mini|Luftbild des Lübecker Doms mini|Der Lübecker Dom von Südwesten Der Lübecker Dom (auch Dom zu Lübeck) ist der erste große Backsteinkirchbau an der Ostsee und mit fast 132 Metern Länge eine der längsten Backsteinkirchen. 1173 wurde der Lübecker Dom von Heinrich dem Löwen begründet und 1247 geweiht. Patrone der evangelischen Kirche sind die Heiligen Johannes der Täufer und Blasius (wie im Braunschweiger Dom), Maria und Nikolaus.

Baugeschichte und Architektur 225x225px|mini|Grundriss des Lübecker Doms. Die graue Fläche markiert den romanischen Gebäudeteil (1266–1341 gotisch überformt und gotischer Chor angefügt). Rechts anschließend befand sich das ehem. Domkloster mini|„ursprüngliches“ Paradies Im Jahre 1173 legte Heinrich der Löwe als Stifter den Grundstein des Doms als Kathedrale für das Bistum Lübeck, nachdem in den Jahren 1160–63 das Domkapitel und der Bischofssitz von Oldenburg in Holstein unter Bischof Gerold hierher verlegt worden war. Der Lübecker Dom gehört somit zu den vier sogenannten Löwendomen (Ratzeburg 1160/70, Schwerin 1171, Braunschweig 1173). Die Kirche wurde als Bischofskirche Johannes dem Täufer und als Gemeindekirche dem Heiligen Nikolaus geweiht.

Vorgängerkirchen des Doms waren ab 1163 eine provisorische Holzkirche und die in Richtung Trave vor dem Dom gelegene erste steinerne Kirche Lübecks, St. Johann auf dem Sande, die sich etwa an der Stelle des heutigen Bauhofs befand. Diese Kirche wurde bereits 1150 von Bischof Vizelin geweiht, genügte aber nach der Verlegung des Bistums von Oldenburg nach Lübeck den Anforderungen der Bischöfe und der wachsenden Stadt nicht mehr, weswegen 1173 der Entschluss zum Dombau in unmittelbarer Nähe gefasst wurde. Der Giebel von St. Johann auf dem Sande stürzte 1648 ein, vier Jahre später wurde die Kirche völlig abgetragen.Zietz: Ansichten der Freien Hansestadt Lübeck und ihrer Umgebungen. 1822, S. 89 Fn. **)

Die romanische Basilika wurde 1247 fertiggestellt und geweiht. Um 1254 wurde am nördlichen Querhaus eine Eingangsvorhalle angebaut, das Paradies. Anschließend wurde der romanische Dom ab 1266 zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut, indem man die beiden Seitenschiffe etwa auf die Höhe des Mittelschiffes auf rund 21 Meter anhob. Ebenfalls in dieser Zeit erfolgte die Verlängerung des Baukörpers durch die Errichtung des gotischen Chores unter Bischof Heinrich II. Bochholt (1317–1341). Dieser wandte einen Betrag von 28.000 MarkZietz: Ansichten der Freien Hansestadt Lübeck und ihrer Umgebungen. 1822, S. 90 Fußnote **) für den 1341 fertiggestellten Chor auf, in dessen Mitte er auch unter einer bemerkenswerten Grabplatte aus Messing begraben liegt, die dem Erzgießer Hans Apengeter zugeschrieben wird.

1341 war der romanisch-gotische Lübecker Dom in seiner heutigen Gestalt vollendet. Der Baukörper wurde dadurch auf rund 132 m verlängert, und die romanische Apsis wurde nach Fertigstellung des gotischen Chors bis auf die Fundamente abgerissen.mini|hochkant|Kreuzgang nach SüdenDer Unterschied zwischen den beiden Bauabschnitten ist auch für Laien in der Kirche deutlich erkennbar: Der ältere Bauteil aus romanischer Zeit wird von massiven, rechteckigen Pfeilern getragen, der jüngere gotische Chor von schlankeren, runden Säulen. Dieser Übergang wird seit der Nachkriegs-Rekonstruktion in den 1970er Jahren durch eine Glaswand markiert. Insbesondere die Türme zeigen noch deutlich die Formen der Romanik.

Bis zur Reformation unterstand das Domkapitel dem Bischof und nicht dem Rat der Stadt. Im Zuge der Reformation wurde der Dom bis 1803 gemeinschaftliches Eigentum von Stadt und Domkapitel und ging dann mit Auflösung des Domkapitels in das Alleineigentum der Stadt über. Das Domkloster Lübeck wurde Ende des 19. Jahrhunderts Museumsstandort des Museums am Dom. hochkant|mini|Rekrutenvereidigung im September 1914 hochkant|mini|Innenansicht vor 1942 Der erhaltene mittelalterliche Kreuzgang an der Südseite der Kirche verbindet den Dom heute mit dem Baukörper des Museums für Natur und Umwelt und des Archivs der Hansestadt Lübeck.

