsmaßnahme für das von den Hunnen abgeschnittene Dalmatia richtete Aetius (neben einer vielleicht noch eine Zeit lang fortbestehenden comititiva illyrici) das Amt eines comes Dalmatiarum ein, das zuerst sein Vertrauter Marcellinus bekleidete. Einer seiner Nachfolger war später der gotischstämmige Truppenführer der Provinz Dalmatia, ein „comes primi ordinis“ im Rang eines vir illustris. Namentlich bekannt ist ein Mann namens Oswin dem unter Athanarich 526 n. Chr. u. a. die Truppen der Provinz Savia unterstanden. Der Comes Colosseus, ein Romane, leitete in der Pannonia Sirmienses in Personalunion die Militär- und Zivilverwaltung dieser Provinz.

Truppen Insgesamt 22 Einheiten werden in der Notitia Dignitatum unter dem Kommando des Comes Illyrici aufgelistet, die wiederum unter dem Oberkommando des Magister Peditum standen. Sehr wahrscheinlich sind einige der Schildmuster beim Abschreiben aber nicht mehr ihrer richtigen Einheit zugeordnet worden. Wie auch bei einigen anderen westlichen Auxilia-Palatina-Einheiten geschehen, könnten sie von den Kopisten im Mittelalter (nebst Beschriftung) von ihrem ursprünglichen Platz verschoben worden sein. Als Zeitschiene für die Zusammenstellung der Armee des Comes Illyricum scheint am besten das Todesjahr Stilichos, 408, zu passen. Bemerkenswert bei der Notitia ist in diesem Zusammenhang, dass für keine der dort gelisteten Auxilia-Einheiten ein Comitatenses-Status bezeugt ist; sie gehören alle entweder zu den Pseudocomitatensis oder sind Palatinaeinheiten.

Distributio Numerorum Laut der ND Occ. standen dem Comes möglicherweise folgende Einheiten zur Verfügung:sub dispositione

Gardeeinheiten (Infanterie)