Prešov (, 1938 bis 1945 auch eingedeutscht Preschau, danach selten; ; ; für Prjaschiw; oder ) ist die zweitgrößte Stadt der Ostslowakei (drittgrößte Stadt in der gesamten Slowakei) und das Zentrum der traditionellen Landschaft Šariš. Die Einwohnerzahl beträgt zum .

Prešov ist Hauptstadt eines Landschaftsverbands (Prešovský kraj) und eines Kreises (Okres, siehe dazu auch Verwaltungsgliederung der Slowakei). Außerdem ist sie Sitz der Universität Prešov und seit dem 30. Januar 2008 Sitz der Metropolie der Griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei, die damit zur Kirche eigenen Rechts wurde.

Geographie Lage Die Stadt befindet sich an den nordöstlichen Ausläufern des Šarišská vrchovina (Scharoscher Bergland), dem nördlichen Rand des Košická kotlina (Kaschauer Talbecken) und dem Zusammenfluss von Torysa und Sekčov, die die Stadt jeweils von Westen und Osten umschließen. Quer durch die Stadt verläuft der 49. Breitengrad. Das Stadtzentrum liegt auf einer Höhe von und liegt 37 Kilometer von Košice sowie etwa 410 Kilometer von der Hauptstadt Bratislava (jeweils Straßendistanz) entfernt.

Stadtgliederung Die Stadt besteht aus sieben Stadtbezirken mit je mehreren Teilen: 1: Sídlisko III, Rúrky 2: Sídlisko II, Kalvária, pod Kamennou baňou, pod Wilec hôrkou, Borkút, Vydumanec, Kyslá Voda, Cemjata 3: sever mesta (Nordstadt), Mier, Šidlovec, Dúbrava, Surdok, Kúty, Nižná Šebastová 4: stred mesta (Stadtmitte) – Staré mesto (Altstadt), Táborisko, Sídlisko Duklianskych hrdinov 5: Solivar (deutsch Salzburg), Soľná Baňa, Šváby, Delňa, mit Šimonov 6: Südliches Sekčov, Abschnitte 1 bis 4 7: Nördliches Sekčov, Abschnitte 5 bis 7, Šalgovík

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Veľký Šariš und Fintice im Norden, Kapušany im Nordosten, Vyšná Šebastová, Ľubotice, Teriakovce und Ruská Nová Ves im Osten, Kokošovce und Dulova Ves im Südosten, Záborské, Petrovany, Haniska und Kendice im Süden, Radatice und Bzenov im Südwesten und Župčany und Malý Šariš im Westen.

Geschichte mini|Der Hauptplatz von Prešov im Novembernebel mini|Historische Häuser und St.-Nikolaus-Kirche mini|Straßenansicht in Prešov (Juni 2017) mini|Monument, das den 49. Breitengrad markiert Seit Urzeiten ist das Tal des Torysa-Flusses als Teil der wichtigen Handelsroute zwischen Byzanz, Belgrad, Košice und Warschau bekannt. In der Prešover Region teilte sich diese Route in östliche Richtung entlang der Topľa, nach Norden Richtung Bardejov, nach Westen in die Zips und in nordwestliche Richtung nach Sabinov und Plaveč.

Frühzeit Prešov ist ein alter Siedlungsplatz (Altsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, keltische Siedlung, germanische Siedlung, Siedlungen aus der Zeit der Völkerwanderung).

Mittelalter Die Nordostslowakei zählt im Mittelalter zu jenen Gebieten der Slowakei, die am Ende der Völkerwanderungszeit als erste von Slawen besiedelt wurden. Seit Ende des 5. Jahrhunderts ist in der Region um Prešov eine slawische Besiedlung mit Keramik des Prager Typs nachweisbar, nach neueren Forschungen ist in dieser Region sogar eine slawische Besiedlung im 3. und 4. Jahrhundert wahrscheinlich. Seit dem Ende des 8. bis zum 12. Jahrhundert gab es hier mehrere nachweisbar kontinuierlich besiedelte slawische Siedlungen; einige Reste davon kann man heute noch in der Slovenská ulica sehen, die diesen Namen schon im Mittelalter trug (Platea Sclavorum, Sclauorum). Diese Siedlung war auch Bestandteil des Neutraer Fürstentums und dann (von 833 bis etwa 907) von Großmähren.

Im Zuge der schrittweisen Übernahme der heutigen Slowakei durch die Ungarn wurde die Region um 1100 in das Königreich Ungarn eingegliedert und es kamen Ungarn und ihre militärische Präsenz in die alte slawische Siedlung. Im Laufe des 12. Jahrhunderts gründeten die Ungarn zwei weitere Siedlungen neben der bereits bestehenden slowakischen Marktsiedlung – die eine südwestlich der slowakischen Siedlung, die andere war die St. Ladislaus-Siedlung (so benannt nach einer Kirche) am Fuße des Villec hurka Berges.

