Tarjei Bø (* 29. Juli 1988 in Stryn) ist ein ehemaliger norwegischer Biathlet. Bø gewann schon im Juniorenbereich mehrere internationale Medaillen und startete 2009 erstmals bei einem Weltcuprennen. In der Saison 2010/11 wurde er als bis heute jüngster Mann Weltcupgesamtsieger und stieg somit schnell in die Weltspitze auf. Mit dem Olympiasieg mit der Staffel 2010 und seinen ersten drei Weltmeistertiteln im Jahr darauf festigte er seinen Platz in der norwegischen Weltcupmannschaft und gehörte dieser bis zu seinem Karriereende fast ununterbrochen an. Im Laufe seiner Karriere wurde Bø zwölfmal Weltmeister sowie dreimal Olympiasieger und entschied – eingerechnet der Staffelwettkämpfe – 56 Weltcuprennen für sich. Außerdem ist er einer von wenigen Biathleten, denen es gelang, jeden Disziplinenweltcup mindestens einmal zu gewinnen.

Werdegang Tarjei Bø aus Stryn gehört dem Markane IL an, wo er zu Beginn von Kjetil Sæter trainiert wurde. Seit einigen Jahren lebt und trainiert er in Lillehammer. Er ist der ältere Bruder des in derselben Sportart aktiven Johannes Thingnes Bø, der in seiner Karriere fünfmal den Biathlon-Gesamtweltcup gewinnen konnte. Im Juli 2024 heiratete Bø seine langjährige Freundin Gita Simonsen. Mit ihr hat er einen Sohn (* 2022) und eine Tochter (* 2025).

Erste Erfolge Sein internationales Debüt gab Bø im Rahmen der Jugendweltmeisterschaften 2006 in Presque Isle im US-Bundesstaat Maine und gewann auf Anhieb den Titel im Einzel. Zudem wurde er in der Verfolgung Zweiter und verpasste im Sprint und im Staffelrennen als Vierter nur knapp eine Medaille. Im Dezember 2006 gab er seinen Einstand im Europacup und belegte in Obertilliach Rang 48 im Sprint. 2007 gewann der Norweger bei den Jugendweltmeisterschaften in Martell zwei weitere Medaillen: Im Einzel als Vierter und im Sprint als Fünftplatzierter verpasste er die Podestränge knapp, im Verfolgungsrennen wurde er hinter dem Deutschen Florian Graf Zweiter, ebenso mit Espen Årvaag und Magnus L’Abée-Lund im Staffelrennen. Schon in seinem jungen Alter musste Bø einige Rückschläge verkraften. Nach der Saison 2006/07 wurde er krank und konnte über Monate kaum trainieren, sodass er nicht für die Juniorenweltmeisterschaften 2008 nominiert wurde. Umso überraschender kam daher der fünfte Rang bei den norwegischen Meisterschaften der Senioren, obwohl er sich vorher den rechten Arm ausgekugelt hatte. Im Frühjahr 2008 ließ sich Bø die Mandeln entfernen. Es traten aber langwierige Blutungen auf, die erst im Herbst endgültig gestoppt werden konnten.

Seine ersten internationalen Rennen nach der gesundheitsbedingten Pause bestritt Bø bei den Juniorenweltmeisterschaften 2009 in Canmore und gewann in Sprint und im Verfolgungsrennen die Bronzemedaille. Noch erfolgreicher verliefen die Europameisterschaften in Ufa: In Einzel, Sprint und Verfolgung trat er in den Juniorenwettkämpfen an und konnte diese, teils mit enormem Vorsprung, alle für sich entscheiden. Für das Staffelrennen wurde er in die norwegische Herrenmannschaft berufen und gewann an der Seite von Dag Erik Kokkin, Henrik L’Abée-Lund und Rune Brattsveen ebenfalls den Titel. Als Lohn für seine guten Leistungen wurde der 20-Jährige für das Saisonfinale des Weltcups in Chanty-Mansijsk berufen. Er startete im Sprint und verpasste als 61. um einen Platz das Verfolgungsrennen. Eine Woche nach seinem ersten Weltcupstart bewies Bø nochmals seine Form, als er im Einzelrennen norwegischer Meister wurde und dabei den Gesamtweltcupdritten der Jahre 2008 und 2009, Emil Hegle Svendsen, auf den zweiten Platz verwies. Im Verfolgungsrennen wurde er Vizemeister und konnte dabei unter anderem Ole Einar Bjørndalen hinter sich lassen.

