Der Speyerbach – früher auch, wie in Süddeutschland bei Gewässern häufig, in der weiblichen Form die Speyer oder auch Speierbach geschrieben – ist ein fast 60 km langer, insgesamt etwa ostwärts laufender, linker Nebenfluss des Oberrheins in der Region Pfalz des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Er ist als Gewässer II. Ordnung eingestuft. Von kommunaler Seite ist für seine Betreuung der Gewässer-Zweckverband Rehbach-Speyerbach zuständig, der 1985 gegründet wurde und seinen Sitz in Ludwigshafen am Rhein hat.
Der Speyerbach ist wie auch die Queich, die am Oberlauf Wieslauter genannte Lauter und der Schwarzbach die Entwässerungsachse eines der vier großen Flusssysteme des Pfälzerwalds. Den Mittelteil dieses Gebirges gliedern der Speyerbach-Oberlauf und seine Nebenbäche mit einem verzweigten Talsystem. Auf seinem nach Südosten gerichteten unteren Lauf in der Oberrheinischen Tiefebene ist der Speyerbach das stärkste Fließgewässer der Vorderpfalz, obwohl er bei drei bedeutenden Flussbifurkationen jeweils einen Teil seiner Wassermenge verliert; die einer vierten fließt wieder zurück.
Überblick Von der hydrologischen Quelle (Hauptstrang-Oberlauf Erlenbach) bis zur Mündung ist der Speyerbach 59,5 km lang, sein Einzugsgebiet umfasst knapp 596 km². Am Pegel in Neustadt an der Weinstraße, also beim Austritt aus dem Gebirge, führt er im Mittel rund 2,4 m³/s Wasser (MQ); der bisher gemessene Spitzenwert lag bei 19,5 m³/s am 25. Mai 1978.
In Neustadt zweigt in einer künstlich geschaffenen Bifurkation, dem Winzinger Wassergescheid, nach links der Rehbach ab. Dabei verbleiben dem Speyerbach nur zwei Drittel der vorherigen Wasserführung. Unterhalb des Neustadter Ortsteils Speyerdorf verliert er noch einmal Wasser an den nach links abzweigenden Ranschgraben, dessen obere Abschnitte die Namen Erbsengraben, Waldgraben und Bruchgraben tragen und dessen Wasser später dem Rehbach zugutekommt.
Am Hanhofer Wassergescheid wird nach links der Woogbach abgeleitet, das Wasserteilungsverhältnis wird dort meist mit 1:1 angegeben. Möglicherweise nimmt der Woogbach dem Speyerbach sogar mehr als die Hälfte der Wasserführung weg; er fließt allerdings knapp vor der Mündung des Speyerbachs wieder zurück. Durch den Rücklauf und kleinere Zuflüsse aus der landwirtschaftlichen Feldbewässerung wächst der mittlere Abfluss des Speyerbachs bis zur Mündung auf gut 3 m³/s an.
Im Allgemeinen folgen die westlichen Nebenflüsse des Rheins in der Rheinebene deren natürlichem Gefälle, indem sie nach Nordosten fließen. Hiervon abweichend verläuft der untere Speyerbach in südöstlicher Richtung am Südrand seines großen Schwemmfächers aus Sedimenten; möglicherweise schon seit der Römerzeit, mindestens aber seit der Epoche der Karolinger vor 1200 Jahren wird der Bach in einem von Menschenhand geschaffenen Bett, das später an einigen Stellen zusätzlich modifiziert wurde, nach Speyer geführt. Nachdem er sich, in seinem Speyerer Endabschnitt auch Gießhübelbach genannt, wieder mit dem Woogbach, der dort nach dem abgegangenen Kloster der Klarissen als Nonnenbach bezeichnet wird, vereinigt hat, mündet er etwa 800 m weiter abwärts in den Oberrhein.
Geographie Verlauf Quellbereich
Der Hauptquellfluss Erlenbach des Speyerbachs entspringt auf etwa Höhe im zentralen Pfälzerwald wenig östlich der Wasserscheide zwischen Oberrhein und Mosel. Dieser Husarenbrunnen genannte Ursprung liegt auf der Gemarkung der zu Wilgartswiesen gehörenden Exklave Hofstätten im Erlental nordwestlich des hohen Eschkopf-Massivs. Ähnliche Höhen haben auch die anderen Berge der Mittleren Frankenweide ringsum.
