Philipp Lahm (* 11. November 1983 in München) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Der Außenverteidiger führte die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän zum Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Mit 113 Länderspieleinsätzen gehört Lahm zu den Top 10 der deutschen Rekordnationalspieler. Kein deutscher Abwehrspieler hat mehr Länderspieleinsätze bestritten als Philipp Lahm.
Aus der Jugend des Münchner Stadtteilvereins FT Gern hervorgegangen wechselte er als Elfjähriger zum FC Bayern München, mit dem er 2013 das Triple sowie zahlreiche weitere Titel gewann. Seit dem Ende seiner Spielerlaufbahn ist er als Unternehmer tätig. Er ist Geschäftsführer der DFB Euro GmbH.
Herkunft und Schulausbildung Philipp Lahm wuchs im Münchner Stadtteil Gern gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Schwester auf. Sein Vater, ein Fernmeldetechniker, spielte Fußball in der Bezirksliga. Seine Mutter ist Jugendleiterin bei der Freien Turnerschaft Gern (FT Gern), bei der Lahm mit dem Fußballspielen begann.Rüdiger Barth: Die Mitte ist vorn. In: Stern. 10. Juni 2010, Nr. 24 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). Er besuchte die Städtische Rudolf-Diesel-Realschule im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg und erlangte dort den Mittleren Schulabschluss. bei planet-beruf.de, 14. September 2009 (abgerufen am 10. Juni 2012).
Karriere Vereine Anfänge Seine ersten Schritte als Fußballer absolvierte Lahm für die FT Gern. Ab 1995 spielte er zunächst in der Jugend des FC Bayern München, ab 2001 dann für die Amateurmannschaft des Vereins in der Regionalliga Süd. In der Jugend wurde er sowohl im zentralen und defensiven Mittelfeld als auch als Außenverteidiger eingesetzt. In seinen ersten Jahren als Jugendfußballer spielte er auch als Außenstürmer.
Da die Bayern mit Bixente Lizarazu und Willy Sagnol Lahms bevorzugte Positionen schon gut besetzt hatten, kam er bis 2003 nur zu einem einzigen Einsatz in einem Pflichtspiel für die Profis. Am letzten Spieltag der Gruppenphase der UEFA Champions League 2002/03 wurde er am 13. November 2002 in der Nachspielzeit gegen RC Lens für Markus Feulner eingewechselt. Bei seinem ersten Profieinsatz war das Ausscheiden aus dem europäischen Wettbewerb bereits besiegelt.
Leihe zum VfB Stuttgart Weil Hermann Gerland, der damals die Amateurmannschaft der Bayern trainierte, der Ansicht war, dass Lahm für ein drittes Jahr in der Regionalliga zu gut sei, empfahl er Lahm Felix Magath, der damals den VfB Stuttgart trainierte. Im Juni 2003 wurde er für zwei Spielzeiten an die Schwaben ausgeliehen. Dort gab er am ersten Spieltag am 3. August 2003 sein Bundesliga-Debüt beim 2:0-Erfolg über Hansa Rostock, als er in der 76. Minute für Silvio Meißner ins Spiel kam. Ab dem sechsten Spieltag verdrängte er Heiko Gerber von der Position des linken Verteidigers und gehörte danach zur Stammelf des VfB. Anfang Januar 2005 erlitt Lahm einen Ermüdungsbruch im rechten Mittelfuß, der ihn zu einer mehrmonatigen Pause zwang; sein Pflichtspiel-Comeback gab er am 9. April 2005 gegen den FC Schalke 04. Vor dem letzten Spieltag verletzte sich Lahm erneut, als er im Training einen Kreuzbandriss im rechten Knie erlitt, sodass er in der Rückrunde nur sechsmal zum Einsatz kam. In Stuttgart spielte er insgesamt 53 Bundesligaspiele und erzielte zwei Tore. Außerdem war er für Stuttgart siebenmal in der Champions League und sechsmal im UEFA-Pokal aktiv.
FC Bayern München mini|hochkant|Lahm im Trikot des FC Bayern (2006)
Nachdem er im Sommer 2005 nach München zurückgekehrt war, spielte Lahm nach auskurierter Verletzung am 15. November 2005 erstmals in der Regionalligapartie des FC Bayern II gegen Jahn Regensburg. Sein Comeback in der Profimannschaft hatte er vier Tage später beim Spiel gegen Arminia Bielefeld. Diese Partie war gleichzeitig sein erstes Bundesliga-Spiel für den FC Bayern. Nach zwei weiteren Einwechslungen stand er am 16. Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern erstmals in der Startaufstellung. Bis zum vorletzten Spieltag kam er danach in jedem Rückrundenspiel zum Einsatz und spielte sich nach und nach in die Stammformation.
