Windisch (schweizerdeutsch: ) ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Brugg und liegt unmittelbar südlich des Bezirkshauptorts Brugg, zwischen der Aare im Norden und der Reuss im Osten (und somit im Bereich des Wasserschlosses der Schweiz). Windisch ist bekannt als Standort des römischen Legionslagers Vindonissa, des Klosters Königsfelden und der Fachhochschule Nordwestschweiz.
Geographie Die Gemeinde liegt zwischen der Aare im Norden und der Reuss im Osten. Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 491 Hektaren, davon sind 122 Hektaren bewaldet und 233 Hektaren überbaut. Die Siedlungslandschaft von Windisch besteht aus mehreren Ortsteilen, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einer Ortschaft und bis zum Ende des 20. Jahrhunderts mit den Nachbarorten Brugg und Hausen zu einer geschlossenen städtischen Siedlung zusammengewachsen sind.
Auf dem schmalen Hügelsporn über einer Flussschlaufe der Reuss, rund zwei Kilometer vor deren Mündung in die Aare, befindet sich der Kirchweiler mit der alten Pfarrkirche. Auf der Halbinsel östlich davon liegt rund vierzig Meter tiefer der haufenförmige Dorfteil Unterwindisch an der alten Fährstelle über die Reuss. Mit einem rund 1600 Meter langen Fabrikkanal links der Reuss wurde um 1830 die Wasserkraft für die grosse Spinnerei Kunz verfügbar gemacht, aus deren Fabrikkraftwerk später das Kraftwerk Windisch hervorging.
Von Südosten fliesst die Reuss von Mellingen her in einer rund 30 Meter tiefen Schlucht durch das Schottergebiet des Birrfelds, Die westliche Flanke der Schlucht liegt etwa auf zwei Kilometern, von der Chrüzhalde bis zum Gebiet Dägerli, im Gebiet von Windisch. Auch die Insel Meierislischache im Fluss und Abschnitte des natürlichen Auenwalds gehören zum Gemeindegebiet. An der Chrüzhalde ist eine Felswand des vom ehemaligen Reussgletscher und vom Fluss erodierten Kalkgebirges freigelegt. Beim Fahrgut fliesst die Reuss in die schmale Ebene bei der Strassenbrücke der Hauptstrasse 3 und danach in einer Flussschlaufe von fast 180 Grad zum grossen Wehr des Kraftwerks, wo ein 1916 aus armiertem Beton gebauter Fussgängersteg den Fluss überquert. Nach etwas mehr als zwei Kilometern überspannt die Reussbrücke der Strecke Baden-Brugg den Fluss, der unmittelbar danach in die Aare mündet. Direkt am Reussspitz steht ein Bunker der im Zweiten Weltkrieg errichteten Abwehrstellung «Limmatlinie».
Westlich der Pfarrkirche erstreckt sich auf einer eiszeitlich entstandenen Hochterrasse die Ebene mit dem Oberdorf, dem Ortsteil Oberburg und der Klosteranlage Königsfelden. Der Süssbach durchquert vom Birrfeld her kommend das Tal bei Hausen und danach die Windischer Weiermatt und verlässt das Gemeindegebiet von Windisch im Stollen unter dem Gleisfeld des Bahnhofs; in Brugg mündet er in die Aare.
In der Aare liegt die Insel Geissenschachen, die von der Schweizer Armee als Kasernengelände genutzt wird.Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo.
Grössere Waldgebiete befinden sich im Südosten und im Nordosten der Gemeinde. Im Süden erstreckt sich das Gebiet von Windisch bei der Siedlung Lindhof bis auf die teilweise bewaldeten Hügel westlich der Reuss. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Hölzli auf 468 Metern, der tiefste liegt am Zusammenfluss von Aare und Reuss auf 328 Metern.
Die Nachbargemeinden von Windisch sind Brugg im Westen und Norden, Gebenstorf und Birmenstorf im Osten, Mülligen im Südosten sowie Hausen im Süden.
Geschichte
Ortsname Der Ortsname findet sich erstmals 104/109 als Vindonissa in Tacitus’ Geschichtswerk Historiae belegt. Die eingedeutschte Form lässt sich als Vindisso und Windesch erstmals in einer Quelle von 1101/1150 (Kopie aus dem 14. Jahrhundert) fassen; von 1248 datiert die Nennung de Windischo (-o ist die von der Präposition de «von» abhängige lateinische Ablativendung), im Habsburger Urbar von 1303/1308 die Form ze Windische (mit der deutschen Dativendung). Der Name ist entweder zum keltischen Personennamen Vindos oder zum keltischen Gattungswort *uindo- «weiss» gebildet, beides ergänzt um das Suffix -is(s)a, und bedeutet damit entweder «Ort des Vindos» oder aber «Weissbach». Da der männliche Personenname gut bezeugt ist, tendiert die Namenforschung zu ersterer Erklärung.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 970 f.