Der Dom wurde im Laufe der Jahrhunderte häufiger aufgrund seiner freien Lage am Wasser zwischen Obertrave und Mühlenteich durch Wetter und Stürme beschädigt. 1611 musste der nördliche Turmhelm ersetzt werden, 1648 wurde ein „Knopf nebst Wetterhahn in den Mühlenteich geschleudert“, und um 1766 wurden die kleinen Nebentürme beseitigt.Zietz: Ansichten der Freien Hansestadt Lübeck und ihrer Umgebungen. 1822, S. 89, Fußnote *)

Weltkriege Von 1897 bis 1919 war der Dom die Garnisonkirche des Lübecker Regiments.Otto Dziobek: Geschichte des Infanterie-Regiments Lübeck (3. hanseatisches) Nr. 162. erste Auflage. 1922.

Wilhelm Stahl begleitete an der Orgel den Festgottesdienst zur Weihung des Ehrenmals – nach einem Entwurf von Asmus Jessen trugen rote Tontafeln die über 800 Namen der Gefallenen in schwarz – der Domgemeinde am Totensonntag, dem 23. November 1924. Der im Folgejahr ausscheidende Hauptpastor Christian Reimpell konnte diesen Gottesdienst krankheitsbedingt schon nicht mehr halten. Die Predigt hielt der zweite Pastor Herrmann Balcke. Am Eingang des Chorumganges, in dem sich die Tafeln befanden, erwartete der dritte Pastor, Franz Linde, im Anschluss an die Predigt die Gemeinde. Nach der Enthüllung des Ehrenmals übergab er es Hermann Julius Hartwig als Vertreter des Kirchenvorstandes. Der Chor der Oberrealschule zum Dom sang und Pastor Linde segnete das Ehrenmal im Anschluss.Unter Vom Totensonntag. Abschnitt Am Dom. In: Lübecker General-Anzeiger, 43. Jahrgang, 2. Beilage, Nr. 276, Ausgabe vom 25. November 1924.

mini|Brennende Domtürme nach dem Luftangriff, neben dem Dom das Museum am Dom

In der Nacht zum Palmsonntag vom 28. zum 29. März 1942 erlebte Lübeck einen schweren Luftangriff, durch den ein Fünftel der Lübecker Innenstadt zerstört wurde. Mehrere Bomben schlugen in der Nachbarschaft ein, ebenso das östliche Gewölbe im Chor, was den Hochaltar von 1696 zerstörte. Der Brand des benachbarten Dommuseums griff auf den Dachstuhl des Doms über. Gegen Mittag des Palmsonntags stürzten die Turmhelme ab; die Orgel der Firma Walcker von 1893 hinter dem Prospekt der Arp-Schnitger-Orgel von 1699 wurde ein Raub der Flammen. Es konnten jedoch relativ große Teile der Innenausstattung wie das Triumphkreuz und fast alle mittelalterlichen Flügelaltäre gerettet werden. Als Kriegsfolge brach 1946 der ungesicherte Giebel des nördlichen Querschiffs zusammen, begrub die Paradies genannte Vorhalle unter sich und zerstörte sie fast völlig.

Wiederaufbau nach 1945 Der Wiederaufbau dauerte einige Jahrzehnte, da die Prioritäten in Lübeck eher auf den Wiederaufbau der Lübecker Marienkirche gelegt wurden. Erst die Gründung der Stiftung „Dom zu Lübeck“ im Jahr 1960 schuf die finanziellen Voraussetzungen für den Wiederaufbau des Domes in seiner alten Größe. Zunächst wurden die Türme und der westliche Teil der Kirche instandgesetzt, um dort nach der Verglasung der Fenster im Altbau ab 1951 wieder Gottesdienste feiern zu können. Es folgte dann der Ostchor und zuletzt die Paradies-Vorhalle an der Nordseite des Doms. Ursprünglich sollte der Wiederaufbau nach einem 1960 im Rahmen eines Gutachterverfahrens empfohlenen Entwurf des Münchener Architekten Olaf Andreas Gulbransson erfolgen. Nach dessen überraschendem Tod im Jahr 1961 wurde 1962 das Hamburger Architektenbüro Grundmann und Sandtmann mit der Neueinrichtung des in seiner alten Größe wieder aufzubauenden Doms beauftragt. Der Wiederaufbau wurde 1982 mit der Rekonstruktion der Paradies-Vorhalle abgeschlossen.Friedhelm Grundmann: Wiederaufbau und Neugestaltung des Lübecker Domes, in: Lübeckische Blätter 2002/5, S. 65Kirchenvorstand der Evangelisch-Lutherische Dom-Gemeinde zu Lübeck: 800 Jahre Dom zu Lübeck. Festschrift. Lübeck 1973

Die Turmhelme erhielten wie alle nach dem Krieg wiederaufgebauten Turmhelme der Lübecker Hauptkirchen eine Unterkonstruktion aus Leichtbeton, nachdem zunächst die mittelalterlichen Fundamente der beiden Türme hydraulisch angehoben, tiefer verankert und verstärkt worden waren.