Ab der Saison 2006/07, in der er erstmals alle 34 Punktspiele und neun der zehn Champions-League-Partien bestritt, war Lahm Stammspieler des FC Bayern München. Seine übliche Position war zunächst die linke Außenverteidigung, später die rechte. Schnell wurde er zu einem der Führungsspieler. In den Jahren 2006, 2008, 2010, 2014 und 2016 gewann er mit seinem Verein das Double (Meisterschaft und DFB-Pokal). 2010 erreichte er das Finale der Champions League, das der FC Bayern München mit 0:2 gegen Inter Mailand verlor. Nach dem Abgang von Mark van Bommel wurde Lahm im Januar 2011 Mannschaftskapitän des FC Bayern. In der Saison 2011/12 erreichte er mit dem FC Bayern erneut das Finale der UEFA Champions League, das diesmal im eigenen Stadion stattfand. Dort unterlag er mit seiner Mannschaft dem FC Chelsea im Elfmeterschießen.
Das Jahr 2013 wurde für Philipp Lahm zum erfolgreichsten in seiner Vereinskarriere: Nachdem er mit dem FC Bayern München am 28. Spieltag der Saison 2012/13, zum damaligen Zeitpunkt, frühester Meister in der Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse geworden war und am 11. Mai 2013 erstmals als Kapitän die Meisterschale entgegengenommen hatte, zog er anschließend mit dem FC Bayern München zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren ins Finale der UEFA Champions League ein. Mit dem 2:1-Sieg über Borussia Dortmund am 25. Mai 2013 im Londoner Wembley-Stadion gewann er mit 29 Jahren zum ersten Mal den wichtigsten europäischen Vereinspokal. Mit dem 3:2-Sieg über seinen ehemaligen Verein, den VfB Stuttgart, im DFB-Pokal-Finale am 1. Juni 2013 gewann die Mannschaft um Kapitän Lahm zudem als erste deutsche Mannschaft das große europäische Triple im Herren-Fußball.
mini|Lahm neben Ashley Cole im Finale der Champions League 2012 mini|Lahm während seines verwandelten Elfmeters gegen Petr Čech im Elfmeterschießen beim Champions-League-Finale 2012
Unter dem neuen Trainer Pep Guardiola, unter dem er wegen Ausfällen in der Zentrale zunächst hauptsächlich als defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt wurde, gelang es ihm und der Mannschaft zwar anfangs der Saison nicht, den DFL-Supercup zu verteidigen, doch mit dem Gewinn des UEFA Super Cups am 30. August 2013 gegen den FC Chelsea und der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft im Dezember desselben Jahres gewannen Lahm und seine Mitspieler zum ersten Mal in der Historie des Vereins fünf große Titel in einem Kalenderjahr. Am Jahresende wurde er bei der Klub-WM mit dem Silbernen Ball als zweitbester Spieler des Turniers hinter seinem Mannschaftskameraden Franck Ribéry ausgezeichnet, von der FIFA neben fünf Mannschaftskollegen des FC Bayern München in eine Auswahlliste von 23 Spielern zur Wahl des Weltfußballers 2013 aufgenommen und in die FIFA/FIFPro World XI sowie ins UEFA Team of the Year gewählt. Außerdem wurde er vom Kicker-Sportmagazin auf seiner neuen Position im defensiven Mittelfeld in die Kategorie „Weltklasse“ eingestuft.
Am 24. Januar 2014 bestritt Lahm gegen Borussia Mönchengladbach sein 300. Bundesligaspiel, davon 247 Bundesligaspiele für den FC Bayern München und 53 für den VfB Stuttgart. Am 25. März 2014 (27. Spieltag) stand er mit dem FC Bayern so früh wie keine Mannschaft zuvor rechnerisch als deutscher Meister fest. Dazu wurde am 17. Mai 2014 das DFB-Pokal-Finale gegen Borussia Dortmund mit 2:0 nach Verlängerung gewonnen. Somit sicherte sich Lahm sein fünftes Double. In seinem 321. Bundesligaspiel am 18. Oktober 2014 erzielte er beim 6:0-Sieg gegen Werder Bremen mit den Treffern zum 1:0 und 5:0 erstmals zwei Treffer in einem Bundesligaspiel und erreichte zugleich seinen 200. Bundesligasieg.