Die ersten deutschen Kolonisten (Zipser Sachsen) siedelten sich südlich der slowakischen Marktsiedlung an. Sie kamen gleich nach den Verwüstungen durch die Mongoleneinfälle von 1241/1242 auf Einladung des Königs Béla IV., um die entvölkerten Landstriche wieder zu beleben. Sie erhielten wahrscheinlich bereits zu diesem Zeitpunkt die Stadtrechte, die dann 1299 bestätigt wurden. Die deutsche Siedlung breitete sich langsam in westlicher Richtung entlang der slowakischen Siedlung aus und im 14. Jahrhundert entstand zwischen den beiden Siedlungen ein Marktplatz – der heute als Hlavná ulica bezeichnete lange Zentralplatz der Stadt. Bereits im 14. Jahrhundert entstand auf diesem Platz die St. Nikolaus-Kirche, die Zentralkirche der Stadt.

Seit dem 13. Jahrhundert wurde Prešov von drei verschiedenen Nationalitäten, den Slowaken, Ungarn und Deutschen bewohnt, welche im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich starken Einfluss auf die Geschicke der Stadt hatten und zu ihrem Reichtum beitrugen.

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über Prešov sind auf das Jahr 1247 datiert. In einem Dokument der Zisterzienser von Bardejov beschweren sich diese über die Zerstörung ihrer Grenzmarkierungen und den Raub von Teilen ihres Eigentums durch Deutsche (Teutonen). Prešov wird als Epuries bezeichnet und diente damals der Verteidigung der nördlichen Grenze des ungarischen Königreiches.

Salz wurde in diesem Gebiet seit Menschengedenken abgebaut: 1261 wurde Solivar („Salzburg“), seit 1973 Stadtteil von Prešov, als „Souuvar“ zum ersten Mal erwähnt. In diesem alten Siedlungsplatz (Altsteinzeit, Wandalen) soll es aber bereits vorher zwei Burgen gegeben haben. Die eine noch übrig gebliebene Burg wurde 1715 vollständig zerstört.

Vor der Erteilung der Stadtrechte war Prešov der Burg Šariš/Scharosch, d. h. dem Leiter des Šariš-Komitats (das wohl vor 1241 Bestandteil des Komitats „Novum Castrum“ war) unterstellt. König Andreas III. verlieh/bestätigte Prešov 1299 das Stadtrecht (ebenso Veľký Šariš und Sabinov). Damit verbunden waren nun auch die Rechte auf eine eigene Stadtverwaltung, einen Bürgermeister und einen Stadtrat. Die Stadt erlangte auch wirtschaftliche Unabhängigkeit, da die Einwohner nun freie Bürger mit Land- und Grundstücksbesitz waren. Somit konnten sie sich auf Handwerk und Handel konzentrieren; vor allem die deutschen Einwohner nutzen diese Rechte ausgiebig.

Im Jahre 1374 wurde die Stadt vom König zu einer königlichen Freistadt erhoben und erhielt somit auch das Recht auf eine Stadtmauer. Im selben Jahr wurde die erste Handwerkerzunft, die Schuhmachergilde, begründet. Regelmäßige Markttage zeugten von der intensiven Entwicklung des Handels in dieser Zeit; die Prešover Bürger handelten vor allem mit Textilien und landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wobei vor allem der Handel mit Wein ertragreich war.

1455 wurde Prešov durch König Ladislaus Postumus ein Stadtwappen zuerkannt. Die Prosperität der Stadt in jener Zeit zeigt sich sehr gut an der sich schnell vergrößernden Einwohnerzahl von 2000 im Jahr 1425 auf 3300 im Jahr 1492. 1441 wurde die Stadt von den Polen belagert und angezündet. 1480 wurde die Stadt Mitglied des ostslowakischen Städtebundes Pentapolitana (Levoča, Košice, Bardejov, Sabinov, Prešov).

16. Jahrhundert Die Reformation, die von Deutschland und der Schweiz ausging, fand auch bei den deutschen Einwohnern von Prešov und Umgebung großen Zuspruch. Infolgedessen entstand die erste evangelische Kirchengemeinde hier schon 1531. 1548 fand in Prešov die erste belegte Synode der Slowakei statt, auf der die Protestanten das Augsburger Bekenntnis annahmen. 1549 wurde nach dem Vorbild des Confessio Augustana von Leonhard Stöckel die Bekenntnisschrift (gemäßigte protestantische „Religion“) Confessio Pentapolitana verfasst, um Vorwürfen der Ketzerei zu begegnen. Adel und Aristokratie jedoch förderten ab den 1570er Jahren die Gegenreformation bzw. die Rekatholisierung, die in vielen anti-habsburgischen Aufständen auf dem Gebiet der heutigen Slowakei mündete (1604–1711), in denen Prešov meist auf der Seite der Aufständischen stand.