mini|links|Bø beim Weltcup in Oslo im März 2010 Etablierung und Gesamtsieg im Weltcup (Saisons 2009/10 und 2010/11) Stark startete Bø in den Winter 2009/10, indem er zunächst im IBU-Cup eingesetzt wurde und auf dieser Ebene in Ridnaun einen Podestplatz erzielte. Auf der Pokljuka-Hochebene in Slowenien gewann er daraufhin im Dezember als 37. des Einzels erstmals Weltcuppunkte. Beim folgenden Sprint erreichte er mit dem vierten Rang seine erste Top-Ten-Platzierung und verpasste nur um 0,3 Sekunden den Sprung aufs Podest. Nach dem Jahreswechsel sicherte er sich mit Halvard Hanevold, Emil Hegle Svendsen und Ole Einar Bjørndalen erstmals einen Staffelsieg im Weltcup. Nach den frühen Erfolgen in der Saison 2009/10 stand Bø schon früh als Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver fest. Bei den Spielen lief Bø das Einzel, in dem er 20. wurde. Außerdem bildete er mit Hanevold, Svendsen und Bjørndalen erneut die norwegische Staffel, die deutlich vor der österreichischen Mannschaft den Olympiasieg errang.

Zu Beginn der Saison 2010/11 bestätigte Bø mit zwei vierten Rängen und einem fünften Platz in Östersund seine Form und feierte schließlich eine Woche später im Sprintrennen von Hochfilzen seinen ersten Weltcupsieg. Im darauf folgenden Verfolgungsrennen gewann er ebenfalls. Nachdem er nach Weihnachten gesundheitliche Probleme gehabt hatte, kehrte er in Oberhof eindrucksvoll in den Weltcup zurück. So gewann er den Sprint und den Massenstart und übernahm zwischenzeitlich die Führung im Gesamtweltcup. Zum Auftakt der Weltmeisterschaften 2011 siegte der Norweger an der Seite von Tora Berger, Ann Kristin Flatland und Ole Einar Bjørndalen mit der Mixedstaffel. Dabei übernahm er als Schlussläufer auf Platz zwei liegend, brachte seine Mannschaft nach dem ersten Schießen in Führung und baute den Vorsprung bis ins Ziel auf 22 Sekunden gegenüber dem Deutschen Michael Greis aus. Im Sprintrennen konnte er wie im darauf basierenden Verfolgungsrennen den dritten Platz erreichen, was mit dem Gewinn der Bronzemedaille einherging. Im Einzelrennen ergatterte der 22-Jährige schließlich auch seine erste Einzelgoldmedaille. Da er (gemeinsam mit Bjørndalen, Alexander Os und Emil Hegle Svendsen) auch mit der Männerstaffel Gold gewann, war Bø erfolgreichster Teilnehmer seiner ersten Weltmeisterschaften bei den Erwachsenen. Da die WM gleichzeitig das Saisonende dargestellt hatte und Bø mit seinen guten Ergebnissen viele Ranglistenpunkte hatte einfahren können, konnte er seinen Vorsprung auf Svendsen behaupten und erstmals den Gesamtweltcup gewinnen. Damit wurde er zum jüngsten männlichen Gesamtweltcupsieger der Biathlongeschichte. Am 8. Januar 2011 wurde er daraufhin auf der norwegischen Sportsgala als Newcomer des Jahres ausgezeichnet.Hushovd tok storeslem under Idrettsgallaen (norwegisch, abgerufen am 9. Januar 2011)

Krankheit und Rückkehr in die Weltspitze (Saisons 2011/12 und 2012/13) In der darauf folgenden Weltcupsaison konnte Bø nach einem Sprintsieg in Hochfilzen erneut das gelbe Trikot des Gesamtweltcupführenden übernehmen, musste dies aber aufgrund längerer Krankheitsphasen und darauf folgenden mittelmäßigen Ergebnissen wieder abgeben. Auch bei den Weltmeisterschaften konnte der Norweger seine Erfolge aus der vergangenen Saison nicht wiederholen. Er gewann jedoch mit der Männerstaffel seinen vierten WM-Titel.