Keltische und römische Zeit mini|Das römische Amphitheater Vindonissa In der Keltenzeit bestand auf dem Geländevorsprung zwischen Aare und Reuss ein Oppidum der Helvetier, von dem 2003 neben dem alten Dorfschulhaus eine Befestigungsanlage mit Graben, Erdwall und baumstarken Holzpfosten entdeckt wurde. Um 15 v. Chr. entstand auf der Ebene westlich davon eine kleine römische Militärstation, die dreissig Jahre später zum Legionslager Vindonissa ausgebaut wurde. Das Lager, von dem einige wiederhergestellte Ruinen heute besichtigt werden können, war von 14 n. Chr. bis 101 n. Chr. das Hauptquartier dreier verschiedener Legionen, der Legio XIII Gemina, der Legio XXI Rapax und der Legio XI Claudia. Während einer längeren Zeit ohne die Anwesenheit römischer Truppen entwickelte sich Vindonissa zu einer zivilen Dorfsiedlung. Im späten 3. Jahrhundert entstand wieder ein Kastell, das die Römer 401 endgültig aufgaben. Eine der beiden für das Legionslager errichteten, grösstenteils unterirdischen Wasserleitungen ist die einzige noch funktionierende und wasserführende römische Leitung im Gebiet der Schweiz.Franz B. Maier-Osterwalder: Die wasserführende römische Wasserleitung von Hausen nach Vindonissa. In: Archäologie der Schweiz, Jg. 17, 1994, Nr. 4, S. 140–152 (Online). Die reichen Bodenfunde der Ausgrabungen in der römischen Siedlung liegen mehrheitlich im Vindonissa-Museum in Brugg.
Um 293 schlug der römische Militärführer Constantius Chlorus bei Vindonissa ein alemannisches Heer.
Mittelalter mini|Frühmittelalterliche Inschrift an der Pfarrkirche Windisch mit den Namen der Bischöfe Ursinus und Dietibaldes sowie des Baumeisters LinculfusEmil Egli: Die christlichen Inschriften der Schweiz vom 4.–9. Jahrhundert. Zürich 1895, S. 53. mini|Kloster Königsfelden im Jahr 1669 mini|Historisches Luftbild von Werner Friedli von 1939 mini|Hauptgebäude der Psychiatrischen Klinik Königsfelden Für das 6. Jahrhundert sind ein Bischofssitz in Vindonissa und eine Münzprägestätte belegt. Der Bischofssitz bestand seit spätestens dem Jahre 517 und wurde ausweislich einer Bauinschrift in Vindonissa im Jahre 590 nach Konstanz verlegt. Namentlich belegt sind die Bischöfe Bubulcus (517–534), Cromatius (534–552) und Ursinus (um 590). Die dörflichen Siedlungen, die in den Ruinen des Römerlagers entstanden, gehörten schon vor dem Jahr 1000 zum Eigenamt, dem ältesten Besitz der Habsburger im Aargau, deren Stammsitz ca. zwei Kilometer südwestlich von Windisch auf dem Wülpelsberg steht.
Am 1. Mai 1308 wurde König Albrecht I. unweit des Reussübergangs von seinem Neffen Herzog Johann von Schwaben ermordet. Zum Gedenken an den Herrscher stiftete die Königswitwe Elisabeth von Görz-Tirol ein Kloster im Bereich des ehemaligen Kastells, das sie Königsfelden nannte. Das Doppelkloster mit Klarissen und Franziskanern erlebte unter Elisabeths Tochter Agnes von Ungarn, der Witwe des ungarischen Königs Andreas III., seine Blütezeit. 1397 schenkten die Habsburger dem Kloster das Eigenamt mit sämtlichen dazugehörenden Herrschaftsrechten.Marcel Beck: Königsfelden. Geschichte, Bauten, Glasgemälde, Kunstschätze. Olten 1970. Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 übernahm die Stadt Bern die Herrschaft; das Eigenamt war nun Teil der Untertanengebiete im Berner Aargau.
Neuzeit 1528 führten die Berner die Reformation ein und lösten das Kloster Königsfelden auf. Sie wandelten das Eigenamt in die Landvogtei Königsfelden um und übernahmen sämtliche Rechtstitel in der Region; ein Hofmeister leitete die Verwaltung der ehemaligen Klostergüter. 60 Prozent der Bevölkerung fielen 1667 einer Pestepidemie zum Opfer. 1794 wurde an der Reuss die Untere Gipsmühle errichtet.