Mitte des Jahrhunderts siedelten sich auch „Zigeuner“ an. Sie siedelten im Gebiet des heutigen Námestie mieru („Friedensplatz“), wo sie das sogenannte neuägyptische Viertel begründeten. Zu dieser Zeit lag die Zahl der Einwohner bei etwa 4000. Die Bedeutung von Prešov als Handelszentrum überflügelte sogar angeblich die von Košice.

In Solivar/Salzburg wurde 1572 der Leopold-Schacht angelegt. 1573 wurde der Ort zur Bergbaustadt erhoben und 1592 wurde die Salzherstellung vom Staat übernommen.

17. Jahrhundert Im 17. Jahrhundert waren die meisten Einwohner von Prešov Protestanten. Die anhaltenden anti-habsburgischen Aufstände sowie die Präsenz der türkischen Besatzer an den Grenzen des Habsburgerreiches veranlassten die Habsburger, vorübergehend toleranter mit neuen Religionen im habsburgischen Königlichen Ungarn (d. h. in der Slowakei, im Burgenland und in Nordkroatien) umzugehen.

mini|Belagerung der Stadt Eperies während der Türkenkriege 1667 wurde in Prešov ein „evangelisches Kollegium“, das ein wichtiges Bildungszentrum für Oberungarn (so hieß damals die Ostslowakei) darstellte, eröffnet. Die hier tätigen Gelehrten waren wesentlich von den Lehren Johann Amos Comenius’ beeinflusst, welcher im Frühling 1650 in Prešov weilte. Zu der sich schnell vergrößernden wirtschaftlichen Macht der Stadt kam auch die politische Stärke hinzu. So wurde 1647 das Verwaltungszentrum des Komitat Scharosch, das oft seinen Sitz wechselte, in die Stadt verlegt. Im 17. Jahrhundert hatten die Adligen aus der Familie Rákóczi die Funktion des Komitatsvorsitzenden (Gespans) inne.

1671 ließ sich in der Stadt der Franziskaner-Orden nieder, zwei Jahre später auch der Jesuiten-Orden. Die Unterstützung seitens der Stadt für den anti-habsburgischen Aufstand unter Emmerich Thököly hatte 1687 schwerwiegende Konsequenzen. Aufgrund einer Entscheidung von Kaiser Leopold I. wurde in der Stadt das sogenannte Eperieser Blutgericht unter der Führung von Antonio Caraffa abgehalten, in dessen Verlauf (vom 5. März bis zum 12. September 1687) 24 prominente protestantische Bürger und Adlige zum Tode verurteilt und ihr Vermögen eingezogen wurde. Weitere Schäden verursachten die Pestepidemie von 1696, durch die die Hälfte der Stadtbevölkerung ums Leben kam, und der Aufstand von Franz Rákóczi II. (1703–1711).

18. Jahrhundert Das erste Viertel des 18. Jahrhunderts warf die Stadt dann noch weiter zurück. Zusätzlich zu den Belastungen durch die anti-habsburgischen Aufstände und anti-türkischen Kriege wurde die Bevölkerung 1710 wieder durch die Pest und die Stadt durch Feuersbrünste heimgesucht. Dadurch sank die Einwohnerzahl auf unter 2000. Das ehemalige evangelische Kollegium wurde 1711 von den Jesuiten übernommen. Es bedurfte einiger Jahrzehnte, bis sich die Stadt wieder von diesen Belastungen erholt hatte.

Handwerk und Handel lebten langsam wieder auf, hinzu kamen auch Manufakturen. In dieser Zeit kam es zu wichtigen Entdeckungen durch ansässige Gelehrte. Die meistbeachtete war die Herstellung einer Impfung gegen Pocken durch Jan Adam Rayman (Rajman).

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungsanzahl wieder an und erreichte 6000. Ein für die in der Stadt ansässigen Juden wichtiges Jahr war 1780, als sich hier der erste Jude, Markus Holländer, ansiedelte. Eine Feuersbrunst im Jahr 1788 hielt die Stadt abermals in ihrer Entwicklung auf.

Im Februar 1752 wurde die Salzmine in Solivar überflutet und riss alle Bergarbeiter mit in den Tod. Seit dieser Zeit wurde Salz nur noch durch Verdampfung von Salzwasser (Lake) gewonnen.

19. Jahrhundert