mini|Blick von Ostflanke der Söhre (am Kleinen Belgerkopf) über Eschenstruth südostwärts durch das obere Lossetal nach Hessisch Lichtenau (2006) mini|Die Losse auf ihrem Weg durch das mittlere Lossetal in Helsa
Die Losse ist ein 28,9 km langer, östlicher und rechter Zufluss der Fulda. Sie fließt im Werra-Meißner-Kreis, im Landkreis Kassel und in der kreisfreien Stadt Kassel in Nordhessen (Deutschland).
Geographie Verlauf Die Losse entspringt im Werra-Meißner-Kreis bei Hessisch Lichtenau. Ihre Quelle liegt im Geo-Naturpark Frau-Holle-Land auf dem Westhang des östlich der Kernstadt gelegenen Walbergs (), einer sanft ansteigenden waldlosen Erhebung mit dem einstigen Standortübungsplatz der ehemaligen Blücher-Kaserne, wo heute auch die Bundesautobahn 44 verläuft. Rund 550 m südwestlich von dessen höchster Stelle liegt sie am Rand eines Hains auf etwa Höhe.
Anfangs fließt die Losse nordwestwärts in die Kernstadt von Hessisch Lichtenau, durch die sie erst west- und dann nordwestwärts entlang der Bundesstraße 7 und der Bahnstrecke Kassel–Waldkappel (Lossetalbahn) verläuft. Kurz darauf läuft sie, weiterhin entlang beider Verkehrsadern, nach Einmünden des Saubachs nordwestwärts durch den Hessisch Lichtenauer Stadtteil Fürstenhagen, wo der Börnchenbach zufließt.
Danach fließt die Losse zwischen dem Kaufunger Wald am rechten und der Söhre am linken Ufer in nordwestlicher Richtung in den Landkreis Kassel ein, in dem sie östlich das Helsaer Dorf Eschenstruth passiert, wo der Fingergraben und das Männerwasser einmünden. Kurz nach der Einmündung des Männerwassers unterquert der Fluss die B 7 und die Lossetalbahn; etwas unterhalb davon überquert er den Tunnel Hirschhagen der BAB 44. Etwas weiter nördlich fließt er, nach Einmünden des von Osten aus Richtung der abseitigen Eschenstruther Wohnsiedlung Waldhof kommenden Rohrgrabens, erneut unter der Bahntrasse durch. Danach erhebt sich ostsüdöstlich der Rohrberg () und westnordwestlich der Bielstein ().
Dann erreicht die Losse, weiterhin nach Norden entlang der B 7 und Lossetalbahn verlaufend und die Bahnstrecke vor der Einmündung des Hergesbachs nochmals unterquerend, den Helsaer Kernort, wo von Osten kommend der Bach Wedemann und am Ortsausgang von Nordosten heranfließend der Ibach einmünden. Nach der Ibachmündung unterquert sie wieder die Bahnstrecke und fließt nordwestwärts nach Oberkaufungen, wo sie etwas nördlich gegenüber dem Lossetalstadion erst vom Lempersbach gespeist wird und kurz darauf erneut von der Bahnstrecke überbrückt ist. Hiernach verläuft die Losse etwas südlich vorbei am Steinertsee und westwärts nach Niederkaufungen, wo der Setzebach zufließt. Danach strebt das Fließgewässer nach Nordwesten, um nach zweimaligem Unterqueren der B 7 und dazwischen liegendem Einmünden des vom Mühlenberg () kommenden Diebachsgrabens nördlich am Kaufungener Ortsteil Papierfabrik vorbeizufließen.
Beim Unterqueren der Bundesautobahn 7 (200 m lange Brücke), wo sie den Geo-Naturpark verlässt, fließt die Losse in die kreisfreie Stadt Kassel ein. Hier durchfließt sie den Stadtteil Bettenhausen, in dem sie anfangs den nördlich gelegenen Eichwald passiert und sich allmählich von der B 7 und Lossetalbahn entfernt. Später bildet sie die Grenze von Bettenhausen zum Stadtteil Unterneustadt.
Schließlich mündet die Losse an der Stadtgrenze zu Sandershausen (Gemeindeteil von Niestetal) im Rahmen des künstlich geschaffenen und im Kasseler Gebiet liegenden Lossedeltas (siehe Absatz Geschichte – 21. Jahrhundert) auf etwa Höhe in den westlichen Weser-Quellfluss Fulda; der Mündung gegenüber liegt – jenseits der Fulda – der Kasseler Stadtteil Wolfsanger.
Naturräumliche Zuordnung Die Losse entspringt in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Osthessisches Bergland (Nr. 35), in der Haupteinheit Fulda-Werra-Bergland (357) und in der Untereinheit Witzenhausen-Altmorschener Talung (357.5) im Hessisch Lichtenauer Becken (357.51). In diesem Naturraum fließt sie bis unterhalb von Fürstenhagen. Dort wechselt der Fluss in den zur Untereinheit Kaufunger Wald und Söhre (357.7) gehörenden Naturraum Söhre (357.70) über.