Beim Franzoseneinfall im März 1798 entmachteten die Franzosen die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus, die 1803 aufgelöst wurde. Seither gehört Windisch zum Kanton Aargau. 1799 bauten die französischen Truppen eine Brücke über die Reuss, welche die Fähre an der Landstrasse Zürich–Basel ersetzte. 1804 übernahm der Kanton Aargau das ehemalige Kloster Königsfelden. Seit 1868 dient der westlich des Klosters neu gebaute Gebäudekomplex als Psychiatrische Klinik. Der erste Direktor der Klinik war ab 1871 Edmund Schaufelbühl.
1828 errichtete der «Spinnerkönig» Heinrich Kunz in Unterwindisch die grosse Baumwollspinnerei Kunz mit einer ausgedehnten Stauanlage in der Reuss, deren Wasserkraft er dank einer Wasserrechtskonzession des Kantons Aargau ausnutzen konnte. Damit begann in Windisch das industrielle Zeitalter. Am 15. Mai 1858 wurde die Eisenbahnlinie von Baden bis nach Windisch und Brugg weitergeführt. Östlich von Windisch führt sie über die Reussbrücke. Obwohl der Bahnhof auf Windischer Gebiet lag, erhielt er den Namen Bahnhof Brugg. Trotz des früh erfolgten Anschlusses an das Eisenbahnnetz ging es der Gemeinde finanziell schlecht. 1863 verkaufte sie deshalb ein 45 Hektar grosses Gebiet an Brugg. Heute stehen dort der Bahnhof, ein Einkaufszentrum und mehrere Industriebetriebe.
Windisch konnte diesen Bedeutungsverlust durch den Bau der Höheren Technischen Lehranstalt (aus der später die Fachhochschule Nordwestschweiz hervorging) wieder wettmachen. Mit fortschreitender Industrialisierung und Zuwanderung entstanden Wohnsiedlungen auf den freien Flächen zwischen den einzelnen Ortsteilen. 1986 wurde das 2000-jährige Bestehen von Vindonissa/Windisch gefeiert. Zwischen 1980 und 2000 nahm die Einwohnerzahl um über 12 % ab, hat sich seither jedoch wieder stabilisiert. Weil die Siedlungsgebiete von Brugg und Windisch vollständig zusammengewachsen sind und weil die beiden Gemeinden wegen des umfangreichen Projekts «Vision Mitte» (Erweiterung der Fachhochschule) ohnehin enger zusammenarbeiten müssen, wurde der Ruf nach einer Gemeindefusion laut. Beide Gemeindeparlamente stimmten im Mai 2006 deutlich einer Volksinitiative zu, welche die Aufnahme von diesbezüglichen Verhandlungen verlangte. Doch gegen diesen Entscheid kam in Brugg ein Referendum zustande.Fusions-Referendum steht, Aargauer Zeitung, 14. Juni 2006 Die Volksabstimmung fand am 24. September 2006 statt, die Initiative wurde mit einer Mehrheit von 63 % deutlich abgelehnt.Fusion mit Windisch bachab geschickt, Aargauer Zeitung, 25. September 2006.
Sehenswürdigkeiten
mini|Klosterkirche Königsfelden mini|Reformierte Pfarrkirche Ruinenteile des Legionslagers Vindonissa, das Windischer Amphitheater westlich davon und zwei Wasserleitungen aus dem 1. Jahrhundert (deren eine teilweise heute noch benutzt wird) sind erhalten geblieben. Aus der Römerzeit sind Spuren verschiedener Heiligtümer, eines Hafens, von vier Friedhöfen, einer Mansio und eines grossen Abfallhügels bekannt. Immer wieder stossen Bauarbeiter im Dorf auf römische Funde. Das Vindonissa-Museum in Brugg zeigt viele Objekte aus den zahlreichen Ausgrabungen von Windisch. Der Legionärspfad Vindonissa vermittelt den Alltag in einem römischen Legionärslager.
Das bedeutendste mittelalterliche Bauwerk ist das Kloster Königsfelden, dessen Bau 1308 auf Initiative der Habsburger erfolgte. Trotz der Aufhebung des Klosters in der Reformation und umfangreichen Abbrucharbeiten im 19. Jahrhundert sind die restlichen Bauwerke, der Klosterpark und vor allem die Klosterkirche mit den kunsthistorisch wertvollen Glasgemälden aus dem 14. Jahrhundert noch heute sehenswert.Marcel Beck: Königsfelden. Geschichte, Bauten, Glasgemälde, Kunstschätze. Olten 1970.