Im Unterschied zur Auffassung der heutigen Hydrologen verlegten Führungsmitglieder des Pfälzerwald-Vereins Anfang des 20. Jahrhunderts den Speyerbach-Ursprung an den Südrand von Speyerbrunn, heute ein Ortsteil der Gemeinde Elmstein. Eine dort auf Höhe zutage tretende schwache Hangquelle samt ihrem wenige Meter kurzen Bächlein erklärten sie zur Speyerbachquelle und deren Mündungsweiher, den sich in Höhe erstreckenden und 70 m langen Speyerbrunner Woog, der damals Flosswoog genannt wurde, zum Quellteich. Nebenan wurde der Ritterstein 254 aufgestellt und mit einer entsprechenden Inschrift versehen. Dieser nominelle Speyerbach fließt zwar an dessen unterem Ende in den Woog, doch gespeist wird dieser hauptsächlich durch den um ein Vielfaches stärkeren Erlenbach, der zuvor 5 km Lauf durch ein enges Tal in nördlicher, am Ende mehr nordöstlicher Richtung zurückgelegt hat.
Wenige Meter unterhalb des Woogs mündet von links der wesentlich schwächere Schwarzbach in den Erlenbach. Dieser Zusammenfluss auf einer Höhe von gilt jetzt als Beginn des Gewässers mit dem Namen Speyerbach.
Oberer Speyerbach
Das Gewässer windet sich als Oberer Speyerbach auf anfangs vorwiegend östlichem, später nordöstlichem Lauf zunächst durch das Elmsteiner Tal, wo zahlreiche kleinere Bäche den Hauptfluss verstärken. Dieser durchfließt nach der Siedlung Mückenwiese den Hauptort der Gemeinde Elmstein und unmittelbar danach den Ortsteil Appenthal. 5 km bachabwärts mündet von rechts der starke, gut 11 km lange Zufluss Helmbach beim gleichnamigen Weiler, 2 km weiter bei Breitenstein von links der fast 7 km lange Breitenbach. Der Speyerbach passiert anschließend die zu Esthal gehörenden Siedlungen Erfenstein und Sattelmühle sowie den zu Lambrecht gehörenden Wohnplatz Iptestal.
Seinen wasserreichsten Nebenfluss, den gut 21 km langen Hochspeyerbach, nimmt der Speyerbach am Ende seines Oberlaufs unterhalb von Frankeneck von links auf. Ganz in der Nähe steht das Kunstobjekt Wasserstein.
Mittlerer Speyerbach
Am Zusammenfluss mit dem Hochspeyerbach wendet sich der Speyerbach nach Südosten und fließt nun als Mittlerer Speyerbach durch das breitere Lambrechter Tal und die Stadt Lambrecht. Etwa 3 km unterhalb der Stadt erreicht das Gewässer die markante östliche Randhöhe Haardt des Pfälzerwalds und durchbricht diese durch das Neustadter Tal. Am westlichen Siedlungsrand von Neustadt an der Weinstraße beginnt dessen Stadtviertel Schöntal. Links oberhalb des Taleinschnitts erstrecken sich der Wolfsberg samt zugehörigem Naturschutzgebiet, rechts der Königsberg, das Kaltenbrunner Tal und der Nollenkopf mit dem Afrikaviertel an seinem Nordhang.
Am Westrand der Neustadter Kernstadt wird der Floßbach nach links ausgeleitet. Beide Bachläufe wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über weite Strecken verrohrt; erst nach dem Jahr 2000 wurden einige Gewässerteile wieder offengelegt. Der historische Klemmhof in der Innenstadt wurde 2009 dadurch bekannt, dass alle rund 130 Bewohner für zwei Monate evakuiert werden mussten. Hoher Grundwasserstand vom Speyerbach her sowie Fehler, die bei Fundamentierung und Restaurierung der Bauten unterlaufen waren, hatten befürchten lassen, dass Gebäude einstürzen könnten.