Hiernach fließt die Losse von Oberkaufungen bis unterhalb von Niederkaufungen in der Untereinheit Kasseler Becken (343.3), und der Unterlauf liegt im Naturraum Kasseler Fuldaaue (343.30); beide gehören in der Haupteinheitengruppe Westhessisches Bergland (34) zur Haupteinheit Westhessische Senke (343).
Einzugsgebiet und Zuflüsse Das Einzugsgebiet der Losse ist 120,58 km² groß. Zu ihren Zuflüssen gehören flussabwärts betrachtet (Daten – wenn nicht anders genannt – laut im Tabellenkopf genannten Einzelnachweisen): Name Seite Länge(km) Quell- Mündungs- Mündungs-ort (Lage) Mü-Stat.(km) EZG(km²) GKZ höhe (m ü. NHN) Bach beim Bahnhof rechts 0,4 386 378 Hessisch Lichtenau (i) 26,95 4296-112 Bach in Hessisch Lichtenau links 1,1 402 370 Hessisch Lichtenau (i) 26,45 4296-114 Bach vom Eisenberg rechts 1,1 419 364 Hessisch Lichtenau (i) 25,95 4296-116 Kanal vom Steinbachbei Hessisch Lichtenau rechts 1,7 395 361 Hessisch Lichtenau (i) 25,7 4296-118 Steinbach bei Hessisch Lichtenau rechts 2,5 445 348 Hessisch Lichtenau (u) 25,05 6,12 4296-12 Saubach links 2,8 443 336 Fürstenhagen (o) 23,9 4296-194 Börnchenbach links 2,8 379 332 Fürstenhagen (i) 23,55 5,97 4296-2 Fingergraben links 2 373 308 Eschenstruth (o) 21,05 4296-312 Männerwasser links 3,9 458 306 Eschenstruth (b) 20,9 5,97 4296-32 Steinbach bei Eschenstruth links 3,3 425 302 Eschenstruth (u) 20,35 4296-332 Rohrgraben rechts 1,8 440 294 Helsa-Waldhof (b) 19,6 4296-334 Hergesbach rechts 4,3 430 274 Helsa (o) 17,25 6,49 4296-34 Wedemann rechts 5,1 525 250 Helsa (i) 15,9 14,51 4296-4 Ibach rechts 2,7 455 245 Helsa (u) 15,35 3,01 4296-52 Bach vom Kuhplatz rechts 1,3 382 240 Helsa (u) 14,1 4296-5912 Bach vom Lewenbruch rechts 0,8 345 233 Oberkaufungen (o) 13,4 4296-5916 Bach vom Krankenhaus rechts 0,5 345 214 Oberkaufungen (o) 12,05 4296-5992 Bach von derEduard-Dilling-Hütte links 1,8 335 210 Oberkaufungen (i) 11,35 4296-5996 Lempersbach rechts 3,4 344 195 Oberkaufungen (u) 10,35 6,79 4296-6 Bach an der Auestraße links 1,7 262 189 Niederkaufungen (o) 9,05 4296-72 Setzebach (Setzelbach) links 5,3 407 176 Niederkaufungen (u) 7,45 8,21 4296-8 Bach vom Birkengrund links 1,9 235 174 Niederkaufungen (u) 7,1 4296-912 Diebachsgraben rechts 5,1 306 169 Papierfabrik (g) 6,35 4296-916 Olebach rechts 2,7 169 150 Bettenhausen (i) 3,8 4296-992 Abkürzungen: o = oberhalb, i = im, u = unterhalb vom, b = beim, g = gegenüber dem Mündungsort
Ortschaften Zu den Ortschaften an bzw. unweit der Losse gehören – flussabwärts betrachtet: Hessisch Lichtenau Fürstenhagen Helsa-Eschenstruth Helsa-Eschenstruth/Waldhof Helsa Kaufungen: Oberkaufungen Niederkaufungen Papierfabrik Kassel Bettenhausen Unterneustadt Niestetal-Sandershausen
Schutzgebiete Die Quelle der Losse und ihr quellnaher Oberlauf liegen im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Glimmerode und Hambach bei Hessisch Lichtenau (FFH-Nr. 4824-308; 7,8271 km² groß). Zwischen Fürstenhagen und Eschenstruth läuft der Fluss durch das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Lossetal bei Fürstenhagen (CDDA-Nr. 378524; 1956 ausgewiesen; 17,32 ha) und durch das FFH-Gebiet Lossetal bei Fürstenhagen (FFH-Nr. 4724-306; 2,7198 km²). Bei Kaufungen-Papierfabrik fließt er durch das LSG Lossewiesen bei Niederkaufungen (CDDA-Nr. 378525; 1996; 29 ha) und durch das FFH-Gebiet Lossewiesen bei Niederkaufungen (FFH-Nr. 4723-304; 16,61 ha). In Kassel läuft die Losse durch das LSG Stadt Kassel (CDDA-Nr. 378517; 1995; 19,8386 km²). Der Schlussabschnitt des Unterlaufs und die Mündung liegen im Vogelschutzgebiet Fuldaaue bei Kassel (VSG-Nr. 4722-401; 8,2893 km²).