Aus heutiger Sicht ist der Baugrund an diesem Standort für ein so großes und schweres Bauwerk ungeeignet. Zwischen 2024 und 2033 müssen die Türme erneut saniert werden.

Gebäudemaße Der Lübecker Dom ist rund 131 Meter lang, er ist damit eines der längsten Kirchengebäude Deutschlands. Die Breite des Langhauses liegt bei 38 Metern, die Breite der Querhaus-Achse mit Paradies liegt bei 53 Metern. Der Westbau ist rund 36 Meter breit.Vgl. Grundriss in Lutz Wilde: Der Dom zu Lübeck. 9. Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2015, ISBN 978-3-422-02143-3, S. 6. Das Dach hat eine Firsthöhe von rund 31 Metern. Die Gewölbehöhe im Raum beträgt 20 bis 22 Meter.Lutz Wilde: Der Dom zu Lübeck. 9. Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2015, ISBN 978-3-422-02143-3, S. 6. Mit Turmhöhen von knapp 115 Metern ist der Dom das zweithöchste Kirchengebäude Schleswig-Holsteins.

Ausstattung mini|Triumphkreuz von Bernt Notke (1477), dahinter der Lettner mit Uhr Der Dom war und ist die nach der Marienkirche am reichsten ausgestattete Kirche Lübecks. Hinsichtlich der steinernen Sarkophage in seinen Grabkapellen nimmt der Dom in Lübeck eine herausragende Stellung ein.

Triumphkreuz

Im Dom befindet sich das auffallende, das Hauptschiff beherrschende, 17 Meter hohe Triumphkreuz des Lübecker Künstlers Bernt Notke. Es wurde von dem Lübecker Bischof Albert II. Krummendiek gestiftet und 1477 im Kirchenschiff aufgerichtet. Auch bei diesem zentralen Kunstwerk gelang die kunsthistorische Zuordnung zu Künstler und Werkstatt erst im 20. Jahrhundert. Der Prediger Zietz bemerkt um 1820 in seiner Darstellung nur knapp:

Diese Einordnung des Notke’schen Werks als Fleißarbeit wandelt sich im Laufe des 19. Jahrhunderts anschaulich, und der kirchenkritische Kunsthistoriker Grautoff bemerkt:

Taufe mini|Taufbecken Die eherne Fünte von Lorenz Grove aus dem Jahr 1455 ersetzte die heute in der Kirche von Klein Wesenberg befindliche alte steinerne Fünte aus Kalkstein von der schwedischen Insel Gotland.Jochen Hermann Vennebusch: Das Taufbecken des Lübecker Domes (1455) und sein Gießer Lorenz Grove. In: Klaus Gereon Beuckers, Jochen Hermann Vennebusch, Iris Wenderholm (Hrsg.): „Arte facta“ – Mit Kunstfertigkeit geschaffen. Lübecker Bronzeguss im Spätmittelalter (= Opera borealia. Beiträge zur norddeutschen Kunst des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Band 2). Schnell & Steiner, Regensburg 2025, S. 137–175.Die romanische Taufe wurde 1666 für 6 Mark an die Kirchgemeinde von Klein Wesenberg veräußert. Die Taufe stand bis 1942 vor der Orgel im Westen der Kirche nahe dem Eingang, dem früher traditionellen Standort von Taufbecken in Kirchen. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in eine von Sandtmann und Grundmann neu gestaltete Taufkapelle zwischen Lettner und Ostchor versetzt und erhielt einen von Rolf Koolman gefertigten Einsatz.

Kanzel mini|Kanzel und Altar im Zentrum Die Renaissance-Kanzel wurde 1586 vom damaligen Pastor Dionysius Schünemann gestiftet und von dem flämischen Steinmetz Hans Fleming errichtet. Sie erhebt sich über einem Untersatz, der von einer Mose-Statue getragen wird. Der Kanzelkorb ist mit sieben Alabaster-Reliefs geschmückt, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen, die alle von dem flämischen Bildhauer Willem van den Broeck gearbeitet wurden. Der Schalldeckel mit einer Statue des Auferstandenen stammt von 1570, der Aufgang wurde 1731 im spätbarocken Stil erneuert. Ein besonderes Kunstwerk ist das schmiedeeiserne Gitter in verschlungenen Formen, das 1572 von der Bruderschaft der Stecknitzfahrer gestiftet wurde.

Lettner mit Kirchenuhr hochkant|mini|Kirchenuhr am Lettner