Niederlößnitz ist heute ein Stadtteil der Stadt Radebeul im Landkreis Meißen in Sachsen. Er liegt nördlich der Meißner Straße zwischen Naundorf/Zitzschewig im Westen und Oberlößnitz/Wahnsdorf im Osten, von letzteren durch den Lößnitzgrund getrennt, durch den der schmalspurige Lößnitzdackel fährt. Im Süden liegt Kötzschenbroda und im Norden Kötzschenbroda Oberort. Niederlößnitz ist heute hauptsächlich durch den Weinbau der beiden Einzellagen Radebeuler Steinrücken und Radebeuler Johannisberg innerhalb der Großlage Lößnitz sowie die Villen-Bebauung im Anschluss an die Reblauskatastrophe ab den 1880er Jahren geprägt. Aufgrund dieser Bebauung sind Nieder- wie auch Oberlößnitz heute beliebte Villenvororte der Landeshauptstadt Dresden.

Die Niederlößnitz wurde 1839 hauptsächlich aus Kötzschenbrodaer Weinbergsflur ausgegründet und war bis zur erneuten Vereinigung mit Kötzschenbroda im Jahr 1923 eine eigenständige Landgemeinde, eine der Lößnitzortschaften. Ab 1923 bildete Niederlößnitz zusammen mit Kötzschenbroda mit Fürstenhain, Naundorf und Zitzschewig die Großgemeinde Kötzschenbroda (heute Radebeul-West), die 1924 die Stadtrechte erhielt. Mit der Vereinigung von Radebeul und Kötzschenbroda im Jahr 1935 wurde Niederlößnitz Stadtteil des die gesamte Landschaft Lößnitz umfassenden Radebeul.

Ebenso wie das im selben Jahr 1839 gegründete Oberlößnitz hat Niederlößnitz keinen Dorfkern, anders als die anderen acht zu Radebeul gehörenden Stadtteile. Die Gemarkung Niederlößnitz hatte im Jahr 1900 eine Größe von 259 Hektar, etwa 10 % des gesamten heutigen Stadtgebiets. Heute bildet Niederlößnitz zusammen mit Kötzschenbroda, Fürstenhain sowie Kötzschenbroda-Oberort eine gemeinsame Gemarkung.

Geschichte mini|Park von Schloss Wackerbarth mit dem Belvedere, im Hintergrund oberhalb der Weinberge der Jacobstein (Foto: Tourismusverband Sächsisches Elbland, Holger Stein Fotografie, Dresden, 2006) mini|Niederlößnitz auf einer Karte von 1896

Urkundlich erwähnt wurde die Flur als „Kötzschbergisches Weingebirge“ um 1271, bis in das 17. Jahrhundert fand hier hauptsächlich Weinbau statt. Der bereits 1286 erwähnte, zum Haus Reinhardtsberg gehörende, Weinberg Lezenitzberg gab der Lößnitz ihren Namen. Zu den vorher auf der Weinbergsflur nur vereinzelt stehenden Presshäusern kamen ab dem 16. Jahrhundert vermehrt Weingüter hinzu, die als Herren- oder Eigentümerberge kommunal nicht von Kötzschenbroda verwaltet wurden, sondern amtsunmittelbar (Amt Dresden) waren. Um 1600 standen an der Hausgaß (heute Winzerstraße) 21 Gebäude.

Die Güter bestanden aus Winzerhaus mit Nebengebäuden, im Winzerhaus stand oft die Weinpresse und in den größeren gab es auch noch Räumlichkeiten für den auswärtigen Weinbergsbesitzer. Der Lößnitzbaustil bestand in massivem Bruchstein-Erdgeschoss, Fachwerk-Obergeschoss mit offenem Gang davor und einem hohen Walmdach, seltener einem Satteldach.

Vereinzelt entstanden schon im Barock Weinbergs-Herrenhäuser, so 1652 der Grundhof und 1675 das Haus Fliegenwedel. Während und nach der Regierungszeit Augusts des Starken wurden vermehrt Landhäuser in der Niederlößnitz gebaut, so beispielsweise 1713 das Minckwitzsche Herrenhaus auf dem Minckwitzschen Weinberg, ab 1727 Wackerbarths Ruh’, 1743 Altfriedstein und 1771 Neufriedstein mit seinem Berghaus (Mätressenschlösschen). mini|links|Volkssternwarte „Adolph Diesterweg“ Radebeul, davor der Jacobstein mini|Katholische Kirche der Christkönig-Gemeinde, Architekten: Behnisch & Partner

1832 gründeten 75 Weinbauern, die sich auf der Flur Kötzschenbroda nördlich der Meißner Straße verstreut niedergelassen hatten, jedoch von der Gemeinde Kötzschenbroda nicht als ihre Einwohner angesehen wurden, den Niederlößnitzer Weinbergverein. Aufgrund der Änderungen der Sächsischen Landgemeindeordnung von 1838 bildete sich 1839 durch förmliche Abtrennung von Kötzschenbroda die Gemeinde Nieder-Lössnitz mit damals 400 Einwohnern, die Sitzung fand im Gasthof „Zur Weintraube“ statt. Die Gemeinde lag zwischen Kötzschenbroda im Süden und Kötzschenbroda Oberort im Norden. Dabei waren auch die drei Weingutsflächen Neufriedstein, Fliegenwedel und Wackerbarths Ruh’, die ursprünglich auf der Naundorfer Weinbergsflur lagen.

1863 erfolgte in der Niederlößnitz durch die Diakonissenanstalt Dresden die Eröffnung der Diakonissenanstalt Bethesda (heute Elblandklinikum Radebeul), und im Folgejahr wurde das Magdalenenasyl „Talitha kumi“ auf dem Nachbargrundstück eingerichtet (heute Hedwig-Fröhlich-Haus). Die 1867 in Oberlößnitz gegründete Baufirma „Gebrüder Ziller“ errichtete in der Niederlößnitz von 1868 bis 1871 das Mohrenhaus und 1870/1871 die Friedensburg. Auch erwarb sie hier, ähnlich wie die Dresdner Architekten Schilling & Graebner, ganze Quartiere, erschloss diese in Form des Villenkoloniekonzepts und baute viele heute unter Denkmalschutz stehende, das Stadtbild prägende Häuser. 1895 wurde das Rathaus der Gemeinde am Königsplatz (heute Rosa-Luxemburg-Platz 1) eingeweiht. Die zu dieser Zeit für Niederlößnitz geltende Ortsbildsatzung untersagte, im Gegensatz zu Oberlößnitz, die Ansiedlung von Gewerbe. So blieb die Sektkellerei Bussard eine der wenigen Ausnahmen in den entstehenden Landhausquartieren.

Die seit 1865 herausgegebene Kötzschenbrodaer Zeitung diente ab 1876 auch als Amtsblatt in Niederlößnitz.

Ab 1912 erhob die Gemeinde, ebenso wie einige andere sächsische Gemeinden, aus Bestrebungen des Vogelschutzes eine Katzensteuer von 3 Mark (nach heutigem Wert (2018): 20 Euro) für die erste, 6 Mark für jede weitere Katze.

Während des Ersten Weltkriegs hielten sich französische Kriegsgefangene in der Lößnitz auf. 1916 bauten sie den markant auf der Elbhangkante stehenden Wasserturm.

Am 1. Oktober 1923 endete die 84-jährige Selbstständigkeit des Ortes. Zu diesem Zeitpunkt hatte er etwa 5000 Einwohner. Niederlößnitz wurde wieder nach Kötzschenbroda eingemeindet und wurde 1935 zusammen mit Kötzschenbroda Teil des neu geschaffenen Stadtkreises Radebeul.

Am 2. Mai 1959 wurde die Volkssternwarte „Adolph Diesterweg“ oben auf der Elbhangkante eingeweiht, am 3. Oktober 1969 erhielt sie ein neues Planetarium.

mini|Siegel von Niederlößnitz Entwicklung der Einwohnerzahlen Die Einwohnerentwicklung begann bei Gründung der Gemeinde im Jahr 1839 bei etwa 600 Bewohnern der über die Weinbergsflächen verstreuten, im Allgemeinen als Singuli vom Amt Dresden direkt verwalteten Gütern. Mit der Gründerzeit und vor allem der Entwicklung der aufgelassenen Rebflächen zu Villenquartieren vervielfältigten sich die Einwohnerzahlen wegen der Beliebtheit der Wohngegend. Bei der Vereinigung mit Kötzschenbroda wohnten mehr als 5.000 Einwohner in Niederlößnitz.

Jahr18321839184918711890191019191923 Einwohner358ca. 6006531.1932.9204.7504.964ca. 5.200

Gemeindevorstände, Gemeindeälteste und Gemeinderatsmitglieder mini|Ehemaliges Rathaus von Niederlößnitz In über 80 Jahren waren lediglich sechs Gemeindevorstände für Niederlößnitz tätig. Der letzte, Oswald Hans, war anschließend noch weitere sechs Jahre im Amt, dann als Gemeindevorstand/Bürgermeister für die vereinte Stadt Kötzschenbroda. Zum 25. Dienstjubiläum erhielt Hans 1929 die Ehrenbürgerwürde von Kötzschenbroda.

1839–1845: Heinrich August Hilliger 1846–1867: Otto Heinrich Schenk (1798–1867) 1867–1869: Wilhelm Häbold 1869–1892: Christian Friedrich Petz (1819–1904) 1893–1903: Max Justus Heinrich Herz (1858–1903) 1904–1923(–1929): Oswald Hans (1866–1946)

Bereits 1839 bei der Gründung der Landgemeinde Niederlößnitz wurde Johann Friedrich Anton Dehne mit absoluter Stimmenmehrheit zum Ersten Gemeindeältesten gewählt.

Im Jahr 1892 gehörte der Baumeister Adolf Neumann dem Gemeinderat an, als dieser den Bau eines Rathauses beantragte, der im Anschluss an die Genehmigung auch durch Neumann realisiert wurde.

Im Jahr 1896 zog Alfred Naumann nach Niederlößnitz um, wo er noch im gleichen Jahr Mitglied des Gemeinderats wurde, dem er bis zu seinem Tod 1917 angehörte, zum Schluss als Erster Gemeindeältester. Als Vorsitzender des Bauausschusses erwarb er sich zahlreiche Verdienste um die lokale Ortsbauordnung, die der Niederlößnitz den Charakter der Villenbebauung bewahrte.

Kulturdenkmale

mini|links|Friedensburg mit Trockenmauersanierung (2008), vor anschließender Neuaufrebung im Steinrücken mini|Mätressenschlösschen mit aufgerebtem Vorland (2010) mini|Haus Lotter, wohl ältestes erhaltenes Winzerhaus der Lößnitz Prägend für den Stadtteil ist das Landschaftsschutzgebiet, das mit seinen trockengesetzten Weinbergsmauern 1999 insgesamt als Historische Weinberglandschaft RadebeulBegründung gemäß § 21 Abs. 3 Sächsisches Denkmalschutzgesetz zur Satzung für das Denkmalschutzgebiet „Historische Weinberglandschaft Radebeul“ auch unter Gebietsdenkmalschutz gestellt wurde. Dieses zieht sich von Oberlößnitz im Osten über Niederlößnitz und Naundorf bis hin nach Zitzschewig.

Als denkmalpflegerische Sachgesamtheit findet sich in Niederlößnitz Schloss Wackerbarth mit den Weinbergen hoch bis über den Jacobstein hinaus, die dort nahtlos übergeht in die Sachgesamtheit der Weinbergsflächen von Neufriedstein. Eine weitere solch großflächige Sachgesamtheit bildet das Weingutsanwesen des Minckwitzschen Weinbergs mit seinen Gebäuden und dem Park. Als kleinere Gesamtheiten gelten die Siedlung der Baugenossenschaft Kötzschenbroda aus den 1920er Jahren sowie die Gröba-Siedlung, eine „Beamten-Wohnhausgruppe“ des Elektrizitätsverbands Gröba, entworfen von dem Architekten Alfred Tischer Mitte der 1920er Jahre. Das neue Verwaltungsgebäude des Elektrizitätsverbands Gröba baute der Architekt Otto Rometsch 1925 im Körnerweg 5.

Das Anwesen von Schloss Wackerbarth einschließlich des anliegenden Weinbergs Fliegenwedel zählt genauso wie das Weingutsanwesen des Minckwitzschen Weinbergs als Werk der Landschafts- und Gartengestaltung. Als solche zählen auch die großen Gärten der selbst auch denkmalgeschützten Villa Hildebrandt in der Borstraße 27, des Landhauses in der Winzerstraße 35 sowie des Frenzelschen Hauses in der Karlstraße 8.

Mehrere Anwesen in Niederlößnitz sind zusätzlich bei den denkmalpflegerischen Nebenanlagen aufgeführt. Es sind dies der Grundhof wie auch das ehemals dazugehörende Anwesen Paradiesstraße 56. Ferner finden sich hierunter die beiden Siedlungshäuser östlich des Rosa-Luxemburg-Platzes, unter anderem mit den Adressen Rosa-Luxemburg-Platz 2/3. Weiter im Westen steht das Anwesen Villa Bernhard Große in der Heinrich-Heine-Straße 10 und ein Stück nördlich davon das Anwesen Villa Ernst Louis Kempe in der Bodelschwinghstraße 8. Auch der Außenbereich des denkmalgeschützten Mohrenhauses fällt unter diese Kategorie, das Gelände erstreckt sich von der Moritzburger Straße bis weit nach Westen, inmitten des Waldes steht noch eine künstliche Ruine.

mini|links|Gärtnerhaus der Goldschmidtvilla im typischen Schweizerstil mini|Haus Gotendorf, Details der Neorenaissance-Villa Hinzu kommen die auf der Kante des Elbhangs, den Lößnitzhöhen, stehenden Denkmäler wie der Jacobstein, das Mätressenschlösschen, die Friedensburg und das Minckwitzsche Weinberghaus, die wie Wahrzeichen des Stadtteils weithin sichtbar sind. Von diesen aus haben Einwohner und Besucher einen weiten Ausblick zur Elbe und in das Hinterland. Von oben besonders gut zu sehen sind die Weinbergsflächen, aber auch große Einzeldenkmäler wie das am westlichen Rand von Niederlößnitz gelegene Wackerbarths Ruh’, heute als Schloss Wackerbarth Sitz des Sächsischen Staatsweinguts. Gleich daneben steht das barocke Haus Fliegenwedel, etwas weiter im Osten Neufriedstein und Altfriedstein.