Galerie
Geschichte mini|Messinghof in Kassel-Bettenhausen; Herstellungsort der Herkules-Skulptur Mittelalter bis Zweiter Weltkrieg Schon im Mittelalter wurde die Wasserkraft der schnell fließenden Losse zum Antrieb zahlreicher Mühlen genutzt. Im Lauf der Zeit siedelten sich 34 Mühlenbetriebe an, allein in Bettenhausen am Mühlenkanal der Losse waren es 12. Die Mühlen waren nur zum Teil Mahlmühlen, sehr viele von ihnen waren auch oder ausschließlich Industriemühlen, die dem Antrieb von Maschinen dienten. Viele Straßennamen in den Kasseler Stadtteilen Bettenhausen und Forstfeld erinnern noch an diese Mühlen. Zu den dortigen Mühlen gehören: der Agathof, 1377 unter dem Namen Lachenmühle erstmals erwähnt, mit wechselnder Funktion als Mahlmühle, Edelsteinschleiferei (der Name Agat leitet sich wohl von Achat ab) und später chemischer Fabrik; der Eisenhammer, teilweise 1685 erbaut, erst Papiermühle, dann Sägewerk und später die Stockfabrik Rocholl; die Herwigsmühle (Drahtmühle, Unterer Messinghof), 1410 erstmals erwähnt, die hauptsächlich als Mahlmühle diente und in der zeitweilig die Drahtzieherei des Messinghofs untergebracht war; der 1680 gegründete und oberhalb des Messinghofs gelegene Kupferhammer (Oberste Drahtmühle), hier fand ein Teil der Kupferverarbeitung des Messingshofs statt; die 1407 erstmals erwähnte Forstmühle, der spätere Messinghof und bereits seit Mitte des 16. Jh. Messingwerk.
Zweiter Weltkrieg bis Ende 20. Jahrhundert Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Losse begradigt, um angrenzende Acker- und Weideflächen vor Hochwassern und Abtragung der Ufer zu bewahren. Hierdurch erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Hochwasser richten besonders im flach gegliederten Unterlauf und damit in den Kasseler Stadtteilen immer wieder Schäden an (es liefen zum Beispiel Keller voll).
21. Jahrhundert Anfang des 21. Jahrhunderts wurden entlang des nahezu gesamten Verlaufs der Losse umfangreiche Renaturierungsarbeiten durchgeführt, die auf einem 1998 begonnenen Konzept der Universität Kassel basieren und der Verbesserung der ökologischen Situation und auch dem Hochwasserschutz dienen; die Maßnahmen dauern teils weiterhin an.
Zwischen der zuvor genannten Unterquerung der A 7 und der Einmündung der Losse in die Fulda – und damit in Kassel – wurden im Jahr 2004 (30. August bis 21. Dezember) unter anderen der teils kanalartige, in Betonmauern eingefasste Verlauf der Losse in ein natürliches Flussbett umgewandelt und Rückzugszonen für Tiere und Pflanzen errichtet.
Zudem wurde von Ende August 2005 bis Februar 2006 der vormals kanalartig begradigte Mündungsbereich der Losse – östlich des Kasseler Hafens gelegen – durch Einbeziehung vorheriger Acker- und Wiesenflächen zum neu entstehenden Mündungsdelta Lossedelta aufgeweitet. Dazu wurden auf rund 60.000 m² Fläche nährstoffreicher Ackerboden abgetragen. Die dadurch entstandene Mulde mit etwa 63.000 m³ Fassungsvermögen dient neben ihrer Deltafunktion auch als Hochwasserschutzraum. Fortan wird der etwa 400 m lange Mündungsbereich von Flussschlingen, -verzweigungen und -inseln sowie kleinen Stillgewässern bestimmt. Zugleich wurden Bäume und Büsche angepflanzt. Im Delta sind Amphibien, Fische, Insekten und Vögel wie die Entwicklung des Landschaftsbilds sich selbst überlassen. Die Vorgänge in diesem künstlich geschaffenen Naturschutzgebiet können von einem speziell hierfür aufgeschütteten Aussichtshügel, der sich nebst Infotafeln unterhalb des "Betriebshofs Stadtreiniger" nahe der über die Losse führenden Fuß- und Radwegbrücke befindet, beobachtet werden.
Etymologie Die Herkunft des Namens Losse ist umstritten, jedoch gibt es eine schöne Geschichte, die noch heute überliefert wird: Weil der Fluss bis dato namenlos war, kamen vor langer Zeit alle Bürgermeister der anliegenden Orte zusammen, um einen Namen für den Fluss zu küren. Man konnte sich jedoch trotz langer Beratungszeit nicht einigen. Einer der Ratgeber soll der Wartezeit überdrüssig ausgerufen haben: „Losse doh heissen, wie se will“ (hochdeutsch: „Lasst sie doch heißen, wie sie will“) – und so soll die Losse zu ihrem Namen gekommen sein.