In der Saison 2012/13 konnte Bø nach zunächst erneuten gesundheitlichen Problemen erst ab Januar am Weltcup teilnehmen. Bö: Keine Weltcuprennen 2012 Sport1.de, 1. November 2012, abgerufen am 5. Januar 2013 Seine ersten Wettkämpfe der Saison bestritt er in Oberhof und wurde 24. im Sprint und 21. in der anschließenden Verfolgung. Mit seinem sechsten Platz im Sprintrennen von Ruhpolding qualifizierte Bø sich schließlich für die Weltmeisterschaften 2013 in Nové Město na Moravě. Den Weltcup in Antholz ließ er daraufhin aus, um sich gezielt auf die WM vorbereiten zu können. Bei den Weltmeisterschaften wurde Bø im ersten Wettbewerb, der Mixedstaffel, zusammen mit Tora Berger, Synnøve Solemdal und seinem Freund Svendsen erneut Weltmeister. Weiterhin gewann er in der Herrenstaffel in der Besetzung Bjørndalen, Henrik L’Abée-Lund, Bø und Svendsen seinen nächsten WM-Titel. Im letzten Rennen der WM, dem Massenstart, meldete sich Bø schließlich endgültig in der Weltspitze zurück, da er mit einem fehlerfreien Schießen seine dritte Goldmedaille bei diesen Weltmeisterschaften gewann, dabei am Schießstand fehlerfrei blieb und Anton Schipulin um 3,7 Sekunden distanzierte. Damit wurde er hinter seinen Landsleuten Berger und Svendsen zum dritterfolgreichsten Athleten. Beim darauf folgenden Weltcup in Oslo konnte Bø abermals seine gute Form unterstreichen, so gewann er am Holmenkollen das Sprintrennen und belegte im anschließenden Verfolger Rang zwei. Er beendete die Saison auf Rang 15 im Gesamtweltcup.

Olympiapleite in Sotschi (Saison 2013/14) Auch die Weltcupsaison 2013/14 verlief nicht wunschgemäß. Nachdem er sich bereits früh in der Saison für die Olympischen Spiele qualifiziert hatte, verpasste Bø wieder krankheitsbedingt einige Weltcuprennen. Auch bei den Wettkämpfen in Sotschi, dem diesjährigen Saisonhöhepunkt, gelang ihm kein gutes Ergebnis. Einem 38. Platz im Sprint folgte ein 26. Rang in der daran anknüpfenden Verfolgung. Auch im Einzel kam er nicht über Platz 26 hinaus. Da er in der erstmals bei diesen Spielen ausgetragenen Mixedstaffel, die in der Besetzung Berger, Tiril Eckhoff, Svendsen und Bjørndalen Gold gewann, nicht zum Einsatz kam und auch eine Wiederholung des Olympiasiegs in der Staffel von 2010 aufgrund eines Patzers im letzten Schießen durch Svendsen misslang, beendete er diese Saison ohne eine Medaille bei Großereignissen. Es war damit seine erste Saison seit 2009/10, die er ohne Edelmetall beim Saisonhöhepunkt beendete. Im Gesamtweltcup belegte er abschließend Rang 29.

Medaillensammler in Kontiolahti (Saison 2014/15) Zu Beginn der Weltcupsaison 2014/15 knüpfte Bø zunächst an die eher durchschnittliche letzte Saison an. Nach teilweise mittelmäßigen Ergebnissen, aber einer abermals frühzeitigen Qualifikation für die diesjährigen Weltmeisterschaften im finnischen Kontiolahti, verpasste er krankheitsbedingt alle Rennen in Oberhof und Ruhpolding. Auch die Rennen vor heimischer Kulisse am Holmenkollen musste er durch eine erneute Krankheit absagen. Er zählte bei den nun folgenden Weltmeisterschaften nicht zum Favoritenkreis. Gleich im ersten Rennen dieser WM, der Mixedstaffel, gewann er zusammen mit seinem Bruder Johannes sowie Fanny Horn und Tiril Eckhoff die Bronzemedaille. Im 10-km-Sprint, in dem Johannes Weltmeister wurde, schaffte Tarjei als Dritter abermals den Sprung aufs Podest. Es stand somit zum ersten Mal überhaupt bei Biathlon-Weltmeisterschaften ein Brüderpaar gemeinsam auf dem Siegerpodest. Während Johannes in der darauf folgenden Verfolgung durch zu viele Schießfehler aussichtslos aus den Medaillenrängen zurückfiel, erlief Tarjei im dritten Rennen der WM die dritte Bronzemedaille; auch gewannen die Brüder zusammen mit Ole Einar Bjørndalen und Emil Hegle Svendsen hinter Deutschland Silber im Staffelwettkampf. Im Massenstart trat Bø als Titelverteidiger an und gewann, abermals nach einem Schießfehler, die nunmehr vierte Bronzemedaille dieser Weltmeisterschaften. Damit gewann Bø in fünf von sechs Rennen eine Medaille, womit er erneut der erfolgreichste Athlet der Meisterschaften wurde. Im Gesamtweltcup belegte er als viertbester Norweger Rang 19.

mini|links|Bø während des Verfolgungsrennens in Oberhof im Januar 2014 Heimweltmeisterschaften (Saison 2015/16)