Am 18. November 2014 brach sich Lahm im Training das rechte Sprunggelenk und wurde zwei Tage später operiert. Am 14. März 2015 gab er beim 4:0-Sieg im Auswärtsspiel gegen Werder Bremen sein Comeback, als er in der 82. Minute für Mario Götze eingewechselt wurde. Am Saisonende wurde die deutsche Meisterschaft verteidigt.
mini|hochkant|links|Lahm mit Franck Ribéry während eines Trainings des FC Bayern Münchens (2016)
Am 13. April 2016 absolvierte er beim 2:2 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Benfica Lissabon sein 103. Spiel in der UEFA Champions League, zog damit mit Oliver Kahn gleich, und war damit zeitweise deutscher Rekordspieler der Königsklasse. Am 7. Mai 2016 wurde Lahm zum vierten Mal in Folge mit dem FC Bayern München deutscher Meister und gewann damit seine insgesamt siebte Meisterschaft. Außerdem gewann er mit dem Pokalsieg gegen Borussia Dortmund zum sechsten Mal das Double.
mini|Lahm bei der Meisterfeier des FC Bayern 2016
Im Juni 2014 wurde die Laufzeit seines Vertrags bis 2018 verlängert.Lahm und Müller verlängern Verträge, fcbayern.de, abgerufen am 8. Februar 2017. Am 7. Februar 2017 kündigte er an, seine Spielerkarriere bereits zum Ende der Saison 2016/17 zu beenden.Kapitän Philipp Lahm kündigt Karriereende an. In: fcbayern.com, 8. Februar 2017, abgerufen am 8. Februar 2017. Am 18. April 2017 bestritt er im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid sein letztes internationales Spiel und am 26. April 2017 im Halbfinale gegen Borussia Dortmund sein letztes Spiel im DFB-Pokal. In der letzten Saison seiner Karriere gewann er mit Bayern München zum fünften Mal in Folge die deutsche Meisterschaft. Insgesamt konnte Lahm acht deutsche Meisterschaften gewinnen. Als Kapitän hat er genau wie Klaus Augenthaler fünf Meisterschaften gewonnen, allesamt hintereinander. Mit 112 Einsätzen in der Champions League hielt er den deutschen Rekord, bis er von Thomas Müller 2020 überboten wurde.
Nationalmannschaft Nach insgesamt 20 Länderspielen für diverse Nachwuchsmannschaften des DFB bestritt Philipp Lahm am 18. Februar 2004 in Split beim 2:1-Sieg über die Auswahlmannschaft Kroatiens sein erstes Länderspiel für die A-Nationalmannschaft. Sofort avancierte er zum Stammspieler auf der Position des linken Verteidigers und bestritt im Kalenderjahr 2004 15 von 16 möglichen Länderspielen, darunter auch alle drei Partien bei der Europameisterschaft in Portugal.
Aufgrund zweier schwerer Verletzungen absolvierte er im Jahr 2005 kein Spiel für die Nationalmannschaft und verpasste damit auch die Teilnahme am Konföderationen-Pokal 2005.
Nach 12 Monaten und 21 Tagen kehrte Lahm am 1. März 2006 bei der 1:4-Niederlage gegen die Auswahlmannschaft Italiens in die Nationalmannschaft zurück. Bei einem Testspiel der Nationalmannschaft am 16. Mai 2006 gegen den FSV 63 Luckenwalde (7:0) in Mannheim stürzte er unglücklich und zog sich dabei einen Teilabriss der Sehne und des Seitenbandes im linken Ellbogen zu. Er konnte dennoch an der Weltmeisterschaft teilnehmen, bei der er im Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 gegen die costa-ricanische Nationalmannschaft in der 6. Minute das erste Tor des Turniers erzielte. Des Weiteren wurde er in der Begegnung mit der Nationalmannschaft Polens am 14. Juni 2006 zum „Man of the Match“ (bester Spieler der Partie) gewählt und nach konstant starken Leistungen in das 23-köpfige WM-All-Star-Team berufen. Er ist der einzige deutsche Spieler, der alle WM-Spiele über 90 Minuten absolvierte.
mini|Lahm im Jahr 2006 Am 22. August 2007 übernahm er im Test-Länderspiel gegen die Auswahlmannschaft Englands, in dem er zuvor zum ersten Mal in seiner Profikarriere die „Sechser“-Position vor der Abwehr gespielt hatte, in den Schlussminuten nach der Auswechslung von Bernd Schneider erstmals in seiner Nationalmannschaftskarriere die Kapitänsbinde.