Im Stadtviertel Winzingen mündet der Floßbach nach knapp 1,6 km wieder zurück in den Hauptlauf. 200 m nordöstlich, am schon vor 1551 angelegten Winzinger Wassergescheid, wird der Rehbach nach links abgezweigt; dieser untere Mündungsarm des Speyerbachs erreicht den Rhein etwa 14 km nördlicher als der Speyerbach selbst. In der Gabelung zwischen den beiden sich trennenden Wasserläufen in Neustadt wurde in den 1960er Jahren der Neubau des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums errichtet und 1969 eingeweiht. Danach verlässt der Speyerbach das Siedlungsgebiet der Kernstadt, indem er am Nordrand des östlichsten Viertels Branchweiler entlangfließt.
Bei der Querung von Neustadt passiert der Speyerbach das schmale, mit Reben bestandene Hügelland beidseits der Deutschen Weinstraße, das gemeinhin als Haardtrand bezeichnet wird; die Gegend nördlich des Flusses wird Mittelhaardt genannt, diejenige südlich von ihm Oberhaardt.
Unterer Speyerbach
Die Oberrheinische Tiefebene durchfließt das Gewässer als Unterer Speyerbach in südöstlicher Richtung. Dabei gibt es zahlreiche kleinere Abzweige und Rückläufe, die in der Vergangenheit meist zum Zweck landwirtschaftlicher Feldbewässerung geschaffen wurden und die teilweise quer zur Hangneigung verlaufen.
Am Südrand des Ordenswalds, der während der Eiszeit auf dem Schwemmfächer des Gewässers entstand und zum Speyerer Wald gehört, berührt der Speyerbach den Neustadter Ortsteil Speyerdorf. Bevor er das Naturschutzgebiet Lochbusch-Königswiesen passiert, zweigen linksseits von ihm Gräben ab, die mit einer eher geringen Wassermenge den Ranschgraben speisen.
Eingangs der Gemarkung von Hanhofen mündet in den Speyerbach von rechts der Kropsbach, gleich danach geht am Hanhofer Wassergescheid nach links der Woogbach mit mindestens der Hälfte der Wassermenge ab.
Im Verlauf der nächsten 3 km überquert der rechte Hauptarm Speyerbach den von rechts kommenden kurzen Altwiesenbach, dann fließt ihm von rechts der Modenbach zu. Wenig später säumt das Naturschutzgebiet Woogwiesen das Südufer des Flusses. Der Hainbach unterquert den Speyerbach von rechts nach links in einer Dole im südwestlichen Dudenhofen. Nachdem er den Ort passiert hat, mündet er von rechts in den Woogbach wie zuvor schon von links der Altwiesenbach. Der Woogbach erreicht – auf der gesamten Strecke oberirdisch fließend – anschließend Speyer, wo er Nonnenbach genannt wird.
Der Speyerbach hingegen fließt am Südrand von Dudenhofen entlang und überquert dann die Speyerer Stadtgrenze. Östlich des St.-Vincentius-Krankenhauses wird der Bach durch Verrohrung in den Untergrund geleitet und tritt beim westlichen Stadttor, dem Altpörtel, als Gießhübelbach unsichtbar in die Altstadt ein. Nach 1 km im Untergrund kommt er wieder an die Oberfläche, um nach wenigen Metern nördlich des Holzmarkts von links den Woogbach aufzunehmen. Das letzte Laufstück führt an der Nordseite des Speyerer Domgartens entlang.
Mündung
Wenig oberhalb des Speyerer Floßhafens mündet der Speyerbach bei Rheinkilometer 400,3 und auf etwa Höhe von links in den Rhein.
Sein 59,5 km langer Lauf endet ungefähr 373 Höhenmeter unterhalb des Ursprungs seines Hauptstrang-Oberlaufs Erlenbach, somit hat er ein mittleres Sohlgefälle von etwa 6,3 ‰.
Einzugsgebiet Das 595,806 km² große Einzugsgebiet des Speyerbachs erstreckt sich vom mittleren Pfälzerwald über den Haardtrand bis zum Vorderpfälzer Tiefland und wird durch ihn über den Rhein in die Nordsee entwässert.
Es grenzt im Süden an das Einzugsgebiet der Queich, die in den Rhein mündet; im Südwesten an das des Schwarzbachs, der über die Blies, die Saar und die Mosel in den Rhein entwässert; im Nordwesten an das des Glans und an das der Alsenz, die beide über die Nahe in den Rhein entwässern, und im Norden an das der Isenach, die in den Rhein mündet.
Die höchste Erhebung ist die Kalmit mit einer Höhe von .
Landnutzung: