mini|hochkant|Wappen der Familienzweige derer von Wittken und von Wittke Wittke(n) ist der Name eines Adelsgeschlechts, das zum pommerischen Uradel zählt und im Gebiet von Lauenburg zum ersten Mal im Jahre 1240 Erwähnung findet. Die Stammgüter der Familie waren Reckendorf am Zarnowitzer SeeHeute: Brzyno, Gmina Krokowa, Powiat Pucki, Woiwodschaft Pommern sowie GoddentowHeute Godętowo, Gmina Łęczyce, Powiat Wejherowski, Woiwodschaft Pommern, JezowHeute: Jeżewo, Gmina Łęczyce, Powiat Wejherowski, Woiwodschaft Pommern und Prebendow bei Lauenburgheute: Przebędowo, Gmina Choczewo, Powiat Wejherowski, Woiwodschaft Pommern.

Die Witek, Witk, Wittke, Wittken sind ein weitverzweigtes Geschlecht pommerschen Uradels. Als ihre Heimat gilt das frühere Land Lauenburg an der Leba, das etwa das Gebiet des früheren Kreises Lauenburg in Pommern umfasste, unklar ist jedoch, ob die Familie ursprünglich aus Pommern oder aus Böhmen stammt, wobei für Letzteres der Name und einzelne Urkunden sprechen. Den ältesten urkundlich bestätigten Grundbesitz in Pommern erwarb das Geschlecht im Jahre 1284 durch den Verkauf der Güter Beczino, auch Bezino am Zarnowitzer See, und Godętowo (bis 1945 Goddentow an der Leba), von Seiten des Herzogs von Pommerellen, Mestwin II. an Bozey, den Sohn des Witko.Pommerellisches Urkundenbuch. Danzig 1882, Nr. 373.

Auftreten des Namens In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam für die Angehörigen dieses Geschlechts ein gemeinsamer Geschlechtsname in Gebrauch. Er lautete in der ostpommerschen Sprache Witek oder Witk. Die Form Witek findet sich urkundlich noch 1570. Der Übergang von Witek zu Witk erklärt sich aus der Eigentümlichkeit der Landessprache ek in k zusammenzuziehen.v. Flaust: Familiengeschichte der v. Brauneck. Berlin 1906, S. 14. Noch unter dem Deutschen Ritterorden (1310 bis 1466) verwandelte die deutsche Sprache Witek und Witk in Witke. In der Mundart des Herzogtums Pommern-Stettin (1466 bis 1637) wurde daraus Witken.

Die bisher bekannte älteste Urkunde, die den Geschlechtsnamen als solchen nachweist, war der im früheren Staatsarchiv Danzig aufbewahrte Brief des Danziger Komturs Walrabe von Scharfenberghe, gegeben izo Dancke nach der jarizal unseres Cryste im 1390 jare am drynxte tage im mitfasten, durch den er den Peter Wytke auf seinem Stamm- und Erbgut Boszynn (jetzt Brzyn) zum erblichen Schulzen einsetzt und seine Rechte bestimmt.

Die nächstfolgende, den Geschlechtsnamen einwandfrei feststellende Urkunde war der im früheren Staatsarchiv Stettin aufbewahrte Lehensbrief des Herzogs Barnim IX. von Pommern über die Stammgüter Gesow -Loffze (Jezow, Lowitz), gegeben zu Alten-Stettin Donnerstags nach Trinitatis anno 1553. Darin wird der Name Witken und auch Withken geschrieben. Wytke (1390) und Witken (1553) sind die noch jetzt bestehenden deutschen Namensformen Wittke und Wittken. Daneben blieb die landesübliche Form Witk bis in das 18. Jahrhundert hinein in Gebrauch und von der alteinheimischen Bevölkerung bevorzugt.Lauenburger Grodbuch 1721–1726. Witka, Witki und ähnliche Formen sind letztlich Wandlungen von Witk durch die polnische Sprache.

Unter solchen Umständen war die Namensschreibung im Laufe der Jahrhunderte vielgestaltig und dem Wechsel unterworfen. Es kommen im Namen vor: an 1. Stelle V und W; an 2. Stelle i, ia, y; an 3. Stelle t, d, dt, th, tt; an 4. Stelle c, g, k, ck,ch; an 5. Stelle o,a,i,y,,e,en, auch ow; zwischen 3 und 4 ist mitunter e,i oder z eingeschrieben; oft fällt 5, zuweilen 3, zuweilen auch 4 fort. Die Schreibweise in den älteren Schriftstücken lässt darauf schließen, dass früher das i des Namens gedehnt ausgesprochen wurde, ähnlich wie es im Namen Vitus geschieht.

Die Namen Witek oder Witk werden in der Namenforschung als slawische Koseform von Vitus (Veit; tschechisch Vít; polnisch Wit) angesehen. Andere haben an eine Beziehung des Namens zu dem polnischen Worte witka (Weidengerte) geglaubt. Auch an die Ableitung vom niederdeutschen witt (weiß´) ist gedacht worden. Aus dem Vorhergesagten geht hervor, dass sich tatsächlich entwickelt hat: Witken (die Witken) aus Witke, Witke aus Witk und Witck und Witk aus Witek. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts leiteten Namenforscher den Namen Witek aus dem Geschlecht der böhmischen Witigonen ab.Matthias Pangert: Archiv für Österreichische Geschichte. Wien 1873. S. 521.; Vgl. Heinrich Sperl: Die Heimat der Witigonen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 38. Jahrgang. Prag 1900. S. 397. Allerdings wurde bereits in dieser Zeit auch die Auffassung vertreten, dass die Namen Witko oder Witke pommerschen bzw. slawischen Ursprungs seien.Franz Schultz: Geschichte der Kreise Neustadt-Putzig. Danzig 1907, S. 74.; Vgl. Geschichte des Kreises Lauenburg. Lauenburg 1912, S. 85–87.

Jedenfalls war schon in früher Zeit, lange bevor die Geschlechtsnamen in Aufnahme kamen, Witek, Witigo, Witko ein christlicher Taufname. Als solcher wurde er auch bei dem in der Folge danach benannten deutsch-böhmischen Dynastengeschlecht der Witek (Witigonen, Witkonen usw.) gebraucht. In dieser Weise führt den von seinen Vorfahren übernommenen Namen auch der Danziger Pfalzgraf Witko (Vitico, Viteco), von dem er sich auf seinen Enkel Witko zu Brzyn nach damaligem Brauch ebenso vererbte. Als dann durch den Deutschen Ritterorden in Ostpommern die Geschlechtsnamen allgemein zur Einführung gelangten, wurde der althergebrachte, dem Geschlecht eigentümlich gewordene Taufname zum Geschlechtsnamen.Kreisgeschichte Lauenburg. S. 86–87. Neben dem Peter Wytke zu Brzyn 1390 trug ihn 1411–1413 auch schon ein franczke Witke, der als Söldnerführer des Deutschen Ritterordens einen Absagebrief an den Hochmeister Heinrich von Plauen mitunterschrieben hatte.

Inwieweit es sich bereits um den Geschlechtsnamen der Wittken handelt bei den um diese Zeit in den Danziger und Kopenhagener WachstafelnZeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins. Hefte 4, 11. Danzig 1881, 1884. genannten ostpommerschen Edelleuten: Wytke (Wedige) von Koscizkow 1396, 1398, 1401; Vitzk (Wytzke) von Damerow 1404 und 1409; Widike (Witiche) von Lissow 1398, Witiche von Lissow 1412; Vitzke von Pauskönitz 1406; Wiczke von Kossow 1413; Wittchen von Gluckow sowie Wycow von Guewo (um 1400); Vyzeke Bronurowiz von Bresen (etwa 1404) und Witke von Opparzikow (etwa 1410) kann fraglich erscheinen, wenn schon bei dem damaligen Stande der Schreibkunst angenommen werden darf, dass in den unter dem Deutschen Orden zumeist deutsch geführten Gerichtsverhandlungen überall der Name Witke gemeint ist; auch gehören die genannten Orte ohne Ausnahme zum Ausbreitungsbereich des Geschlechts der Wittken.

Die Beinamen Wie es üblich geworden war, den Einzelnamen durch Hinzufügen des Namens des Landbesitzes oder Wohnortes zu ergänzen, so trat in Ostpommern den adeligen Geschlechtsnamen, insoweit sie nicht schon aus einem Ortsnamen entstanden waren, in der Regel noch ein dem Landbesitz entlehnter Beiname hinzu. Für die Witk wurden als urkundlich bekannt folgende derartige Beinamen festgestellt: Borzyskowski, Chosnicki, Glinski, Jezewski, Niepoczolowski, Tempski, Czarnikowski, Poblockie.Wojciech von Ketrzynski: Pozydomki Szlachty Pomorskiej. Lemberg 1905. S. 17. Landesüblich erfolgte sodann, polnischem Brauch gemäß, die Benennung zumeist mit dem Vornamen und dem Besitzbeinamen unter Fortlassung des Stammnamens.Emilian von Żernicki-Szeliga: Die polnischen Stammwappen. Hamburg 1904. S. 125. Dadurch erklärt es sich, wenn um 1400 in den Kopenhagener Wachstafeln erscheinen: der her Bartke und Posibke von Jesow; 1430 im Danziger Komtureibuch die Bartke und Lorenz von Jesow (Vater und Sohn); 1590 vor dem Lauenburger Gericht Greger Witken nur als Greger von Gesow; 1605 bei den Verhandlungen im Lowitzer Erbstreit die Vettern Jürgen und Christoph Witken fast ausschließlich unter der Bezeichnung die Gesowen.

Bei vielen Familien trat im Laufe der Zeit der Besitzbeiname derart in den Vordergrund, dass er zum eigentlichen Familiennamen wurde, während der alte Stammname außer Gebrauch, bei manchen sogar in Vergessenheit kam, eine Wandlung, die wesentlich begünstigt wurde durch die polnische Geistlichkeit, die in zielbewusster Polonisierung aus den Kirchenbüchern des alten Pomerellen nach und nach die deutschen Stammesnamen immer mehr verschwinden ließ, so dass allein die polnischen Besitzbeinamen in Geltung blieben.Königl. Preuß. Heroldsamt 26. Juli 1904, Nr. 3474 I. So erscheinen z. B. in dem Luteniziner Kirchenbuch die Witk-Jezewski fast ausschließlich nur als Jezewski, was den Geschichtsforscher Anton von Mach veranlasste, in dem Kirchenbuch-Auszuge hinzuzufügen Jezewski sind die Wittken.Herold 1885 S. 432. Trotzdem ist bei den Wittken mit bemerkenswerter Häufigkeit an dem Stammnamen festgehalten worden. Insbesondere hat bei den Wittken auf Jezow, obwohl sie das Gut schon seit früher Zeit nur für sich allein und nicht gemeinsam mit anderen Geschlechtern besaßen und der davon abgeleitete Name somit nur ihnen zustand, der viel für sich allein gebrauchte Beiname Jezewski den alten Stammnamen Witk doch niemals ganz zurückzudrängen vermocht. Andererseits hat sich der Beiname Jezewski bei einem schon vor 1600 von Jezow nach Polen abgewanderten Geschlechtszweig sowohl im Doppelnamen als auch als Alleinname erhalten.

Die Wittken der Linie Jezow A führten neben dem Stammnamen an dessen Stellen zuweilen auch den Namen Flotken. So ist 1594 und um 1600 Baltzer Witken mehrfach als Baltzer Flotke genannt. 1578 erscheint sein Bruder Fabian Witken, Burggraf zu Putzig, bald als Fabian Jezewski, bald als Fabian Flotke. Später wandelte sich Flotke in Wlock (Wlodeck) und Wlothke sowie Wlottken. 1721 heißt es im Lauenburger Grodbuch: Michael Witke – alias Wlodk-Jezewski; 1735 im Dzinzelitzer Kirchenbuch: Michael Wlotke; 1740 ebenda: Frau Barbara von Wlottken. Gegen 1750 verschwindet der Nebenname. Später gelangte bei der Linie Jezow A lediglich die Namensform v. Wittke zur Anwendung. Die bedingungslose Zugehörigkeit der Flotken-Linie zum Wittken-Geschlecht ist dabei niemals fraglich gewesen, zumal ihr Wappen mit dem der anderen auf Jezow-Lowitz angesessenen Geschlechtsvettern noch 1616 völlig das Gleiche war.

Name und Wappen nach 1553 Die Lehensbriefe nach 1553 schreiben: 1675 Witken, 1601 Witken, 1605 und 1608 Witken, 1618 Viethken, 1621 Vitcken. In einem königlich polnischen „regestrum contributionum regiarum“ ist 1570 die Namensform noch Witek. 1590–1622 findet sich in den deutsch niedergeschriebenen Verhandlungen des Lauenburger Grodgerichts und des Stargarder Hofgerichts über den Lowitzer Erbstreit der Name, zumeist Witke und Witken geschrieben, auch mit tt; wiederholt ist er ersetzt durch die Benennung von Gesow und die Gesowe; 1616 zeigen die drei, zwei Gerichtsvollmachten beigedruckten, fast genau gleichen Wappen-Stempel des Peter, Christopher und Jeremias Witken im deutschen Schilde (ohne Helm) drei von einem gemeinsam entwurzelten Stängel an kurzen Stielen nach rechts und links sich abzweigende Blätter oder Blumen von Herzform, wie sie den Kelchblättern der Heckenrose, meist auch den Einzelblättern des Klees eigentümlich ist. Diese Stempelabdrücke geben bisher, da die nach dem Danziger Komtureibuch dem Vertrag von 1430 durch Bartke und Lorencz von Gesow angehängten Siegel nicht erhalten geblieben sind, die älteste Kunde vom Wappen der Wittken auf Jezow.